Das Handwerk muss Gas geben

Stein Magazin
digitale Services und Vermarktungsansätze. Foto: servicerebell
digitale Services und Vermarktungsansätze. Foto: servicerebell

Digital-Stratege Christoph Krause begleitet das Handwerk in Sachen Digitalisierung. STEIN sprach mit ihm über die Chancen und Gefahren des digitalen Wandels und die Rolle, die Plattformen dabei spielen.

STEIN: Herr Krause, wie bekommt man den Sinn fürs Digitale ins Handwerk?

Christoph Krause: Das haben manche in der Tat noch gar nicht auf dem Schirm. Ich engagiere mich für die Digitalisierung im Handwerk seit 2006, damals war das überhaupt noch kein Thema. Heute ist das besonders bei der jungen Unternehmergeneration auf jeden Fall im Fokus. Das Problem, das die Firmen haben, sind die vielen Insellösungen, die sie erst einmal zusammenführen müssen. Es ja nicht so, dass die Betriebe bislang komplett analog gearbeitet haben. Aber es fehlen die Schnittstellen zwischen den vielen Softwarelösungen. Oft sind mehr als zehn verschiedene Tools im Einsatz, die untereinander nicht kommunizieren. Da wird dann eben von A nach B kopiert – was viel Zeit und Geld kostet. Hierfür braucht es eine digitale Kette. Und an der arbeiten die Unternehmen gerade.

STEIN: Das heißt, es muss erst einmal der Datenfluss stimmen, bevor ich über so etwas wie eine Plattform nachdenken kann?

Christoph Krause: Auf jeden Fall! Ohne Daten keine Plattform und allein werden einzelne Handwerksbetriebe das auch nicht hinbekommen. Plattformen entstehen im Netzwerk. Dafür brauche ich Leute, die nicht aus dem Handwerk kommen, die etwas von IT verstehen. Deshalb haben wir mit unseren Hackathons und Barcamps Formate entwickelt, die das Handwerk mit der Informatik zusammenbringen. 

STEIN: Was wird in den Hackathons kreiert? 

Christoph Krause: Das Charmante am Hackathon ist, dass man hier nicht nur neue Ideen entwickelt, sondern sie direkt im Prototyp umsetzt. Im Verlegerbereich sind dies zum Beispiel Konzepte, die über Sensorik in der Wand oder am Boden die Feuchtigkeit messen. Daraus können völlig neue Serviceangebote entstehen. Dann installiert ein Betrieb nicht nur das Bad, sondern er kümmert sich auch darum, dass die Fläche instant bleibt. Oder Blockchain-Lösungen, die kombiniert mit Sensorik Kunden Hilfestellungen für die Oberflächenreinigung bereitstellen. Damit organisiert die Arbeitsplatte dann quasi ihre fachgerechte Reinigung selbst und der gesamte Prozess lässt sich digital steuern. Sie müssen als Verleger für solche IoT
(Internet of Things) Ansätze nur ihre einzelnen, verbauten Schichten durchgehen und überlegen, welchen Zusatznutzen die Digitalisierung hier bieten kann.

STEIN: … um daraus dann neue Services digital zu vermarkten?

Christoph Krause: Genau. Doch das Problem ist, dass vielen Unternehmen aktuell schlicht die Luft fehlt, sich mit solchen disruptiven Ideen auseinanderzusetzen. Die Auslastung ist hoch. Früher war der Handwerker für die Industrie der Performer im Verkauf. Das ist nicht mehr so, weil die Betriebe die Aufträge gar nicht mehr abwickeln können. Das Handwerk wird zum Flaschenhals. Zudem wird seine verkäuferische Performance durch Start-ups infrage gestellt. Oder die Industrie geht über eigene Plattformen selbst an die Kunden. Je modularer ich Verkauf und Service aufbaue, für desto weniger Teile im Prozess brauche ich noch den Handwerker. Die digitalen Lösungen hierfür werden gerade gebaut oder sind zum Teil schon fertig. Im Sanitärhandwerk laufen schon bis zu 1,4 Milliarden Euro Umsatz über Plattformen.

STEIN: Was ist also zu tun?

Christoph Krause: Das Handwerk muss Gas geben, digitale Kommunikation und Prozesse, Internet der Dinge, Kundenanbindung. Nicht die schicke Webseite ist der Schüssel. Ich muss den Kundenmehrwert definieren. Welchen Mehrwert biete ich mit meinen digitalen Lösungen? Schlanke Prozesse, transparente Auftragsabwicklung, Angebots- und Terminkonfiguratoren, digitale Zahlungsprozesse. Ich muss digitale Mehrwerte bieten, um weiter vornedran bleiben zu können.

STEIN: Viele Betriebe nutzen bestehende Plattformen als Eintrittstür in den digitalen Vermarktungsprozess.

Christoph Krause: Ja, das stimmt. Für kleinere Betriebe ist das auf jeden Fall ein guter Weg. Doch wenn ich einen Betrieb mit 30 oder 50 Mitarbeitern habe, kann ich mir auch ein eigenes digitales Geschäftsmodell bauen. Hierfür brauche ich jedoch Umsetzungsnetzwerke. Das heißt, ich muss Leute dazu holen, die das können, was ich nicht kann. Ich muss mit den digitalen Umsetzern in Kontakt kommen. Genau das bieten wir mit unseren Formaten an. Auf Digitalkonferenzen wurde genug geredet, jetzt geht es für das Handwerk in die Umsetzung.

STEIN: Digitalisierung braucht Vernetzung. Welche Rolle können die Innungen übernehmen? Schließlich ist keine Branche so gut regional vernetzt wie das Handwerk.

Christoph Krause: Die Innungen müssen sich zu digitalen Dienstleistern entwickeln und ihre Mitglieder in dem Prozess unterstützen. Hierfür müssten sie sich aber anders organisieren. Es macht keinen Sinn, dass jede kleine, regionale Innung an den gleichen Themen arbeitet. Die Aufgaben müssen verteilt werden. Dann entstehen Kompetenzzentren für bestimmte Themenfelder. Und die Gewerke müssen sich zusammenschließen. Für die Innungen steht ein Kulturwandel an. 

STEIN: BIM, ab 2020 für öffentliche Bauten ab fünf Millionen Euro in Deutschland verpflichtend, läuft ebenfalls über Kollaborationsplattformen. Sind hierfür alle Betriebe fit?

Christoph Krause: Auch hier muss sich das Gewerk kümmern. Mit einem kleinen Betrieb reicht mir vielleicht ein Leserecht. Aber wenn ich selbst plane, muss ich mich auseinandersetzen. Schauen, dass meine Software BIM-fähig ist, ich die Schnittstellen habe. Bis ich dieses Know-how aufgebaut habe, brauche ich eineinhalb Jahre. Ich brauche BIM-Spezialisten mit Kenntnissen aus meinem Gewerk. Da werden ganz neue Ausbildungsberufe entstehen. Für den Bestand stellt sich die Frage, wo die Daten herkommen. Dann muss ich vielleicht mal eine Drohne um Gebäude fliegen lassen, um diese zu erheben. Kaufe ich die selbst? Beauftrage ich das? Das sind Fragen, mit denen sich Inhaber auseinandersetzen müssen.

STEIN: Das heißt, eine Digitalisierungsstrategie für jeden Betrieb muss her?

Christoph Krause: Auf jeden Fall. Eine Digitalisierungsstrategie wollen mittlerweile selbst Banken sehen, wenn sie an das Handwerk Kredite vergeben. Ich muss heute in Wertschöpfungsketten denken, um meinen Unternehmenswert langfristig zu sichern. Eine Digitalisierungsstrategie ist meine Investitionsgrundlage für die Zukunft. 

 

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Gestaltungswettbewerb Grabzeichen

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Der Landesinnungsverband Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Baden-Württemberg führt seit 1965 jährlich den Gestaltungswettbewerb „Grabzeichen“ durch. Seit knapp 20 Jahren wird der Wettbewerb auch bundesweit ausgeschrieben. Die nächste Einreichungsrunde endet im Februar 2017.

Steinmetze aus ganz Deutschland können sich mit ihren Arbeiten bewerben. Die Jury legt dabei besonderen Wert auf die gestalterische Qualität der Grabzeichen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die eingereichten Arbeiten bereits auf einem Friedhof stehen müssen. Am Ende des Wettbewerbs darf sich der Gewinner über ein Preisgeld bis in Höhe von 1.000 Euro freuen. Ziel des Wettbewerbs ist es, innovative Arbeiten zu fördern und die zeitgenössische Bestattungskultur zu stärken.

Erfahren Sie mehr über den Gestaltungswettbewerb und reichen Sie Ihre Arbeiten noch bis zum 28. Februar 2017 ein.

Grabpflege muss man sich leisten können. Das Problem betrifft nicht nur viele zeitgenössische Normalsterbliche, auch für die anstehende Ertüchtigung des Florentiner Grabmals von Michelangelo fehlen derzeit die Mittel. Daher lief ursprünglich bis zum 30. Oktober 2017 eine Spendenaktion der zuständigen gemeinnützigen Organisation Opera di Santa Croce. Weil der notwendige Betrag leider noch nicht zusammengekommen ist, wurde die Kampagne aktuell verlängert, die Arbeiten am Grabmonument und dem dazugehörigen Altar sollen baldmöglichst beginnen.

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Er hat schon bessere Zeiten gesehen: Die Grablege Michelangelos und seiner Familie muss dringend gesäubert und restauriert werden. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Doppelter Andachtsort: Links der Familienaltar der Buonarroti, rechts das Grabmal. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Vor dem Sarkophag aus Breccia di Seravezza (auch Breccia Medicea genannt) trauern die personifizierten Künste Bildhauerei, Architektur und Malerei um Michelangelo. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Die Nahaufnahme zeigt: Die Skulpturen aus Bianco di Carrara müssen dringend gesäubert werden. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Erst 2016 entdeckt: Am linken Bildrand etwa auf halber Höhe hat Vasari den verstorbenen Michelangelo als Pharisäer Nikodemus im Altargemälde versteckt. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Seit der Überschwemmung von Florenz 1966 weist das Gemälde des Familienaltars der Buonarroti gravierende Schäden auf, dazu kommen die Ablagerungen der Jahrhunderte. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Vormals Weiß trifft Purpur – Carrara-Marmor und Breccia di Seravezza am Grab Michelangelos und der Seinen. Noch bis 30. Oktober kann für die Restaurierung gespendet werden. (Foto: Opera di Santa Croce)

Es steht nicht gut um das Familiengrab der Buonarroti. Zusammen mit 66 Verwandten ruht Michelangelo in der Basilika Santa Croce zu Florenz, das Andenken an den berühmtesten Sohn des Geschlechts steht im Fokus des Grablege-Ensembles bestehend aus steinernem Monument und angrenzendem Altar. Für die dringenden erhaltenden Maßnahmen werden insgesamt 100.000 Euro benötigt, 15.000 stehen bis dato noch aus.

„Die Skulpturen aus Carrara-Marmor wurden zum letzten Mal vor 22 Jahren gesäubert und haben seither wieder viele Ablagerungen angesetzt“, erklärt Paola Vojnovic, zuständig für die Spendenaktion #InTheNameOfMichelangelo bei Opera di Santa Croce. „Aufgrund der porösen Struktur des Steins können diese eindringen und ihn zerbröseln lassen.“ Eine Säuberung des Ensembles, das im Zentrum eine Büste des Meisters aus Bianco di Carrara auf einem Sarkophag aus purpurner Breccia di Seravezza zeigt, vor dem weiße Carrara-Marmor-Allegorien seiner drei Künste Bildhauerei, Architektur und Malerei trauern, ist unbedingt sinnvoll.

Direkt links neben dem Grabmal, 1570 von Michelangelos Freund Giorgio Vasari entworfen, findet sich der Familienaltar der Buonarroti mit einem Altargemälde, geschaffen vom selben Künstler. Hier reichen die Schäden weiter – und das seit vielen Jahren. Das Bild (Öl auf Pappelholz, 1572) wurde durch die große Überschwemmung in Florenz 1966 stark beschädigt. Weil der gesamte Reparaturbedarf in der Stadt immens war, wurde das Gemälde damals nur notdürftig gesichert. Zudem ist es durch Staub und Schmutzablagerungen der Jahrhunderte stark eingedunkelt. So entdeckte man erst kürzlich eine Darstellung Michelangelos in der Figurenkomposition, der zu seiner eigenen letzten Ruhestätte hinüberblickt. Säuberungs- und Sicherungsarbeiten sind dringend durchzuführen.

Für das Projekt werden noch 15.000 Euro benötigt, spenden kann man online über den Donate-Button auf http://santacroceopera.it/michelangelo/. Auch Kleinbeträge helfen, wie Paola Vojnovic unterstreicht: „Wir freuen uns über jeden, der vielleicht auch nur 25 oder 50 Euro beisteuert.“ Alle Spender werden übrigens ebenfalls in Santa Croce verewigt: In einem Buch der Spender im Archiv dieser Basilica minor. Für größere Zuwendungen von Privatpersonen oder Firmen (5.000, 10.000 oder gar 15.000 Euro) sind noch speziellere Ehrungen vorgesehen, wie z. B. eine Plakette am Eingang des Gotteshauses.

 

Zu Carrara-Marmor, aus dem Michelangelo zu Lebzeiten herausragende Kunstwerke schuf und welchen auch Vasari für das Grabmal des Meisters heranzog, lesen Sie übrigens mehr in STEIN 11/17 in Teil 3 unserer Serie „Italiens Klassiker“.