Häuser sollten länger stehen, als man lebt

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Der Architekt Paul Kahlfeldt mag Naturstein. In erster Linie deswegen, weil er ihm die Möglichkeit gibt, Häuser so zu bauen, wie Häuser für ihn sein sollten: langlebig, hochwertig und schön. So, wie schon die Griechen bauten. In der antiken Bauweise und deren Materialeinsatz sieht er eine zentrale Errungenschaft der Menschheit.

Die gestalterischen Ansätze sind für ihn materialbedingt und logisch: »Die Griechen haben den berühmten Begriff der Tektonik geprägt, der aus der Zimmermannskunst kommt und besagt, dass man Dinge, die bisher aus Holz gemacht wurden, aus Stein fertigt.« Denn das Holz verrottet, der Stein nicht. Die Gestaltung von Säulen, Kapitellen und Architraven entwickelte sich weiter, da in Stein nur bedingt realisierbar war, was seinen Ursprung im Holzbau hatte. Diese Wandlung führte zu einer Formensprache, die für Kahlfeldt nicht nur eine Frage des Geschmacks ist: »Ich finde den Einsatz von Stein deshalb so interessant, weil es dafür nicht nur einen dekorativen, sondern einen logischen Grund gibt.« Wie bei der Kirche Santa Maria dei Miracoli in Venedig, die er gern als Beispiel nennt. Das Bauwerk ist mit großformatigen Marmorplatten verkleidet, um die tragende Konstruktion zu schützen. Der Stein ist langlebig und sieht darüber hinaus gut aus.

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Dieses konstruktive Prinzip hält Kahlfeldt auch heute für sinnvoll. Ein weiterer Aspekt, der für ihn den Reiz natürlicher Baustoffe wie Holz oder Stein ausmacht, ist deren Einzigartigkeit: »Je nachdem, wie man ein Material aufschneidet, bekommt man ein wunderbares Bild der Natur.« Eine Schönheit, die Grenzen hat, wie er meint: »Es gibt vieles, was ich aus Stein machen kann und aus Holz nicht und andersherum. Es ist Unsinn, alles aus einem Material machen zu wollen.« Ihn interessiert vor allem der richtige Materialeinsatz: Was verwendet man wofür und wie. Adäquater Materialeinsatz ist nur dann möglich, wenn man einen Werkstoff gut kennt, weiß Kahlfeldt. Der gelernte Tischler präzisiert: »Wenn Herz, Hirn und Hand nicht zusammenarbeiten, sprich wenn man nicht selbst die Machbarkeit in einem Material erfahren hat, kommt man nicht über die Abstraktion hinaus. Weil man nicht weiß, wie etwas gemacht wird.« Doch nur mit Kenntnis lassen sich individuelle Lösungen finden, entsteht gute Architektur.

Kahlfeldt weiter: »Jeder von uns findet eine andere Lösung für klassische Fragen: Wie gehe ich um die Ecke, wie profiliere ich etwas, wie gebe ich dem Material eine individuelle Ausdrucksform. Das geht nur übers Detail. Und den Handwerker, der es ausführt. Handwerker und Architekt müssen zusammenarbeiten und nicht gegeneinander.« Das bedeutet für ihn immer Respekt und Anerkennung dessen, was der andere will und weiß: Die Bereitschaft des Architekten anzuerkennen, dass der Handwerker aus seiner Tradition und seiner Kenntnis heraus mehr weiß als der Architekt. Im Gegenzug sei es Aufgabe des Architekten, den Handwerker herauszufordern, seine Leis­tung zu steigern, um eine für den Bauherrn indivi­duelle Lösung zu liefern.

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Paul Kahlfeldt (l.) kam 1956 in Berlin zu Welt. Er lernte von 1976 bis 1978 Bau- und Möbeltischler und studierte bis 1984 Architektur an der TU Berlin. Kahlfeldt ist seit 1987 selbständig tätig in der mit Petra Kahlfeldt (r.) zusammen gegründeten Bürogemeinschaft Kahlfeldt Architekten (Verlinkung: http://www.kahlfeldt-architekten.de/) und war von 1988 bis 1992 Büroleiter des Berliner Büros von Professor Josef Paul Kleihues. Aktuell ist Paul Kahlfeldt neben seiner selbständigen Tätigkeit seit 2005 Professor für Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion an der Technische Universität Dortmund, Vorstand des Deutschen Werkbund Berlin und Vorstand der Internationalen Bauakademie Berlin.

Lesen Sie mehr zur zeitlosen Natursteinarchitektur Paul Kahlfeldts in STEIN im Februar 2014.

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Das „steinerne Meer“ zwischen Öland und Gotland

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Skandinavien ist bekannt für seine Hartgesteine. Darum führt die Stein-Reise des Geokompetenzzentrum Freiberg in diesem Jahr nach Süd-Schweden – und auch in der STEIN wird es im Sommer eine Strecke zum Thema Skandinavien geben.

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Bei der Exkursion werden unter anderem Steinbrüche besucht. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.
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Abbau von Braennhult-Granit. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.
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Arbeit im Steinbruch Sjöström. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.

Schwedisch Schwarz

Die sechstägige Exkursion hat sich als feste Größe im jährlichen Exkursionskalender für die Steinmetzbranche etabliert. Wie in jedem Jahr bekommen Fachinteressierte einen Überblick über Natursteinvorkommen, -abbau und -referenzen des Landes. Besucht werden Firmen, Steinbrüche, Orte und Objekte in Kristianstad, Vanga, Borgholm (Öland), Gotland und Malmö.

Hilke Domsch vom Geokompetenzzentrum Freiberg erklärt: „In Südschweden gibt es Granite wie Bjärlöv, Bohus oder Flivik, Gneise wie Halmstad oder Vanga und natürlich die als ‚schwedisch Schwarz‘ bekannten Basalte. Etwas unbekannter und dabei traditionell sehr verankert sind die Kalksteine von den Ostseeinseln Öland und Gotland und auch Marmor wie der grüne Brännlykan.“

Auf Öland wird die Firma Naturstenkompaniet besucht – sie gewinnt und verarbeitet den Ölandkalkstein. Unter den Orten sticht die Ostseeinsel Gotland hervor, so Hilke Domsch: „Der Gotland-Kalkstein ist ein wunderschöner heller und harter Kalkstein mit einer einzigartigen Textur. In Verbindung mit der Geschichte der Hanse wird dies ein Highlight der Reise.“

Reiseinformationen

Die Exkursion findet vom 30. April bis 6. Mai 2018 statt – auf Wunsch kann der Reisezeitraum verkürzt werden. Anmeldeschluss ist der 28. März 2018.

Hier finden Sie den interaktiven Informations- und Anmeldeflyer zum Ausfüllen und Versenden.

Europäische Steinestapler starten eine Ausstellung

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Steinestapler Jonathon Kitching nutzt auch angespültes Treibgut für seine Skulptur. Foto: Laurence Winram

Im schottischen Dunbar stapelten Künstler im April Steine bei einem Festival zu kunstvollen Skulpturen. Im Mai geben sie ihr Können an Interessierte weiter.

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Steinestapler Jonathon Kitching nutzt auch angespültes Treibgut für seine Skulptur. Foto: Laurence Winram
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James Craig Page (Mitte links), Veranstalter des Festivals, mit der Jury. Foto: Laurence Winram
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Ein Teil der Gewinner-Skulptur von Pedro Duran. Foto: Laurence Winram
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Die Steinestapler überlegen gemeinsam, wie sie ihre Kunstform bekannter machen können. Foto: Laurence Winram
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Teil der Ausstellung in Summer Hall. Foto: Laurence Winram

Steinestapler stellen gemeinsam mit Land-Art-Künstlern aus

Steine sind ein tolles Baumaterial – nicht nur für Treppen, Säulen und Co., sondern auch für gestapelte Kunstwerke am Strand. Das zeigen die Ergebnisse des 2. Europäischen Wettbewerbs der Steinestapler, der Ende April für zwei Tage in Dunbar in Schottland stattgefunden hat. 30 Künstler haben angespülte Kiesel und größere Steine aus der Natur mit ruhiger Hand kunstvoll auf Felsen und Sand gestapelt und sich in den Kategorien “Die meisten Steine ausbalanciert”, “Juniormeisterschaft”, “künstlerischer Gewinner” und “Stapeln gegen die Zeit” gemessen. Der Gesamtgewinner ist – wie bereits im letzten Jahr – Pedro Duran aus Spanien. Er bekommt einen finanziellen Zuschuss für seinen Flug nach Texas, wo 2019 der weltweite Wettbewerb in Llano stattfindet.

Die Kunst besteht beim Steinestapeln darin, die Schwerkraft für sich zu nutzen, denn sie ist das einzige, was die Skulpturen zusammenhält. Versierte Künstler bauen zum Beispiel komplette Torbögen ohne eine einzige Kelle Mörtel. Seriöse Stapler verändern die natürliche Umgebung oder gar historisch bedeutende Stätten dabei nicht – beides sind Kritikpunkte von Naturschützern. Sie stapeln besonders gern an Stränden, Flüssen und Seen, weil sie dort häufig besonders schöne Steine finden. 
Noch ist die Steinestapler-Szene eher klein und familiär – und sie könnte ein bisschen mehr öffentliche Aufmerksamkeit gebrauchen. Um die mediative Kunst in Europa noch bekannter machen, stellen deshalb bis 28. Mai bekannte Steine-Stapler, Land-Art-Künstler und Maler gemeinsam in der Summerhall Gallery in Edinburgh aus und geben an allen Mai-Wochenenden Workshops.