Exklusiver Trend auf dem Friedhof

Stein Magazin
Naturstein Wolf verantwortete die Natursteinarbeiten. Foto: Naturstein Wolf
Naturstein Wolf verantwortete die Natursteinarbeiten. Foto: Naturstein Wolf

Seit einigen Jahren lebt in der Nische eine besondere Form der Bestattung wieder auf: das Mausoleum. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg finden sich sowohl neu errichtete – ein besonderer Auftrag für den Steinmetz, wie Stefan Wolf berichtet – als auch historische, die über Patenschaften zu neuem Glanz gelangen.

Sie waren lange Zeit in Vergessenheit geraten, die Mausoleen. Und das nicht zum ersten Mal: Im 18. Jahrhundert schwappte der Trend dieser monumentalen Bestattungshäuser aus England nach Deutschland und wurde vom Adel geneigt aufgenommen. Die erste Renaissance erlebten Mausoleen dann in der Gründerzeit, in der sie für das gut betuchte Großbürgertum kaum aufwendig genug angelegt werden konnten. Einflussreiche Familien
ließen sie nun aber meist auf öffentlichen Friedhöfen statt in Privatparks errichten, denn es galt, auch nach dem Tod Reichtum, Einfluss und Ansehen zu demonstrieren.

In diese Zeit fällt zum Beispiel die Errichtung des Mausoleums für Baron und Kaufmann Johann Heinrich von Schröder in Hamburg: 1906 wurde das von Architekt Edmund Gevert entworfene Mausoleum aus Mainsandstein errichtet, damals noch auf den später aufgelösten Dammtorfriedhöfen in Hamburg. Ein nahezu identischer Nachbau entstand später auf dem Friedhof Ohlsdorf – das beeindruckende Mausoleum ist mit einer Grundfläche von mehr als 200 Quadratmetern noch immer das größte im Norden Europas. An dessen Sanierung verhob sich leider ein Hamburger Immobilienkaufmann, das Mausoleum wittert vor sich hin. Anders als einige andere, denn die Friedhofsverwaltung bemüht sich, ungenutzte historische Mausoleen an Grabmalpaten zu vergeben. Auf dem größten Parkfriedhof der Welt erfolgte der letzte historische Mausoleumsbau 1929.

Heute, rund 90 Jahre später, finden sich insgesamt 25 Mausoleen auf dem 389 Hektar großen Gelände, zehn von ihnen wurden ab 2005 errichtet. In der Tat, so sagt es Friedhofssprecher Lutz Rehkopf, gibt es eine Rückbesinnung auf diese Grabmalform, wenn sie auch „wegen der Baukosten eine exklusive Angelegenheit bleiben wird“. Die Friedhofsverwaltung überlässt Mausoleumsbauten aufgrund der aufwendigen Rahmenbedingungen und der spezifischen Hygienevorschriften (wie etwa längere Ruhezeiten aufgrund des längeren Verwesungsprozesses) nicht für die üblichen 25 Jahre, sondern schon bei der Erstüberlassung für 50, 75 oder 100 Jahre. Sie erteilt auch die nötige Baugenehmigung für solche „architektonischen Grabanlagen“. Die statischen Prüfungen, so Rehkopf, werden in Ohlsdorf teils vom technischer Leiter vorgenommen, teils an Bauprüfer weitergegeben.

Viele Gestaltungsvorgaben sind laut Friedhofsverwaltung nicht nötig, weil „die beauftragten Architektinnen und Architekten sich intensiv mit der Materie auseinandersetzen und entsprechend hochwertige Entwürfe vorlegen“. Allerdings achtet man auf besonders hochwertige Materialien, um eine möglichst lange Lebensdauer des Baus zu gewährleisten. Wer sich für ein Mausoleum entscheidet, muss außerdem besondere Maßnahmen einplanen, um das ungeheizte Gebäude vor Feuchtigkeit zu schützen.

Hinzu kommen weitere Besonderheiten – von denen etwa Stefan Wolf von Natursteinwolf berichten kann. Er bekommt zwar selten, aber doch regelmäßig Mausoleums-Anfragen: „Rund alle zwei Jahre kommt das vor. Beim letzten Mausoleum, an dem wir 2017 mitgearbeitet haben, kam der Architekt auf uns zu. Mit ihm kooperieren wir nun auch für das nächste, das aktuell in der Planungsphase ist. Das sind wirklich besondere Projekte, bei denen es sehr ratsam ist, die Kompetenzen zu bündeln.“

Lesen Sie mehr in der aktuellen STEIN 11/20.

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Marble Architectural Awards 2014

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Jedes Jahr verleiht die Internazionale Marmi e Macchine Carrara die »Marble Architectural Awards« (MAA) auf der Messe Carraramarmotec. Dabei steht jeweils eine von sechs verschiedenen Regionen im Mittelpunkt. 2014 war dies Nordamerika, genauer gesagt die USA, Kanada und Mexiko. So zeigen sich deutliche Trends und Entwicklungen jeweils innerhalb einer Region. Auf der diesjährigen CarraraMarmotec wurden nun die Gewinner geehrt.

Das Lakewood Cemetery Garden Mausoleum in Minneapolis (USA)
Foto: Paul Crosby

Im Zuge der Wirtschaftskrise nach 2007 zeigte sich in Nordamerika ein deutlicher Trend zu mittelgroßen Projekten. Weniger Naturstein wurde nachgefragt; wo jedoch die Wahl auf ihn fiel, legte man großen Wert auf die Qualität und Oberflächenverarbeitung. Der Einsatz von Naturstein aus allen Teilen der Welt zeigt erneut die Globalisierung des Handels.

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Die Lobby des Gebäudes 135 Main Street, San Francisco (USA)
Foto: Matthew Millman

Den ersten Preis der Kategorie »Außenraum« ging an die HGA Architekten und Ingenieure für das Lakewood Cemetery Garden Mausoleum in Minneapolis, bei dem weißer Carraramarmor und verschiedene amerikanische Granite zum Einsatz kamen. Gewinner in der Kategorie »Innenraum« ist das Studio Aston Pereira and Associates mit der Lobby für das Gebäude der 135 Main Street in San Francisco. Sie verwendeten dort den griechischen Marmor, Jurakalkstein aus Deutschland, italienischen Marmor und französischen gelben Onyx. Und die Gewinner der Kategorie »Urban Design« ist Jacobo Micha Mizrahi für seine »Parallel Lives« in Vera Cruz (Mexiko). Das Monument besteht aus verschiedenen mexikanischen Gesteinen.

»Parallel Lives« in Vera Cruz, Mexiko
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Die mit dem Marble Architectural Awards geehrten Projekte sind in einem Katalog zusammengefasst. Dieser Katalog legt dabei besonderen Wert auf den Stein selbst, seine technischen Details und seine Verarbeitung. Die Messe Carraramarmotec fand zuletzt im Mai 2014 im italienischen Carrara statt.

Gartenkunst in den Gärten der Welt

Vom 13. April bis zum 15. Oktober 2017 wird die Hauptstadt zum Austragungsort der Internationalen Gartenausstellung (IGA), der größten Gartenschau in Deutschland. Beim Festival der internationalen Gartenkunst spielt auch Naturstein eine tragende Rolle.

Das Herzstück der IGA Berlin 2017 sind die „Gärten der Welt“. Dort gibt es auch unterschiedliche Natursteine bei den Wegführungen, den künstlerischen Gestaltungen sowie den Stein- und Themengärten.

Besucherzentrum-IGA Berlin-2017
Das Besucherzentrum der „Gärten der Welt“ empfängt seine Gäste als Begegnungs- und Informationsort. Es ist „im
Fluss mit der Natur“ entstanden. (Foto: WW+ Luxemburg/Trier)
Säulenkapitell-Sandstein-IGA-Berlin-2017
Attraktiver Hingucker: ein Säulenkapitell aus Sandstein im
Orientalischen Garten. (Foto: Boris Frohberg)
Wandgliederung-Sandstein-IGA-Berlin-2017
Die Architektur des Orientalischen Gartens greift die Bautradition islamischer Gartenkultur auf. Hier die Wandgliederung
der Bogengalerie aus Sandstein. (Foto: Boris Frohberg)
Fruchtschieferbruch mit Quarzader-Wassergaerten-IGA-Berlin
Die Wassergärten liegen am südlichen Rand der „Gärten der Welt“
und beherbergen Schätze wie Fruchtschieferbruch mit Quarzader. (Foto: Boris Frohberg)
Fruchtschiefer-Terrassengaerten-IGA-Berlin
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Fruchtschiefer-IGA Berlin
Fruchtschiefer in einer weiteren Facette: Im Bereich der Wasserfälle
wurde eine Wand mit dem Naturstein gestaltet. (Foto: Boris Frohberg)
Quelltopf aus Fruchtschiefer-IGA-Berlin
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Seilbahn, die spektakuläre Aussichten auf die Gartenschau bietet. (Foto: Boris Frohberg)
Terrassengaerten-Kienberg-Naturstein-IGA-Berlin
Gelungene Kombination: In den Terrassengärten am Kienberg sind Natur- und Kunststein gekonnt kombiniert
worden und ergeben eine stimmige Einheit. (Boris Frohberg)

Kienbergpark – Eine Parklandschaft entsteht

Die IGA Berlin 2017 wird darüber hinaus das weitläufige Wuhletal und den Kienberg zu einer neuen Parklandschaft mit vielfältigem Landschaftsbild verbinden. Am Südhang des bewaldeten Kienbergs entstehen sonnenbeschienene Terrassen, die an Obstbäumen, offenen Wiesenbereichen und blühenden Steingärten vorbeiführen. Vor allem hier wurde heimischer Naturstein aus dem Vogtland bevorzugt, der bereits bei den Wohnbauten der Gründerzeitsiedlungen zum Einsatz kam.

Die Terrassengärten und Wasserpromenade

Die blühenden Terrassengärten mit Trockenmauern und Kunststeinstufen setzen innerhalb der Gartenschau eindrucksvolle Akzente. Die Natursteinmauern stufen den sonnenreichen Hang des Kienbergs in zusätzliche Terrassen, die über Treppen verbunden sind.
Die vier Wassergärten zeigen unterschiedliche Spielformen des Umgangs mit dem Medium Wasser. Gerade hier ist das Medium Naturstein konzentriert zum Einsatz gekommen. Die vogtländischen Schieferplatten für die Wegebereiche weisen gesägte und geschliffene Oberflächenqualität auf.

Grabgestaltung und Denkmal

Im Norden des Ausstellungsgeländes erhalten Besucher auf einer Fläche mit 90 Mustergräbern Einblicke in „Grabgestaltung und Denkmal“. Auf vier ellipsenförmigen Flächen werden Urnengräber sowie Einzel- und Doppelgrabstellen als zeitgemäße Orte des Gedenkens gärtnerisch gestaltet. Steinmetze, Holzbildhauer und Metallbauer zeigen, wie sich Grabzeichen zeitgenössisch interpretieren lassen.

Erfahren Sie mehr über die Internationale Gartenausstellung (IGA) in STEIN im Mai 2017.