Wie ein Ritterschlag

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griechisch

Erstmals stellt die Kunsthandwerkliche Schule an der Luisenstraße in der Glyptothek aus. Holzbildhauerschüler zeigen ihre Abschlussarbeiten neben den jahrtausendalten Marmor-Antiken. Für die Münchner Handwerker ist das wie ein „Ritterschlag“.

Glyptothek-1
Marmorstatuen eines Mädchens mit Taube und eines trauernden Mädchens, griechisch, 2. Hälfte 4. Jh. v. Chr., daneben zwei moderne Porträts:
Florian Baumann, Rocco, Linde, Farblasur, 2018
sowie Anna Bade, Tobias, Gips, Farblasur, 2018. Foto: Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, fotografiert von Renate Kühling
Glyptothek-2
Marmorköpfe eines jungen Mannes und des Ares, römisch nach Vorbildern aus der 2. Hälfte des 4. Jh. v. Chr., daneben ein modernes Porträt:
Martin Lehmer, Roeh, Gips, Farblasur, Bleistift, 2015. Foto: Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, fotografiert von Renate Kühling
Glyptothek-3
Marmorbüste der Athena Velletri, römisch nach Vorbild um 420 v. Chr., daneben zwei moderne Porträts: Links: Veronica Lallinger, Ann-Christine, Linde, Farbe, 2018, Mitte: Ann-Christine Wagner, Veronica, Linde, Farbe, Wachs, Bleistift, 2018. Foto: Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, fotografiert von Renate Kühling

Novum in der Geschichte der Glyptothek

Im Giebel der Glyptothek thront Athena, die Schutzherrin der Bildhauer. Da ist es naheliegend, dass man die derzeitige Ausstellung in dem Musentempel „Unter dem Dach der Athena. Eine Bildhauerschule in der Schule für Bildhauer“ benennt. Noch bis zum 3. Juni 2018 zeigt die Glyptothek 24 plastische und skulpturale sowie 19 grafische Abschlussarbeiten der Schüler der Städtischen Berufsfach- und Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk in München. Aufgabe war es, sich gegenseitig mit den Materialien Gips, Beton, Holz oder Stein (Muschelkalk) zu porträtieren, als Büste. „Die Schüler sollten zeigen, was sie sehen und was sie spüren“, macht der Lehrer der Fachschule Hartmut Hintner deutlich. Demnach ginge es nicht nur um das Zeigen der Physiognomie, sondern auch um den Charakter der Porträtierten. „Das ist den Schülern eindrucksvoll gelungen“, findet der Direktor der Glyptothek, Dr. Florian S. Knauß.

Die Porträts stehen auf hölzernen Sockel neben den jahrtausendalten Werken aus der Antike. Das ist ein Novum. Zwar gibt es bereits seit vielen Jahren den Austausch zwischen der Kunsthandwerklichen Schule an der Luisenstraße und der Glyptothek im Münchner Kunstareal – die beiden Institutionen sind gerade einmal wenige Meter voneinander entfernt –, aber dass Arbeiten der Schüler neben den historischen Antiken-Werken in der Glyptothek gezeigt werden, das gab es noch nie.

Neben den zeitgenössischen Büsten aus Gips, Beton, Holz oder Stein sind auch die Skizzen dazu als grafische Arbeiten an der Wand ausgestellt. „Damit wollen wir den Werkstattprozess vom Zeichnen zum Modellieren zur Skulptur zeigen“, so Hintner.

Schließung für 2018 geplant

Die Ausstellung „Unter dem Dach der Athena. Eine Bildhauerschule in der Schule für Bildhauer“ wird einer der letzten sein, bevor die Glyptothek Ende des Jahres 2018 geschlossen wird. Geplant sind Erneuerungen im Haus, um den aktuellen Brandschutzregeln gerecht zu werden. Zudem sollen Räume behindertengerecht umgebaut sowie die Fenster, die noch original aus den 1970er-Jahren stammen, erneuert werden.

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Das fliegende Auge

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Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector
Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector

In unsere neuen STEIN-Serie „Chancen nutzen“ teilen wir unser Wissen über Vorgehensweisen, die Unternehmen nutzen können, um langfristig erfolgreich zu sein. In der ersten Folge dreht sich alles um den Blick von oben. Drohnen ermöglichen Inspektionen, Aufmaße und Dokumentationen von Steinbrüchen oder Fassaden.

Unbemannte Fluggeräte, englisch Unmanned Aircraft Systems oder Unmanned Area Vehicles (UAS, UAV), populär meist „Drohnen“ oder „Multicopterd“ genannt, werden inzwischen in zahlreichen Bereichen des Bauens, Sanierens und Erhaltens von Baubestand eingesetzt. Mit einer visuellen Digital- oder Wärmebildkamera oder einem 3-D-Laserscanner ausgestattet, können ferngesteuerte Drohnen Steinbrüche, Fassaden oder Dachflächen inspizieren oder geometrisch erfassen, Schäden lokalisieren und dokumentieren, Energieverluste aufdecken und vieles mehr.

Sollen Bau-, Sanierungs- oder Umbaumaßnahmen erfolgreich sein, müssen sie sorgfältig vorbereitet und geplant werden. Aktuelle und verlässliche Bestandsdaten sind die wichtigste Grundlage einer umsichtigen Planung. Terrestrische Aufmaßverfahren wie die Tachymetrie, das Laserscanning oder die Fotogrammetrie erfassen nur jene Bereiche, die vom Boden oder von der umgebenden Bebauung aus zugänglich und sichtbar sind. Dachflächen und andere unzugängliche Bereiche der Gebäudefassade lassen sich geometrisch und fotografisch nicht oder nur unzureichend erfassen.

Drohnen können über die luftbildgestützte Fotogrammetrie oder 3-D-Laserscanner Bauwerke und andere Objekte lückenlos geometrisch vermessen und werden deshalb manchmal auch parallel eingesetzt: Aus perspektivisch entzerrten Luftbildern lassen sich zentimetergenaue und maßstabsgerechte Dachaufsichten oder Fassadenansichten erstellen. Werden die Luftbilder fotogrammetrisch ausgewertet, lassen sich daraus 2-D-Pläne oder dreidimensionale Modelle der Gebäudehülle erstellen. Diese können als Grundlage für Planungen, Kostenberechnungen, Ausschreibungen oder Visualisierungen verwendet werden.

Mit speziellen 3-D-Laserscannern ausgestattete Drohnen, können das Umfeld rasterförmig in Sekundenschnelle abtasten und dabei Millionen von 3-D-Messpunkten, sogenannte „Punktwolken“ erzeugen. Dabei speichern sie die Geometriedaten aller umgebenden Objekte als räumliche Koordinatenwerte ab. Eine integrierte Digitalkamera erzeugt zusätzlich 360-Grad-Fotopanoramen und erfasst Gebäudehüllen nahezu lückenlos. Messdrohnen sind auch in der Lage, von Halden, Kies- und Schottergruben, Deponien oder Steinbrüchen zunächst Orthogonalfotos oder 3-D-Laserscans und daraus 2-D-Lagepläne, 3-D-Geländemodelle, Massen und Volumen zu generieren, ohne dabei den laufenden Betrieb zu stören oder Personen zu gefährden.

Lesen Sie mehr in der STEIN 8/2020.

Im Gespräch statt im Gerede

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Gestorben wird immer. Aber nicht mehr genug, schreibt Henning Sußebach am 3. November in der Wochenzeitung »Die Zeit«. Er kommt dann zu dem Schluss, dass viele Bürger ihre Asche lieber verstreuen, als ein Grab zu kaufen. Sußebach formuliert ein Problem, mit dem sich auch das Steinmetzhandwerk auseinandersetzen muss: Sogar Friedhöfe können sterben. Zum Leben brauchen sie Tote. Die werden aber auf den herkömmlichen Friedhöfen immer weniger. Sie haben Konkurrenz bekommen. Die Menschen in einer »Multioptionsgesellschaft« möchten sich nicht mehr dem schematischen Schachbrettmuster der Friedhöfe fügen. Friedhöfe sind heute nur eine Option unter ganz verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten.

Die Folgen sind klar: kein Friedhof, kein Grab, kein Stein. Das Steinmetzhandwerk ist gefordert. Grabzeichen können mit dazu beitragen, Friedhöfe am Leben zu halten. Allerdings: Diese Zeichen müssen einen Sinn, eine Botschaft, einen Wert für die Hinterbliebenen haben. »Blut indischer Kinder haftet an deutschen Grabsteinen« oder »Grabsteine aus Kinderarbeit stehen auf deutschen Friedhöfen«. Meldungen wie diese bringen die Zeichen am Grab ins Gerede. »Kinderarbeit bei Grabsteinen wieder erlaubt« stand am 16. Oktober in der Tageszeitung »Nürnberger Nachrichten«: In einem Urteil hatte das Bundesverwaltungsgericht die Nürnberger Friedhofsordnung gekippt. Die Stadt wollte sicherstellen, dass auf den städtischen Friedhöfen keine Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die von Kinderhänden geformt wurden. Ein Steinmetz klagte. Er gewann! Nur was? Wer soll überprüfen, unter welchen Bedingungen die Steine entstehen, fragten die Richter. Eine Zertifizierung mit verbindlichen Maßstäben muss her. Juristisch ist es nicht zu beanstanden.

Allerdings: Viele der Zertifikate zu sozialen oder ökologischen Standards sind in Bereichen kaum den Kleber wert, mit dem sie auf ein Produkt gepappt werden. Es liegt jetzt an jedem Handwerker selbst, welche Grabzeichen er anbietet und mit welchen Steinen er arbeitet. Das Produkt Grabstein ist wieder einmal im Gerede, statt im Gespräch zu sein. Das ist ärgerlich.

Willy Hafner’s Betreff aus STEIN im Dezember 2013.

Bild: Aeternitas e.V.