Gemeißelte Gästebuch-Einträge am Straßburger Münster

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wo zu suchen ist

Wer die 332 Stufen, die zur Münster-Plattform hinaufführen, erklimmt, hat nicht nur eine tolle Aussicht, sondern sieht auch eine touristische Kuriosität.

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Der Sakralbau aus Vogesen-Sandstein hat eine bewegte Geschichte – wer weiß, wo zu suchen ist, findet zahlreiche Stein-Anekdoten beteiligter Steinmetze. Foto: pixabay/architects/C00-Lizenz
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Das Denkmal der Steinmetzkunst der Münsterbauhütte auf dem Vorplatz des Münsters, 2013 errichtet. Es zeigt unter anderem eine Auswahl der Steimetzzeichen. Foto: Anne Fischer
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Die Münster-Plattform in 66 Metern Höhe ist zusammenhängend als Einheit ausgebaut – und vielfältig behauen. Foto: Anne Fischer
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Die älteste Inschrift, aka gemeißeltes Touristen-Ich-war-hier, soll aus dem Jahr 1552 stammen. Foto: Anne Fischer
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Ziemlich zugehackt, der Dom-Turm – heute liegen Gästebücher aus Papier aus. Foto: Anne Fischer

Von Affen, Hunden und Co.

Für Steinmetze bietet das Straßburger Münster einige “offensichtliche Geheimnisse”. Sie erzählen von der Arbeit ihrer Kollegen im Laufe der Jahrhunderte. Das Münster, bei seiner Fertigstellung 1439 und noch bis 19. Jahrhundert das Bauwerk mit dem höchsten Turm Europas, hat eine bewegte, inzwischen mehr als tausendjährige Geschichte. Wer will, erfährt sie in Auszügen im Musée de l’Oeuvre Notre-Dame, am Rande des Domplatzes. Das Münster selbst erzählt sie allerdings am besten – teilweise aber nur den Eingeweihten.

Da wären zum Beispiel die zahlreichen Tierskulpturen überall an der Fassade: Sie repräsentieren die Handwerker mit ihren unterschiedlichen beruflichen Rängen. Die Hunde etwa stehen für Steinmetzmeister, Affen für den Dombaumeister.

Im Nebeneingang an der Südseite des Straßburger Münsters, einst den Handwerkern vorbehalten, findet sich, in die Wand eingelassen, ein unscheinbares Stück Metall. Dahinter verbirgt sich: ein allgemeingültiges Längenmaß für alle an diesem Bau Beteiligten. Denn die kamen aus Ländern mit verschiedenen Maßeinheiten. Das Grundmaß am Straßburger Münster ist daher dieser hier festgelegte “Fuß”.

Steinmetze meißelten Besucher-Namen in die Turmfassade

Wer die 332 Stufen erklimmt, um auf die Münster-Plattform in 66 Metern Höhe zu gelangen, lässt den Blick, oben angekommen, beeindruckt über das Europäische Parlament, die Thomaskirche und die Dächer der Stadt bis – bei gutem Wetter – zu den Vogesen schweifen. Dann bitte unbedingt Richtung Turm umdrehen und die Fassade desselbigen genauer inspizieren: Der Betrachter versteht, dass er sich gerade in eine jahrhundertealte Touristen-Tradition einreiht.

Die ersten Besucher erklommen die Plattform im 15. Jahrhundert. Begrüßt wurden sie von Wächtern – oft ehemalige Steinmetze. Und diese verdienten sich nicht selten ein Trinkgeld damit, die Namen der Besucher kunstvoll in die Turmfassade zu meißeln. Ab dem 19. Jahrhundert wurde dieses steinerne “Gästebuch”, zweifelsfrei ein ungleich kunstvolleres als das spätere Pendant dazu mit Permanentmarkern, verboten. Wer die Inschriften überall an der Fassade betrachtet, kommt zu dem Schluss: Alle erreichbaren Flächen dürften da auch bereits behauen gewesen sein.

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Das fliegende Auge

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Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector
Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector

In unsere neuen STEIN-Serie „Chancen nutzen“ teilen wir unser Wissen über Vorgehensweisen, die Unternehmen nutzen können, um langfristig erfolgreich zu sein. In der ersten Folge dreht sich alles um den Blick von oben. Drohnen ermöglichen Inspektionen, Aufmaße und Dokumentationen von Steinbrüchen oder Fassaden.

Unbemannte Fluggeräte, englisch Unmanned Aircraft Systems oder Unmanned Area Vehicles (UAS, UAV), populär meist „Drohnen“ oder „Multicopterd“ genannt, werden inzwischen in zahlreichen Bereichen des Bauens, Sanierens und Erhaltens von Baubestand eingesetzt. Mit einer visuellen Digital- oder Wärmebildkamera oder einem 3-D-Laserscanner ausgestattet, können ferngesteuerte Drohnen Steinbrüche, Fassaden oder Dachflächen inspizieren oder geometrisch erfassen, Schäden lokalisieren und dokumentieren, Energieverluste aufdecken und vieles mehr.

Sollen Bau-, Sanierungs- oder Umbaumaßnahmen erfolgreich sein, müssen sie sorgfältig vorbereitet und geplant werden. Aktuelle und verlässliche Bestandsdaten sind die wichtigste Grundlage einer umsichtigen Planung. Terrestrische Aufmaßverfahren wie die Tachymetrie, das Laserscanning oder die Fotogrammetrie erfassen nur jene Bereiche, die vom Boden oder von der umgebenden Bebauung aus zugänglich und sichtbar sind. Dachflächen und andere unzugängliche Bereiche der Gebäudefassade lassen sich geometrisch und fotografisch nicht oder nur unzureichend erfassen.

Drohnen können über die luftbildgestützte Fotogrammetrie oder 3-D-Laserscanner Bauwerke und andere Objekte lückenlos geometrisch vermessen und werden deshalb manchmal auch parallel eingesetzt: Aus perspektivisch entzerrten Luftbildern lassen sich zentimetergenaue und maßstabsgerechte Dachaufsichten oder Fassadenansichten erstellen. Werden die Luftbilder fotogrammetrisch ausgewertet, lassen sich daraus 2-D-Pläne oder dreidimensionale Modelle der Gebäudehülle erstellen. Diese können als Grundlage für Planungen, Kostenberechnungen, Ausschreibungen oder Visualisierungen verwendet werden.

Mit speziellen 3-D-Laserscannern ausgestattete Drohnen, können das Umfeld rasterförmig in Sekundenschnelle abtasten und dabei Millionen von 3-D-Messpunkten, sogenannte „Punktwolken“ erzeugen. Dabei speichern sie die Geometriedaten aller umgebenden Objekte als räumliche Koordinatenwerte ab. Eine integrierte Digitalkamera erzeugt zusätzlich 360-Grad-Fotopanoramen und erfasst Gebäudehüllen nahezu lückenlos. Messdrohnen sind auch in der Lage, von Halden, Kies- und Schottergruben, Deponien oder Steinbrüchen zunächst Orthogonalfotos oder 3-D-Laserscans und daraus 2-D-Lagepläne, 3-D-Geländemodelle, Massen und Volumen zu generieren, ohne dabei den laufenden Betrieb zu stören oder Personen zu gefährden.

Lesen Sie mehr in der STEIN 8/2020.

Im Gespräch statt im Gerede

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Gestorben wird immer. Aber nicht mehr genug, schreibt Henning Sußebach am 3. November in der Wochenzeitung »Die Zeit«. Er kommt dann zu dem Schluss, dass viele Bürger ihre Asche lieber verstreuen, als ein Grab zu kaufen. Sußebach formuliert ein Problem, mit dem sich auch das Steinmetzhandwerk auseinandersetzen muss: Sogar Friedhöfe können sterben. Zum Leben brauchen sie Tote. Die werden aber auf den herkömmlichen Friedhöfen immer weniger. Sie haben Konkurrenz bekommen. Die Menschen in einer »Multioptionsgesellschaft« möchten sich nicht mehr dem schematischen Schachbrettmuster der Friedhöfe fügen. Friedhöfe sind heute nur eine Option unter ganz verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten.

Die Folgen sind klar: kein Friedhof, kein Grab, kein Stein. Das Steinmetzhandwerk ist gefordert. Grabzeichen können mit dazu beitragen, Friedhöfe am Leben zu halten. Allerdings: Diese Zeichen müssen einen Sinn, eine Botschaft, einen Wert für die Hinterbliebenen haben. »Blut indischer Kinder haftet an deutschen Grabsteinen« oder »Grabsteine aus Kinderarbeit stehen auf deutschen Friedhöfen«. Meldungen wie diese bringen die Zeichen am Grab ins Gerede. »Kinderarbeit bei Grabsteinen wieder erlaubt« stand am 16. Oktober in der Tageszeitung »Nürnberger Nachrichten«: In einem Urteil hatte das Bundesverwaltungsgericht die Nürnberger Friedhofsordnung gekippt. Die Stadt wollte sicherstellen, dass auf den städtischen Friedhöfen keine Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die von Kinderhänden geformt wurden. Ein Steinmetz klagte. Er gewann! Nur was? Wer soll überprüfen, unter welchen Bedingungen die Steine entstehen, fragten die Richter. Eine Zertifizierung mit verbindlichen Maßstäben muss her. Juristisch ist es nicht zu beanstanden.

Allerdings: Viele der Zertifikate zu sozialen oder ökologischen Standards sind in Bereichen kaum den Kleber wert, mit dem sie auf ein Produkt gepappt werden. Es liegt jetzt an jedem Handwerker selbst, welche Grabzeichen er anbietet und mit welchen Steinen er arbeitet. Das Produkt Grabstein ist wieder einmal im Gerede, statt im Gespräch zu sein. Das ist ärgerlich.

Willy Hafner’s Betreff aus STEIN im Dezember 2013.

Bild: Aeternitas e.V.