03.09.2015

Chancen

BIV im Gespräch

von Christine Kowalski und Julia Wolpert

Foto: BIV/ Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk

Alle sechs Monate führt das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen die Konjunkturumfrage für den Bundesverband der Deutschen Steinmetze (BIV) durch. Die Stimmungslage der 197 Steinmetzbetriebe, die sich daran beteiligten, war gut und solide, lautet das Fazit der Untersuchung. Mit Sybille Trawinski und Gudrun Elke Zado des BIV sprach STEIN über die Auswertung und Verbandsarbeit im Allgemeinen.

 

Frau Zado, eine halbjährliche Konjunkturumfrage ist für einen Verband eher ungewöhnlich. Warum machen Sie das?

Zado: Das Steinmetzhandwerk wird bei anderen Umfragen, zum Beispiel der Handwerkskammern, nicht besonders berücksichtigt, daher diese für uns sehr wichtige Untersuchung.

Der Umsatzanteil im Grabmalbereich liegt mit kleineren Abweichungen konstant um die 60 Prozent. Wie erklären Sie sich die Diskrepanz zur Branche, die hier einen Rückgang der Umsätze formuliert?

Trawinski: Dies entspricht unserer Mitgliederstruktur. Rein statistisch gesehen, ist die Anzahl der Grabmalbetriebe bei uns im Verband am höchsten. Aus der Bau- und Restaurierungsbranche haben wir weniger Mitglieder.

Die Umfrage wird nur unter BIV-Mitgliedern durchgeführt?

Trawinski: Ja, aber wir planen einen Betriebsvergleich, um noch genauere Zahlen aus dem Berufsfeld insgesamt zu erhalten. Der Betriebsvergleich hat weiterhin den Vorteil, dass sich die mitmachenden Betriebe im Rahmen des Berufsstandes einordnen können.

Welche Konsequenzen ziehen Sie als Verband aus der vorliegenden Untersuchung?

Trawinski: Vor 50 Jahren war der Grabmalbereich ein ganz wesentlicher Bestandteil des Steinmetzhandwerks. Dies ändert sich aktuell aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen, weshalb wir unsere Aktivitäten stärker in Richtung Bau, Bad, Küche, aber auch Naturstein-Sanierung ausrichten, ohne den Friedhof zu vernachlässigen. Wir wollen unseren Mitgliedern neue Märkte eröffnen.

Konkrete Ideen?

Trawinski: Wir waren letztes Jahr erstmalig auf der GaLaBau in Nürnberg mit einem Stand. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass wir 2016 einen größeren Stand anmieten und Firmen die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren. Für die BAU 2017 in München ist das schon fest eingeplant.


Struktur im Steinmetzhandwerk
Umsatzentwicklung im Steinmetzhandwerk

Foto: BIV/ Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk

 

Ist hier eine Chance der Berufsfelderweiterung verpasst worden?

Zado: 2001 gab es einen großen Einbruch in der Branche. Seitdem haben die Betriebe versucht, sich zu positionieren und ihren Weg zu finden.

Trawinski: Im Gespräch mit den Betrieben wird deutlich, dass die Zukunftsprognosen längst nicht so düster sind, wie immer vermutet wird. Der Markt ordnet sich neu, was viele Betriebe schon als Chance sehen und nutzen.

Die Entwicklung der Umsatzzahlen im Baubereich zeigt dies aber bisher nicht.

Trawinski: Das hat verschiedene Gründe. Prozesse brauchen Zeit, vor allem in kleinen Unternehmen. Ein Grabmalbetrieb kann einen Richtungswechsel hin zu Bauprojekten nur Schritt für Schritt umsetzen. Da geht es um geeignetes Personal, modernes Know-How und auch Maschinen, die ja zum Teil sehr teuer sind.

Die Investitionslust ist allerdings eher gering, 78,9 Prozent wollen nicht investieren. Wie passt das zusammen?

Zado: Die Frage nach Investitionen ist immer auch eine Momentaufnahme. Gerade im Hinblick auf den abgelaufenen Winter, in dem die Geschäfte naturgemäß schlechter gehen, sind die konjunkturellen Einschätzungen immer zurückhaltender.

Trawinski: Vor allem die kleinen Betriebe scheuen die Anschaffung großer, komplexer Maschinen, nicht nur aus finanzieller Sicht, auch weil die Möglichkeiten eventuell dann in der Praxis gar nicht genutzt werden. Hier müssen wir als Verband stärker informieren und auch Weiterbildungsangebote schaffen.

Gib es andere Bereiche, wo Sie reagieren werden?

Trawinski: Ja, im Bereich der Restaurierung setzen wir uns auf verschiedenen Ebenen für eine gleichwertige Anerkennung des Steinmetzhandwerks und der akademischen Restauratoren ein.

Was bieten Sie Mitgliedern konkret an, um den Entwicklungen zu folgen?

Trawinski: Wenn wir zum Beispiel Obermeistertagungen veranstalten, bieten wir Vorträge aus allen Bereichen an, Workshops, Plenumssitzungen. Unser Steinmetz-Seminar widmet sich aktuell ausschließlich Bau-Themen und findet im November zum zweiten Mal statt. Im Arbeitskreis „Bau“ werden regelmäßig Merkblätter erarbeitet; und der Arbeitskreis „Denkmalpflege” ist auf verschiedenen Ebenen aktiv, unter anderem in der Weiterbildung.

Den ausführlichen Konjunkturbericht des BIV finden Sie hier.

 

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