Innovative Kombination

Erst in den 1980er–Jahren hatte die Ruhrgebietsstadt Castrop-Rauxel den zentral gelegenen Marktplatz neugestalten lassen. Doch in halbgebundener Bauweise ausgeführt, nahmen die Mängel am Belag immer mehr zu. Der Stadt war klar, dass nur eine umfassende Baumaßnahme langfristig helfen konnte. Die erste Planung sah vor, den Platz in gebundener Bauweise zu sanieren. Doch durch die Firma Metten aus Overath bei Köln wurden die Verantwortlichen auf das Verlegesystem ecostone aus Belgien aufmerksam.

Aufgrund der großen Anzahl von auftretenden Schäden am Belag suchte der Bauingenieur Guy Van Camp aus Belgien nach den Gründen der Mängel und einer entsprechenden Lösung. Die Erkenntnis, dass die Fuge bei hoher Belastung die Schwachstelle ist, führte zu einem Umdenken. Anstatt die Fuge immer steifer auszubilden, um sie stabiler zu machen, musste sie entlastet werden. So entstand die Idee von ecostone.

Einfaches Prinzip

Die Verlegearbeiten hat die Garten- und Landschaftsbaufirma Boymann aus Dortmund durchgeführt. Beim Reihenverband mussten die Pflasterer zunächst sorgfältig die rund zwei Meter langen Kunststoffschienen auf der ebenen, unverdichteten Bettung anordnen. Die Straße ist im Ellbogenverband verlegt. Aber die Verlegearbeiten folgen dem gleichen Prinzip, auch wenn sie etwas zeitintensiver sind. Denn bei diesem Muster setzt der Pflasterer immer einen Stein, dann eine Schiene, dann wieder einen Stein und so weiter. Und zwischen diesen Arbeitsschritten muss er auch noch die Abstandshalter richtig platzieren. Das Verfahren war nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Mitarbeiter der Firma Boymann eine Premiere, die problemlos verlief.

Besonderheiten und positive Erfahrungswerte

Das System von ecostone hat etliche Vorteile. Der größte Vorteil liegt in der geringeren Steindicke. Ein weiterer Pluspunkt des Schienensystems ist die sofortige Nutzung nach der Verlegung. Zudem ist die Verlegetechnik schnell zu erlernen. Und die Erfahrungen hinsichtlich der horizontalen Stabilität sind positiv, denn bis heute musste keine einzige Fläche ausgebessert werden.

Erfahren Sie mehr über die innovative Verlegetechnik in STEIN 06/2017.

Könnte dich auch interessieren

Zwischen Minimalismus und Exzess

Stein Magazin
Die Keramikplatten „Kerlite“ schmücken einen Teil der Wände und Oberflächen dieses traditionsreichen Teehauses in der chinesischen Metropole Shanghai. Foto: Cotto d’Este

Die Keramikplatten „Kerlite“ schmücken einen Teil der Wände und Oberflächen dieses traditionsreichen Teehauses in der chinesischen Metropole Shanghai. Foto: Cotto d’Este

Im „Space of Stone and Lotus“ hat das örtliche Architekturbüro „Minax“ mit Keramikplatten des italienischen Herstellers Cotto d’Este eine spannende Begegnung zwischen Orient und Okzident geschaffen.

Die Keramikplatten „Kerlite“ schmücken einen Teil der Wände und Oberflächen dieses traditionsreichen Teehauses in der chinesischen Metropole Shanghai. Foto: Cotto d’Este

Begegnung zwischen Orient und Okzident

Bickt man aus den runden Fenstern, würde man nicht glauben, dass das da draußen Shanghai sein soll. Dickicht schiebt sich vor die Scheiben, als läge das Haus, in dem man sich befindet, mitten im Wald und nicht in der chinesischen Millionenmetropole, die man sich – beeinflusst von Bildern, Videos und Reportagen – immer als eine von Smog umräucherte Überwältigungsenklave vorgestellt hat. Der Raum, seine Fenster und die Aussicht ins Grüne sind auch jetzt nur über Fotos zugänglich. Aber es ist leicht, sich vorzustellen, wie überrascht man wäre, zu sehen, dass Shanghai auch ein wenig Natur und Gartenkultur zu bieten hat.

Das Haus, das diesen Ausblick beschert, ist ein Teehaus mit Ausstellungsraum. „The Space of Stone and Lotus“ heißt es, im vergangenen Jahr hat das örtliche Architekturbüro Minax das Projekt abgeschlossen und aus einer Kombination von orientalischen Kulturelementen und Materialien des italienischen Herstellers Cotto d’Este aus den Keramikplatten „Kerlite“ eine Begegnung zwischen Orient und Okzident geschaffen. Einerseits ist da der traditionelle, schlauchförmige, in klassisch maserierter Holzspahnoptik verkleidete Teeraum mit den runden, dick eingefassten Fenstern, der ein wenig an ein U-Boot mit seinen Gucklöchern erinnert.

Andererseits ist ein Teil der Wände und Oberflächen im selben Raum mit Platten aus der Linie Cement Project im Format 100 x 300 Zentimeter in schillernden Farben gestaltet. Sie sorgen für Bewegung im Raum, visuelle Tiefe und eine ungewöhnlich futuristische Atmosphäre in einer über tausend Jahre überlieferten Kulturinstitution wie dem chinesischen Teehaus. Schaut man sich den Rest der Räume an, wird klar, dass hier nicht an Materialfülle gespart wurde. Verarbeitet wurde Feinsteinzeug, wohin das Auge reicht, eine glänzend-speckige Realisierung der dekadenten, hedonistischen Seite Shanghais und eine wenn auch gering vorhandene Verwurzelung mit der chinesischen Kulturgeschichte, zu der zweifellos das Etablissement des Teehauses gehört. Teehäuser sind in China nicht nur Orte des Verzehrs und Genusses, sondern des gesellschaftlichen Austausches und der kulturellen Identität.

Das Gestaltungskonzept

Der Protagonist des Gestaltungskonzepts ist die Kollektion Vanity Dark Brown in den Formaten 120 x 260 Zentimeter. Das Material wurde für die Tischplatte im Teeraum, die Säulen im Ausstellungssalon und den Bodenbelag verwendet. Diesen akzentuieren zudem runde Fliesen aus Exedra Travertino im Format 100 x 300 Zentimeter. Bei den quadratischen und rechteckigen Stufen am Boden haben sich die Designer hingegen für die Linie Forest in der Ausführung Cembro im Format 100 x 300 Zentimeter entschieden. Sie wurde auch für die vereinzelten Wanddekorationen ausgewählt, allerdings im Farbton Noce. Und dann ist da noch die gigantische Lotusblüte inmitten des Salons. Raffinierte Beleuchtung bringt das verarbeitete Material Vanity Bianco Statuario wie Glas zum Glänzen. Eine zweite künstliche Blüte in ähnlicher Größe wurde mit Pietra d’Iseo in der Farbe Ceppo und im Format 120 x 260 Zentimeter gestaltet.

Inspirieren ließen sich die Architekten für das Projekt vom Begriff „Zhai“. Er bezeichnet die Studiersäle chinesischer Gelehrter und beruft sich auf Meditation und innere Einkehr. Die mit Feinsteinzeug verkleideten kulturellen Symbole wie die Lotusblüten stehen für die Verschmelzung zwischen Moderne und Tradition.

MEHR GLANZ FÜR SAINTE MARIE-MADELEINE

Stein Magazin

Beim Eintreten stockt einem der Atem: Die Dimensionen der berühmten Wallfahrtskirche Sainte Marie-Madeleine in Vézelay sind überwältigend. Doch der Zahn der Zeit hat das Bauwerk nicht unversehrt gelassen. Kurz vor dem 900. Jubiläum wird diese prachtvolle Kirche nun gründlich restauriert.

Allein Burgund, diese landschaftlich wunderschöne Region in Zentralfrankreich, hat fünf UNESCO-Weltkulturerbestätten vorzuweisen. Eine davon ist die Abteikirche und der Stadthügel von Vézelay. Die auf dem Hügel thronende, von Weitem sichtbare Basilika aus dem 12. Jahrhundert ist ein spätromanischer Bau mit frühgotischen Anklängen. Das herannahende Jubiläum im Jahr 2020, in dem sich der Baubeginn zum 900. Mal jährt, wurde, so lässt sich vermuten, als Anlass genommen, um die prächtige Kirchenanlage zu restaurieren. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die in drei je zwei Jahre dauernde Abschnitte unterteilt sind, haben 2014 begonnen.

basilika-ste-marie-madeleine-in-vezelay
Station vieler Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela und eines der schönsten Kirchenbauwerke: die Basilika Ste. Marie-Madeleine in Vézelay. (Foto: quick-mix)
ste-marie-madeleine-chorapsis-gewoelbe-triforum
Die erste Phase der Restaurierung war die Chorapsis mit ihrem prachtvollen Gewölbe und dem umlaufenden Triforum. (Foto: quick-mix)
ste-marie-madeleine-kapitelle-ornamentaler-schmuck
Weltberühmt sind die Kapitelle mit ihrem überreichen ornamentalen
Schmuck. (Foto: quick-mix)
ste-marie-madeleine-abgebrochene-teile-per-handarbeit-angeklebt
Abgebrochene Teile mussten – oft in Handarbeit – wiederhergestellt und
angeklebt werden. (Foto: quick-mix)
ste-marie-madeleine-schwarze-verfaerbungen-an-waenden
Unschöne schwarze Verfärbungen sollen verschwinden. Sie entstehen
durch Feuchtigkeitsansammlungen an den Wänden. (Foto: quick-mix)
pflasertunge-aussenbereich-kieselschicht
Fur die Pflasterung im Außenbereich werden zunächst eine Kieselschicht
und ein wasserundurchlässiger Bettungsmörtel aufgebracht. (Foto: quick-mix / Christina Haberlik)
verstreuung-von-fugenmoertel
Der Fugenmörtel wird verstreut, eingeburstet und die Fläche anschließend
mit einem Schlauch abgespritzt. (Foto: quick-mix / Christina Haberlik)
ste-marie-madeleine-restaurierungsabschnitt-chorapsis
Der erste Restaurierungsabschnitt der Chorapsis dauerte circa zwei Jahre. (Foto: Christina Haberlik)
ste-marie-madeleine-abtrennung-einzelner-segmente-fuer-messen
Im weiteren Verlauf der Arbeiten werden jeweils einzelne Segmente abgetrennt, damit weiterhin Messen stattfinden können. (Foto: Christina Haberlik)
roboter im Einsatz
Der Roboter im Einsatz – er ist fast jeder dreidimensionalen
Aufgabe gewachsen. (Foto: Christina Haberlik)

Roboter arbeitet wie ein Bildhauer

Die Basilika ist nicht etwa baufällig oder in einem ruinösen Zustand. Bei dieser Baumaßnahme geht es vielmehr primär um eine ästhetische Verbesserung des Gesamtzustandes, denn große Teile der Mauern hatten sich bedingt durch Salpeter- und Kalkablagerungen unansehnlich grau-schwarz verfärbt und sind teilweise auch feucht und bemoost.

Firma SNBR (Société Nouvelle Batiment Régional) konnte die Ausschreibung für die Phase 1 für sich entscheiden und leistete hervorragende Arbeit, sowohl bei den Verputzarbeiten als auch bei den schwierigen plastischen Rekonstruktionen. Die heimliche Hauptperson im Betrieb ist der Roboter. Er arbeitet vollkommen selbstständig. Auch die Rekonstruktionen der dreidimensionalen fehlenden Steinsegmente wurden von ihm gefertigt.

Der Gesamteindruck der künftig fertig restaurierten Basilika darf auf jeden Fall nicht neu wirken. Dies ist ein wichtiger Aspekt beim Umgang mit historischen Gebäuden. Viel Einfühlungsvermögen, handwerkliches Geschick, fachmännisches Wissen, kunstgeschichtliche Kenntnisse und große Erfahrung sind vonnöten, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Soweit dies bislang zu beurteilen ist, hat die Mannschaft, die hier am Werk ist, hochkompetente, denkmalgerechte Arbeit geleistet – angefangen bei der Wahl der richtigen Materialien bis zu den mit feinem Gespür ausgeführten Restaurierungen.

Erfahren Sie mehr über die Sanierung der Basilika Sainte Marie-Madeleine in STEIN im Dezember 2016.