Frauenpower

Stein Magazin
Sitzende

Das Georg Kolbe Museum in Berlin zeigt derzeit Arbeiten von Bildhauerinnen der ersten Stunde und macht dem Besucher bewusst, wie sehr Frauen für ihre Anerkennung in ihrem Beruf kämpfen mussten.

Die Berlinale ist gerade vorbei. Im Georg Kolbe Museum in Berlin lebt sie aber weiter. Denn dort steht derzeit die originale Preistrophäe des Filmfestivals: Eine Vitrine präsentiert den Berliner Bär aus Bronze noch bis zum 17. Juni 2018 im Rahmen der Ausstellung „Die 1. Generation Bildhauerinnen der Berliner Moderne“. Was viele nicht wissen: Ursprünglich stammt die Trophäe aus den Händen der deutschen Künstlerin Renée Sintenis aus dem Jahr 1956. Sintenis ist eine von zehn freischaffenden Bildhauerinnen der Weimarer Republik in Berlin gewesen, denen das Museum im Berliner Westen derzeit eine Bühne gibt.

Kolbe-6
Ausstellungsansicht. Foto: Eric Duch
Georg-Kolbe-2
Louise Stomps, Sitzende, 1939, Marmor. Foto: Friederike Voigt
Georg-Kolbe-3
Figur aus Grünem Sandstein von 1928. Foto: Friederike Voigt
Georg-Kolbe-1
Wurde später zum Sinnbild der Berlinale: die Figur von der Bildhauerin Renée Sintenis aus Bronze von 1956 aus der Sammlung Karl H. Knauf. Foto: Friederike Voigt
Kolbe-4
Käthe Kollwitz im Atelier 1935. Foto: Bundesarchiv, unbekannt

Bei Rodin lernen, um erfolgreich zu sein

„Wir wollen zeigen, was Frauen können“, so Dr. Julia Wallner, die Direktorin des Georg Kolbe Museums. Denn dass sie was können, wollte man(n) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch nicht wirklich wahrhaben. Die Schwere und Härte der bildhauerischen Arbeit war doch nur etwas für Männer, so das Credo. „Erst ab 1919 war es den Frauen vergönnt, eine Akademie zu besuchen“, so Wallner. Bis dahin mussten sie entweder eine Kunstgewerbeschule besuchen oder sich so durchschlagen. Viele waren zudem auch noch mit bekannten Künstlern verheiratet, sodass sie stets im Schatten ihrer Männer standen. Und weil viele jüdischer Abstammung waren, galt die künstlerische Arbeit der Frauen in den 1930er-Jahren zudem als entartet. Kein Wunder, dass ihre Kunst vergessen wurde.

„Sieben von zehn Künstlerinnen, die wir zeigen, waren bei Rodin in Paris, um ihm über die Schulter zu schauen“, klärt Wallner auf. Obwohl die Frauen stets mit Vorurteilen kämpfen mussten, hatten sie dank Disziplin und ihres selbstbewussten Auftritts Erfolg. Besonders ist hier Milly Steger hervorzuheben. Sie bekam sogar mit der Kunst am Bau einige Großaufträge. „Eine Königsdisziplin für Bildhauer“, wie es Wallner nennt.

Am Ende der Ausstellung, die circa 60 Werke der zehn Bildhauerinnen aus Stein, Holz, Gips oder Bronze zeigt, ist ein kleiner Raum dem Namensgeber des Museums gewidmet: Georg Kolbe. Er war einer der erfolgreichsten deutschen Bildhauer aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Berliner Atelier in der Sensburger Allee 25 nannte er liebevoll seine „Sensburg“. Heute ist es das einzig zugängliche Künstleratelier aus den 1920er-Jahren: das Georg Kolbe Museum.

„Die 1. Generation Bildhauerinnen der Berliner Moderne“, gezeigt werden Arbeiten von Milly Steger, Renée Sintenis, Käthe Kollwitz, Sophie Wolff, Tina Haim-Wentscher, Marg Moll, Christa Winsloe, Emy Roeder, Jenny Wiegmann-Mucchi, Louise Stomps, 18. Februar bis 17. Juni 2018, Georg Kolbe Museum, Sensburger Allee 25, Berlin.

 

 

Könnte dich auch interessieren

Naturstein in München zum Anfassen

Stein Magazin

Aus einem gedruckten Natursteinführer wird Praxis zum Anfassen. Noch bis 13. Juli 2018 ist im Servicezentrum der Lokalbaukommission eine Ausstellung zu sehen, die zeigt, wo und wie Naturstein an Gebäuden in München verarbeitet wurde.

Naturstein-Ausstellung-Muenchen
Blick auf die Foto-Wall der zusammengetragenen Münchner Gebäude. Foto: Johann Weber
IMG_5610
Die gezeigten Fotografien sind auch im „Natursteinführer München“ abgedruckt, der 2015 publiziert wurde. Foto: Johann Weber
IMG_5604
Materialproben der Steine zum Anfassen ergänzen die Ausstellung. Foto: Johann Weber
Beethoven-Str-Dantis
Beethovenstraße 6, München. Foto: Johann Weber
Justizpalast-Muenchen
Der Justizpalast in München. Foto: Johann Weber
Marienplatz-Rathaus
Ein Teil der Fassade des Rathauses am Marienplatz in München. Foto: Johann Weber
Ettstrasse2
Polizeipräsidium in der Ettstraße 2, München. Foto: Johann Weber

Die Ausstellung basiert auf dem im Jahr 2015 von Prof. Florian Musso herausgegebenen „Natursteinführer München“. Johann Weber, Leiter der Baustoffsammlung der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität (TU) München, erfasste hierfür etwa 4.000 Gebäude des Stadtinneren und die darin verbauten Natursteine. Gebäude wie der Justizpalast, das Polizeipräsidium, das Rathaus am Marienplatz oder der Monopteros im Englischen Garten zählen zu den imposanten Beispielen, die mit Natursteinen gebaut wurden. Detailliert werden die einzelnen Gebäudeteile aufgeschlüsselt und die Art der Natursteine aufgelistet. So besteht der Sockel des Justizpalastes in der Elisenstraße aus Waldstein Granit, das Verblendemauerwerk aus Kelheimer Auerkalk und Donau Kalkstein, die Säulen, Basen und Kapitelle aus Carrara Marmor.

Aus rund 400 im Buch abgebildeten Fotos wurden für die Ausstellung 120 gewählt. „Nicht jedes Gebäude, Bauteil, Kunstobjekt kann gleich gut abgelichtet werden, sodass die Auswahl der Bilder ein wenig nach der ‚Schönheit des Fotos‘ und Verschiedenartigkeit der Verwendung geschehen ist“, erklärt Johann Weber.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag, 9–17 Uhr
Referat für Stadtbauplanung und Bauordnung
Servicezentrum
Blumenstraße 19
80331 München

Europäisches Stein-Festival 2015

Stein Magazin

Das europäische Stein-Festival fand 2015 in Straßburg statt. Vom 26. bis 28. Juni machten etwa 120 Steinmetze und -bildhauer aus 15 Ländern den Vorplatz der berühmten Kathedrale zu ihrem Arbeitsplatz. Zum Thema “Die Botschaft der romanischen Baumeister und der rheinischen Mystik” hauten sie Skulpturen aus Sandstein, die später ersteigert werden konnten.

Straßburg bot die perfekte Kulisse für die Arbeit am Naturstein, aber auch für die Nachwuchsarbeit. Denn im belebten Touristenort Straßburg fanden auch viele junge Leute ihren Weg zu den traditionellen Handwerkern. Martina Hartwich-Wolf von der Kunstgießerei Strassacker, Partner des Festivals, glaubt: “Gerade bedingt durch die Aufgabenstellung und deren Realisation haben einige junge Menschen Interesse an diesem Beruf gefunden.” Von Totenköpfen über Reliefs und Konsolen bis hin zu Fabelwesen reichten die Umsetzungen des Themas aus einem jeweils 20 x 30 x 30 cm großen Sandstein.

steinfestival_2015_3
Die Gewinner mit ihren Arbeiten. Foto: Konrad Lenz
steinfestival_2015_2
Weitere Impressionen vom Stein-Festival in Straßburg. Foto: Konrad Lenz
steinfestival_2015_7
Foto: Kunstgießerei Straßacker
steinfestival_2015_4
Foto: Konrad Lenz
steinfestival_2015_5
Foto: Kunstgießerei Straßacker
steinfestival_2015_8
Kunstgießerei Straßacker präsentierte die Vielfalt der Möglichkeiten der Verbindung von Bronze und Naturstein. Foto: Kunstgießerei Straßacker
steinfestival_2015_9
Foto: Kunstgießerei Straßacker
steinfestival_2015_1
Foto: Konrad Lenz

Die besten Arbeiten unter den Skulpturen von Lehrlingen, Gesellen oder Meistern auf dem Stein-Festival in Straßburg wurden ausgezeichnet. Die Gewinner sind:

Milleniumspreis der Stadt Straßburg:
Ongky Wijana, Bali.

Meister:
1. Philippe Smith, Kanada
2. Danny Barber, Kanada
3. Nicolas Helmer, Frankreich

Steinmetzlehrlinge:
1.  Martin Kuster, Straßburger Münsterbauhütte / Frankreich
2. Dimitri Marquet, Frankreich
3. Lucas Finance, Frankreich

Steinbildhauerlehrlinge:
1. Gwendoline Barré, Frankreich
2. Tomas Petukauskas, Litauen
3. Richard Bossons, England