Skulptur des Monats: Familienstele

Am 20. September 2015 war Weltkindertag. Unter dem Motto „Kinder willkommen!“ machten viele Initiativen deutschlandweit auf die Rechte der Kinder aufmerksam. Gerade im Hinblick auf die Flüchtlingskrise wäre es wichtig, diese Rechte gewahrt zu wissen! Am besten geht es Kindern zumeist in ihrer Familie. Sie ist ein sicherer Hafen, ein Ort der Geborgenheit – sie ist Identität und Heimat. Mit unserer Skulptur des Monats Oktober 2015 wollen wir auf die Familie und ihren Wert, der nicht zu ersetzen ist, aufmerksam machen.

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Oktober 2015: Eine Familienstele als Gartenskulptur von Kathrin Post-Isenberg. (Foto: Künstlerin)

Die Steinmetzmeisterin und Steinbildhauerin Kathrin Post-Isenberg aus Siegburg gestaltete für eine vierköpfige Bonner Familie eine Familienstele aus verschiedenen Graniten. Wie in jeder Familie zeichnen sich bei ihren Kunden viele Gemeinsamkeiten, eine Struktur der Zusammengehörigkeit ab – gleichzeitig sind die einzelnen Teile der Familie, jede Person für sich anders bzw. einzigartig. Dies wollte Post-Isenberg in ihrer Skulptur aufgreifen – ähnlich wie bei der Gestaltung individueller Grabmale, bei der sie ebenfalls die Familien-/Personengeschichte genau beleuchtet. Eigentlich sollte es eine florale Skulptur werden. Die Familie hatte so eine bei einer Ausstellung der Steinmetzmeisterin gesehen. Aufgrund ihrer Wohnsituation und dem ersten Eindruck der Persönlichkeiten, entschied sich Kathrin Post-Isenberg aber für einen anderen Entwurf: „Die Architektur und Gestaltung des selbstgebauten Hauses besteht aus vielen quadratischen und rechteckigen Formen. Alles ist klar geordnet und vermittelt eine Gleichmäßigkeit. Auch die Eltern sprachen sehr klar von sich selbst, da gab es wenige ausschweifende Formulierungen. Sie vermittelten mir Struktur.“

Eine klare und schlichte Formensprache kennzeichnet nun auch ihre Arbeit. Auf einer rechteckigen Basis ruhen vier Steinwürfel. Alle sind mit einem Abstandhalter von zwei Zentimetern übereinander und miteinander verbunden. Interessant ist die Wahl des Materials: Alle Quader bestehen aus Granit – der Clou: Die Künstlerin verwendete unterschiedliche Arten von Granit. In trockenem Zustand denkt man, dass die Skulptur aus einem einzigen Stein gearbeitet wurde. Nass entfaltet sie ihre ganze Schönheit, man erkennt die Unterschiede. Vier Würfel stehen für vier Individuen. Von Orion über Verde Candeias suchte sich jedes Familienmitglied sein Material selbst aus. Auch die Anordnung der Würfel überließ Post-Isenberg dem Wunsch der Familie. Welcher Würfel für wen steht, bleibt hier aber geheim. Die Basis bildet ein dunkler Impala, der Stärke und Halt vermitteln soll. Alle Steine der 160 Zentimeter großen Arbeit wurden geschurrt.

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Die 160 cm große, geschurrte Granitstele zeigt nass ein ganz anderes Bild. Foto: Kathrin Post-Isenberg

Manchmal fragen andere, warum die Stele einheitlich grau ist. Erst einmal fehlt das Verständnis. Wenn dann aber die Gießkanne hervorgeholt wird, können viele nachvollziehen, warum dieses Material gewählt wurde. Auch das ist menschlich und erinnert daran, dass man Menschen und Familien erst genauer kennenlernen muss, um sie zu verstehen. Wenn man den Dingen auf den Grund geht, ist ihre Komplexität erst zu ersehen. Mit der Familienstele von Kathrin Post-Isenberg wird deutlich, was Familie heißen kann, aber auch was Steinmetzhandwerk ausmacht! Wie wichtig Aufmerksamkeit in Bezug auf die Bedürfnisse der Kunden und Beratung ist, zeigt auch das Ende unserer Geschichte: Interessanterweise besuchte der Vater der Familie später einen Bildhauerkurs bei der Künstlerin – er arbeitete nicht wie viele andere an diversen Kopfformationen, sondern an einem Kunstobjekt aus verwinkelten Würfeln.

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Die Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg machte sich 2008 selbstständig und spezialisierte sich auf die Bereiche „Individuelle Grabmale“ und „Bildhauerkuse für Kinder und Erwachsene“. Foto: Beatrice Treydel

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