MEHR GLANZ FÜR SAINTE MARIE-MADELEINE

Stein Magazin

Beim Eintreten stockt einem der Atem: Die Dimensionen der berühmten Wallfahrtskirche Sainte Marie-Madeleine in Vézelay sind überwältigend. Doch der Zahn der Zeit hat das Bauwerk nicht unversehrt gelassen. Kurz vor dem 900. Jubiläum wird diese prachtvolle Kirche nun gründlich restauriert.

Allein Burgund, diese landschaftlich wunderschöne Region in Zentralfrankreich, hat fünf UNESCO-Weltkulturerbestätten vorzuweisen. Eine davon ist die Abteikirche und der Stadthügel von Vézelay. Die auf dem Hügel thronende, von Weitem sichtbare Basilika aus dem 12. Jahrhundert ist ein spätromanischer Bau mit frühgotischen Anklängen. Das herannahende Jubiläum im Jahr 2020, in dem sich der Baubeginn zum 900. Mal jährt, wurde, so lässt sich vermuten, als Anlass genommen, um die prächtige Kirchenanlage zu restaurieren. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die in drei je zwei Jahre dauernde Abschnitte unterteilt sind, haben 2014 begonnen.

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Station vieler Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela und eines der schönsten Kirchenbauwerke: die Basilika Ste. Marie-Madeleine in Vézelay. (Foto: quick-mix)
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Die erste Phase der Restaurierung war die Chorapsis mit ihrem prachtvollen Gewölbe und dem umlaufenden Triforum. (Foto: quick-mix)
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Weltberühmt sind die Kapitelle mit ihrem überreichen ornamentalen
Schmuck. (Foto: quick-mix)
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Abgebrochene Teile mussten – oft in Handarbeit – wiederhergestellt und
angeklebt werden. (Foto: quick-mix)
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Unschöne schwarze Verfärbungen sollen verschwinden. Sie entstehen
durch Feuchtigkeitsansammlungen an den Wänden. (Foto: quick-mix)
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Fur die Pflasterung im Außenbereich werden zunächst eine Kieselschicht
und ein wasserundurchlässiger Bettungsmörtel aufgebracht. (Foto: quick-mix / Christina Haberlik)
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Der Fugenmörtel wird verstreut, eingeburstet und die Fläche anschließend
mit einem Schlauch abgespritzt. (Foto: quick-mix / Christina Haberlik)
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Der erste Restaurierungsabschnitt der Chorapsis dauerte circa zwei Jahre. (Foto: Christina Haberlik)
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Im weiteren Verlauf der Arbeiten werden jeweils einzelne Segmente abgetrennt, damit weiterhin Messen stattfinden können. (Foto: Christina Haberlik)
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Der Roboter im Einsatz – er ist fast jeder dreidimensionalen
Aufgabe gewachsen. (Foto: Christina Haberlik)

Roboter arbeitet wie ein Bildhauer

Die Basilika ist nicht etwa baufällig oder in einem ruinösen Zustand. Bei dieser Baumaßnahme geht es vielmehr primär um eine ästhetische Verbesserung des Gesamtzustandes, denn große Teile der Mauern hatten sich bedingt durch Salpeter- und Kalkablagerungen unansehnlich grau-schwarz verfärbt und sind teilweise auch feucht und bemoost.

Firma SNBR (Société Nouvelle Batiment Régional) konnte die Ausschreibung für die Phase 1 für sich entscheiden und leistete hervorragende Arbeit, sowohl bei den Verputzarbeiten als auch bei den schwierigen plastischen Rekonstruktionen. Die heimliche Hauptperson im Betrieb ist der Roboter. Er arbeitet vollkommen selbstständig. Auch die Rekonstruktionen der dreidimensionalen fehlenden Steinsegmente wurden von ihm gefertigt.

Der Gesamteindruck der künftig fertig restaurierten Basilika darf auf jeden Fall nicht neu wirken. Dies ist ein wichtiger Aspekt beim Umgang mit historischen Gebäuden. Viel Einfühlungsvermögen, handwerkliches Geschick, fachmännisches Wissen, kunstgeschichtliche Kenntnisse und große Erfahrung sind vonnöten, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Soweit dies bislang zu beurteilen ist, hat die Mannschaft, die hier am Werk ist, hochkompetente, denkmalgerechte Arbeit geleistet – angefangen bei der Wahl der richtigen Materialien bis zu den mit feinem Gespür ausgeführten Restaurierungen.

Erfahren Sie mehr über die Sanierung der Basilika Sainte Marie-Madeleine in STEIN im Dezember 2016.

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Das fliegende Auge

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Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector
Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector

In unsere neuen STEIN-Serie „Chancen nutzen“ teilen wir unser Wissen über Vorgehensweisen, die Unternehmen nutzen können, um langfristig erfolgreich zu sein. In der ersten Folge dreht sich alles um den Blick von oben. Drohnen ermöglichen Inspektionen, Aufmaße und Dokumentationen von Steinbrüchen oder Fassaden.

Unbemannte Fluggeräte, englisch Unmanned Aircraft Systems oder Unmanned Area Vehicles (UAS, UAV), populär meist „Drohnen“ oder „Multicopterd“ genannt, werden inzwischen in zahlreichen Bereichen des Bauens, Sanierens und Erhaltens von Baubestand eingesetzt. Mit einer visuellen Digital- oder Wärmebildkamera oder einem 3-D-Laserscanner ausgestattet, können ferngesteuerte Drohnen Steinbrüche, Fassaden oder Dachflächen inspizieren oder geometrisch erfassen, Schäden lokalisieren und dokumentieren, Energieverluste aufdecken und vieles mehr.

Sollen Bau-, Sanierungs- oder Umbaumaßnahmen erfolgreich sein, müssen sie sorgfältig vorbereitet und geplant werden. Aktuelle und verlässliche Bestandsdaten sind die wichtigste Grundlage einer umsichtigen Planung. Terrestrische Aufmaßverfahren wie die Tachymetrie, das Laserscanning oder die Fotogrammetrie erfassen nur jene Bereiche, die vom Boden oder von der umgebenden Bebauung aus zugänglich und sichtbar sind. Dachflächen und andere unzugängliche Bereiche der Gebäudefassade lassen sich geometrisch und fotografisch nicht oder nur unzureichend erfassen.

Drohnen können über die luftbildgestützte Fotogrammetrie oder 3-D-Laserscanner Bauwerke und andere Objekte lückenlos geometrisch vermessen und werden deshalb manchmal auch parallel eingesetzt: Aus perspektivisch entzerrten Luftbildern lassen sich zentimetergenaue und maßstabsgerechte Dachaufsichten oder Fassadenansichten erstellen. Werden die Luftbilder fotogrammetrisch ausgewertet, lassen sich daraus 2-D-Pläne oder dreidimensionale Modelle der Gebäudehülle erstellen. Diese können als Grundlage für Planungen, Kostenberechnungen, Ausschreibungen oder Visualisierungen verwendet werden.

Mit speziellen 3-D-Laserscannern ausgestattete Drohnen, können das Umfeld rasterförmig in Sekundenschnelle abtasten und dabei Millionen von 3-D-Messpunkten, sogenannte „Punktwolken“ erzeugen. Dabei speichern sie die Geometriedaten aller umgebenden Objekte als räumliche Koordinatenwerte ab. Eine integrierte Digitalkamera erzeugt zusätzlich 360-Grad-Fotopanoramen und erfasst Gebäudehüllen nahezu lückenlos. Messdrohnen sind auch in der Lage, von Halden, Kies- und Schottergruben, Deponien oder Steinbrüchen zunächst Orthogonalfotos oder 3-D-Laserscans und daraus 2-D-Lagepläne, 3-D-Geländemodelle, Massen und Volumen zu generieren, ohne dabei den laufenden Betrieb zu stören oder Personen zu gefährden.

Lesen Sie mehr in der STEIN 8/2020.

Im Gespräch statt im Gerede

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Gestorben wird immer. Aber nicht mehr genug, schreibt Henning Sußebach am 3. November in der Wochenzeitung »Die Zeit«. Er kommt dann zu dem Schluss, dass viele Bürger ihre Asche lieber verstreuen, als ein Grab zu kaufen. Sußebach formuliert ein Problem, mit dem sich auch das Steinmetzhandwerk auseinandersetzen muss: Sogar Friedhöfe können sterben. Zum Leben brauchen sie Tote. Die werden aber auf den herkömmlichen Friedhöfen immer weniger. Sie haben Konkurrenz bekommen. Die Menschen in einer »Multioptionsgesellschaft« möchten sich nicht mehr dem schematischen Schachbrettmuster der Friedhöfe fügen. Friedhöfe sind heute nur eine Option unter ganz verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten.

Die Folgen sind klar: kein Friedhof, kein Grab, kein Stein. Das Steinmetzhandwerk ist gefordert. Grabzeichen können mit dazu beitragen, Friedhöfe am Leben zu halten. Allerdings: Diese Zeichen müssen einen Sinn, eine Botschaft, einen Wert für die Hinterbliebenen haben. »Blut indischer Kinder haftet an deutschen Grabsteinen« oder »Grabsteine aus Kinderarbeit stehen auf deutschen Friedhöfen«. Meldungen wie diese bringen die Zeichen am Grab ins Gerede. »Kinderarbeit bei Grabsteinen wieder erlaubt« stand am 16. Oktober in der Tageszeitung »Nürnberger Nachrichten«: In einem Urteil hatte das Bundesverwaltungsgericht die Nürnberger Friedhofsordnung gekippt. Die Stadt wollte sicherstellen, dass auf den städtischen Friedhöfen keine Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die von Kinderhänden geformt wurden. Ein Steinmetz klagte. Er gewann! Nur was? Wer soll überprüfen, unter welchen Bedingungen die Steine entstehen, fragten die Richter. Eine Zertifizierung mit verbindlichen Maßstäben muss her. Juristisch ist es nicht zu beanstanden.

Allerdings: Viele der Zertifikate zu sozialen oder ökologischen Standards sind in Bereichen kaum den Kleber wert, mit dem sie auf ein Produkt gepappt werden. Es liegt jetzt an jedem Handwerker selbst, welche Grabzeichen er anbietet und mit welchen Steinen er arbeitet. Das Produkt Grabstein ist wieder einmal im Gerede, statt im Gespräch zu sein. Das ist ärgerlich.

Willy Hafner’s Betreff aus STEIN im Dezember 2013.

Bild: Aeternitas e.V.