Küchenarbeitsplatten – aktuelle Trends

Stein Magazin

Küchenarbeitsplatten aus Naturstein und Engineered Stone sind auf dem Vormarsch. Doch wer gewinnt das Rennen um die Küche? STEIN hat sieben Experten nach ihrer Einschätzung gefragt: „Naturstein, Engineered Stone und Keramik: Wie ordnen Sie die derzeitigen Marktanteile dieser Materialien bei Küchenarbeitsplatten in Deutschland ein und in welche Richtung werden sich diese Ihrer Meinung nach im Laufe der nächsten drei Jahre verändern?”

 

Hubertus Adamczyk, Geschäftsführer Naturstein-Werk Vorsfelde GmbH

„Für Küchenarbeitsplatten verarbeiten wir zur Zeit 65 % Naturstein und 35 % aufgeteilt in Engineered Stone und Keramik. Die Keramik hat bei uns zurzeit noch einen sehr geringen Anteil; wir gehen jedoch davon aus, dass in Kürze der Keramikanteil deutlich steigen wird – allerdings zu Lasten der Anteile in Engineered Stone. Meiner Meinung nach werden wir im Laufe der nächsten Jahre eine permanente Steigerung von „harten“ Platten bekommen, wobei sich aber das Verhältnis von Naturstein zu Engineered Stone und Keramik nicht großartig verschieben wird.“

Walter Schwanekamp, Geschäftsführer Schwanekamp GmbH

„Die Marktanteile von „harten“ Arbeitsplatten aus Naturstein, Quarzkomposit und Keramik an allen verkauften Küchen in Deutschland hat nach unserem Wissen einen Anteil von knapp 20 %. Dieser Anteil verteilt sich zur Zeit auf zirka 50 % Naturstein, 35 % Engineered Stone und etwa 15 % Keramik. In den nächsten drei Jahren wird Engineered Stone stagnieren oder sogar etwas verlieren und Keramik übernimmt Anteile von Naturstein und Engineered Stone, so dass sich das Bild dann auf 45 % Naturstein, 30 % Engineered Stone und 25 % Keramik verschieben wird.“

Theresa Steinkamp, Geschäftsführerin J. & H. Fahling GmbH

„Ich denke, dass Naturstein im Bereich der Küchenarbeitsplatten immer einen Großteil der Marktanteile behalten wird. Was wir in den nächsten Jahren erwarten beziehungsweise jetzt schon feststellen können ist, dass der Anteil an Keramik-Küchenarbeitsplatten stark zunimmt und sich dadurch der Marktanteil der Quarzkomposit-Arbeitsplatten minimieren wird.“

Marina Gaiatto, Vertriebsleiterin Dartmann & Gaiatto GmbH

„Unserer Einschätzung nach ist zunächst einmal der Marktanteil je nach Region unterschiedlich. In unserem Betrieb liegt die derzeitige Schätzung bei 20 % Naturstein, 60 % Engineered Stone und 20 % Keramik. Für die nächsten drei Jahre erwarten wir eine Veränderung in Richtung 30 % Naturstein, 40 % Engineered Stone und 30 % Keramik.“

Gerd Ehnes, Leiter Produktmanagement D. Lechner GmbH

„Nach Lechner-Beurteilung verteilen sich die Marktanteile aktuell wie folgt: 1. Naturstein, 2. Engineered Stone und 3. Keramik. Unserer Einschätzung nach wird die Keramik die Engineered Stone in den nächsten drei Jahren überholen, der Naturstein aber an der Spitze bleiben, sodass sich dann folgende Reigenfolge ergeben wird: 1. Naturstein, 2. Keramik und 3. Engineered Stone.“

Daniel Böhm, Leiter Küchenabteilung und Oberflächen, KüchenTeam Böhm

„Wir verdienen unser tägliches Brot unter anderem mit der Produktion von Küchenarbeitsplatten; dabei konnten wir feststellen, dass sich in den letzten Jahren die Marktanteile mächtig verschoben haben. Die Entwicklung in den letzten drei Jahren: Naturstein von 50 auf 30 %, Quarzstein von 25 auf 20 % und VidroStone®-Keramik von 25 auf 50 %. Der Trend wird in den nächsten drei Jahren weiter in Richtung VidroStone®-Keramik gehen. Unsere Prognose: 60 % VidroStone®-Keramik, 25 % Naturstein und nur noch 15% Quarzstein.“

Stefan Ogrczall, Geschäftsführer Natursteinwelten GmbH

„Naturstein bleibt unverändert beziehungsweise verzeichnet wieder ein leichtes Plus, Engineered Stone weicht der durchaus besseren Konkurrenz aus Keramikmaterial und wird meiner Ansicht nach weiter zurückgedrängt. Keramik ist stark auf dem Vormarsch und besticht durch materialimmanente Vorteile. Zukünftig wird Keramik, so schätze ich, zirka 30 % des Marktanteils erreichen, besonders, wenn Marketingstrategen ihre Fähigkeiten nutzen.“

And the winner is…

Das Fazit der Experten kann wie folgt zusammengefasst werden: Naturstein wird seine Spitzenposition unter den „harten“ Küchenarbeitsplatten behalten und wahrscheinlich sogar ausbauen. Engineered Stone wird jedoch Anteile an Keramik verlieren – obwohl die Quarzkomposit-Arbeitsplatten in den vergangenen Jahren noch ein stärkeres Wachstum verzeichnen konnten. Wie sehen Sie das? Wer gewinnt das Rennen um die Küchenarbeitsplatte? Diskutieren Sie auf unserer Facebook-Seite mit!

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Spurensuche auf Slate Islands

Stein Magazin
Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein – eine sinnliche Suche nach Leblosem.

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Auf der Karte sind es kleine Flecken vor der Westküste Schottlands, so klein, dass es leicht ist, sie zu übersehen. Man muss sie gezielt aufsuchen, um sie zu finden. Man stößt nicht einfach auf sie. Die Inneren Hebriden Schottlands, eine Inselgruppe am oberen Zipfel des Britischen Königreichs, sind eine beliebte Reiseregion. Wer hierherkommt, sehnt sich nach dem Ursprünglichen, dem Wilden, dem Zerklüfteten. Nach salzigem Wind, der sich in Haaren und Kleidung verfängt und sie starr werden lässt. Nach dem Atlantik, dessen Wogen an das schwarze Gestein prallen. Gneise. Granit. Basalt. Schiefer.

Esther Kinsky, Übersetzerin und Lyrikerin und 2018 für „Hain. Geländeroman“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet, hat dem Schiefer und der Region, in dem das Sedimentgestein jahrhundertelang abgebaut wurde, einen Gedichtband mit dem so einfachen wie bezeichnenden Titel „Schiefern“ gewidmet.

Die Steinbrüche auf Slate Islands sind noch da, die Überbleibsel einer inzwischen stillgelegten Industrie auch. Kinsky begibt sich auf Entdeckungsreise und verpackt ihre Naturbeobachtung in Worte, die rätselhaft zu entziffern sind und hinfortreißen in die Entlegenheit der Inneren Hebriden, zum schwarzen tosenden Meer, über dem der Leser wie ein unsichtbar Schwebender im Gedankenraum treibt, den Kinsky mit ihren Worten spinnt.

Genau dort, in diesem Gedankenraum, sind auch die Analogien zwischen etwas durch und durch Leblosem und Menschlichem zu finden. Nur wenige Menschen stecken in diesem dreiteiligen Band, das Menschliche jedoch fehlt ihm nicht. Es ist sogar ganz erstaunlich, wie sinnlich über Gischt tragende Wellen und „platten mit einer / oberfläche wie versteinerter leiser wellengang“ geschrieben werden kann, ohne in kitschige Romantik abzurutschen.

„Nature Writing“

Natur verleitet bereits seit dem 18. Jahrhundert Schriftsteller dazu, über sie als Hauptprotagonistin zu schreiben. „Nature Writing“ nennen sich im Angelsächsischen die ausschweifenden literarischen Beschreibungen von Bäumen, Wiesen, Blumen, Wolkenbrüchen. Auf Deutsch hat sich der Begriff der „Naturpoesie“ oder auch „Naturlyrik“ eingebürgert. Esther Kinsky sticht seit Jahren mit solcher Naturpoesie in der Literatur hervor.

2013 flicht sie in „Naturschutzgebiet“ ausgehend von einem verwahrlosten Stadtpark vier Gedichtzyklen über Verfall und Wachstum. Ordnet man Kinskys Werk nun der Gattung des „Nature Writing“ zu, widerspricht sie gern. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte sie einmal, sie sähe sich nicht in der Tradition des Nature Writing. Zu diffus sei dieser Begriff, zu ausufernd darin, was er umschließt und was nicht. „Nature Writing“ kann alles sein, sagt sie. Warum dann nicht auch ihre neueste Arbeit „Schiefern“, möchte man entgegenhalten?

Die Schichten der Zeit

Früh fällt in „Schiefern“ das Wort der Erinnerung „als raum der abwesenheiten, bewegt von der durchsichtigen hand unberechenbarer synapsen und unwägbarer verschiebungen von ablagerungen in den langsam entstandenen und vertieften furchen und falten des hirns“. Kinsky geht es um die Schichten der Zeit, die sich über Erinnerungen lagern. Erst ganz sacht, dann deutlicher zieht sie sprachliche Parallelen zwischen menschlichem Gedächtnis und der konservierten Geschichte auf der Oberfläche der Gesteinsbrocken, an der die Gezeiten und Zeiten vorübergingen, über Millionen von Jahren hinweg.

Im Stein liegt das Vergangene konserviert, sie müsse nur anhand seiner Falten abgelesen werden, als wäre der Stein ein alter, lieb gewonnener Greis, dessen verwittertes Gesicht die Spuren des Lebens tragen. Kinsky schreibt von „zeichen ohne hand und fuß / im stein auf die sich keiner / einen reim zu machen weiß / als den größtmöglicher vergangenheit“.

„Schiefern“ könnte die moderne Fortsetzung von Adalbert Stifters 1853 erschienenen Erzählungen „Bunte Steine“ sein und sich einreihen in die Titel „Granit“, „Kalkstein“ und „Turmalin“. Doch so tückisch idyllisch die detaillierten, biedermeierlichen Naturdarstellungen Stifters sind, so wenig lieblichheimelig sind auch Kinskys beschriebene Slate Islands. Die Kühle der Umgebung schneit in ihren Worten hindurch. Da liegt eine Härte in ihnen, die man sich nicht wegdenken möchte.

Information zum Buch

Esther Kinsky: Schiefern.
D: 24,00 Euro
A: 24,70 Euro
CH: 34,50 Schweizer Franken
Erschienen: 23.03.2020
Gebunden, 103 Seiten
ISBN: 978-3-518-42921-1

Notre-Dame lieber langsam und behutsam wieder aufzubauen. Foto: C00-Lizenz/skeez/Pixabay

Dombauhütten-erfahrene Metze sind rar

Experten halten die angesetzten fünf Jahre für die Sanierung für nicht machbar. Unter anderem, weil es nicht genügend Steinmetze gibt. Über den Status Quo der Sanierungspläne und deutsche Hilfsangebote.

Schon wenige Stunden, nachdem Notre-Dame brannte, war klar: Am Geld wird der Wiederaufbau nicht scheitern. Das wird zwar kontrovers diskutiert, ist aber Fakt – bis heute haben Spender rund 900 Millionen Euro für die Sanierung der Pariser Kathedrale gespendet. Fraglicher ist schon, wie die zerstörten Teile erneuert werden sollen: Nach historischem Vorbild oder modernen Entwürfen? Ein Dachstuhl aus Stahl statt dem Holz von über tausend Eichen? In Frankreich läuft aktuell die Bestandsaufnahme der Schäden, die Regierung hat einen Architektenwettbewerb ausgelobt. 

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat außerdem eine Zeitvorgabe ausgerufen, die Experten für nicht machbar halten: Er will, dass die Sanierung von Notre Dame 2024 abgeschlossen ist.

Wolfgang Zehetner, Vorsitzernder der Vereinigung der Europäischen Dombaumeister, sagt im Interview mit der Deutschen Welle, das sei vor allem in Hinblick auf die nötigen Fachkräfte schwierig. Es gebe in Europa nur noch sehr wenige Steinmetze mit Erfahrung in historischen Bautechniken.

Steinmetze und -Bildhauer sind schließlich schon generell eine rare Spezies. Doch für die Arbeit an Notre-Dame brauche es außerdem Fachkräfte, die ihre Ausbildung möglichst an einer Dombauhütte absolviert haben. Diese Bauhütten seien wie “die letzten gallischen Dörfer”. Das Handwerk auf heutigen Baustellen sehe schlichtweg völlig anders aus – industriell nämlich.

Der Bundesverband Deutscher Steinmetze will die Hilfsangebote und Ideen der deutschen Steinmetze sammeln und koordinieren. Bisher haben sich mehr als zehn Betriebe und Einzelpersonen mit konkret umrissenen Angeboten oder Ideen gemeldet. Außerdem sammeln Steinmetze und Bildhauer in einer Facebook-Gruppe zur Zeit Unterstützungsangebote, die sie dem BIV gebündelt weitergeben wollen.

Dabei könnten entweder Stücke in Betrieben und Ausbildungsstätten gefertigt und zentral nach Paris geliefert werden. Möglich wäre auch, dass Steinmetze und Lehrlinge vor Ort in Paris helfen.

 BIV-Sprecherin Sybille Trawinski sagt, die Hilfsangebote böten auch die Chance, das hohe Fachwissen und die Spezial-Kenntnisse der Steinmetze in der Denkmalpflege zu zeigen 
und auf internationalem Niveau einzubringen. Und einen Beitrag für die europäische Gemeinschaft und den Kulturerhalt zu leisten. “Nicht zuletzt geht es auch um die deutsch-französische Freundschaft und den Gemeinsinn eines Gewerks, auch über Ländergrenzen hinweg”, so Trawinski.

BIV koordiniert die Hilfsangebote von Firmen und Einzelpersonen

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat die Denkmalpflegerin  und ehemalige Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner beauftragt, sich um deutsche Hilfsangebote für die Kathedrale zu kümmern. Mit ihr steht der BIV in Kontakt. Aber es geht um mehr als ums Steinmetzhandwerk – zum Beispiel auch um deutsches Eichenholz und um Daten. Denn das Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte der Uni Bamberg hat das Querhaus, das besonders unter dem Brand gelitten hat, im Rahmen eines Projekts zu gotischen Kirchenportalen von 2015 bis 2018 eingehend untersucht und mit 3D-Scantechniken vermessen.

Auch die Wissenschaftler plädieren dafür, Notre-Dame behutsam statt überstürzt zu sanieren. Kunsthistoriker Stephan Albrecht sagt in einem Arte-Interview, er halte zehn Jahre Restaurationszeit für sinnvoll. Andernfalls fürchte er um die historische Substanz. Denn schließlich dauerte der Bau einer der wichtigsten europäischen Kulturdenkmäler ursprünglich rund 200 Jahre.

Aktuelle Branchennews und Expertenwissen für Fachverarbeiter gibt es auch in der aktuellen Ausgabe des STEIN-Magazins: www.stein-magazin.de/zeitschriften