Handwerk als Chance für Flüchtlinge

Stein Magazin

Nach Schätzung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) werden in diesem Jahr bis zu 1, 5 Millionen Flüchtlinge in Deutschland ankommen. Diese Flut an Menschen stellt das Land vor große Herausforderungen. Auf der einen Seite ist große Hilfsbereitschaft erkennbar, andererseits stoßen die Neuankömmlinge auf offene Ablehnung, die bis zu fremdenfeindlichen Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte reicht. Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) hat dazu in den Medien klar Stellung bezogen: „Die Bewältigung der Flüchtlingsströme ist ein Akt humanitärer Verantwortung, zugleich auch ein politischer Gestaltungsauftrag. Es ist gut, dass die Politik jetzt auf allen Ebenen diesen Prozess aufnimmt und Hindernisse aus dem Weg räumt. Auch das Handwerk steht bereit. Unser Beitrag kann vor allem Integration durch Ausbildung und Arbeit sein.“

Ähnlich sieht dies der Deutsche Naturwerkstein-Verband (DNV): „Den Flüchtlingsstrom begreifen wir als große Chance für unsere Industrie. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sehen wir vor allem das Potential der Menschen. Viele von ihnen haben bereits Erfahrung in der Bauindustrie oder sind handwerklich orientiert. Auch der Umgang mit Naturstein und dessen Bearbeitung ist einigen Flüchtlingen bereits vertraut, so dass diese rasch in die betrieblichen Strukturen unserer Fachbetriebe eingegliedert werden könnten“, betont Geschäftsführer Reiner Krug.

Mohammed Fateh Khaled ist ein solches Beispiel. Der Steinmetz aus Syrien kam Anfang August dieses Jahres mit seiner Familie nach Kirchheim im Landkreis Würzburg. Nach der strapaziösen und gefährlichen Flucht war er dankbar, dass er in der Gemeinde so freundlich aufgenommen wurde, dass er den Menschen eine Marienstatue schenken wollte. Mit der Unterstützung der Kirchheimer Kalksteinwerke schuf der Steinmetz innerhalb von wenigen Tagen drei Marienfiguren. Marcus Hofmann, Geschäftsführer des Kalksteinwerks, war von den handwerklichen Fähigkeiten des Syrers sehr beeindruckt: „Wir haben Mohammed Schleeriether Sandstein, roten Main Sandstein und Krensheimer Muschelkalk zur Verfügung gestellt. Daraus hat er mit erstaunlichem Geschick drei filigrane Marienstatuen gefertigt.“ Dazu habe er nur so einfache Mittel wie Hammer, Meißel und eine elektrische Schleifmaschine zur Verfügung gehabt.

Lesen Sie mehr über das Potential von Flüchtlingen im Handwerk in STEIN im November 2015.

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Lernwerkstatt 4.0

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die Handwerksbranche auf die Digitalisierung vorzubereiten. Foto: Friedrich-Ebert-Schule Esslingen

Digitale Transformation

Das Programm „Lernwerkstatt 4.0“ hat das Ziel, verschiedene Berufsgruppen auf die Digitalisierung vorzubereiten. Mit dem „Multilabor“ an der Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen wurde nun das erste Modellprojekt für die Handwerksbranche eröffnet – initiiert vom Wirtschaftsministerium Baden Württemberg.

„Die digitale Transformation unserer Wirtschaft schlägt sich nicht nur in den Arbeitsprozessen und Geschäftsmodellen nieder“, erklärte die Wirtschaftsstaatssekretärin Katrin Schütz bei der Eröffnung letzte Woche. „Sie führt auch zu einem Wandel in der Arbeitswelt und einem Veränderungsbedarf in der Aus- und Weiterbildung.“

Das Projekt wurde eingeführt, um Arbeitnehmer auf den Wandel in der Branche durch die Digitalisierung vorzubereiten. Dazu bietet die Lernwerkstatt Lehrgänge für Beschäftigte und den Nachwuchs an.

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Eröffnung der Lernwerkstatt 4.0. Foto: Friedrich-Ebert-Schule Esslingen
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Ziel des Modellprojekts ist es, die Handwerksbranche auf die Digitalisierung vorzubereiten. Foto: Friedrich-Ebert-Schule Esslingen

16 Lernfabriken

Das Wirtschaftsministerium fördert das Projekt sowie bereits 16 weitere Lernfabriken. Bisher lag der Fokus aber auf der Industrie – nun wird auch die digitale Aus- und Weiterbildung in den Gewerken Elektro und Sanitär-Heizung-Klima angeboten. Im Multilabor 4.0 in Esslingen soll insbesondere die Digitalisierung im Gebäude und der Energie- und Umwelttechnik dargestellt werden. Dazu gehören die Themen Gebäudesystemtechnik, Smart Home und Elektrotechnik.

Von dem Projekt profitiert das Handwerk als wichtiger Ausbildungspartner – aber auch der Landkreis. Nachdem eine hohe Resonanz auf das Projekt gab, sollen mit der konzeptionellen Weiterentwicklung bestehende Lücken in der regionalen Verteilung verschiedener Wirtschaftsbereiche geschlossen werden. Geplant ist es, bis 2019 insgesamt 20 Lernwerkstätten in Baden-Württemberg zu eröffnen.

Dialog und Perspektive

Das Projekt „Dialog und Perspektive Handwerk 2025“ ist eine gemeinsame Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau und des Baden-Württembergischen Handwerkstages. Ziel des Projekts ist es, Herausforderungen, Chancen und Potenziale für die wirtschaftliche Entwicklung des baden-württembergischen Handwerks in den nächsten zehn Jahren näher zu beleuchten und daraus Unterstützungsmaßnahmen abzuleiten.

die im Rahmen der Rückvermeisterung mitentschieden werden soll. Foto: carolynabooth/pixabay/COO-Lizenz

Bestatter-Meister wäre rechtlich möglich

Ein Gutachten des Bestattungsrechtlers Tade Spranger sagt, eine Meisterpflicht wäre mit europäischem Recht vereinbar. Nun muss die Politik entscheiden. (mehr …)