Impressionen vom Cimetière Saint-Pierre in Marseille

STEIN zeigt in einer Bildergalerie historische Grabmale des drittgrößten Friedhofs Frankreichs.

Der Cimetière Saint-Pierre ist einer der jüngeren seiner Art: Er wurde 1855 angelegt und acht Jahre später offiziell eingeweiht. Die Marseillaiser beerdigten ihre Angehörigen zuvor auf kleineren Pfarr-, Kloster- oder Krankenhausfriedhöfen – oder auf dem zentralen Friedhof Saint-Charles. Dieser lag im Stadtzentrum, bekam schnell Kapazitätsprobleme und wurde 1876 endgültig geschlossen. Saint-Pierre löste ihn ab, mit einem Areal von 63 Hektar.

Das wirkt zunächst unüberschaubar. Doch der Besucher orientiert sich schnell am Grün: Denn dort, wo auf kleinen Hängen Kiefern wachsen, findet er zuverlässig die historischen Grabanlagen. Dutzende namhafte französische Unternehmer und Künstler, darunter Maler, Bildhauer, Sänger sind hier begraben. Unter ihnen etwa der Komponist Vincent Scotto. Er wünschte sich folgende Grabinschrift: „Mein ganzes Leben lang habe ich komponiert, heute verwese ich.“ Allein, es wurde nichts daraus – dieser letzte Wille schien Scottos Frau unangebracht.

Die Mausoleen verfallen, die Urnenfelder wachsen

Saint-Pierre ist ein eindrucksvoller Zeitzeuge für die Veränderung der Bestattungskultur auch im Nachbarland. Außergewöhnliche und vor allem: außergewöhnlich viele Mausoleen, Skulpturen und Grabdenkmale erinnern an die Hochzeit des Friedhofs – wenngleich sie teilweise in bedauernswertem Zustand ihrem Verfall entgegen altern. Riesige Urnengrabfelder bilden hügelabwärts ihr modernes Pendant.

Insgesamt arbeiten heute rund 150 Mitarbeiter auf dem Friedhof mit seinen 100.000 Grabmalen. Für deutsche Augen ungewöhnlich sind die Autos, die zwar nicht zahlreich, aber doch regelmäßig kreuzen. Saint-Pierre hat ein Straßennetz von insgesamt 15 Kilometern. Auch in Marseille bemüht sich die Verwaltung um Lösungen für den Friedhofswandel. Sie initiiert unter anderem Grabpatenschaften und versucht, möglichst viele der Gräber in einer Online-Datenbank zu inventarisieren. Auf dem Friedhof (und auch den 20 weiteren, die sich über das Stadtgebiet verteilen) gibt es ein interaktives Terminal. Interessierte können darüber die Gräber berühmter Persönlichkeiten suchen – oder das eines Verwandten auf dem riesigen Gelände finden.


Die Redaktion setzt die Serie „Impressionen vom Friedhof“ in unregelmäßigen Abständen fort – und nimmt dafür gern Vorschläge und Wünsche entgegen, per Email an redaktion@stein-magazin.de