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Stein Magazin
Auf instagram.com/lets.metz gibt Steinmetzmeister Thomas Jornitz gemeinsam mit seinem Sohn André regelmäßig Einblick in den Steinmetz-Alltag. Foto: Privat

Auf instagram.com/lets.metz gibt Steinmetzmeister Thomas Jornitz gemeinsam mit seinem Sohn André regelmäßig Einblick in den Steinmetz-Alltag. Foto: Privat

Steinmetzmeister Thomas Jornitz und sein Sohn starten am 1. September 2021 eine Instagram-Aktion, die drei Jahre laufen soll: eine „virtuelle Ausbildung“ im Steinmetzhandwerk. Dafür versorgen sie die Follower des Kanals @lets.metz mehrmals pro Woche mit Infos zum Handwerk, Videos und Aufgaben. Mit STEIN spricht Thomas Jornitz über die Idee, die nötige Weiterentwicklung der Ausbildung und Reichweite für das Handwerk via Social Media.

Auf instagram.com/lets.metz gibt Steinmetzmeister Thomas Jornitz gemeinsam mit seinem Sohn André regelmäßig Einblick in den Steinmetz-Alltag. Foto: Privat

STEIN: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine virtuelle Ausbildung anzubieten?

Thomas Jornitz: Aktuell fordern viele: Kommt ins Handwerk, macht eine Ausbildung! Aber oftmals kommt da nicht mehr, und wir glauben, diese Art der Azubi-Werbung hinkt an vielen Stellen. Wir müssen mit einem coolen Format dorthin, wo junge Menschen sind. Und sie sind nun mal viel in den sozialen Medien. Deshalb glauben wir, wenn wir viel Mühe in die Aktion stecken und sie richtig bespielen, können wir damit auch Aufmerksamkeit generieren. Wir wollen aber nicht nur jungen Menschen einen genauen Einblick geben, wie so eine Ausbildung aussieht, sondern im besten Fall auch deren Umfeld und Interessierte aller Altersgruppen erreichen. Denn in der Gesellschaft leidet die Wertschätzung für Ausbildungsberufe, nicht nur im Handwerk. Da heißt es schnell: „Du machst also NUR eine Ausbildung?“ Wir planen die Aktion deshalb recht umfangreich. Die gängige Meinung „Zu einer Ausbildung gehört nicht viel dazu“ wollen wir aktiv ändern, indem wir zeigen, wie viel Wissen in diesen drei Ausbildungsjahren vermittelt wird. Unser Betrieb ist in Thüringen und Potsdam im Grabmalgeschäft aktiv, aber wir kooperieren für die virtuelle Ausbildung mit tollen Kolleginnen und Kollegen, die zum Beispiel in der Restaurierung arbeiten, Steinbildhauer sind oder sich auf Küchen spezialisiert haben.

STEIN: Was genau planen Sie? Sollen die Follower selbst aktiv werden?

Thomas Jornitz: Gemeinsam mit meinem Sohn werde ich mehrmals pro Woche Inhalte veröffentlichen. Das können Fotos mit Informationen sein, aber auch YouTube-Videos und Instagram Stories, Austausch mit Kolleginnen, Aufgaben, die die Community bearbeiten kann, wenn sie will. Die interaktive Ausbildung wird immer so gefilmt, dass die Follower das Gefühl haben, mein Sohn steht neben ihnen in der Ausbildung. Wir wollen auch eine Art Ausbildungsheft führen lassen. Dazu kommen Lehrinhalte aus der Berufsschul-Ausbildung, zum Beispiel zur Geschichte der Schrift. Da wollen wir gern tiefer reingehen, weil es für den Beruf von Bedeutung ist, zu erkennen, warum sich Schriften und mit ihnen auch ein Teil der Kultur und eben der Kunst wie entwickelt haben. Außerdem wollen wir viel vom Alltag zeigen, das oft tolle Miteinander unter Steinmetzen, aber auch, wenn bei der Arbeit mal was schiefgeht. Denn das überhöhte Image vom unfehlbaren Handwerker schreckt junge Menschen, die zum Beispiel Lust auf ein Praktikum hätten, vielleicht eher ab. Meiner Meinung nach ist es viel wichtiger, zu lehren, wie man aus Fehlern bestmöglich lernt. Und dann haben wir schon einige kreative Ideen, wie wir Aspekte wie das Bewegen von Steinen und die verschiedenen Techniken, mit denen das auch ohne Maschinen funktioniert, veranschaulichen wollen. Wir würden uns natürlich freuen, wenn unter den Followern zum Beispiel Azubis sind, die durch unsere Inhalte Lust haben, aktiv mitzumachen. Dafür haben wir zum Beispiel auch eine Kooperation mit einem Werkzeughersteller initiiert und verlosen einen Azubi-Lohn in Form eines Werkzeuggutscheins. Bevor wir im September starten, gibt es eine Bewerbungsphase. Interessierte können sich via Instagram für die virtuelle Ausbildung bewerben.

STEIN: Das klingt nach einer ganzen Menge Arbeit. Was wollen Sie für Ihren Betrieb damit erreichen?

Thomas Jornitz: Tatsächlich wird die Aktion sehr aufwendig, aber uns geht es nicht so sehr um unseren Betrieb. Klar bekommt man dadurch Aufmerksamkeit und Reichweite. Aber unsere Motivation ist das Engagement für das gesamte Handwerk. Denn nahezu alle Handwerksbetriebe suchen Nachwuchs, und gleichzeitig sinkt die gesellschaftliche Wertschätzung für die Ausbildung. In Deutschland gilt ein Studium als die „Königsdisziplin“. Da haben nicht nur die Handwerker, sondern auch die Innungen und die Bildungspolitik viel verschlafen. Wir haben die Hoffnung, wenn wir das frischer und vor allem positiv angehen, diese gewisse Unnahbarkeit der Branche aufbrechen und damit die Schwelle für junge Menschen so niedrig wie möglich halten, können wir etwas bewegen.

STEIN: Was muss sich Ihrer Ansicht nach in der Ausbildung verändern?

Thomas Jornitz: Sie muss dringend der aktuellen Zeit angepasst werden. Es kann nicht sein, dass jeder Tischlerlehrling schon in der Ausbildung mit CNC-Programmen arbeitet, aber Steinmetze jahrelang nur Grundlagen wie Profilhauen beigebracht bekommen. Die Branche transferiert den Fortschritt der vergangenen 20 Jahre nicht in die Ausbildung, sondern will dort die Tradition unbedingt hochhalten, obwohl es zum Beispiel technische Alternativen gibt. Die Berufsschulen geben sich viel Mühe, aber auch das Lehrmaterial ist teilweise veraltet oder sehr fad. Und ich würde mir wünschen, dass auch das Zwischenmenschliche mehr Raum bekommt. Ein Mitarbeiter in einem Grabmalbetrieb braucht zum Beispiel Fingerspitzengefühl für pietätvolle Beratung der Trauernden. Das lernt aber bisher niemand. Und zu guter Letzt wäre es den heutigen Zeiten angemessen, es Quereinsteigern, die zum Beispiel einen Gesellenabschluss machen wollen, aber schon voll im Berufsleben stehen und eben flexible Modelle brauchen, leichter zu machen.

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Spurensuche auf Slate Islands

Stein Magazin
Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein – eine sinnliche Suche nach Leblosem.

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Auf der Karte sind es kleine Flecken vor der Westküste Schottlands, so klein, dass es leicht ist, sie zu übersehen. Man muss sie gezielt aufsuchen, um sie zu finden. Man stößt nicht einfach auf sie. Die Inneren Hebriden Schottlands, eine Inselgruppe am oberen Zipfel des Britischen Königreichs, sind eine beliebte Reiseregion. Wer hierherkommt, sehnt sich nach dem Ursprünglichen, dem Wilden, dem Zerklüfteten. Nach salzigem Wind, der sich in Haaren und Kleidung verfängt und sie starr werden lässt. Nach dem Atlantik, dessen Wogen an das schwarze Gestein prallen. Gneise. Granit. Basalt. Schiefer.

Esther Kinsky, Übersetzerin und Lyrikerin und 2018 für „Hain. Geländeroman“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet, hat dem Schiefer und der Region, in dem das Sedimentgestein jahrhundertelang abgebaut wurde, einen Gedichtband mit dem so einfachen wie bezeichnenden Titel „Schiefern“ gewidmet.

Die Steinbrüche auf Slate Islands sind noch da, die Überbleibsel einer inzwischen stillgelegten Industrie auch. Kinsky begibt sich auf Entdeckungsreise und verpackt ihre Naturbeobachtung in Worte, die rätselhaft zu entziffern sind und hinfortreißen in die Entlegenheit der Inneren Hebriden, zum schwarzen tosenden Meer, über dem der Leser wie ein unsichtbar Schwebender im Gedankenraum treibt, den Kinsky mit ihren Worten spinnt.

Genau dort, in diesem Gedankenraum, sind auch die Analogien zwischen etwas durch und durch Leblosem und Menschlichem zu finden. Nur wenige Menschen stecken in diesem dreiteiligen Band, das Menschliche jedoch fehlt ihm nicht. Es ist sogar ganz erstaunlich, wie sinnlich über Gischt tragende Wellen und „platten mit einer / oberfläche wie versteinerter leiser wellengang“ geschrieben werden kann, ohne in kitschige Romantik abzurutschen.

„Nature Writing“

Natur verleitet bereits seit dem 18. Jahrhundert Schriftsteller dazu, über sie als Hauptprotagonistin zu schreiben. „Nature Writing“ nennen sich im Angelsächsischen die ausschweifenden literarischen Beschreibungen von Bäumen, Wiesen, Blumen, Wolkenbrüchen. Auf Deutsch hat sich der Begriff der „Naturpoesie“ oder auch „Naturlyrik“ eingebürgert. Esther Kinsky sticht seit Jahren mit solcher Naturpoesie in der Literatur hervor.

2013 flicht sie in „Naturschutzgebiet“ ausgehend von einem verwahrlosten Stadtpark vier Gedichtzyklen über Verfall und Wachstum. Ordnet man Kinskys Werk nun der Gattung des „Nature Writing“ zu, widerspricht sie gern. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte sie einmal, sie sähe sich nicht in der Tradition des Nature Writing. Zu diffus sei dieser Begriff, zu ausufernd darin, was er umschließt und was nicht. „Nature Writing“ kann alles sein, sagt sie. Warum dann nicht auch ihre neueste Arbeit „Schiefern“, möchte man entgegenhalten?

Die Schichten der Zeit

Früh fällt in „Schiefern“ das Wort der Erinnerung „als raum der abwesenheiten, bewegt von der durchsichtigen hand unberechenbarer synapsen und unwägbarer verschiebungen von ablagerungen in den langsam entstandenen und vertieften furchen und falten des hirns“. Kinsky geht es um die Schichten der Zeit, die sich über Erinnerungen lagern. Erst ganz sacht, dann deutlicher zieht sie sprachliche Parallelen zwischen menschlichem Gedächtnis und der konservierten Geschichte auf der Oberfläche der Gesteinsbrocken, an der die Gezeiten und Zeiten vorübergingen, über Millionen von Jahren hinweg.

Im Stein liegt das Vergangene konserviert, sie müsse nur anhand seiner Falten abgelesen werden, als wäre der Stein ein alter, lieb gewonnener Greis, dessen verwittertes Gesicht die Spuren des Lebens tragen. Kinsky schreibt von „zeichen ohne hand und fuß / im stein auf die sich keiner / einen reim zu machen weiß / als den größtmöglicher vergangenheit“.

„Schiefern“ könnte die moderne Fortsetzung von Adalbert Stifters 1853 erschienenen Erzählungen „Bunte Steine“ sein und sich einreihen in die Titel „Granit“, „Kalkstein“ und „Turmalin“. Doch so tückisch idyllisch die detaillierten, biedermeierlichen Naturdarstellungen Stifters sind, so wenig lieblichheimelig sind auch Kinskys beschriebene Slate Islands. Die Kühle der Umgebung schneit in ihren Worten hindurch. Da liegt eine Härte in ihnen, die man sich nicht wegdenken möchte.

Information zum Buch

Esther Kinsky: Schiefern.
D: 24,00 Euro
A: 24,70 Euro
CH: 34,50 Schweizer Franken
Erschienen: 23.03.2020
Gebunden, 103 Seiten
ISBN: 978-3-518-42921-1

Wie aus 120 Tonnen Laaser Marmorsand Kunst wird



Stein Magazin

Die Laaser Marmorwerke nutzen Marmor-Reste für Pflaster-, Mauersteine und Split sowie dafür, ehemalige Stollen aufzufüllen. – Und für Kunstprojekte.

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Das Produktionsgelände von Lasa Marmo mit Sand und Split aus der Vogelperspektive. Foto: Klemens Werner/Lasa Marmo
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Die Installation „Fault Line“ von Rayyane Tabet. 
Foto: Fondazione Antonio Dalle Nogare
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Ein elementarer Teil davon sind 120 Tonnen Marmor-Sand aus Laas. Foto: Fondazione Antonio Dalle Nogare
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Die Marmor-Seilbahn am Weißwasser-Bruch transportiert Blöcke umweltschonend ins Werk. Foto: Klemens Werner/Lasa Marmo
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Der Laaser Künstler Jörg Hofer, hier in seinem Studio, nutzt für seine Gemälde Marmorstaub, den er mit Farbpigmenten mischt. Foto: Georg Tappeiner



Marmorwerke in Laas liefern den Rohstoff für Kunst

“Fault Line” heißt das Kunstwerk von Rayyane Tabet, mit dem er zur Zeit die Ausstellungsräume der Stiftung Dalle Nogare in Südtirol einweiht. Es ist noch bis 1. Juni 2019 zu sehen. Bauunternehmer und Sammler Antonio Dalle Nogare hat die Stiftung im September 2018 gegründet. Er will mit ihr zeitgenössische Kunst in der Region fördern.

Tabet, der aus dem Libanon stammt, recherchierte also ein Jahr lang in Südtirol für sein Kunstwerk. Er sprach unter anderem mit den Betreibern der Marmorbrüche von Laas, dem Amt für Geologie und verschiedenen Besitzern von Porphyr-Steinbrüchen. Das Ergebnis seiner Arbeit, eine große Installation, besteht aus Marmor, Stahl und einem Gemälde. Sie stellt einerseits die Südtiroler Landschaft dar, andererseits drei wichtige Momente der Lokalgeschichte.

Der Marmorsand für die Installation stammt von “nebenan”, aus Laas. Als Recyclingprodukt spielt er bei den Laaser Marmorwerken eigentlich eine untergeordnete Rolle. Außer, ein Künstler braucht wie in diesem Fall gleich mal 120 Tonnen.

Sabine Patscheider, Product Managerin bei Lasa Marmo, erinnert sich: “Wir lieferten fünf LKW-Ladungen Marmorsand zunächst an ein Hoch- und Tiefbau-Unternehmen in der Nähe von Schlanders. Dort wurde der Sand ausgelegt und getrocknet und anschließend weiter transportiert zum Ausstellungsort in Bozen.”

Das rund 55.000 Quadratmeter große Werksgelände der Lasa Marmo GmbH befindet sich am südlichen Rand des Dorfes. Dort mündet der letzte Teil der 1930 errichteten und bis heute funktionierenden Laaser Marmorbahn. Sie ist ein technisches Denkmal, das nach wie vor für den umweltschonenden Transport ins Tal genutzt wird.

Recyclingprodukte: Pflastersteine, Weißbeton – und Gemälde-Staub

Zum ressourcenschonenden Ansatz der Marmorwerke zählt auch die weitestgehende Verwertung der jährlich rund 3.000 Tonnen Marmor-Reste aus der Produktion. Sie werden zu Pflastersteinen, Füllmaterial für Gabionen, Splitt und eben Sand weiterverarbeitet. Bei Architekten sei derzeit auch Weißbeton auf Basis von Marmor-Edelsplit gefragt, sagt Patscheider. Ein Beispiel dafür ist der Weiße Würfel der Hilti Art Foundation, die Erweiterung eines Ausstellungsgebäudes in Liechtenstein.

Rissige, nicht verwertbare Blöcke aus dem Bruch sowie der Marmor-Schlamm, der in der Produktion entsteht, verwendet Lasa Marmo, um jene Stollen im Marmorbruch aufzufüllen, in denen das Unternehmen nicht mehr abbaut. “Auch das ist Teil unseres nachhaltigen Abbaus unter Tage direkt im Nationalpark Stilfserjoch”, unterstreicht Patscheider. 
Dass aus Marmor-Derivaten Kunst entsteht, ist in der Region nicht neu: Der Laaser Künstler Jörg Hofer malt beispielsweise mit Marmorstaub.

Er kauft dafür seit Jahrzehnten Sandreste aus dem Werk, siebt sie mal fein, mal grob und mischt Farbpigmente bei. Wenn ein Gemälde vollendet ist, besteht es aus bis zu 20 Schichten gefärbtem Marmorsand (Video). Ganz nach dem Motto: Das wird noch Kunst, das kann nicht weg.