Zwischen Minimalismus und Exzess

Stein Magazin
Die Keramikplatten „Kerlite“ schmücken einen Teil der Wände und Oberflächen dieses traditionsreichen Teehauses in der chinesischen Metropole Shanghai. Foto: Cotto d’Este

Die Keramikplatten „Kerlite“ schmücken einen Teil der Wände und Oberflächen dieses traditionsreichen Teehauses in der chinesischen Metropole Shanghai. Foto: Cotto d’Este

Im „Space of Stone and Lotus“ hat das örtliche Architekturbüro „Minax“ mit Keramikplatten des italienischen Herstellers Cotto d’Este eine spannende Begegnung zwischen Orient und Okzident geschaffen.

Die Keramikplatten „Kerlite“ schmücken einen Teil der Wände und Oberflächen dieses traditionsreichen Teehauses in der chinesischen Metropole Shanghai. Foto: Cotto d’Este

Begegnung zwischen Orient und Okzident

Bickt man aus den runden Fenstern, würde man nicht glauben, dass das da draußen Shanghai sein soll. Dickicht schiebt sich vor die Scheiben, als läge das Haus, in dem man sich befindet, mitten im Wald und nicht in der chinesischen Millionenmetropole, die man sich – beeinflusst von Bildern, Videos und Reportagen – immer als eine von Smog umräucherte Überwältigungsenklave vorgestellt hat. Der Raum, seine Fenster und die Aussicht ins Grüne sind auch jetzt nur über Fotos zugänglich. Aber es ist leicht, sich vorzustellen, wie überrascht man wäre, zu sehen, dass Shanghai auch ein wenig Natur und Gartenkultur zu bieten hat.

Das Haus, das diesen Ausblick beschert, ist ein Teehaus mit Ausstellungsraum. „The Space of Stone and Lotus“ heißt es, im vergangenen Jahr hat das örtliche Architekturbüro Minax das Projekt abgeschlossen und aus einer Kombination von orientalischen Kulturelementen und Materialien des italienischen Herstellers Cotto d’Este aus den Keramikplatten „Kerlite“ eine Begegnung zwischen Orient und Okzident geschaffen. Einerseits ist da der traditionelle, schlauchförmige, in klassisch maserierter Holzspahnoptik verkleidete Teeraum mit den runden, dick eingefassten Fenstern, der ein wenig an ein U-Boot mit seinen Gucklöchern erinnert.

Andererseits ist ein Teil der Wände und Oberflächen im selben Raum mit Platten aus der Linie Cement Project im Format 100 x 300 Zentimeter in schillernden Farben gestaltet. Sie sorgen für Bewegung im Raum, visuelle Tiefe und eine ungewöhnlich futuristische Atmosphäre in einer über tausend Jahre überlieferten Kulturinstitution wie dem chinesischen Teehaus. Schaut man sich den Rest der Räume an, wird klar, dass hier nicht an Materialfülle gespart wurde. Verarbeitet wurde Feinsteinzeug, wohin das Auge reicht, eine glänzend-speckige Realisierung der dekadenten, hedonistischen Seite Shanghais und eine wenn auch gering vorhandene Verwurzelung mit der chinesischen Kulturgeschichte, zu der zweifellos das Etablissement des Teehauses gehört. Teehäuser sind in China nicht nur Orte des Verzehrs und Genusses, sondern des gesellschaftlichen Austausches und der kulturellen Identität.

Das Gestaltungskonzept

Der Protagonist des Gestaltungskonzepts ist die Kollektion Vanity Dark Brown in den Formaten 120 x 260 Zentimeter. Das Material wurde für die Tischplatte im Teeraum, die Säulen im Ausstellungssalon und den Bodenbelag verwendet. Diesen akzentuieren zudem runde Fliesen aus Exedra Travertino im Format 100 x 300 Zentimeter. Bei den quadratischen und rechteckigen Stufen am Boden haben sich die Designer hingegen für die Linie Forest in der Ausführung Cembro im Format 100 x 300 Zentimeter entschieden. Sie wurde auch für die vereinzelten Wanddekorationen ausgewählt, allerdings im Farbton Noce. Und dann ist da noch die gigantische Lotusblüte inmitten des Salons. Raffinierte Beleuchtung bringt das verarbeitete Material Vanity Bianco Statuario wie Glas zum Glänzen. Eine zweite künstliche Blüte in ähnlicher Größe wurde mit Pietra d’Iseo in der Farbe Ceppo und im Format 120 x 260 Zentimeter gestaltet.

Inspirieren ließen sich die Architekten für das Projekt vom Begriff „Zhai“. Er bezeichnet die Studiersäle chinesischer Gelehrter und beruft sich auf Meditation und innere Einkehr. Die mit Feinsteinzeug verkleideten kulturellen Symbole wie die Lotusblüten stehen für die Verschmelzung zwischen Moderne und Tradition.

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Das Bochumer Architekturbüro soan architekten hat die sandsteinfarbene „Alte Kirche“ in Bochum-Wattenscheid saniert und durch einen Anbau erweitert. Während in dem historischen Gebäude der Boden mit Platten aus regionalem Ruhrsandstein neu verlegt wurde, schmückt dunkler armenischer Basalt die Grundstücksmauer sowie die Fassade und den Boden des Neubaus.

Wie auf einer kleinen Insel, leicht erhöht und von einer langen Grundstücksmauer umgeben, steht die schlichte denkmalgeschützte Alte Evangelische Kirche im Bochumer Stadtteil Wattenscheid. Seit letztem Jahr ergänzt ein moderner anthrazitfarbener Anbau, entworfen vom Bochumer Architekturbüro soan architekten, das historische Gebäude. Das kleine, kontrastreiche Ensemble dient den Gläubigen als Gemeindezentrum.

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Die „Alte Kirche“ mit ihrer sandsteinfarbenen Natursteinfassade ist umgeben von einem neuen Anbau und einer Mauer aus armenischem Basalt. (Foto: soan architekten boländer hülsmann gbr, Roman Weis)
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Ein schöner Kontrast: Die helle hammergerechte Ruhrsandsteinfassade und die antrazithfarbene lineare Fassade des Neubaus. (Foto: soan architekten boländer hülsmann gbr, Roman Weis)
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Auch im Inneren des Anbaus findet sich der armenische Basalt in Form von Bodenplatten wieder. (Foto: soan architekten boländer hülsmann gbr, Roman Weis)
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Ein rechteckiger Durchbruch im ehemals zugemauerten Rundbogen dient als neuer Zugang zur alten Kapelle. (Foto: soan architekten boländer hülsmann gbr, Roman Weis)
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Neuer Ruhrsandstein schmückt den Boden der „Alten Kirche“. (Foto: soan architekten boländer hülsmann gbr, Roman Weis)

Der eingeschossige Anbau mit seiner dunklen Fassade aus massiven Basaltsteinen steht in schönem Kontrast zu der kleinen „Alten Kirche“ mit ihrer hellen Außenhülle aus hammergerechten Ruhrsandsteinen. L-förmig konzipiert, scheint der Neubau sich wie ein Arm um das historische Bauwerk zu legen. Der schlichte, lichtdurchflutete Saal der „Alten Kirche“ hat im Zuge der Baumaßnahmen neue Bodenplatten aus regionalem Ruhrsandstein bekommen. Einige noch recht gut erhaltene Steinelemente wurden aussortiert und mit großer Sorgfalt wie ein Puzzle um den Altarbereich wieder neu verlegt. Die restliche Bodenfläche wurde mit neuen Platten ausgestattet. Den hierfür verwendeten Ruhrsandstein haben die Steinbruchbetriebe Grandi aus Herdecke geliefert, während alle Natursteinarbeiten des Projekts von Hanser + Pfafferott aus Kaarst vorgenommen wurden.

Wie die großen anthrazitfarbenen Namenstafeln auf dem „Platz des europäischen Versprechens“ in Bochum kommt auch der Basalt für das neue Gemeindezentrum aus Armenien. Aber nicht nur die Verkleidung der Fassade ist aus armenischem Basalt, sondern auch die verwendeten Bodenplatten – sowohl im Inneren des Anbaus als auch im Außenbereich. Die ursprüngliche Grundstücksmauer aus dem 19. Jahrhundert war statisch instabil geworden und musste abgetragen werden. Das bestehende Bild der idyllischen Kirche, die wie auf einem kleinen Podest thront, sollte beibehalten werden.

Die vereinzelten Ausblühungen, die man momentan vor allem an der Grundstücksmauer sieht und die den idyllischen Anblick etwas trüben, werden durch wasserlösliche Salze aus dem Mörtel verursacht. Sie werden aber durch den Regen im Laufe der Zeit abgewaschen, ansonsten können sie auch einfach abgebürstet werden. Ein kleiner Wermutstropfen sind die in drei verschiedenen Farbtönen verlegten Betonwerksteine links neben dem Eingang. Insgesamt ergibt sich aber, trotz einiger Kleinigkeiten, ein stimmiges, schönes Ensembles, das durch die kontrastreiche, aber dennoch zurückhaltende Gestaltung lebt.

Erfahren Sie mehr über die Sanierung der “Alten Kirche” in Bochum in STEIN im November 2016.

Steinmetz-Symposium in Braunfels im September 2019

Stein Magazin
Foto: Steinmetzinnung Hessen-Mitte



Die Steinmetzinnung Hessen-Mitte richtet zum 16. Mal ein Symposium aus und lädt Auszubildende, Gesellen sowie angestellte Meister ein.


Steinmetz-Symposium
Beim Steinmetz-Symposium auf Burg Schwarzenfels 2017, Foto: Steinmetzinnung Hessen-Mitte

Die Innung will mit ihrem alljährlichen Steinmetz-Symposium das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Zunft stärken und das Steinmetz-Handwerk einer breiten Öffentlichkeit näherbringen. Vom 6. bis 8. September 2019 findet es auf dem Marktplatz in Braunfels statt. Am 8. September 2019 ereignet sich gleichzeitig bundesweit der nächste Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Die Stadt Braunfels kombiniert die Angebote und bietet im Rahmen einer zweistündigen “Großen Stadtführung” besondere Einblicke.

Beim Steinmetz-Symposium arbeiten die Teilnehmer an Wappensteinen für Partnerstädte der Stadt Braunfels. Oder sie entscheiden sich für Schrifttafeln und Wappen für Spender und Gönner, etwa einem Sockelstein für das Schloss und Familienmuseum des Grafen Obersdorf. Man arbeitet von Hand. Die Teilnehmer bringen entsprechendes Werkzeug zur Sandsteinbearbeitung sowie Sicherheitsschuhe und Schutzbrille mit. Fehlende Werkzeuge werden ausgetauscht.

Die Innung trägt die Übernachtungskosten, Verpflegung sowie die Werkstücke für Teilnehmer aus Mitgliedsbetrieben. Teilnehmer aus anderen Innungen zahlen einen Pauschalbetrag von 50 Euro. Teilnehmer von Nicht-Innungsbetrieben zahlen eine Pauschale von 90 Euro. Die Anmeldung ist noch bis zum 31. Juli 2019 möglich.