BIV im Gespräch

Stein Magazin

Foto: BIV/ Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk

Alle sechs Monate führt das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen die Konjunkturumfrage für den Bundesverband der Deutschen Steinmetze (BIV) durch. Die Stimmungslage der 197 Steinmetzbetriebe, die sich daran beteiligten, war gut und solide, lautet das Fazit der Untersuchung. Mit Sybille Trawinski und Gudrun Elke Zado des BIV sprach STEIN über die Auswertung und Verbandsarbeit im Allgemeinen.

 

Frau Zado, eine halbjährliche Konjunkturumfrage ist für einen Verband eher ungewöhnlich. Warum machen Sie das?

Zado: Das Steinmetzhandwerk wird bei anderen Umfragen, zum Beispiel der Handwerkskammern, nicht besonders berücksichtigt, daher diese für uns sehr wichtige Untersuchung.

Der Umsatzanteil im Grabmalbereich liegt mit kleineren Abweichungen konstant um die 60 Prozent. Wie erklären Sie sich die Diskrepanz zur Branche, die hier einen Rückgang der Umsätze formuliert?

Trawinski: Dies entspricht unserer Mitgliederstruktur. Rein statistisch gesehen, ist die Anzahl der Grabmalbetriebe bei uns im Verband am höchsten. Aus der Bau- und Restaurierungsbranche haben wir weniger Mitglieder.

Die Umfrage wird nur unter BIV-Mitgliedern durchgeführt?

Trawinski: Ja, aber wir planen einen Betriebsvergleich, um noch genauere Zahlen aus dem Berufsfeld insgesamt zu erhalten. Der Betriebsvergleich hat weiterhin den Vorteil, dass sich die mitmachenden Betriebe im Rahmen des Berufsstandes einordnen können.

Welche Konsequenzen ziehen Sie als Verband aus der vorliegenden Untersuchung?

Trawinski: Vor 50 Jahren war der Grabmalbereich ein ganz wesentlicher Bestandteil des Steinmetzhandwerks. Dies ändert sich aktuell aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen, weshalb wir unsere Aktivitäten stärker in Richtung Bau, Bad, Küche, aber auch Naturstein-Sanierung ausrichten, ohne den Friedhof zu vernachlässigen. Wir wollen unseren Mitgliedern neue Märkte eröffnen.

Konkrete Ideen?

Trawinski: Wir waren letztes Jahr erstmalig auf der GaLaBau in Nürnberg mit einem Stand. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass wir 2016 einen größeren Stand anmieten und Firmen die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren. Für die BAU 2017 in München ist das schon fest eingeplant.


Struktur im Steinmetzhandwerk
Umsatzentwicklung im Steinmetzhandwerk

Foto: BIV/ Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk

 

Ist hier eine Chance der Berufsfelderweiterung verpasst worden?

Zado: 2001 gab es einen großen Einbruch in der Branche. Seitdem haben die Betriebe versucht, sich zu positionieren und ihren Weg zu finden.

Trawinski: Im Gespräch mit den Betrieben wird deutlich, dass die Zukunftsprognosen längst nicht so düster sind, wie immer vermutet wird. Der Markt ordnet sich neu, was viele Betriebe schon als Chance sehen und nutzen.

Die Entwicklung der Umsatzzahlen im Baubereich zeigt dies aber bisher nicht.

Trawinski: Das hat verschiedene Gründe. Prozesse brauchen Zeit, vor allem in kleinen Unternehmen. Ein Grabmalbetrieb kann einen Richtungswechsel hin zu Bauprojekten nur Schritt für Schritt umsetzen. Da geht es um geeignetes Personal, modernes Know-How und auch Maschinen, die ja zum Teil sehr teuer sind.

Die Investitionslust ist allerdings eher gering, 78,9 Prozent wollen nicht investieren. Wie passt das zusammen?

Zado: Die Frage nach Investitionen ist immer auch eine Momentaufnahme. Gerade im Hinblick auf den abgelaufenen Winter, in dem die Geschäfte naturgemäß schlechter gehen, sind die konjunkturellen Einschätzungen immer zurückhaltender.

Trawinski: Vor allem die kleinen Betriebe scheuen die Anschaffung großer, komplexer Maschinen, nicht nur aus finanzieller Sicht, auch weil die Möglichkeiten eventuell dann in der Praxis gar nicht genutzt werden. Hier müssen wir als Verband stärker informieren und auch Weiterbildungsangebote schaffen.

Gib es andere Bereiche, wo Sie reagieren werden?

Trawinski: Ja, im Bereich der Restaurierung setzen wir uns auf verschiedenen Ebenen für eine gleichwertige Anerkennung des Steinmetzhandwerks und der akademischen Restauratoren ein.

Was bieten Sie Mitgliedern konkret an, um den Entwicklungen zu folgen?

Trawinski: Wenn wir zum Beispiel Obermeistertagungen veranstalten, bieten wir Vorträge aus allen Bereichen an, Workshops, Plenumssitzungen. Unser Steinmetz-Seminar widmet sich aktuell ausschließlich Bau-Themen und findet im November zum zweiten Mal statt. Im Arbeitskreis „Bau“ werden regelmäßig Merkblätter erarbeitet; und der Arbeitskreis „Denkmalpflege” ist auf verschiedenen Ebenen aktiv, unter anderem in der Weiterbildung.

Den ausführlichen Konjunkturbericht des BIV finden Sie hier.

 

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Das fliegende Auge

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Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector
Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector

In unsere neuen STEIN-Serie „Chancen nutzen“ teilen wir unser Wissen über Vorgehensweisen, die Unternehmen nutzen können, um langfristig erfolgreich zu sein. In der ersten Folge dreht sich alles um den Blick von oben. Drohnen ermöglichen Inspektionen, Aufmaße und Dokumentationen von Steinbrüchen oder Fassaden.

Unbemannte Fluggeräte, englisch Unmanned Aircraft Systems oder Unmanned Area Vehicles (UAS, UAV), populär meist „Drohnen“ oder „Multicopterd“ genannt, werden inzwischen in zahlreichen Bereichen des Bauens, Sanierens und Erhaltens von Baubestand eingesetzt. Mit einer visuellen Digital- oder Wärmebildkamera oder einem 3-D-Laserscanner ausgestattet, können ferngesteuerte Drohnen Steinbrüche, Fassaden oder Dachflächen inspizieren oder geometrisch erfassen, Schäden lokalisieren und dokumentieren, Energieverluste aufdecken und vieles mehr.

Sollen Bau-, Sanierungs- oder Umbaumaßnahmen erfolgreich sein, müssen sie sorgfältig vorbereitet und geplant werden. Aktuelle und verlässliche Bestandsdaten sind die wichtigste Grundlage einer umsichtigen Planung. Terrestrische Aufmaßverfahren wie die Tachymetrie, das Laserscanning oder die Fotogrammetrie erfassen nur jene Bereiche, die vom Boden oder von der umgebenden Bebauung aus zugänglich und sichtbar sind. Dachflächen und andere unzugängliche Bereiche der Gebäudefassade lassen sich geometrisch und fotografisch nicht oder nur unzureichend erfassen.

Drohnen können über die luftbildgestützte Fotogrammetrie oder 3-D-Laserscanner Bauwerke und andere Objekte lückenlos geometrisch vermessen und werden deshalb manchmal auch parallel eingesetzt: Aus perspektivisch entzerrten Luftbildern lassen sich zentimetergenaue und maßstabsgerechte Dachaufsichten oder Fassadenansichten erstellen. Werden die Luftbilder fotogrammetrisch ausgewertet, lassen sich daraus 2-D-Pläne oder dreidimensionale Modelle der Gebäudehülle erstellen. Diese können als Grundlage für Planungen, Kostenberechnungen, Ausschreibungen oder Visualisierungen verwendet werden.

Mit speziellen 3-D-Laserscannern ausgestattete Drohnen, können das Umfeld rasterförmig in Sekundenschnelle abtasten und dabei Millionen von 3-D-Messpunkten, sogenannte „Punktwolken“ erzeugen. Dabei speichern sie die Geometriedaten aller umgebenden Objekte als räumliche Koordinatenwerte ab. Eine integrierte Digitalkamera erzeugt zusätzlich 360-Grad-Fotopanoramen und erfasst Gebäudehüllen nahezu lückenlos. Messdrohnen sind auch in der Lage, von Halden, Kies- und Schottergruben, Deponien oder Steinbrüchen zunächst Orthogonalfotos oder 3-D-Laserscans und daraus 2-D-Lagepläne, 3-D-Geländemodelle, Massen und Volumen zu generieren, ohne dabei den laufenden Betrieb zu stören oder Personen zu gefährden.

Lesen Sie mehr in der STEIN 8/2020.

Im Gespräch statt im Gerede

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Gestorben wird immer. Aber nicht mehr genug, schreibt Henning Sußebach am 3. November in der Wochenzeitung »Die Zeit«. Er kommt dann zu dem Schluss, dass viele Bürger ihre Asche lieber verstreuen, als ein Grab zu kaufen. Sußebach formuliert ein Problem, mit dem sich auch das Steinmetzhandwerk auseinandersetzen muss: Sogar Friedhöfe können sterben. Zum Leben brauchen sie Tote. Die werden aber auf den herkömmlichen Friedhöfen immer weniger. Sie haben Konkurrenz bekommen. Die Menschen in einer »Multioptionsgesellschaft« möchten sich nicht mehr dem schematischen Schachbrettmuster der Friedhöfe fügen. Friedhöfe sind heute nur eine Option unter ganz verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten.

Die Folgen sind klar: kein Friedhof, kein Grab, kein Stein. Das Steinmetzhandwerk ist gefordert. Grabzeichen können mit dazu beitragen, Friedhöfe am Leben zu halten. Allerdings: Diese Zeichen müssen einen Sinn, eine Botschaft, einen Wert für die Hinterbliebenen haben. »Blut indischer Kinder haftet an deutschen Grabsteinen« oder »Grabsteine aus Kinderarbeit stehen auf deutschen Friedhöfen«. Meldungen wie diese bringen die Zeichen am Grab ins Gerede. »Kinderarbeit bei Grabsteinen wieder erlaubt« stand am 16. Oktober in der Tageszeitung »Nürnberger Nachrichten«: In einem Urteil hatte das Bundesverwaltungsgericht die Nürnberger Friedhofsordnung gekippt. Die Stadt wollte sicherstellen, dass auf den städtischen Friedhöfen keine Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die von Kinderhänden geformt wurden. Ein Steinmetz klagte. Er gewann! Nur was? Wer soll überprüfen, unter welchen Bedingungen die Steine entstehen, fragten die Richter. Eine Zertifizierung mit verbindlichen Maßstäben muss her. Juristisch ist es nicht zu beanstanden.

Allerdings: Viele der Zertifikate zu sozialen oder ökologischen Standards sind in Bereichen kaum den Kleber wert, mit dem sie auf ein Produkt gepappt werden. Es liegt jetzt an jedem Handwerker selbst, welche Grabzeichen er anbietet und mit welchen Steinen er arbeitet. Das Produkt Grabstein ist wieder einmal im Gerede, statt im Gespräch zu sein. Das ist ärgerlich.

Willy Hafner’s Betreff aus STEIN im Dezember 2013.

Bild: Aeternitas e.V.