Insolvenz angemeldet

Erschütterung im Altmühltal: Mit der Johann Stiegler KG ist eines der ältesten Familienunternehmen in der Natursteinregion zahlungsunfähig. Droht das Ende einer 257 Jahre langen Betriebsgeschichte? Insolvenzverwalter versuchen, das Schlimmste abzuwenden.

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Seit 1761 steht Stiegler für Naturstein. Aktuell kämpfen Insolvenzverwalter darum, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Foto: Screenshot stein-magazin.de

Solnhofener Platten sind eine Kultmarke unter den deutschen Natursteinen, wie kann ein Werkstoff mit einer derart langen Verarbeitungstradition nicht mehr profitabel sein? Seit 2003 drängen kostengünstigere keramische Imitate auf den Markt, nach Angaben des Prokuristen Ludwig Stiegler sank der Umsatz von Solnhofener Kalkstein seither auf nur noch ein Fünftel des Rekordjahres 2001. Das Schwächeln des berühmten Produkts ist wohl der zentrale Grund für die Misere. Stiegler betreibt Steinbrüche in Solnhofen und Rothenstein, neben den Solnhofener Platten und Jura Kalkstein aus eigenem Abbau umfasst das Sortiment allerdings auch Natursteinimporte und Keramik.

Naturstein seit 1761

Trotz des Booms am deutschen Bau war den billigeren und immer ausgefeilteren Imitaten nicht beizukommen, waren die Auftragsbücher einfach nicht mehr voll genug. Den 80 Mitarbeitern des in achter Generation geführten Familienunternehmens wurde die Hiobsbotschaft bereits am 31. Oktober im Rahmen einer Betriebsversammlung mitgeteilt und den Beschäftigten in Aussicht gestellt, dass die offenen Löhne zeitnah über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung ausbezahlt werden können.

Silberstreif am Horizont?

Die Hoffnung, dass der Betrieb weitergehen kann, bleibt zunächst. Das zuständige Gericht in Ansbach bestellte nach dem Antrag des Familienbetriebs am 30. Oktober umgehend Eisner Rechtsanwälte als Insolvenzverwalter, die bemüht sind, eine konstruktive Lösung zu finden. Ihr Geschäftsführer, Dr. Helmut Eisner, bekräftigte gegenüber der Online-Tageszeitung Nordbayern.de (Nürnberger Nachrichten/Nürnberger Zeitung): „Wir sind eine Kanzlei, die immer versucht, einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen.“ Ferner beurteilte er die Lage als „schwierig, aber nicht aussichtslos“. Am Wochenende habe es erste Gespräche gegeben, er sei noch dabei, sich einen seriösen Überblick zur Lage zu verschaffen. Es sollen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um den Betrieb perspektivisch fortzuführen. Eine Übernahme der Stiegler KG durch einen Wettbewerber aus der Region sei nicht auszuschließen.