Volkstümlich und zeitgenössisch

Yushu ist eines der wichtigsten religiösen Zentren Tibets. Hier befindet sich auch die buddhistische Stätte Jiana Mani, bekannt für ihre weltweit größte Ansammlung von Manisteinen. Das Projekt gewann den Zumtobel Group Award 2017 in der Kategorie „Young Professional“

Beim Erdbeben 2010 wurde der Bau beschädigt. Das chinesische Büro Team Minus baute das Zentrum als Jianamani Visitor Center wieder auf – heute wird es von Gästen, Pilgern und der lokalen Gemeinschaft genutzt. Besucher können sich über Jiana Mani und seine Geschichte informieren; den Bürgern von Yushu stehen ein Postamt, eine Klinik, öffentliche Toiletten sowie ein Forschungsarchiv zur Verfügung.

Nach tibetischer Tradition

Im Laufe ihrer über 300-jährigen Geschichte haben sich an dieser Stätte des tibetischen Buddhismus mehr als 250 Millionen Manisteine angesammelt. Täglich fügen Pilger neue hinzu. Für die Einheimischen ist Jiana Mani mit keiner anderen Stätte vergleichbar – auch weil über 40 Prozent der Einwohner ihren Lebensunterhalt mit dem Bearbeiten der Steine verdienen.

Die Materialien verweisen auf regionale Handwerkstechniken: Das Natursteinmauerwerk wurde aus denselben Felsen gebaut, aus denen auch die Manisteine gemeißelt werden. Dabei wurde die Dachterrasse teilweise aus recyceltem Erdbebenschutt wieder aufgebaut.

Auch die Form des Zentrums folgt der tibetanischen Tradition: Der Komplex besteht aus einem quadratischen Grundriss, welches einen zentralen Innenhof umschließt. Dieser dient als geschützter Raum für die Mönche. Auf elf Aussichtsplattformen begegnen sich Besucher und Einheimische – und haben einen Ausblick auf die historischen Stätten in der Umgebung.

Erhalt der lokalen Handwerkskunst

„Das Jianamani Visitor Center ist eine bemerkenswerte Mischung aus volkstümlicher und zeitgenössischer Architektur“, erklärte die Jury desZumtobel Group Award. „Nach dem Erdbeben von 2010 war es das erste Gebäude, das erbaut wurde und den Bewohnern von Yushu Arbeit und Hoffnung gab. Dass beim Bau die traditionellen Steinmauern verwendet wurden, trägt dazu bei, dass die lokale Handwerkskunst erhalten bleibt – gleichzeitig wird aber auch ein bewusster Blick in die Zukunft ermöglicht.“