weiß

Sie ergänzen sich optimal: Zeitgemäße Flächenheizungen funktionieren mit sehr niedrigen Vorlauftemperaturen. Und Naturstein gibt dank seiner hohen Wärmeleitfähigkeit die Wärme schnell an den Raum ab. Ein im Baubereich tätiger Steinmetz muss zwar nicht wissen, wie eine Flächenheizung verlegt wird. Aber er sollte wissen, warum Naturstein der ideale Belag für eine Flächenheizung ist und aufgeschlossen sein für die Zusammenarbeit mit anderen beteiligten Gewerken.

Niedrige Vorlauftemperatur spart Energiekosten

Während eine klassische Heizungsanlage mit Heizkörpern in der Regel eine Vorlauftemperatur von etwa 70 Grad Celsius benötigt, schafft eine Fußbodenheizung bereits mit Vorlauftemperaturen von rund 35 Grad Celsius behagliche Wärme. Daraus folgt, dass sich eine Flächenheizung sehr effizient mit erneuerbaren Energiequellen, wie thermischen Solaranlagen oder Boden- und Luftwärmepumpen, betreiben lässt. Hybrid konzipierte Heizungsanlagen bringen Gas- oder Ölkessel ins Spiel, die – anders als Heizkessel einfacher Bauart (die ohnehin ab September 2015 nicht mehr zugelassen sind) – zusätzlich auch die Wärme in den „Abgasen“ nutzen.

Es ist also nicht länger nötig, das Heizmedium mit teuren Energieträgern auf 70 Grad Celsius Vorlauftemperatur zu bringen – man erreicht bereits mit 35 Grad Celsius spürbaren Komfort. Zusätzlicher Vorteil: Die großflächig abgegebene, konstante Strahlungswärme einer Fußbodenheizung gestattet es, im Vergleich zur klassischen Heizkörperheizung, die Raumlufttemperatur um zirka zwei Grad Celsius zu senken. Die vom Nutzer „gefühlte“ Temperatur ändert sich dadurch nicht.

Die Wärmeleitfähigkeit entscheidet  

Bodenbeläge unterscheiden sich nicht nur bezüglich ihrer Optik, sondern auch hinsichtlich ihrer bauphysikalischen Eigenschaften. Je höher die Wärmeleitfähigkeit eines Bodenbelags ist, desto schneller gibt er die Wärme an den Raum ab. Die bauphysikalische Bezeichnung dieser Materialkonstante ist der Lambda-Wert. Er wird in der Einheit W/(mk) angegeben. Die einzelnen Bestandteile dieser Formel lauten: W = Watt, m = Meter, k = Kelvin. Die Formel gibt den Wärmeabfluss an, der durch einen ein Meter dicken Werkstoff bei einer Temperaturdifferenz von einem Grad Kelvin erfolgt. Natursteine erreichen hier Spitzenwerte, die sich sogar über den Werten von keramischen Fliesen und Platten bewegen. So liegt die durchschnittliche Wärmeleitfähigkeit von keramischen Belägen bei circa 1,3 W/(mK), Marmor und Granit werden mit mittleren Werten von 3,5 W/(mK) angegeben.

Von wenigen Einschränkungen abgesehen ist praktisch jeder Naturstein zur Verlegung auf einer Flächenheizung geeignet. Die gleichmäßige Wärmeabgabe wird besonders beim Barfußgehen als angenehm empfunden. Dem Argument, dass Naturstein „kalt“ sei, kann mit einer Flächenheizung überzeugend begegnet werden. Als de facto „unsichtbares“ Heizsystem bieten Flächenheizungen noch einen weiteren Vorteil: nämlich vielfältige architektonische Gestaltungsmöglichkeiten und eine optimale Raumnutzung, da störende Heizkörper entfallen.

Lesen Sie mehr darüber, wie man erneuerbaren Energien den Boden bereitet mit Naturstein als Belag in STEIN im September 2015.

Könnte dich auch interessieren

Spurensuche auf Slate Islands

Stein Magazin
Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein – eine sinnliche Suche nach Leblosem.

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Auf der Karte sind es kleine Flecken vor der Westküste Schottlands, so klein, dass es leicht ist, sie zu übersehen. Man muss sie gezielt aufsuchen, um sie zu finden. Man stößt nicht einfach auf sie. Die Inneren Hebriden Schottlands, eine Inselgruppe am oberen Zipfel des Britischen Königreichs, sind eine beliebte Reiseregion. Wer hierherkommt, sehnt sich nach dem Ursprünglichen, dem Wilden, dem Zerklüfteten. Nach salzigem Wind, der sich in Haaren und Kleidung verfängt und sie starr werden lässt. Nach dem Atlantik, dessen Wogen an das schwarze Gestein prallen. Gneise. Granit. Basalt. Schiefer.

Esther Kinsky, Übersetzerin und Lyrikerin und 2018 für „Hain. Geländeroman“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet, hat dem Schiefer und der Region, in dem das Sedimentgestein jahrhundertelang abgebaut wurde, einen Gedichtband mit dem so einfachen wie bezeichnenden Titel „Schiefern“ gewidmet.

Die Steinbrüche auf Slate Islands sind noch da, die Überbleibsel einer inzwischen stillgelegten Industrie auch. Kinsky begibt sich auf Entdeckungsreise und verpackt ihre Naturbeobachtung in Worte, die rätselhaft zu entziffern sind und hinfortreißen in die Entlegenheit der Inneren Hebriden, zum schwarzen tosenden Meer, über dem der Leser wie ein unsichtbar Schwebender im Gedankenraum treibt, den Kinsky mit ihren Worten spinnt.

Genau dort, in diesem Gedankenraum, sind auch die Analogien zwischen etwas durch und durch Leblosem und Menschlichem zu finden. Nur wenige Menschen stecken in diesem dreiteiligen Band, das Menschliche jedoch fehlt ihm nicht. Es ist sogar ganz erstaunlich, wie sinnlich über Gischt tragende Wellen und „platten mit einer / oberfläche wie versteinerter leiser wellengang“ geschrieben werden kann, ohne in kitschige Romantik abzurutschen.

„Nature Writing“

Natur verleitet bereits seit dem 18. Jahrhundert Schriftsteller dazu, über sie als Hauptprotagonistin zu schreiben. „Nature Writing“ nennen sich im Angelsächsischen die ausschweifenden literarischen Beschreibungen von Bäumen, Wiesen, Blumen, Wolkenbrüchen. Auf Deutsch hat sich der Begriff der „Naturpoesie“ oder auch „Naturlyrik“ eingebürgert. Esther Kinsky sticht seit Jahren mit solcher Naturpoesie in der Literatur hervor.

2013 flicht sie in „Naturschutzgebiet“ ausgehend von einem verwahrlosten Stadtpark vier Gedichtzyklen über Verfall und Wachstum. Ordnet man Kinskys Werk nun der Gattung des „Nature Writing“ zu, widerspricht sie gern. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte sie einmal, sie sähe sich nicht in der Tradition des Nature Writing. Zu diffus sei dieser Begriff, zu ausufernd darin, was er umschließt und was nicht. „Nature Writing“ kann alles sein, sagt sie. Warum dann nicht auch ihre neueste Arbeit „Schiefern“, möchte man entgegenhalten?

Die Schichten der Zeit

Früh fällt in „Schiefern“ das Wort der Erinnerung „als raum der abwesenheiten, bewegt von der durchsichtigen hand unberechenbarer synapsen und unwägbarer verschiebungen von ablagerungen in den langsam entstandenen und vertieften furchen und falten des hirns“. Kinsky geht es um die Schichten der Zeit, die sich über Erinnerungen lagern. Erst ganz sacht, dann deutlicher zieht sie sprachliche Parallelen zwischen menschlichem Gedächtnis und der konservierten Geschichte auf der Oberfläche der Gesteinsbrocken, an der die Gezeiten und Zeiten vorübergingen, über Millionen von Jahren hinweg.

Im Stein liegt das Vergangene konserviert, sie müsse nur anhand seiner Falten abgelesen werden, als wäre der Stein ein alter, lieb gewonnener Greis, dessen verwittertes Gesicht die Spuren des Lebens tragen. Kinsky schreibt von „zeichen ohne hand und fuß / im stein auf die sich keiner / einen reim zu machen weiß / als den größtmöglicher vergangenheit“.

„Schiefern“ könnte die moderne Fortsetzung von Adalbert Stifters 1853 erschienenen Erzählungen „Bunte Steine“ sein und sich einreihen in die Titel „Granit“, „Kalkstein“ und „Turmalin“. Doch so tückisch idyllisch die detaillierten, biedermeierlichen Naturdarstellungen Stifters sind, so wenig lieblichheimelig sind auch Kinskys beschriebene Slate Islands. Die Kühle der Umgebung schneit in ihren Worten hindurch. Da liegt eine Härte in ihnen, die man sich nicht wegdenken möchte.

Information zum Buch

Esther Kinsky: Schiefern.
D: 24,00 Euro
A: 24,70 Euro
CH: 34,50 Schweizer Franken
Erschienen: 23.03.2020
Gebunden, 103 Seiten
ISBN: 978-3-518-42921-1

Neue Geschäftsleitung bei RHODIUS Schleifwerkzeuge

Stein Magazin

 

Burgbrohl / Bernd Lichter tritt in die Geschäftsführung der RHODIUS Schleifwerkzeuge GmbH & Co KG ein. RHODIUS ist der größte Schleifscheibenhersteller Deutschlands und vertreibt seine Werkzeuge weltweit sowohl an Fachhändler als auch an weiterverarbeitende Firmen. Im Zuge einer Umstrukturierung und eines Generationenwechsels hat der Werkzeughersteller gemeinsam mit den Mitarbeitern eine neue Strategie zur Neuausrichtung des Unternehmens entwickelt. Demnach wird sich die Geschäftsleitung der familiengeführten Firma künftig aus zwei Geschäftsführern und zwei Bereichsleitern zusammensetzen. Der bisherige Geschäftsführer Martin E. Davies verlässt die RHODIUS Ende des Jahres in bestem gegenseitigem Einvernehmen, betont Bernd Lichter. Er verantwortet seit 1. Oktober den Bereich Vertrieb und Marketing. In Kürze wird ihm ein kaufmännischer Geschäftsführer zur Seite stehen. Die Bereichsleitungen übernehmen der Gesamtvertriebsleiter Ernst-Henning Sager und ab April 2019 Dr. Thomas Kamps als Bereichsleiter Technik und Produktion. Mit der Neuausrichtung will der Werkzeughersteller die Position und Durchsetzungskraft auf den nationalen und internationalen Märkten weiter stärken.