20.10.2020

Gestalten

Exklusiver Trend auf dem Friedhof

von Anne Fischer
Naturstein Wolf verantwortete die Natursteinarbeiten. Foto: Naturstein Wolf
Naturstein Wolf verantwortete die Natursteinarbeiten. Foto: Naturstein Wolf

Seit einigen Jahren lebt in der Nische eine besondere Form der Bestattung wieder auf: das Mausoleum. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg finden sich sowohl neu errichtete – ein besonderer Auftrag für den Steinmetz, wie Stefan Wolf berichtet – als auch historische, die über Patenschaften zu neuem Glanz gelangen.

Sie waren lange Zeit in Vergessenheit geraten, die Mausoleen. Und das nicht zum ersten Mal: Im 18. Jahrhundert schwappte der Trend dieser monumentalen Bestattungshäuser aus England nach Deutschland und wurde vom Adel geneigt aufgenommen. Die erste Renaissance erlebten Mausoleen dann in der Gründerzeit, in der sie für das gut betuchte Großbürgertum kaum aufwendig genug angelegt werden konnten. Einflussreiche Familien
ließen sie nun aber meist auf öffentlichen Friedhöfen statt in Privatparks errichten, denn es galt, auch nach dem Tod Reichtum, Einfluss und Ansehen zu demonstrieren.

In diese Zeit fällt zum Beispiel die Errichtung des Mausoleums für Baron und Kaufmann Johann Heinrich von Schröder in Hamburg: 1906 wurde das von Architekt Edmund Gevert entworfene Mausoleum aus Mainsandstein errichtet, damals noch auf den später aufgelösten Dammtorfriedhöfen in Hamburg. Ein nahezu identischer Nachbau entstand später auf dem Friedhof Ohlsdorf – das beeindruckende Mausoleum ist mit einer Grundfläche von mehr als 200 Quadratmetern noch immer das größte im Norden Europas. An dessen Sanierung verhob sich leider ein Hamburger Immobilienkaufmann, das Mausoleum wittert vor sich hin. Anders als einige andere, denn die Friedhofsverwaltung bemüht sich, ungenutzte historische Mausoleen an Grabmalpaten zu vergeben. Auf dem größten Parkfriedhof der Welt erfolgte der letzte historische Mausoleumsbau 1929.

Heute, rund 90 Jahre später, finden sich insgesamt 25 Mausoleen auf dem 389 Hektar großen Gelände, zehn von ihnen wurden ab 2005 errichtet. In der Tat, so sagt es Friedhofssprecher Lutz Rehkopf, gibt es eine Rückbesinnung auf diese Grabmalform, wenn sie auch „wegen der Baukosten eine exklusive Angelegenheit bleiben wird“. Die Friedhofsverwaltung überlässt Mausoleumsbauten aufgrund der aufwendigen Rahmenbedingungen und der spezifischen Hygienevorschriften (wie etwa längere Ruhezeiten aufgrund des längeren Verwesungsprozesses) nicht für die üblichen 25 Jahre, sondern schon bei der Erstüberlassung für 50, 75 oder 100 Jahre. Sie erteilt auch die nötige Baugenehmigung für solche „architektonischen Grabanlagen“. Die statischen Prüfungen, so Rehkopf, werden in Ohlsdorf teils vom technischer Leiter vorgenommen, teils an Bauprüfer weitergegeben.

Viele Gestaltungsvorgaben sind laut Friedhofsverwaltung nicht nötig, weil „die beauftragten Architektinnen und Architekten sich intensiv mit der Materie auseinandersetzen und entsprechend hochwertige Entwürfe vorlegen“. Allerdings achtet man auf besonders hochwertige Materialien, um eine möglichst lange Lebensdauer des Baus zu gewährleisten. Wer sich für ein Mausoleum entscheidet, muss außerdem besondere Maßnahmen einplanen, um das ungeheizte Gebäude vor Feuchtigkeit zu schützen.

Hinzu kommen weitere Besonderheiten – von denen etwa Stefan Wolf von Natursteinwolf berichten kann. Er bekommt zwar selten, aber doch regelmäßig Mausoleums-Anfragen: „Rund alle zwei Jahre kommt das vor. Beim letzten Mausoleum, an dem wir 2017 mitgearbeitet haben, kam der Architekt auf uns zu. Mit ihm kooperieren wir nun auch für das nächste, das aktuell in der Planungsphase ist. Das sind wirklich besondere Projekte, bei denen es sehr ratsam ist, die Kompetenzen zu bündeln.“

Lesen Sie mehr in der aktuellen STEIN 11/20.

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