Integration braucht Geduld, vor allem mit der Bürokratie

Flüchtlinge könnten den Druck aus dem Fachkräftemangel der Handwerksbetriebe nehmen. Wenn da nicht das politische Paragraphenchaos wäre.

Vergangene Woche trafen sich im Rahmen der Reihe „Der Landtag im Gespräch“ Politiker und mehr als 300 Asylhelfer im Bayerischen Landtag, um über die Flüchtlingssituation zu diskutieren. Aktuelle Arbeitsverbote kritisierten die Helfer ebenso wie der immense Bürokratieaufwand, bei dem sowohl Flüchtlinge als auch Arbeitgeber schnell den Mut verlieren. Und dabei wäre alles so einfach: Das Handwerk braucht dringend Fachkräfte, die Flüchtlinge suchen Beschäftigung – aber so einfach ist es dann doch nicht.

Die Frustration darüber wurde auch am vergangenen Stammtisch des Münchner Bauforums deutlich, zu dem der Münchner Flüchtlingsrat als Gast über die aktuelle Arbeitssituation von Flüchtlingen referierte. „Ich würde gerne einen Flüchtling in meinen Betrieb integrieren. Gibt es eine Übersicht, die mir zeigt, was ich dafür machen muss?“, fragte ein Mitglied vom Bauforum. „Wir haben so viele Schlupflöcher, Abweichungen und Einzelfälle, sodass ich die Frage nicht einfach so beantworten kann “, antwortete Rebecca Kilian-Mason, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats. Das rechtlich komplexe System sei nur schwer zu durchschauen und der Gestaltungsspielraum der einzelnen Ausländerbehörden sei sehr groß.

Wo die Politik versagt

Welche Herausforderungen die Integration von Flüchtlingen ins Arbeitsleben mitbringen kann, zeigte die Sandstrahlerei Bräuer aus Gilching an einem praktischen Beispiel. Die Firma beschäftigt zwei festangestellte Fachkräfte aus Eritrea und Afghanistan. Sprachbarrieren ließen sich durch die Tätigkeiten im Betrieb schnell lösen. Zu den viel größeren Herausforderungen zählten die langsamen Verfahren der Behörden und die mangelnde sowie unzuverlässige Information in den Ämtern.

Eine weitere Herausforderung war die Suche einer Unterkunft für die zwei Mitarbeiter. Nachdem die beiden Flüchtlinge in einem Angestelltenverhältnis waren, verloren sie das Bleiberecht in ihrer alten Unterkunft. „Beide hatten auf einmal kein Dach mehr über dem Kopf. Zufällig fand ich heraus“, erzählt Andreas Bräuer von der Sandstrahlerei, „dass sie mehrere Tage um die Weihnachtszeit unter einer Brücke schliefen, weil sie keine Wohnung bekamen. Dann haben wir sofort gemeinsam eine Bleibe gesucht. Was aber nicht so einfach war. Wenn ein Vermieter die Wahl hat zwischen beispielsweise einem Referendar im Lehramt und einem Flüchtling, entscheidet er sich immer gegen den Flüchtling. Erst über persönliche Kontakte und der Versicherung, dass beide bei mir angestellt bleiben, konnten wir eine Wohnung finden.“

Hilfe im Paragraphenwust

„Ohne die Unterstützung ehrenamtlicher Institutionen wären wir nicht weitergekommen“, so Bräuer. Hier kann die kostenlose Beratung im Flüchtlingsrat helfen oder die Arbeitsvermittlungsagentur „StayWelcome“. Unterstützung finden Betriebe auch bei Asyl-Helferkreisen und in Berufsschulen, wo es sogenannte Integrationsklassen gibt.

Von den 53 Unternehmen, die im Münchner Bauforum e. V. organisiert sind, beschäftigen derzeit sieben Betriebe insgesamt elf Flüchtlinge. Angestellt sind sie als Praktikanten, Auszubildende und festangestellte Fachkräfte. Ihre ausgesprochene Freundlichkeit, Höflichkeit sowie Pünktlichkeit wurde an dem Stammtischabend des Bauforums ausdrücklich gelobt – Handlungsbedarf sehen die Betriebe vornehmlich in der Politik, um Integration erfolgreich umsetzen zu können.

Über das Münchner Bauforum

Seit fünf Jahren bündelt der Verein Münchner Bauforum Experten aus jeder Branche rund um den Bau. Der Verein dient dabei der Privatperson als Vermittler von qualifizierten Handwerksbetrieben, Planern und Dienstleistern bei Bauleistungen. Das Münchner Bauforum ist jedoch nicht nur ein Netzwerk aus unterschiedlichen Unternehmen. Die Mitglieder befassen sich auch mit aktuellen Themen und Problematiken, wie beispielsweise aktuell mit der Integration von Flüchtlingen.