Grillen am Grab

Stein Magazin

Die Memoriam-Gärten

Seit Jahren verzeichnen wir einen massiven Wandel der Bestattungskultur – mit Friedwäldern, Seebestattungen, anonymen Urnenfeldern und Rasengräbern. Als Folge davon trägt sich die Kostenstelle Friedhof in immer weniger deutschen Gemeinden selbst, was sie rein rechtlich eigentlich müsste. Rückläufige Einnahmen erfordern kommunale Subventionen in ihre Friedhöfe. Feuerbestattungen haben Konjunktur, und gefragt sind möglichst kleine Nischen in riesigen Urnenwänden – billig und ohne Aufwand. Daneben aber entstehen auch wieder Mausoleen, die problemlos sechsstellige Eurobeträge verschlingen können: Die Bestattungskultur anno 2016 passt sich der gesamtgesellschaftlichen Scherenentwicklung an.

Was tun mit den entstehenden Frei- und Brachflächen auf unseren Friedhöfen, die den ohnehin klammen Kommunen für den Erhalt ständig weitere Kosten bescheren? Höhere Friedhofsgebühren – eine vielerorts praktizierte Maßnahme – forciert den Wandel nur noch mehr, macht sie doch Billigangebote attraktiver. Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur „Aeternitas“ fordert vom Staat gar bereits die Finanzierung einer kostenlosen Bestattung für alle Bürger. Dabei gibt es bereits etliche Möglichkeiten, den Wandel positiv zu gestalten.

Ein Beispiel sind sogenannte gärtnergepflegte Grabfelder, die den Friedhofsgärtnern, aber auch den Steinmetzen neue Einsatzgebiete verschaffen. Mehrere Betriebe beider Gewerke übernehmen hierbei gemeinsam von der Kommune eine Fläche auf dem Friedhof, die sie nach ihren oder den Vorstellungen der Gemeinde parkähnlich gestalten: etwa mit einem Teich, Hügeln, Mauern, Skulpturen, Wiesen, Pflanzen, Bänken und Wegen. Anstelle des gewohnten Bildes von einem Friedhof in preußischen Ordnung und an der Richtschnur ausgerichteten Gräbern entstehen Parks und Gartenanlagen mit hohem Freizeitwert. Unterschiedliche Bestattungsmöglichkeiten finden nebeneinander Platz: Einzelgräber für Särge ebenso wie Urnenfelder, Rasen- und Baumgräber oder anonyme Grabfelder mit zentraler Gedenkstätte. Grabsteine dürfen errichtet, Blumen niedergelegt und Laternen sowie Vasen aufgestellt werden – jeweils nach den Wünschen der Hinterbliebenen. Um die Pflege der gesamten Anlage kümmern sich die vorleistenden Betriebe, während die Angehörigen sich um nichts kümmern, sondern lediglich eine – entsprechend ihrer Auswahl – monatliche Gebühr entrichten müssen. Es entstehen Orte, die nicht nur von den Hinterbliebenen gerne besucht werden und die sich zur Trauerbewältigung ebenso eignen wie zur allgemeinen Erholung.

Ähnlich verhält es sich mit den ‚Memoriam‘-Gärten, bei denen die Namen der Verstorbenen von am Konzept beteiligten Steinmetzen generell auf kunstvollen Grabmalen verewigt werden. „Darüber hinaus sind alle Grabstätten in harmonischer Art und Weise miteinander verbunden, da es keine klaren Abgrenzungen wie bei klassischen Gräbern gibt. Weil die Dauergrabpflege durch kompetente und qualifizierte Friedhofsgärtner übernommen wird, grünen und blühen Memoriam-Gärten das ganze Jahr über“, schreibt die Gesellschaft deutscher Friedhofsgärtner auf ihrer Internetseite www.memoriam-garten.de. Derartige Gartenanlagen gibt es bereits in etlichen deutschen Städten – von Aachen bis Wunstorf.

In Karlsruhe und Mannheim existieren zudem bereits Vereine zur Pflege der Bestattungskultur, die Veranstaltungen im Parkgrabfeld organisieren – wie beispielsweise Lesungen, Gottesdienste oder kleine Konzerte, die sich um Tod, Trauer und Abschied drehen. Dass Friedhöfe durchaus zu Publikumsmagneten avancieren können, wissen Paris- und Wien-Reisende durch den Friedhofstourismus zum Pere Lachaise mit seinen berühmten Gräbern von Jim Morrison, Frederic Chopin, Oscar Wilde und Edith Piaf oder denen von Johann und Josef Strauss, Wolfgang Amadeus Mozart sowie Falco auf dem Wiener Zentralfriedhof. Aber nicht nur die Gräber berühmter Persönlichkeiten wirken anziehend. Hierzulande der Kölner Melatenfriedhof mit seinen wilden Papageienscharen zieht immer mehr Besucher an.

Chancen in der Bestattungskultur

Für deutsche Vorstellungen schon ein wenig skurril muten die Grillplätzen auf einem Kopenhagener Friedhof an. Auch der Spielplatz auf einem Friedhof in Karlsruhe ist einigen trauernden Angehörigen ein Dorn im Auge – ebenso wie Picknicks an schönen Sommertagen und nächtliche Partys auf einigen Münchener Friedhöfen.

Aber nicht nur die Friedhöfe insgesamt, sondern auch die einzelnen Gräber wandeln sich. So ermöglichen etwa Grabsteine mit QR-Code das Abrufen persönlicher Informationen des Verstorbenen oder eines YouTube-Trauervideos mittels Smartphone. „Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe“ als Inschrift auf einem Grabstein oder Grabmale in Form von Skiern, Raumschiffen, Autos, Computermäusen und Comicfiguren zeigen, dass der Trend vom Jenseits zum Diesseits geht. Dies aber mag man bedauern, aufzuhalten ist es nicht. Und daher sind Steinmetze gut beraten, mit dem Trend zu gehen und sich neue Ertragsquellen sowie Geschäftsfelder zu erschließen.

Lesen Sie mehr zum Thema „Fertigung und Gestaltung von Grabmalen“ ab 21. November 2016 in unserem aktuellen Heft.

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Immer mehr Altbauten werden barrierefrei und sturzsicher umgebaut. Denn viele Rentner sind heute in der Lage, sich ein komfortables, modernes Ambiente zu leisten – und sie geben ihr Geld gern dafür aus. Für Steinmetze eröffnet dieser Trend neue Geschäftsfelder. Dabei kann ein Handwerkerverbund sinnvoll sein.

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Wer auch im Alter in seinem Zuhause bleiben will, muss in der Regel umbauen und braucht Handwerker. (Foto: iStock)
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Barrierearme Bäder sehen elegant aus. Hier wird das Duschwasser in einem schmalen, umlaufenden Schlitz abgeführt. (Foto: baqua)
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Frei von Stolperfallen: barrierefreie Bäder erleichtern älteren Menschen den Alltag. (Foto: baqua)

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Nach Schätzungen von Fachleuten müssen zwischen 2,5 und drei Millionen Wohnungen generationengerecht nachgerüstet werden. Eines der häufigsten Projekte bei der Wohnraumanpassung oder Wohnumfeldgestaltung für Senioren ist die Umgestaltung des Bads. Der Trend zu schicken, barrierefreien Bädern birgt auch für Steinmetze Potenzial. Das Natursteinwerk Rechtglaub-Wolf GmbH in Lübeck hat dies erkannt. „Das große Thema sind barrierefreie Badezimmer und vor allem Duschen“, erklärt Geschäftsführer Stefan Wolf.

Der Steinmetzbetrieb Illenberger Steinmetz GmbH aus Nattheim-Steinweiler besitzt das Zertifikat „Leichter Leben“. Das Unternehmen hat sich auf das barrierefreie oder barrierearme Wohnen spezialisiert. Die teilnehmenden Betriebe erhalten in einem eintägigen Zertifizierungsseminar wichtige Informationen über Gesetze und Normen, zu Beratungsstellen und Finanzierungshilfen, zu Krankheitsbildern und körperlichen und geistigen Handicaps. Die Schulungsinhalte zielen auf den Neu- und Umbau von Privatbädern.

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Es genügen kleine Umstrukturierungen, um die Potenziale des Seniorenmarkts zu nutzen: Ein barrierefreier Eingang im Beratungsstudio, rutschfeste Böden, Toiletten im Erdgeschoss, Aufzüge und Rolltreppen sind Beispiele für Barrierefreiheit in den Geschäftsräumen. Die Diplom-Kauffrau Stefanie Schmückerl verweist in der Studie „Marktpotenziale aus dem demografischen Wandel“ explizit auf den Service. Auch wer in der Beratung eine leicht verständliche Sprache ohne unnötige Fachausdrücke verwendet, kommt nicht nur bei älteren Menschen gut an.

Lesen Sie mehr zum Thema barrierefreies Bauen in STEIN 03/2017.

Showroom trotz Homepage?!

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findet Anette Mühlberger

Der Handel steht vor einem Umbruch. Ging es bislang nur um »online zu Hause oder offline im Laden«, informieren sich Kunden heute überall per Smartphone oder Tablet und checken, ob das Angebot auch wirklich so günstig und passend ist, wie es erscheint. Immer weniger Kunden scheuen sich nicht, ihre Geräte hierfür sogar direkt im Gespräch zu ziehen. Was also ist zu tun? Und: Wie wirkt sich dieses Kundenverhalten auf den Steinmetzen aus, der Kunden in seiner Ausstellung ebenfalls offline überzeugen will?

 

Der Kunde ist immer einen Klick weiter

Wie begeistert man also Kunden in der realen Welt, die im Kopf immer schon einen Klick weiter sind? Und wie gestaltet man eine Ausstellung so, dass sie medien- und shoppingverwöhnte Menschen nicht gleich wieder flüchten lässt. Wo das Smartphone zum ständig verfügbaren Einkaufsbegleiter wird, müssen Ladenbetreiber und Handwerksbetriebe überlegen, was Kunden im Hier und Jetzt von einem Raum und Gelände erwarten und was sie bis zum entscheidenden Kauf- bzw. Beratungsgespräch dort halten kann.

Der Mensch bleibt ein Haptiker

Läden wird es auch in Zukunft geben, das jedenfalls prognostiziert das aktuelle STORE BOOK 2014 (siehe Buch-Tipp). »Der Mensch wird immer ein Haptiker bleiben, auch ein dem Geruchs- und Gehörsinn verhafteter Konsument und ein Herdentier«, schreibt dort Autor und STEIN-Interviewpartner Reinhard Peneder. Wo andere Menschen sind, dort will also auch der heutige und künftige Kunde immer noch hin. Smartphone hin oder her. Und er will Produkte und Konzepte erleben, riechen, schmecken und fühlen.
Von den Nöten des Einzelhandels können und sollten aber alle lernen, die eine neue Ausstellung planen. Von verwaisten Shopping-Centern auf der grünen Wiese, von Läden, die Kunden nur noch zum Schauen, aber nicht mehr zum Kaufen betreten – und im Café nebenan genau das online bestellen, was sie offline nicht überzeugen konnte.
Das beratungsintensive Natursteingeschäft ist per se natürlich »smartphoneresistenter« als normale Handelsgüter. Doch trifft schon heute die Gefahr des »Vor-Ort-Schauens und Per-Smartphone-Kaufens« all jene, deren Ausstellung und Angebot weitgehend auf allenfalls leicht applizierter Standard-, Import- und Handelsware basiert.

 

Abwechslung und Heimat bieten

Innovativ müssen Ladenkonzepte heute sein, überraschend und zum Markenauftritt eines Anbieters passen. Authentisch, wie Store-Spezialist Reinard Peneder es im Stein-Interview umschreibt. Dabei gehe es den Leuten immer weni
er nur ums Einkaufen. Sondern um Orte, die Abwechslung bieten, die sie inspirieren und die ihnen gleichzeitig das Gefühl geben, zu Hause zu sein.
Gerade Natursteinbetriebe können mit ihrer Ausstellung ein inspirierendes Zuhause für Kunden schaffen. Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Shopping verschmelzen, ist Richard Peneder überzeugt. Ein Skulpturenpark, der zum Rundgang und Ausruhen verführt, ein Kubus, der Showroom und Mitmachwerkstatt vereint, ein Erinnerungspark, der zeigt, was modernes Gedenken bedeuten kann. Ein Natursteinloft, das als Designlounge auch zum Treffpunkt für Kunstliebhaber avanciert. All das sind Konzepte, die Menschen dazu einladen, hinzugehen, innezuhalten, aufzumerken und sich damit auseinanderzusetzen.

Was einen guten Showroom ausmacht und wie Sie Ihren eigenen gestalten können, lesen Sie im neuen STEIN!

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