Seit seiner Gründung im Jahr 1089 hat sich das Benediktinerkloster Stift Melk zu einem bedeutenden geistlichen und kulturellen Zentrum entwickelt. Die größte Klosteranlage des österreichischen Barock zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Jährlichbesuchen rund 500.000 Menschen das Stift, an Spitzentagen können es bis zu 3.500 Personen sein. Um die Besucherströme besser zu leiten, wurde die zu letztungenutzte Nordbastei – ein halbrunder, zweigeschossiger Wehrbau,der im Jahr 1717 als Pendant zur damals schon bestehenden Südbastei errichtet worden war – zur Tourismusdrehscheibe mit Shop und Portiersbereich im Erdgeschoss sowie einer Aussichtsplattform auf dem Flachdach umfunktioniert.

Bei der Sanierung der Nordbastei wurde die historische Bausubstanz fast komplett beibehalten. Aber Funktion und Struktur der Räumlichkeiten änderten sich. Das Team von Wehdorn Architekten machte aus dem einstigen „Bollwerk“, das den Zugang zum barocken Stiftspark versperrte, ein Bindeglied. Herzstück des Gebäudes ist jetzt ein lichtdurchfluteter Zentralraum mit verglastem Dach, über den die Besucher auf die Dachterrassegelangen. Von der Terrasse wiederum führt eine Freitreppe direkt in den Park.

Als Terrassenbelag wählte der Bauherr Luserna Gneis, einen ebenso robusten wie hochwertigen Naturstein aus dem italienischen Piemont, mit spaltrauer Oberfläche und gesägten Kanten. Die 60 mal 40 Zentimeter großen und vier bzw. sechs Zentimeter dicken Platten sollten im Splittbett verlegt werden, um sie später – bei eventuellen Wartungs- oder Reparaturarbeiten – zerstörungsfrei aufnehmen zu können. Beim Splitt wurde die Größe vier bis acht Millimeter festgelegt. Die gesägten Kanten geben dem Belag stabilen Halt gegen seitliches Verschieben. Die Verleger arbeiteten allseitig noch eine leichte Fase an; so ist die Gefahr von Verletzungen auch bei Barfußbegehen ausgeschlossen.

Vorgabe vonseiten des Architekten war es, eine absolut ebene Oberfläche herzustellen. Um den Naturstein dauerhaft vor Schäden zu schützen, machte der mit der Ausführung der Arbeiten beauftragte Steinmetz Richard Ehrlich die Verlegung auf einer Flächendrainage zur Bedingung. Ohne eine solche Flächendrainage wäre bei Starkregen der Ablauf durch das Splittbett nicht sichergestellt und Regenwasser könnte durch das Treppenhaus in das Gebäude eindringen. Erst durch die Flächendrainage entstand eine komplett wasserdurchlässige Konstruktion, die zudem kaum ins Gewicht fällt.

Lesen Sie mehr zur Konstruktion der Dachterrasse der Nordbastei von Stift Melk in Niederösterreich mit Luserna Gneis und einer Flächendrainage in STEIN im Mai 2015.

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Blick in die Vergangenheit: Die Chauvet-Grotte

Stein Magazin

Das jüngste UNESCO-Weltkulturerbe, die Grotte Chauvet bei Vallon Pont d’Arc an der Ardèche, macht Menschheitsgeschichte erlebbar. Ihre Replik wird nach ca. 30 Monaten Konstruktionsarbeit am 25. April 2015 eröffnet.

Am 18. Dezember 1994 entdeckten die drei Hobby-Höhlenforscher Jean-Marie Chauvet, Eliette Brunel und Christian Hilaire eine Grotte in der südfranzösischen Region bei Montélimar, deren Wände vor über 35.000 Jahren von Menschen bemalt wurden. Über 1.000 Wandmalereien mit 425 Tierdarstellungen zieren die Wände der Chauvet-Grotte. Diese eindrucksvollen Zeugnisse menschlicher Kultur sind erstaunlich gut erhalten. Denn der Eingang der Höhle – davon gehen die Forscher aus – wurde  vor etwa 20.000 verschüttet. So konnte das Höhleninnere über Jahrtausende unberührt bestehen.

Zwar sind die Zeichnungen nicht die ältesten, die bis jetzt gefunden wurden. Denn in der Höhle von El Castillo in Spanien gibt es Abbildungen, die über 40.000 Jahre alt geschätzt werden, und auch in Indonesien wurden vor Kurzem  Malereien in etwa diesem Alter entdeckt. Trotzdem sind die Tierdarstellungen ein außergewöhnlicher Schatz für Forscher weltweit. Denn sie zeigen nicht nur – wie bei vielen anderen Höhlenmalereien – gejagte Arten wie Pferde, Kühe oder Steinböcke. Sondern unter den 14 verschiedenen Tierarten befinden sich auch solche mit großem Gefahrenpotenzial wie Bären, Panther oder Rhinozerosse. Interessant ist auch die Art und Weise der Darstellungen. Die Malereien, Gravuren oder auch Kohlezeichnungen sind sehr komplex gestaltet, sie sollen beispielsweise den Eindruck von Bewegung erwecken. Schon Roman Herzog verwies in seiner 3D-Dokumentation aus dem Jahre 2010 „Die Höhle der vergessenen Träume“ auf die Kunstfertigkeiten, die für ihn „fast eine Art Vorläufer des Kinos“ sind. Sein Beispiel: Ein Bison mit acht Beinen soll Bewegung suggerieren.

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Löwen auf der Jagd – eine Wandmalerei im hinteren Raum der Replik © DRAC Rhône-Alpes – Ministère de la Culture et de la Communication
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Pferde gezeichnet mit Kohle © Jean Clottes – Centre national de la préhistoire
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Das große Fresko © Jean Clottes – Centre national de la préhistoire
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Mitarbeiter von Freyssinet-Cofex-AAB realisieren das Skelett der neuen Grotte. © SYCPA – Sébastien Gayet
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Die Umsetzung der Replik nach der Konzeption von Campenon Bernard Régions © SYCPA – Sébastien Gayet
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Geologische Nachbildungen im Atelier Phénomènes in Paris © Christian Tran-SYCPA
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Nach und nach werden geologische Elemente nachempfunden. © SYCPA – Sébastien Gayet
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Der Künstler Gilles Tosello in seinem Atelier in Toulouse © Carole Fritz
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Sicht auf das Restaurant des Erlebniszentrums „La Caverne du Pont d’Arc“ © P.Abeillon
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Illustration der Außenansicht der Replik der Chauvet-Grotte © Fabre-Speller Architectes – Atelier 3A Ollier
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Die Architektur fügt sich in die Landschaft des Ardèche-Tals. © SYCPA-Sébastien Gayet

Die 8.500 Quadratmeter große Höhle mit Reliefs von einer Gesamtlänge von 400 Metern – seit 2014 UNESCO-Weltkulturerbe – kann Besuchern leider nicht zugänglich gemacht werden, da allein der Atem der an Steinzeit-Kunst Interessierten den Malereien vehement schaden würde. Um den atemberaubenden Blick in die Vergangenheit mit allen teilen zu können, entschlossen sich die Verantwortlichen eine Replik der Höhle zu errichten. Über 30 Monate arbeitete ein Expertenteam an der größten Replik der Welt. Die „zweite“ Höhle zeigt auf 3.000 Quadratmetern millimetergetreu die Original-Zeichnungen. In der echten Höhle generierten Fachleute “eine Wolke aus Fixpunkten”, die Formen des Gesteins nachzeichnet. Diese wurden dann mit 6.000 Fotos kombiniert. So entstand im Computer ein 3-D-Modell – Ausgangspunkt für die reale Rekonstruktion. Auf den künstlich geschaffenen Wänden zeichnete neben anderen Künstlern der Kunstgrafiker und Prähistoriker Gilles Tosello die berühmten Tierfresken nach. Zahlreiche Geologen, Höhlenforscher und auch Maler sind heute immer noch dabei, die Grotte originalgetreu nachzubauen. Ergänzt wird die Replik durch eine Ausstellung im Erlebniszentrum, die sich mit dem Leben der Steinzeit-Menschen, ihrer Höhlenmalerei und dem Tal der Ardèche vor 30.000 Jahren beschäftigt.

Am 25. April 2015 soll die Replik der Chauvet-Höhle eröffnet werden. Auch architektonisch hat die Ausstellung etwas zu bieten. Das Architektenteam Xavier Fabre/Vincent Speller aus Clermont Ferrand mit dem Atelier 3A aus Le Teil konzipierte einen fünfteiligen Bau, der sich wunderbar in die schöne, umgebende Landschaft einfügt. Finanziert wird dieses kulturhistorische Großprojekt durch die Region Rhône-Alpes und den Generalrat des Departements Ardèche, mit Unterstützung der französischen Regierung sowie der Europäischen Union. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 55 Millionen Euro. Insgesamt sind beim Bau 35 verschiedene Firmen und Dienstleister involviert.

Ausbildungsbetrieb 2017 geehrt

Stein Magazin

Immer weniger Schulabgänger entscheiden sich für eine Ausbildung. Betriebe müssen daher kreativ werden, um ihr Ausbildungsangebot für den Nachwuchs attraktiv zu machen. Der Beton- und Naturstein-Hersteller Rinn erhielt für sein Konzept die Auszeichnung „Ausbildungsbetrieb 2017“ von der IHK. STEIN sprach mit der Personal-Sachbearbeiterin von Rinn Kathrin Höres.

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Firma Rinn in Heuchelheim. Foto: Rinn Beton- und Naturstein
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Azubis auf der Ausbildungsmesse Vocatium. Foto: Rinn Beton- und Naturstein
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Azubi-Aktivtag. Foto: Rinn Beton- und Naturstein
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Auszeichnung der IHK für die Ausbildung des Unternehmens. Foto: Rinn Beton- und Naturstein

STEIN: Wieso machen immer weniger junge Leute nach dem Schulabschluss eine Ausbildung?

Kathrin Höres: Die Möglichkeiten zu studieren werden immer leichter. Zusätzlich herrscht in den Köpfen der Jugendlichen, Eltern und Angehörige eine veraltete Vorstellung zum Thema Ausbildung im Handwerk: schwere und dreckige Arbeit mit geringer Entlohnung. Ein Studium dagegen klingt sauber und am Ende könnte eine sehr gute Verdienstmöglichkeit winken. Zudem sind die Aufstiegschancen größer.

Hinzu kommt, dass die Jugendlichen kaum eine Vorstellung von einer Ausbildung haben. Zum Beispiel: Wie läuft Sie ab, welche Vorteile ergeben sich für mich daraus? Das Problem ist, dass sie im Schulunterricht kaum bis keine Berührungspunkte mit dem Thema Ausbildung haben.

Welche Folgen hat das auf die Handwerks- und Natursteinbranche?

Der Altersdurchschnitt von Angestellten im Handwerk ist über 45 Jahre, das heißt in naher Zukunft werden viele Mitarbeiter in Rente gehen. Ohne Nachwuchskräfte können wir unseren Standard von heute nicht aufrecht erhalten. Ein Unternehmen lebt außerdem durch das Denken der nächsten Generationen weiter.

Außerdem haben viele Jugendliche kaum mehr einen Bezug zum Handwerk – er wird ja auch nicht mehr vom Elternhaus mitgegeben. Das heißt für uns: Wir bekommen einen neuen Bildungsauftrag. Wir müssen Grundlagen des Handwerks vermitteln.

Wie reagiert Ihr Unternehmen auf diese Situation?

Wir werden ganz unterschiedlich aktiv wie durch die Schaltung eines Kinospots oder den Besuch von Ausbildungsmessen. Außerdem verstärken wir den Kontakt zu Schulen, um aktiv den Unterricht mitzugestalten: Wir bieten Lehrerpraktika an, das heißt, Lehrer können in unsere Ausbildungsberufe schnuppern und somit die Inhalte ihren Schülern besser erklären.

Was zeichnet die Firma Rinn als „Ausbildungsbetrieb 2017“ aus?

Unsere Ausbildung ist kreativ und individuell. Unsere Azubis eignen sich nicht nur fachliches Wissen an, sondern sie entwickeln auch ihre Persönlichkeit weiter.

Deswegen sitzen wir gemeinsam mit unseren Azubis in einem Boot. Mit diesem Bewusstsein führen wir auch gemeinsam Schulungen und Workshops durch wie Lernen lernen, Etikette oder Selbstwirksamkeits-Training. Jedes Jahr veranstalten wir einen Azubi-Aktivtag, wo wir gemeinsam Sport machen.

Unsere Azubis eignen sich nicht nur Wissen in den Einsatzabteilungen an, sondern arbeiten auch an gemeinsamen Projekten. Vergangenes Jahr wurde im Kindergarten Heuchlheim ein Hochbeet aufgebaut. Dieses wurde dann gemeinsam mit den Kindern bepflanzt und später aus der Ernte ein Mittagessen gekocht. Schlussendlich gestalten unsere Azubis und Ausbildungsbeauftragten aktiv die Ausbildung bei Rinn mit. Durch ihre Ideen und Änderungswünsche kann sich unsere Ausbildung weiterentwickeln.

In der STEIN-Ausgabe 6/2018 wird es ein Ausbildungs-Spezial geben. Seien Sie gespannt. Das Heft erscheint Ende Mai.