Gemeinsam Neue Ideen entwickeln

Stein Magazin
gemeinsam Lösungen zu finden
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In unserer neuen Stein-Serie „Chancen nutzen“ teilen wir unser Wissen über Vorgehensweisen, die Unternehmen nutzen können, um langfristig erfolgreich zu sein. Was steckt hinter dem Begriff Design Thinking? STEIN hat mit einem Design-Thinking-Experten gesprochen und sich von Steinmetzen erklären lassen, inwiefern die Methode für den Arbeitsalltag in ihrem Handwerk sinnvoll sein kann.

David Kelley, Terry Winograd und Larry Leifer entwickelten Design Thinking an der kalifornischen Stanford University als ein Konzept zur kreativen Problemlösung. „Der Grundgedanke des Design Thinking ist, das insbesondere interdisziplinäre Teams echte, herausragende Innovationen erschaffen können. Der Design Thinking Process zielt darauf ab, möglichst unterschiedliche Erfahrungen, Meinungen und Perspektiven hinsichtlich einer Problemstellung zusammenzubringen. Design Thinking entwickelte sich aus dem Industrie-Design. Daher zielt es in erster Linie auf die Entwicklung von innovativen Produkten und Dienstleistungen ab, die auf die Bedürfnisse des Menschen ausgerichtet sind“, ist auf kreativitätstechniken.info einleitend zu lesen. Doch was bedeutet Design Thinking nun genau, wie löst man ein Problem damit und was gehört dazu?

Es gibt beim Design Thinking verschiedene Phasen plus einer Vorbereitung. Insbesondere die Vorbereitung ist laut Design Thinker und Diplom Designer Tobias Greissing aus dem baden-württembergischen Wittighausen besonders wichtig. „In dieser Phase wird das Problem ergebnisoffen definiert. Bedeutend ist es hierbei, dass alle Teilnehmer das gleiche Problem sehen. Gleichzeitig muss ein geeignetes Umfeld in einer inspirierenden Location geschaffen werden. Dazu gehören im Idealfall mehrere, bis zu zwölf Personen aus verschiedenen Bereichen des Betriebs, zum Beispiel aus dem Vertrieb und der Buchhaltung, auch Azubis und der Geschäftsführer sowie externe Fachteilnehmer können den Kreis erweitern“, erklärt Greissing, der das Thema Design Thinking regelmäßig auch im Handwerk in Form von Seminaren vermittelt. Voraussetzung für einen Design-Thinking-Prozess sei, dass man sich dem Thema öffnen könne und bereit für Veränderungen sei, so Greissing. „Denn viele Menschen haben komplett verlernt, kreativ zu sein – sie streben nur danach, effektiv zu arbeiten.“ Nach dieser Vorbereitung folgen sechs Phasen des Design-Thinking-Prozesses, die alle Teilnehmer gemeinsam durchlaufen.

In der ersten Phase geht es um das Verstehen des Problems. Die Teilnehmer bekommen ein gemeinsames Verständnis für das Thema und erfassen den Kontext. In der zweiten Phase begeben sie sich in die Welt der Nutzer, hinaus zum Kunden, um sich deren Bedürfnisse zu erschließen, zu beobachten und sie zu befragen. Empathie statt eigener Interpretationen und Annahmen sind hier gefordert. In der dritten Phase gilt es, zunächst die Frage „Ist es noch unser Problem?“ zu beantworten und Schlüsse aus den ersten beiden Phasen „Verstehen“ und „Beobachten“ zu ziehen und gemeinsam die zentrale Herausforderung zu definieren. Die vierte Phase ist davon geprägt, viele Ideen für die Lösung dieses Problems zu finden. Es werden hier in einem bestimmten, vorgegebenen Zeitrahmen viele, auch verrückte Ideen mit gezielten Kreativitätstechniken erarbeitet, gesammelt, ständig präsentiert und abgefragt. Dann wird eine Idee ausgesucht und dem Endverbraucher vorgestellt. Kann dieser damit nichts anfangen, geht es wieder zurück in die Ideations- oder sogar in die Verstehensphase. „Der Hintergrund ist, dass die Teilnehmer bei einem frühen Scheitern, schnell wieder zu neuen Ideen kommen können“, erklärt Greissing das Vorgehen. Die Vielfältigkeit des Teams hilft dabei, hochwertige Lösungsansätze zu schaffen. In der fünften Phase werden dann die Prototypen entwickelt und im Modell  gezeigt. Damit besteht die Möglichkeit, mit dem Nutzer wieder ins Gespräch zu kommen. In der sechsten Phase wird getestet. Bevor es in die endgültige Produktion geht, werden hier nochmals die Ergebnisse den Nutzern präsentiert und dann in die Herstellung gegeben oder auch nicht. Diese sechs Schritte können mehrfach durchlaufen werden. Auch korrigierende Rücksprünge von einem Schritt zum vorherigen sind denkbar. „Das Konzept kann so lange verfeinert werden, bis die bestmögliche Lösung gefunden ist oder der Ansatz verworfen werden muss“, erklärt Greissing. Auf der Webseite des Zentralverbands des Deutschen Handwerk (ZDH) heißt es dazu: „Der Innovationsansatz Design Thinking hilft dabei, Probleme kreativ und schnell zu lösen – in multidisziplinären Teams und dem Nutzer im Fokus. Diese Nutzerorientierung spielt auch im Handwerk eine zentrale Rolle.“

Diesen Ansatz hat auch der Bundesverband Deutscher Steinmetze (BIV) erkannt und für 35 Meisterfrauen zu Beginn des Jahres ein Halbtagsseminar zum Thema Design Thinking mit Tobias Greissing als Dozent organisiert. Masood Bashary von der Geschäftsstelle des Verbands zur Auswahl dieses Seminarthemas: „Wir wollten den Teilnehmerinnen deutlich machen, dass jedes Problem auch eine Chance darstellen kann. Zunächst geht es nur darum, ein Problem zu verstehen, um sich dann in den Kunden hineinzusetzen und um daraus bedürfnisgerechte oder zeitgemäße Produkte zu entwickeln. Steinmetze sind an sich sehr kreative Menschen. Wir wollten ihnen noch weitere Kreativitätstechniken, wie man sich einem neuen Produkt nähern kann, mit auf den Weg geben und ihnen damit den ersten Schritt im Produktfindungsprozess erleichtern, bei dem die Bedürfnisse des Kunden im Mittelpunkt stehen. Dabei geht es darum, einmal etwas anderes ausprobieren – mit der Methodik von Design Thinking können sich die Steinmetze aktionär Problemen nähern und nicht immer nur reaktionär.“ Nachdem der Bundesverband Vorreiter war, schlug auch der Bezirksobermeister des Landesinnungsverband des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks Hessen in Frankfurt vor, ein Seminar über Design Thinking zu veranstalten, fügt Sonja Mücke vom LIV Hessen hinzu.

Lesen Sie mehr in der STEIN 10/2019.

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Stein neu ordnen

Stein Magazin
„Bouquet“ und „Marble“(Foto: Constanza Meléndez

 

In gewissem Maße sind es die Meisterwerke von Tim Bennett: „Rose“, „Bouquet“ und „Marble“. Denn die Marmorwerke des Münchner Künstlers gehören zur Ausstellung „Me is ter“ der Galerie Jo Van De Loo. STEIN hat den Künstler in seinem Atelier im Münchner Stadtteil Giesing besucht, um sich von der Meisterlichkeit ein Bild zu machen. Unsere Skulptur des Monats April: 

Den Naturstein-Verschnitt kennen Stein-Experten: Rund die Hälfte des Materials kommt auf den Restposten. Nicht so bei Tim Bennett, Bildhauer in München. Wenn der gebürtige Engländer an seinem poliertem Carrara-Marmorblock arbeitet, geht er außergewöhnlich ökologisch vor. Mit Hammer und Meißel bearbeitet er den Stein, ohne dass er seine Funktion als Sockel verliert. Dabei wird dieser selbst zur Skulptur und die vermeintlichen „Reste“ zur Plastik. Denn der abgeschlagene Marmorbruch platziert Bennett „aufgepfropft“ auf den Sockel respektive Skulptur und ordnet damit das Material neu an. „Der Sockel spendet“ nennt der Künstler diesen Prozess. Eine wunderbare Beschreibung für ein Material, das für seine Härte geschätzt wird.

Materialkombination aus Marmor und Öl

Im Falle der Triologie von „Rose“, „Bouquet“ und „Marble“ (je 25x25x115 cm groß) hat Bennett die mit Dübel und Klebstoff verbundenen und mit ammoniakhaltiger Grundierung bearbeiteten Marmorbrüche noch mit Ölfarbe bemalt. Durch den pastösen Auftrag wirkt der kolossale Block weich und knetbar, ohne aber Sensibilität abzugeben.

„Der Prozess des Abschlagens dauert nur wenige Minuten. Auch das Aufsetzen der Reste auf den Sockel ist ziemlich simpel, sodass mich Steinmetze vielleicht belächeln würden“, meint Tim Bennett. Dabei ist es genau diese Einfachheit, die Bennett so faszinierend findet. Schließlich könne er so ganz intuitiv arbeiten und die Schönheit des Werkes in gewissem Maße dem Zufall überlassen.

Skulptur-des-monats-märz-Das-Haus-vom-Nikolaus-Schmidt
März 2017: Die Skulptur fertigte Robert Schmidt-Matt aus rotem Schweinstäler Sandstein. (Foto: Thomas Brenner)
Skulptur-des-monats-februar-dancing-column-tony-cragg
Februar 2017: Die „Dancing Column“ aus Seeberger Sandstein von Tony Cragg. (Foto: Charles Duprat)
skulptur-des-monats-januar-oloid-sabine-rassow
Januar 2017: Das Oloid aus kretischem Marmor von Sabine Rassow. (Foto: Piet Freitag)
skulptur-des-monats-dezember-mops-steve-seguin
Dezember 2016: „Der Mops“ von Steve Seguin aus Udelfanger Sandstein. (Foto: Bernd Decker)
skulptur_des-monats-november-homme-alberto-giacometti
November 2016: „Homme“ aus weißem Marmor von Alberto Giacometti. (Foto: Foto: Kunstmuseum Basel / Martin P. Bühler)
skulptur-des-monats-oktober_eisbaer_peter_hecht
Oktober 2016: Der liegende Eisbär aus Carrara Marmor von Peter Hecht. (Foto: Peter Hecht)
skulptur-des-monats-September-traumsaat-emanuel-wagner
September 2016: Die Skulptur „Traumsaat“ aus grünlichem Diabas von Emanuel Wagner. (Foto: Steinmetz Hans Wagner KG)
Skulptur-des-Monats-August - in motion
August 2016: Die Schwingungen der Skulptur „Steinskúfa“ von Karin Reichmuth versetzen sie in Bewegung. (Foto: Þröstur Eggertsson)
skulptur-des-monats-juli
Juli 2016: „Nautilus“ aus Marmor von Ulrike Glaubitz. (Foto: Künstlerin)

Über den Künstler Tim Bennett

Tim Bennett hat bereits mit 18 Jahren sein Heimatland England verlassen, um erst in Holland und später in Frankreich zu leben. Danach ist er ins Allgäu gekommen, um eine Ausbildung zum Koch zu machen. Finanziert hat er sich diese Jahre vor allem mit Porträtmalerei. Um diese Gabe zu professionalisieren, wollte er an eine Akademie. Für ein Vorpraktikum ging er zu den Restaurierungswerkstätten Dr. Pfanner GmbH – hier lernte Bennett vor allem, wie er mit dem Material Stein umzugehen hat. Und er lernte den „sichtbaren Prozess“ im Schaffensprozess mit den Stein-Arbeiten schätzen. In München studierte Tim Bennett schließlich Malerei und Bildhauerei, wobei er letzterem vor allem verbunden blieb. Heute wird Tim Bennett von der Münchner Galerie Jo Van De Loo vertreten.


Hier sehen Sie die Skulpturen der letzten Monate:

Skulptur-des-monats-märz-Das-Haus-vom-Nikolaus-Schmidt
März 2017: Die Skulptur fertigte Robert Schmidt-Matt aus rotem Schweinstäler Sandstein. (Foto: Thomas Brenner)
Skulptur-des-monats-februar-dancing-column-tony-cragg
Februar 2017: Die „Dancing Column“ aus Seeberger Sandstein von Tony Cragg. (Foto: Charles Duprat)
skulptur-des-monats-januar-oloid-sabine-rassow
Januar 2017: Das Oloid aus kretischem Marmor von Sabine Rassow. (Foto: Piet Freitag)
skulptur-des-monats-dezember-mops-steve-seguin
Dezember 2016: „Der Mops“ von Steve Seguin aus Udelfanger Sandstein. (Foto: Bernd Decker)
skulptur_des-monats-november-homme-alberto-giacometti
November 2016: „Homme“ aus weißem Marmor von Alberto Giacometti. (Foto: Foto: Kunstmuseum Basel / Martin P. Bühler)
skulptur-des-monats-oktober_eisbaer_peter_hecht
Oktober 2016: Der liegende Eisbär aus Carrara Marmor von Peter Hecht. (Foto: Peter Hecht)
skulptur-des-monats-September-traumsaat-emanuel-wagner
September 2016: Die Skulptur „Traumsaat“ aus grünlichem Diabas von Emanuel Wagner. (Foto: Steinmetz Hans Wagner KG)
Skulptur-des-Monats-August - in motion
August 2016: Die Schwingungen der Skulptur „Steinskúfa“ von Karin Reichmuth versetzen sie in Bewegung. (Foto: Þröstur Eggertsson)
skulptur-des-monats-juli
Juli 2016: „Nautilus“ aus Marmor von Ulrike Glaubitz. (Foto: Künstlerin)

Freisprechungsfeier 2016 in Wunsiedel

Stein Magazin

Nach 3 Jahren intensiver Lehrzeit ist die Steinmetz-Ausbildung am Steinzentrum in Wunsiedel für 40 Auszubildende beendet. Im Zuge einer traditionellen Freisprechungsfeier werden die Lehrlinge von Vertretern des Europäischen Fortbildungszentrums (EFBZ) in die Gesellenpraxis entlassen. 

Bei der Freisprechungsfeier 2016 wurden 40 Auszubildende des Steinmetzhandwerks am Steinzentrum in Wunsiedel nach erfolgreicher Beendigung ihrer Abschlussprüfungen geehrt. Im Rahmen einer jahrtausende alten Tradition beorderte der Zeremonienmeister und Leiter des EFBZ Erwin Hornauer die angehenden Steinmetze und Steinbildhauer feierlich in den Gesellenstand. Bei der zunftgerechten Freisprechungsfeier erfahren die Lehrlinge symbolisch durch einen Schlag mit dem Richtscheit eine letzte Züchtigung ihres Meisters. Vor der endgültigen Entlassung muss jeder Geselle zwei schnelle und einen festen Probeschlag an einem Steinblock vorführen – diese spiegeln Eifer und Bedächtigkeit bei der Handwerksarbeit wider. Der Abschied der Lehrzeit endet mit der Übergabe der Gesellenbriefe und Zeugnisse. Dieser Ablauf ist das Ergebnis einer traditionsreichen Zunftgeschichte. Schon seit Jahrhunderten werden Steinmetz-Lehrlinge mit einem Eintrag in das Gesellenbuch der Zunft und der Übergabe des Gesellenbriefs vom Familienverband des Meisters freigesprochen.

Erwin Hornauer betonte während der Feierlichkeiten, wie wichtig eine kontinuierliche Weiterbildung für die jungen Gesellen sei. Zu diesem Zweck werde das Fortbildungszentrum auch zu einem Kompetenzzentrum für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk ausgebaut. Nach der geplanten Fertigstellung des Neubaus Ende diesen Jahres können sich Steinmetze und Steinbildhauer an einer Erweiterung des Bildungsangebotes und Spezialkursen, wie beispielsweise der Steinbearbeitung mit modernster CNC-Technik, erfreuen.