7 Branchenmeinungen: Mensch und Maschine

Stein Magazin

3D-Stück

Auf der Stone+tec 2018 widmete sich die Podiumsdiskussion “CNC-Technik für Ein- und Aufsteiger” der Frage, wie CNC-Technik im Betrieb etabliert werden kann.

Brio
CNC-Technik wie diese Fünfachssäge ist die Zukunft der Natursteinbranche, war man sich auf dem Podium einig. Foto: Anne Fischer
CNC-Technik
3D-Stück, das Schüler aus Königslutter gezeichnet, auf der Maschine vorgefräst und anschließend handwerklich nachbearbeitet haben. Foto: Anne Fischer
NuernbergMesse : Frank Boxler
Die Podiums-Teilnehmer: Richard Watzke, Oliver Braun, Kai Görder, Ingo Homeyer, Rene Houdelet, Dieter Löffler, Andreas Scholz, Sven Wappler Foto: NuernbergMesse / Frank Boxler



Fazit und Tipps vom Podium

Oliver Braun von Weha betonte, dass die Vorgespräche essentiell seien. Natursteinverarbeiter sollten sich fragen: Welche Aufträge bearbeite ich aktuell? Welche möchte ich bearbeiten? Welche Aufträge könnten in fünf Jahren kommen? Der Schritt der Technologisierung solle bestenfalls nicht zu groß ausfallen, Input und Output der Maschine müssten stimmen. Entgegen des allgemeinen Trends zu Fünfachs-Maschinen könne je nach Auftragslage zum Beispiel auch eine Vierachs-Maschine ausreichen.



Kai Görder von der Steinmetzschule Königslutter berichtete von seinen Erfahrungen mit den Schülern. Das Zeichnen im CAD-Programm falle ihnen teilweise leichter als per Hand. Die Schule lehrt seit etwa sieben Jahren CNC-Einheiten. Sie verfügt über einen 3D-Drucker und eine Fünfachs-Maschine. Das Hauptaugenmerk liege auf Grundlagenvermittlung, etwa Zeichnen mit CAD-Programmen und ersten Plattenschnitten. Techniker-Schüler arbeiten auch in 3D. Sie fräsen zum Beispiel Figuren auf der Maschine vor und bearbeiten sie handwerklich nach.

Ingo Homeyer von DDX Deutschland ist der Meinung, der Einstieg in die CNC-Technik sei nie so leicht gewesen wie aktuell: Sowohl Maschinen- als auch Software-Hersteller hätten viel für intuitive Bedienbarkeit getan. Firmen rät er, “ein verrücktes Teil” zu produzieren und auszustellen. Architekten und andere B2B-Kunden könnten sie die Möglichkeiten der CNC-Technik so besser vorstellen.



Rene Houdelet von König Schmieder erklärte, er wolle stets die Maschine verkaufen, die im jeweiligen Betrieb am einfachsten zu integrieren sei. Dafür gelte es, in Vorgesprächen den Kenntnisstand der späteren Bediener herauszufinden. Auch nach Kauf und Aufbau der Maschine sollten Betriebe regelmäßig Schulungen in Anspruch nehmen.

Dieter Löffler von Burkhardt-Löffler erzählte von der Hilfshotline der Firma: Sie helfe besonders frischen Einsteigern oft, wenn sie bei einem Sägeprojekt “hängenbleiben”. Schon bei der Montage und dem Aufbau einer neuen Maschine sei es für die Firmen wichtig, dabei zu sein, um sich mit der Thematik zu identifizieren.



Andreas Scholz, Geschäftsführer von Scholz Naturstein aus Frasdorf, hat 2009 angefangen, in CNC-Technik zu investieren. Er habe neue Aufträge generiert, sein Team wachse mit der Maschine mit und habe sie schnell voll auslasten können. Auch im Betriebsalltag sollte stets Zeit fürs Ausprobieren freigeräumt werde. Dass der Nachwuchs grundlegende CNC-Kenntnisse an den Schulen vermittelt bekommt, begrüßt er. Besonders, weil viele Bewerber aktuell noch keine derartigen Fähigkeiten mitbrächten. Deshalb bilde er seine CNC-Bediener bislang selbst aus und schicke sie zu CNC-Schulungen.

Sven Wappler von CMS Steintechnik wies auf die Schere zwischen tatsächlichen Aufträgen und dem “Fünfachs-Trend” hin: Die meisten Aufträge seien aktuell noch im 2D-Bereich, dennoch wollen fast alle Betriebe sofort in eine Fünfachs-Maschine investieren. Er rät deshalb zur genauen Bestandsaufnahme vor dem Kauf.

– Einsteiger sollten am besten in eine Maschine investieren, deren Software später aufrüstbar ist, etwa mit 3D-Modulen.

– Aufgrund des Fachkräftemangels ist Wachstum teilweise nur durch Technologisierung möglich, weil sie fehlende Handwerker ausgleicht.

– Interessierte sollten nicht nur auf die reine Bearbeitungszeit achten, die durch eine Maschine sinkt. Viel wichtiger ist die automatische Fertigung, durch die Betriebe sich parallel anderen Projekten widmen können.

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Zur Lage der Handwerksnation

Stein Magazin
Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und selbst Malermeister

Nächstes Wochenende, am 24. September 2017, steht die 19. Bundestagswahl an. Ein guter Anlass für STEIN-Autorin Bärbel Daiber, bei Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer einmal nachzufragen, wie es um das Verhältnis zwischen Handwerk und Bundespolitik steht und welche Forderungen und Erwartungen der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) an die künftige Regierung hat.

STEIN: Herr Wollseifer, Handwerk und Mittelstand erfahren von der Politik endlich mehr Wertschätzung. Wie wirkt sich das aus, und wo hapert es noch?

Hans Peter Wollseifer: Der deutsche Mittelstand und als dessen wichtiger Bestandteil die mehr als eine Million Handwerksbetriebe haben sich in Krisenzeiten als sehr robust erwiesen. Sie haben sich zugleich als der Wirtschaftsbereich hervorgetan, auf den die Politik gerade auch mit Blick auf herausragende gesellschaftspolitische Herausforderungen wie etwa die Flüchtlingsintegration zählen kann. Das Handwerk wirkt gesellschaftspolitisch wie wirtschaftlich stabilisierend. Das hat entscheidend auch mit dem dualen Ausbildungssystem zu tun, das für Ausbildungsqualität und für den Nachschub an qualifizierten Fachkräften sorgt. Auch wenn das inzwischen in der Politik überwiegend so gesehen wird, ist bei der finanziellen Unterstützung der beruflichen Bildung und der Ausbildungsförderung, etwa bei der Höheren Berufsbildung, noch viel Luft nach oben. Damit unsere Betriebe weiter erfolgreich sein können, braucht es zudem entsprechende Rahmenbedingungen. Überflüssige Bürokratie muss weiter abgebaut werden. Und was die Belastungen durch Steuern und Sozialabgaben angeht, sind unsere Betriebe an der Schmerzgrenze. Damit sie wettbewerbsfähig bleiben, dürfen auch künftig die Sozialabgaben 40 Prozent keinesfalls überschreiten.

STEIN: Was wurde in der vergangenen Legislaturperiode an dringenden Maßnahmen für das Handwerk versäumt, was jetzt dringend angegangen werden müsste?

Hans Peter Wollseifer: Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist es dringlich, die berufliche Bildung wieder attraktiver für junge Menschen zu machen. Dazu braucht es eine bessere Ausstattung unserer Berufsbildungsstätten, ein Update für die Berufsschulen und eine insgesamt stärkere Förderung der beruflichen Bildung. Nach dem erfolgreichen Hochschulpakt muss es nun einen Berufsbildungspakt geben, auch als Ausdruck der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Wir haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass viel mehr energetische Sanierungen von Gebäuden nötig sind, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen – steuerliche Anreize können entscheidend dazu beitragen, dass investiert wird. Hier könnte man bereits viel weiter sein. Es ist in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die Strompreise für mittelständische Betriebe und Privathaushalte im Griff zu behalten, die EEG-Umlage steigt und steigt. Aus Sicht des Handwerks kann nicht hingenommen werden, dass kleinere und mittlere Betriebe für die Privilegierung der Großunternehmen, die von der Umlage befreit sind, zur Kasse gebeten werden.

STEIN: Welches sind die drei wichtigsten Themen des Handwerks, um die sich die Politik jetzt dringend kümmern muss? Und welche zentralen Forderungen des Handwerks an die künftige Bundesregierung leiten Sie daraus ab?

Hans Peter Wollseifer: Dass dringend etwas bei der Finanzierung der Energiewende geschehen muss, habe ich schon angesprochen. Die Kosten müssen fair verteilt und Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden, und es muss eine sichere und bezahlbare Energie- und Stromversorgung gewährleistet sein. Gerade für die Handwerksbetriebe in ländlichen Regionen ist es sehr wichtig, dass sie Zugang zu schnellem Internet haben. Hier müssen wir bei der Anbindung deutlich schneller werden. Notwendig ist für die Betriebe außerdem ein zeitgemäßes Datenrecht. Bei Steuern und Sozialabgaben darf es keine weiteren Belastungen für unsere Betriebe geben. Beispielhaft verweise ich auf den Bereich der Rente: Hier rächen sich Fehler der Vergangenheit wie die Mütterrente oder die Rente mit 63. Dadurch wird die Rentenkasse jedes Jahr mit mehreren Milliarden Euro belastet. Wir müssen dringend die Kosten bei der Rente im Griff behalten. Es sollte daher auf keinen Fall weitere Leistungsausweitungen geben, die dann aus Beitragsmitteln zu finanzieren sind. Vielmehr muss es darum gehen, die Rente demografiefest zu gestalten, indem beispielsweise das Renteneintrittsalter – wie künftig in Dänemark – an die Lebenserwartung geknüpft wird.

STEIN: Vielen Dank für das Gespräch.

Fassadenkunst in Rot

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Rautenmuster am Historischen Museum in Frankfurt

In der Dezemberausgabe berichtet die STEIN über das Historische Museum in Frankfurt am Main. Das 1878 gegründete Museum besteht aus einem Konglomerat von Gebäuden verschiedener Epochen. Seit diesem Jahr ergänzen zwei weitere Gebäuderiegel mit dazwischen aufgespanntem Platz das „Museumsviertel“ in der Nähe des Römers. Der städtebaulich gelungene Entwurf stammt aus der Feder der Stuttgarter Architekten LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei. Die außergewöhnlichen Außenhüllen der beiden Neubauten bestehen aus rotem Neckartäler Hartsandstein mit geschliffener Oberfläche, deren Arbeiten das Bamberger Natursteinwerk Herman Graser GmbH ausgeführt hat. Mit dem Ziel, ein „lebendiges“ Fassadenbild zu erhalten, haben die Architekten die roten Außenhüllen aus einzelnen kleinformatigen Steinen entworfen. Auf diese Weise kommt die unverwechselbare Farbintensität des Natursteines mit seiner weißlich bis gelblichen Bändern besonders zur Geltung.

Für die Hauptfassade des Eingangsgebäudes haben sich die Planer etwas ganz Besonderes einfallen lassen: ein großes Rautenmuster mit gespitzter Oberfläche. Aber eine Raute besteht nicht ausschließlich aus einzelnen Steinen, sondern auch aus insgesamt sechs größeren Formteilen. Betrachtet man das Detailfoto, erkennt man oberhalb des Kreises eine schmale vertikale Fuge in Steinfarbe. Der gespitzte Stein rechts von der roten Fuge und der darunterliegende gespitzte Stein, mit der abgerundeten schmal zulaufenden Seitenkante, sind ein großes Steinelement. Der Steinmetz hat die horizontale Fuge nachträglich bis auf etwa zwei Zentimeter in den Stein eingefräst.

Das zweite Detailfoto zeigt die weiteren drei Steinelemente um den geschliffenen Kreis herum. Und auch die Rautenspitzen bestehen jeweils aus einem größeren Stein. Auf der Baustelle hat man die zuvor eingefrästen Fugen ebenfalls als Schattenfuge ausgeführt. Der Grund für diese Vorgehensweise: ein Abbrechen der abgerundeten, spitz zulaufenden Seitenkante zu verhindern.