Moderne und klassische Platzgestaltung

Stein Magazin
Für den Boden ließen die Bauherren 12.000 Quadratmeter Betonwerkstein in vier verschiedenen Farben und in Anlehnung an englisches Parkett im Fischgrätmuster verlegen. Foto: Metten Stein + Design
verschiedenen Farben und in Anlehnung an englisches Parkett im Fischgrätmuster verlegen. Foto: Metten Stein + Design

Verschiedenfarbiger Betonwerkstein gibt dem Viertel Houthavens in Amsterdam seinen besonderen Kick, und das Natursteinpflaster aus rotem Granit des Wiesbadener Schlossplatzes erhielt eine neue Verfugung. Bei beiden Projekten spielte auch die starke Beanspruchung eines öffentlichen Platzes eine Rolle.

Für den Boden ließen die Bauherren 12.000 Quadratmeter Betonwerkstein in vier verschiedenen Farben und in Anlehnung an englisches Parkett im Fischgrätmuster verlegen. Foto: Metten Stein + Design

Attraktiver Außenbereich

Houthavens ist eines der neuesten Viertel von Amsterdam mit viel moderner Architektur, die hauptsächlich als Bürogebäude und Hotels dient. Früher war dieses Gebiet entlang des Flusses IJ Hafengebiet, in dem Holz umgeschlagen wurde. Zwischen zwei ehemaligen Hafenbecken entstand etwa vor zwei Jahren an der Danzigerkade ein besonderer Campus. Eigentümer, Auftraggeber und Investor Heren2 ließ Hallen abreißen, den Boden sanieren und neue, moderne Gebäude errichten. Hier haben Unternehmen aller Art ihren Sitz, darunter Werbe-, Design- und Mediaagenturen sowie Modeunternehmen. Besonders ist der Campus aufgrund seiner modernen Gebäude und der extravaganten Bodengestaltung.

Bei der Gestaltung des Außenbereichs legten die Investoren großen Wert auf eine hohe Aufenthaltsqualität. Sander Singor, Landschaftsdesigner des Büro Sant en Co Landschaftsarchitekten, Den Haag, der am Entwurf beteiligt war, stellte fest: „Das Gebiet ist geprägt von Beton, Platz und Wasser. Zu dieser Hafenwelt habe ich einen Kontrast geschaffen, indem ich Sanftheit und organische Formen in unseren Entwurf eingebaut habe. Das Design kombiniert Betonsteine von Metten Stein+Design in Fischgrätverlegung mit linsenförmigen, grünen Objekten, die Tropfen ähneln, wie sie zurückbleiben, wenn Wasser von einem Boden abgelaufen ist.“

Warum entschieden sich die Verantwortlichen für Betonwerkstein und nicht für Naturstein? Marcel Schemkes, Leiter der niederländischen Dependance in Amsterdam von Metten Stein+Design aus dem nordrhein-westfälischen Overath, die die Betonwerksteine lieferte, erklärt dazu: „Mit Betonwerkstein sind Eigenschaften zu erreichen, die mit Naturstein nicht möglich sind: Dazu zählen Bezahlbarkeit, Farbton und Belastbarkeit des Bodenbelags. Außerdem war bei diesem Bauvorhaben vom Auftraggeber eine expressive und extravagante Gestaltung gewünscht.“

Besondere Bodengestaltung

Es kamen zwei Varianten des Steins zum Einsatz: Metten La Linia feingestrahlt und Boulevard Sonderfarben geschliffen. Die Steine mit den Maßen 40 x 20 x 12 Zentimeter für die 12.000 Quadratmeter große Fläche wurden in Overath bei Köln gefertigt. Betonwerkstein ist ein künstlich hergestellter Stein, der aus Zement, Wasser und diversen Zuschlagstoffen wie Kies, Sand und Split besteht.

Metten Stein+Design erklärt: „Wir verwenden zur Gestaltung der Oberflächen grundsätzlich hochwertige Naturstein-Edelsplitte und Sande, die letztendlich im Zusammenspiel mit der Oberflächenbearbeitung für den Look der Steine verantwortlich sind. Außerdem können die Steine so in Ehren altern. Grundsätzlich gehen wir mit dem wertvollen Material sehr ressourcenschonend um, denn wir verwenden diese nur im sogenannten Vorsatzbeton, also in der obersten Schicht. Aber auch der sogenannte Kernbeton enthält regionale Kiese und Sande.“

Marcel Schemkes zum Aufbau: „Unter den Betonpflastersteinen befindet sich ein typisch holländischer Unterbau aus einem etwa 30 Zentimeter dicken recycelten Schottergemisch aus abgebrochenen Häusern oder Brücken und einer drei bis vier Zentimeter dicken Sandschicht, auf die dann der Betonstein folgt. Die abschließenden Fugen bestehen ebenfalls aus Sand. Es handelt sich um eine für Amsterdam übliche ungebundene Konstruktion. So konnten wir eine stabile, kostentechnisch akzeptable und reparierbare Lösung schaffen. Eine Drainage gibt es nicht.“

Lesen Sie mehr in der STEIN 6/2021.

Könnte dich auch interessieren

Kurzfristig noch bewerben: 14. Internationale Bildhauerwerkstatt soll auch 2020 stattfinden

Stein Magazin

Nach menschlichem Ermessen tun sie alles, so versichern die Veranstalter der Internationalen Bildhauerwerkstatt (BHW) im Steinbruch “Am Krabatstein”, damit die Veranstaltung auch im Coronajahr vom 24. August bis 06. September stattfinden kann. Zudem erinnert man ganz aktuell daran, dass Bewerbungen um eine Teilnahme schon bis kommenden Sonntag, den 31. Mai 2020 eingegangen sein müssen.

4325
Bei der Internationalen Bildhauerwerkstatt 2019 in Nebelschütz schuf Herrmann Geschaider aus Bulgarien diesen prächtigen Fächer aus „Miltitzer Granit“. Foto: steinleicht e. V.
_DSC1859
Rückblick auf die mythische Gestalt, die nicht zurückblicken durfte: Diese Orpheus-Büste schuf Volodomir Kochmar aus der Ukraine ebenfalls aus „Miltitzer Granit“ anno 2018. Foto: steinleicht e. V.
20180904__80n2405
Arbeit in Eiche: Die 2018er Skulptur „Wolfsfrau“ der Künstlerin Katharina Günther aus Halle/Saale. Foto: steinleicht e. V.
4225
Der „Ferro-Man“ und sein Vater: Petr Gerych aus Tschechien mit seinem metallenen Kunstwerk von der Internationalen Bildhauerwerkstatt zu Nebelschütz im Jahr 2019. Foto: steinleicht e. V.

Die Internationale Bildhauerwerkstatt im Steinbruch “Am Krabatstein” bei Miltitz ist seit 2006 fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Gemeinde Nebelschütz in der Oberlausitz und zieht regionale, nationale sowie internationale Künstlerinnen und Künstler an. In diesem Jahr soll das zweiwöchige Symposium am 24. August beginnen und am 6. September mit einer Finissage abgeschlossen werden.

Bei den vergangenen 13 Ausgaben entstanden Skulpturen aus Hartgestein, Sandstein, Holz aber auch Metall. Im Zentrum des zweiwöchigen Symposiums stehen zum einen der am Standort natürlich vorkommende “Miltitzer Granit” (petrografisch ein Granodiorit), aber auch Holz und Metall bzw. Kombinationen aus den drei Materialien sowie Licht und Klanginstallationen. Künstler und Künstlerinnen können sich noch bis zum 31. Mai 2020 mit einer aussagekräftigen Ideenskizze um die Teilnahme zu bewerben. Das zweiwöchige Symposium beginnt am 24. August 2020 und endet am 6. September 2020 mit einer Finissage. Die Werkstoffe “Miltitzer Granit” (max. H=1.200 mm x B=1.200mm x T=600 mm, Metall (keine Beschränkungen) und Holz max. H = 2.000 mm) werden zur Verfügung gestellt, die Werkzeuge sind selbst mitzubringen. Auf Anfrage – und falls vorhanden – können bestimmte Werkzeuge vom Veranstalter geliehen werden. Bildhauer, die mit dem örtlichen Hartgestein arbeiten, erhalten je eine hochwertige große und kleine Trennscheibe gestellt.

Die Künstler und Künstlerinnen erhalten 1.000 Euro Honorar, darin sind Reisekosten enthalten. Alle im Rahmen der Bildhauerwerkstatt entstandenen Skulpturen sind Eigentum des Veranstalters, bei Verkauf erhält der Künstler 40 Prozent des Verkaufserlöses, die übrigen 60 Prozent werden für die Vorbereitung und Durchführung der kommenden Bildhauersymposien verwendet. Das Symposium und die entstandenen Kunstobjekte werden dokumentiert. Details zu Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Gelände des Steinbruchs und den Anforderungen an die Bewerbungen entnehmen Sie diesem PDF der Veranstalter: http://www.stein-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2020/05/Ausschreibung-BHW.dt_.pdf

Wichtig: Die vollständigen Bewerbungen müssen noch bis zum 31. Mai 2020 eintreffen, entweder via E-Mail an mail@steinleicht.de oder postalisch an
Veranstalter & Projektmanagement der 14. Bildhauerwerkstatt 2020
Steinleicht e.V., Hauptstraße 9, 01920 Nebelschütz

Zur Homepage des veranstaltenden Vereins: https://steinleicht.de

Steinschnuppern in München

Stein Magazin

Das städtische Berufsschulzentrum Thomas Wimmer für das Bau- und Kunsthandwerk an der Luisenstraße in München öffnete am 20. Juli 2017 seine Steinmetz- und Holzbildhauerwerkstätten für die Öffentlichkeit, wobei explizit Klassen allgemeinbildender Schulen angesprochen wurden. Die Möglichkeit zum Blick hinter die Kulissen der präsentierten Berufe erfreute sich regen Interesses.

TagDOWerkstatt_M_2017_Steinmetzstation
Station Steinbearbeitung: Die Bildhauerin Dana Knop zeigt externen Schülerinnen und Schülern das Schrifthauen. (Foto: Michael Senn)
TagDOWerkstatt_M_2017_Fuehrung_Hintner
Hartmut Hintner, Gestaltungslehrer für Steinmetze und Steinbildhauer, erläuterte einer Schulklasse Exponate der diesjährigen Sommerausstellung der Münchner Schulen an der Luisenstraße. (Foto: Michael Senn)
TagDOWerkstatt_M_2017_Schriftstation
Auf den Gängen des ersten Stockwerks durften sich Interessierte in Kalligraphie versuchen. (Foto: Michael Senn)

Hartmut Hintner, Gestaltungslehrer der Steinmetze und Steinbildhauer, stand inmitten seines Publikums und erläuterte die Beiträge der diesjährigen Sommerausstellung. Eine Führung, um etwaige künftige Schüler über das Ausbildungsangebot im Schulkomplex an der Luisenstraße für Holzbildhauer, Goldschmiede, Steinmetze und Steinbildhauer zu informieren. Nach dem allgemeinen Teil wurden die Klassen aufgeteilt und durften in kleineren Gruppen in insgesamt fünf Werkbereichen ihre Fähigkeiten ausprobieren. Neben den etablierten Stationen Steinbearbeitung und Holzschnitzen gab es diesmal auch Kalligraphie, das Schriftzeichnen, sowie eine Druckwerkstatt und die Möglichkeit, das Ziselieren von Bronze zu entdecken. Hartmut Hintner: “Unsere Schüler zeigen Interessierten, wie wir hier arbeiten. Außerdem können die Besucher selbst ausprobieren, wie man Stein bearbeitet oder Holz schnitzt. Uns geht es darum, Berufsmöglichkeiten aufzuzeigen und unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen.” Deshalb hat Schulleiter Hans Seger Gymnasien, Real- und Mittelschulen in München und Umgebung angeschrieben und deren Abschlussklassen sowie Flüchtlingsklassen zum Tag der offenen Werkstatt eingeladen. Das Konzept gefiel, viele Zusagen trafen ein. Hintner freute sich: “Außerdem kamen viele Jugendliche der umliegenden Schulen vorbei und natürlich auch unsere Ehemaligen.”

In der erstmals eingerichteten Druckwerkstatt hatte sich Barbara Quintus mit ihren Kolleginnen und Kollegen ein Programm überlegt, das auch Ungeübte bewältigen konnten. “Hier sollen schöne Ergebnisse mit wenig Aufwand erzielt werden”, erklärte sie. Das gelang z. B., indem ein mit Farbe getränkter Faden zwischen zwei Blättern herausgezogen wurde, die mittels einer Druckplatte zusammengepresst waren. Der Zuspruch bestätigte den Ansatz von Quintus – die Druckwerkstatt kam super an.

An der Station Steinbearbeitung konnten Schriften gehauen und verschiedene Handwerkszeuge an einem Muschelkalkblock ausprobiert werden. Hier zeigten sich die Besucher der offenen Werkstatt jedoch etwas passiver: Die Ehrfurcht vor dem Material schien hoch. Viele sahen lieber Bildhauerin Dana Knop zu, wie sie Hieb für Hieb Buchstaben in die Jurakalksteinplatte gravierte, während die für Steinbearbeitung typischen Hammerschläge erschallten.