Zum 17. Mal hat der internationale Wettbewerb „Tile of Spain“ stattgefunden. In Castellón, Spanien wurden Preise für die besten Projektideen in den Bereichen Architektur, Innenarchitektur und studentischen Abschlussarbeiten vergeben, die in Spanien produzierte Keramikfliesen einbeziehen

INTERMODAL-4---ADRIA-GOULA
Im Bahnhof von Palma de Mallorca verbindet das Fliesengitter der Überdachung maurischen Stil mit modernen Formen. Foto: Adria Goula
INTERMODAL-9
Mit dem hellen Terrakottaton passt sich die moderne Form des Bahnhofsdaches perfekt an die umliegenden historischen Gebäude an. Foto: Carlos Gabilondo
Alejo-Bagué-03
Die Fliesen fungieren als strukturübergreifendes Element im Wohnbereich. Foto: Alejo Bagué
Alejo-Bagué-05
Der kräftige Farbton der Fliesen sticht aus der dem reduzierten Materialmix des Wohnhauses heraus. Foto: Alejo Bagué
un_buen_suceso
Licht- und Schattenspiel im Innenbereich der Zeltkonstruktion. Entwurf: Manuel Bouzas Barcala
un_buen_suceso 2
Fliesen als experimentelles Baumaterial: Die Gitterkonstruktion aus quadratischen Fliesen bildet die Außenhaut der fließenden Zeltkonstruktion. Entwurf: Manuel Bouzas Barcala

Der Gewinn des Architekturpreises geht nach Mallorca

 

Castellón, Spanien / Die Juryentscheidung des 17. „Tile of Spain“ Wettbewerbs ist gefallen. Der Preis wird jährlich vom Spanischen Verband der Keramikfliesenhersteller ASCER in drei Kategorien vergeben: Die Jury zeichnet die besten Einreichungen aus den Bereichen Architektur, Innenarchitektur und studentischer Abschlussarbeiten aus, zudem darf sie lobende Erwähnungen aussprechen. Der international ausgeschriebene Preis soll ein Bewusstsein für in Spanien hergestellte Keramikfliesen schaffen und Gestalter dazu anregen, sie in ihren Projekten einzusetzen.

Der mit 17.000 Euro dotierte Architekturpreis ging an den Mallorquinen Joan Miquel Seguí Colomarfür die Überdachung des unterirdischen Eingangs zum Bahnhof in Palma de Mallorca. Über der zwischen zwei historischen Bauten in das Untergeschoß führenden Treppe wurde ein quaderförmiger Schirm auf sechs minimalistischen Stahlsäulen gesetzt. Angelehnt an den in die spanische Architektur eingeflossenen maurischen Stil, sind die vier Seiten des Schirms in einem einheitlichen Gittermuster gestaltet. Anders als die im arabischen Stil aus Holz gefertigten Maschrabiyya-Gitter, wurden hier jedoch Fliesen in einem hellen Terrakottaton verwendet, der den Bahnhof in die historische Umgebung einpasst. Colomar hat das Dach auf Höhe der im selben Ton gestrichenen Gesimse angebracht, um einen Dialog zwischen den umstehenden Gebäuden zu schaffen. Die Jury lobte besonders den ungewöhnlichen Einsatz von Fliesen als strukturelles Gitterelement, das die Schwelle zwischen urbanem Außenaum und serviceorientiertem Innenraum bildet. Das Dach ist lichtdurchlässig und die eingesetzten Photovoltaikplatten aus Glas in den Zwischenräumen erzeugen Strom für den Bahnhof.

Eine lobende Erwähnung erhielt das Studentenwohnheim „Laan Van Spartaan Amsterdam Sutdent Housing“ des Amsterdamer Büros Studioninedots. Ebenso erhielt Alberto Campo Baeza eine lobende Erwähnung für die Sporthalle der Francisco de Vitoria Universität in Madrid.

Terrakottabahnen als bestes Innenarchitekturprojekt

Mit dem Preis für das beste Innenarchitekturprojekt, ebenfalls mit 17.000 Euro dotiert, wurden Xavier Martí und Lucía Ferrater von OAB, dem Office of Architecture in Barcelona, für die Sanierung eines Wohnhauses im spanischen Küstenort Port de la Selva ausgezeichnet. Der in allen Räumen verlegte Fliesenboden in Terrakottabahnen hält das minimalistische Interieur zusammen und spiegelt bauliche Strukturen wie Deckenbalken. Dabei entstehen interessante perspektivische Effekte. Die Jury war beeindruckt vom harmonischen Kontinuum, das die Keramikfliesen im Zusammenspiel mit den auf Holz, Wollteppichen und großzügigen weißen Wandflächen reduzierten weiteren Materialien erzeugen.

María Fernández Torrado von Torrado Arquitectura in Buenos Aires, Argentinien, erhielt eine lobende Erwähnung für die Renovierung der Casa Artium in Albacete, Spanien.

Mit Experimentierwille zum Erfolg

Den Preis für den besten Abschlussentwurf erhielt Manuel Bouzas Barcala von der Polytechnischen Universität in Madrid. Sein Projekt „A positive happening“ ist eine fließende Zeltkonstruktion aus quadratischen glänzend weißen Fliesen, die alternierend ein luftiges Schachbrettmuster ergeben und in mehrlagigen Schwüngen einen licht- und schattendurchfluteten Raum abgrenzen. Die Jury bewunderte den Experimentierwillen des jungen Architekten und die originelle Verwendung der Keramikfliesen.

Die beiden lobenden Erwähnungen gingen an Clàudia Calvet Gómez von der Polytechnischen Universität in Barcelona für ihren Entwurf „La Vall, a hallway to Barcelona“ sowie Carmen Martín Hernando für ihr Projekt „The Limit. A School of Arts and Crafts in Chinchón“.

Der argentinischstämmige Architekt Jorge Silvetti leitete die diesjährige Jury. Die Wahl der Gewinner verdeutlicht die Transformation der Keramikfliese zu einem flexiblen Baustoff, der nicht nur in klassischen Einsatzbereichen Fußböden und Wände auskleidet, sondern als strukturelles Gestaltungselement eingesetzt werden kann.

Die Preisgelder wurden von Endesa, der Hafenbehörde von Valencia, Weber Saint-Gobain, Bankinter, PwC, Renault und Cesce gestiftet. Die Preisverleihung findet am 29. Januar 2019 im Rahmen der CEVISAMA, der internationalen Messe für keramische Fliesen in Valencia, statt.

Weitere Informationen zu „Tile of Spain“ finden Sie online unter https://tileofspainawards.com

Könnte dich auch interessieren

Spurensuche auf Slate Islands

Stein Magazin
Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein – eine sinnliche Suche nach Leblosem.

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Auf der Karte sind es kleine Flecken vor der Westküste Schottlands, so klein, dass es leicht ist, sie zu übersehen. Man muss sie gezielt aufsuchen, um sie zu finden. Man stößt nicht einfach auf sie. Die Inneren Hebriden Schottlands, eine Inselgruppe am oberen Zipfel des Britischen Königreichs, sind eine beliebte Reiseregion. Wer hierherkommt, sehnt sich nach dem Ursprünglichen, dem Wilden, dem Zerklüfteten. Nach salzigem Wind, der sich in Haaren und Kleidung verfängt und sie starr werden lässt. Nach dem Atlantik, dessen Wogen an das schwarze Gestein prallen. Gneise. Granit. Basalt. Schiefer.

Esther Kinsky, Übersetzerin und Lyrikerin und 2018 für „Hain. Geländeroman“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet, hat dem Schiefer und der Region, in dem das Sedimentgestein jahrhundertelang abgebaut wurde, einen Gedichtband mit dem so einfachen wie bezeichnenden Titel „Schiefern“ gewidmet.

Die Steinbrüche auf Slate Islands sind noch da, die Überbleibsel einer inzwischen stillgelegten Industrie auch. Kinsky begibt sich auf Entdeckungsreise und verpackt ihre Naturbeobachtung in Worte, die rätselhaft zu entziffern sind und hinfortreißen in die Entlegenheit der Inneren Hebriden, zum schwarzen tosenden Meer, über dem der Leser wie ein unsichtbar Schwebender im Gedankenraum treibt, den Kinsky mit ihren Worten spinnt.

Genau dort, in diesem Gedankenraum, sind auch die Analogien zwischen etwas durch und durch Leblosem und Menschlichem zu finden. Nur wenige Menschen stecken in diesem dreiteiligen Band, das Menschliche jedoch fehlt ihm nicht. Es ist sogar ganz erstaunlich, wie sinnlich über Gischt tragende Wellen und „platten mit einer / oberfläche wie versteinerter leiser wellengang“ geschrieben werden kann, ohne in kitschige Romantik abzurutschen.

„Nature Writing“

Natur verleitet bereits seit dem 18. Jahrhundert Schriftsteller dazu, über sie als Hauptprotagonistin zu schreiben. „Nature Writing“ nennen sich im Angelsächsischen die ausschweifenden literarischen Beschreibungen von Bäumen, Wiesen, Blumen, Wolkenbrüchen. Auf Deutsch hat sich der Begriff der „Naturpoesie“ oder auch „Naturlyrik“ eingebürgert. Esther Kinsky sticht seit Jahren mit solcher Naturpoesie in der Literatur hervor.

2013 flicht sie in „Naturschutzgebiet“ ausgehend von einem verwahrlosten Stadtpark vier Gedichtzyklen über Verfall und Wachstum. Ordnet man Kinskys Werk nun der Gattung des „Nature Writing“ zu, widerspricht sie gern. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte sie einmal, sie sähe sich nicht in der Tradition des Nature Writing. Zu diffus sei dieser Begriff, zu ausufernd darin, was er umschließt und was nicht. „Nature Writing“ kann alles sein, sagt sie. Warum dann nicht auch ihre neueste Arbeit „Schiefern“, möchte man entgegenhalten?

Die Schichten der Zeit

Früh fällt in „Schiefern“ das Wort der Erinnerung „als raum der abwesenheiten, bewegt von der durchsichtigen hand unberechenbarer synapsen und unwägbarer verschiebungen von ablagerungen in den langsam entstandenen und vertieften furchen und falten des hirns“. Kinsky geht es um die Schichten der Zeit, die sich über Erinnerungen lagern. Erst ganz sacht, dann deutlicher zieht sie sprachliche Parallelen zwischen menschlichem Gedächtnis und der konservierten Geschichte auf der Oberfläche der Gesteinsbrocken, an der die Gezeiten und Zeiten vorübergingen, über Millionen von Jahren hinweg.

Im Stein liegt das Vergangene konserviert, sie müsse nur anhand seiner Falten abgelesen werden, als wäre der Stein ein alter, lieb gewonnener Greis, dessen verwittertes Gesicht die Spuren des Lebens tragen. Kinsky schreibt von „zeichen ohne hand und fuß / im stein auf die sich keiner / einen reim zu machen weiß / als den größtmöglicher vergangenheit“.

„Schiefern“ könnte die moderne Fortsetzung von Adalbert Stifters 1853 erschienenen Erzählungen „Bunte Steine“ sein und sich einreihen in die Titel „Granit“, „Kalkstein“ und „Turmalin“. Doch so tückisch idyllisch die detaillierten, biedermeierlichen Naturdarstellungen Stifters sind, so wenig lieblichheimelig sind auch Kinskys beschriebene Slate Islands. Die Kühle der Umgebung schneit in ihren Worten hindurch. Da liegt eine Härte in ihnen, die man sich nicht wegdenken möchte.

Information zum Buch

Esther Kinsky: Schiefern.
D: 24,00 Euro
A: 24,70 Euro
CH: 34,50 Schweizer Franken
Erschienen: 23.03.2020
Gebunden, 103 Seiten
ISBN: 978-3-518-42921-1

Neue Geschäftsleitung bei RHODIUS Schleifwerkzeuge

Stein Magazin

 

Burgbrohl / Bernd Lichter tritt in die Geschäftsführung der RHODIUS Schleifwerkzeuge GmbH & Co KG ein. RHODIUS ist der größte Schleifscheibenhersteller Deutschlands und vertreibt seine Werkzeuge weltweit sowohl an Fachhändler als auch an weiterverarbeitende Firmen. Im Zuge einer Umstrukturierung und eines Generationenwechsels hat der Werkzeughersteller gemeinsam mit den Mitarbeitern eine neue Strategie zur Neuausrichtung des Unternehmens entwickelt. Demnach wird sich die Geschäftsleitung der familiengeführten Firma künftig aus zwei Geschäftsführern und zwei Bereichsleitern zusammensetzen. Der bisherige Geschäftsführer Martin E. Davies verlässt die RHODIUS Ende des Jahres in bestem gegenseitigem Einvernehmen, betont Bernd Lichter. Er verantwortet seit 1. Oktober den Bereich Vertrieb und Marketing. In Kürze wird ihm ein kaufmännischer Geschäftsführer zur Seite stehen. Die Bereichsleitungen übernehmen der Gesamtvertriebsleiter Ernst-Henning Sager und ab April 2019 Dr. Thomas Kamps als Bereichsleiter Technik und Produktion. Mit der Neuausrichtung will der Werkzeughersteller die Position und Durchsetzungskraft auf den nationalen und internationalen Märkten weiter stärken.