Nach dem teilweisen Shutdown

Stein Magazin



Azubi-Kurzarbeitergeld ab 1. Tag, beschleunigte öffentliche Aufträge



Der ZHD veröffentlicht ein Positionspapier zur Wiedereröffnung der Betriebe. Mit einem “Exit-Kit” will die HWK Stuttgart helfen, Verkaufsräume sicher zu gestalten.

Die Zeichen stehen für deutsche Betriebe auf Neustart: Die Corona-Regeln werden gelockert. Die Wirtschaft soll peu á peu wieder hochfahren. Der Zentralverband des deutschen Handwerks hat dafür das Positionspapier “Was jetzt zu tun ist!” erarbeitet. Es fasst Vorschläge und Forderungen der Handwerker beim Neustart zusammen.

Grundsätzlich seien dafür neben der Einhaltung der Hygienevorschriften für alle Betriebe möglichst länderübergreifend einheitliche Regeln und eine funktionsfähige, öffentliche Verwaltung nötig, die zügig Genehmigungen erteilt. In dem 15-seitigen Papier schlägt der ZDH zudem konkrete Maßnahmen vor. Hier beispielhaft drei Aspekte:

Personal und Ausbildung

Eine kurzfristige Änderung von § 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG könnte ausbildende Betriebe von der Fortzahlungspflicht der Ausbildungsvergütung befreien. Azubis bekämen dann ab dem ersten Tag Kurzarbeitergeld. Beitragszahlungen zu den Sozialversicherungen sollten auch im Mai und Juni stundbar sein. Dabei müsste das Antragsverfahren bei den Kassen vereinfacht und vereinheitlicht werden.

Zuschüsse und Steuern

Analog zum KfW-Schnellkredit schlägt der ZDH für Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten u.a. ein 100%-iges Bürgschaftsangebot der Bürgschaftsbanken vor. Damit Umsatzsteuer-Guthaben schneller zu den Unternehmen zurückfließen, wäre die Umstellung auf vierteljährliche Voranmeldungen aktuell hilfreich. Das Finanzamt könnte außerdem Frist für die Anmeldung der Lohnsteuer verlängern. Der Zeitraum der Inanspruchnahme vom Investitionsabzugsbeträge sollte aus Sicht des ZDH “wenigstens um ein Wirtschaftsjahr” verlängert werden.

Öffentliche Aufträge

Der Verband schlägt vor, Reparatur-, und Sanierungsmaßnahmen in aktuell wenig genutzten Gebäuden wie Schulen und Rathäusern vorzuziehen. Bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen sollten “wirksame Maßnahmen zur Beschleunigung” greifen. Außerdem müssten die Haushaltssperren für Kommunen für neue Aufträge überdacht werden.



ZDB fordert Investitionsbudget und Anzeigenpflicht

Besonders der letzte Punkt treibt auch andere Verbände dazu, sich an die Politik zu wenden. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe fordert ebenfalls Investitionsbudgets für die Kommunen. Er schlägt zwei Maßnahmen vor: die Fortführung des Baukindergelds und die der erhöhten Abschreibungen im Mietwohnungsbau. Der Verband plädiert außerdem für eine Anzeigen- statt einer Genehmigungspflicht: Wenn eine zuständige Behörde einem Bauvorhaben nicht innerhalb einer bestimmten Frist widerspreche, könnte der Betrieb die dann Arbeit fortführen.

HWK Stuttgart bietet Corona-Exit-Kit an

Mit kostenfreien Plakaten, Bodenaufklebern und Infomaterialien, die Mitarbeiter und Kunden auf Hygiene- und Abstandsregeln hinweisen, will die HWK Region Stuttgart Mitgliedsbetriebe auf die Wiedereröffnung vorbereiten. Andere Kammern dürften folgen. Der Bedarf war allerdings so groß, dass der “Exit-Kit” aktuell nur noch digital verfügbar ist. Besonders für Unternehmer, die auch sonst mit den Motiven der Handwerk-Imagekampagne werben, ist das Angebot dennoch hilfreich.

Könnte dich auch interessieren

Grünes Licht für Centro Internazionale di Scultura

Stein Magazin
Lavizzara

Aus jahrelanger Planung wird endlich Realität: Im schweizerischen Peccia, Lavizzara, beginnt noch in diesem Jahr die Umsetzung des Centro Internazionale di Scultura. 

Die Gemeinde Lavizzara hat das Bauvorhaben für ein internationales Bildhauer-Zentrum in Peccia abgesegnet. Das bestätigte die Fondazione Internazionale per la Scultura (FIS). Bereits 1990 waren erste Vorstudien und Pläne für das Großprojekt angestoßen worden. Eine Umsetzung scheiterte jedoch mangels finanzieller Mittel. Mit Unterstützung des Kantons Tessin, der Gemeinde Lavizzara und privaten Spendern sowie einer Anpassung der Projektentwürfe an die Geldmittel der FIS wird das Bildhauer-Zentrum noch in diesem Jahr entstehen. Die FIS beauftragte dafür das Architekturbüro Michele und Francesco Bardelli und rechnet schon im Frühjahr 2019 mit der Eröffnung des Centro Internazionale di Scultura.

Peccia-Suedansicht
Illustrierte Außenansicht des Centro Internazionale di Scultura in Peccia, Lavizzara, von den Architekten Michele und Francesco Bardelli. Foto: Bardelli, Locarno/TI
CIS-Werkplatz
Illustration des offenen Werkplatzes. Foto: Bardelli, Locarno/TI
Ausstellungsgebaeude-CIS-Peccia
Außenansicht des Ausstellungsgebäudes, das als Teil des Centro Internazionale di Scultura geplant ist. Foto: Bardelli, Locarno/TI
Innenansicht-Ausstellungsgebäude-CIS
Innenansicht des Ausstellungsgebäudes. Im Hintergrund Donatorenwand im Eingangsbereich des Centro Internazionale di Scultura. Foto: Bardelli, Locarno/TI
Atelier-CIS
Innenansicht des Künstlerateliers. Foto: Bardelli, Locarno/TI

Tessiner Natur und urbane Hochkultur

Das Zentrum umfasst ein Ausstellungsgebäude am Ortseingang von Peccia. Hier sollen sich auch die Verwaltungsbüros und drei Werkstätten zur Bearbeitung von Stein, Holz und Metall befinden sowie die technischen Installationen. Fünf Künstlerateliers sind vorgesehen, die an einen gemeinsamen Werkplatz anschließen. Die Kunstschaffenden wohnen im Dorf Peccia in individuellen Unterkünften der „Casa degli Artisti“, was auf einer zusätzlichen Initiative beruht und durch die Investition eines privaten Spenders ermöglicht werden kann. Die Ateliers werden in Form von Stipendien jedes Jahr international ausgeschrieben.

Interaktion auf internationalem Niveau

Mit dem Internationalen Bildhauerzentrum inmitten des Tessiner Bergpanoramas soll ein Ort entstehen, wo sich Skulptur-Künstler aus aller Welt und ein interessiertes Publikum begegnen. Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit heimischen Materialien wie dem Peccia-Marmor, womit das Zentrum an die Arbeit der Scuola di Scultura in Peccia anknüpft. Allein die Scuola zieht jährlich 3.000 Menschen an. Aus kultureller wie touristischer Sicht rechnen Gemeinde und Kanton daher mit weiteren positiven Auswirkungen des Bildhauer-Zentrums auf Leben und Betrieb vor Ort.

Die Gesamtkosten des Bauprojekts werden auf sechs Millionen Franken geschätzt. Für die Betriebskosten der ersten drei Jahre sind von der FIS Rücklagen von einer Million Franken geplant.

Kunstbegegnung am Kanal

Stein Magazin
5 Tonnen. Foto: Thomas Ochs

Unter dem Motto „verbinden / trennen“ entsteht ein Skulpturenweg am Main-Donau-Kanal. Für die Gestaltung des Regnitz-Radweg hat die Kuratorin und Bamberger Bildhauerin Rosa Brunner Künstler zum gemeinsamen Gestalten eingeladen.

Das Projekt entsteht im Auftrag des Flussparadies Franken. Im September 2017 kamen Bildhauer aus vier europäischen Ländern zusammen, um Ideen für den entstehenden Skulpturenweg zu entwickeln. Es soll durch Spenden verwirklicht werden.

Skulpturenweg-Flussparadies-Franken
„Wasserblume“ für den Markt Hirschaid von Petra Lange. Kalkstein bläulich 1 x 2 x 2 Meter, 5 Tonnen. Foto: Thomas Ochs, Petra Lange
Ausstellung_Landratsamt
„Altes Tor“ für den Markt Hirschaid von Petra Lange. Sandstein 3,5 x 3 x 1,5 Meter. Foto: Thomas Ochs, Petra Lange
Petra-Lange
Petra Lange bei der Arbeit am Modell. Foto: Thomas Ochs, Petra Lange
Skulptur-Entwurf-Radweg
„Between“ für den Markt Eggolsheim von Emanuela Camacci. Muschelkalk 1,8 x 0,3 x 2,5 Meter, 1,9 Tonnen. Foto: Thomas Ochs, Emanuela Camacci
Ragnitz-Radweg-Skulpturenweg
„Take Root“ für die Gemeinde Altendorf von Cissy van der Wel. Muschelkalk 1,5 x 1,4 x 2,5 Meter, 7 Tonnen. Foto: Thomas Ochs, Cissy van der Wel
Take-Root
Cissy van der Wel bei der Arbeit am Modell. Foto: Thomas Ochs, Cissy van der Wel

25 Jahre europäische Wasserstraße

Der Main-Donau-Kanal verbindet seit über 25 Jahren als europäische Wasserstraße das Schwarze Meer mit der Nordsee. Er wurde am 25. September 1992 nach 30-jähriger Bauzeit eröffnet. Gleichzeitig stellt er einen massiven Eingriff in die Landschaft dar, welche vom Kanal durchtrennt wird.

Daher sollten die Entwürfe das Thema „verbinden / trennen“ umsetzen: So wie der Main-Donau-Kanal Mensch und Natur verbindet, die entlang des Kanals leben – aber auch diejenigen voneinander trennt, die auf der jeweils anderen Seite des Kanals leben. Ziel ist es, die Kunstwerke an acht Standorten auf beiden Seiten vom Schiff aus betrachten zu können.

Skulpturen in Naturstein

Vier der Entwürfe sind aus Naturstein. Die „Wasserblume“ stammt von der Bildhauerin Petra Lange. Sie möchte die Blume als Sitzbank für den Markt Hirschaid in blauem Kalkstein verwirklichen. Die Idee hinter der Skulptur: Der sonst tief in der Erde verborgene Stein wird an die Oberfläche geholt. Ihr zweiter Entwurf lautet „Altes Tor“: eine Sandstein-Skulptur, die an ein altes Stadttor erinnern soll.

„Between“ für den Markt Eggolsheim von Emanuela Camacci ist eine symbolische Übersetzung des Themas Verbinden und Trennen. Zwei Monolithe aus Muschelkalk greifen ineinander – nach oben hin wird der Spalt zwischen beiden Elementen breiter. Mit den Wurzeln des Menschen beschäftigt sich „Take Root“. Der Entwurf für die Muschelkalk-Skulptur in Altendorf stammt von Cissy van der Wel.

Alle Entwürfe werden in der Ausstellung „Kunstgenuss am Regnitz-Radweg“ gezeigt. Um die Entwürfe zu verwirklichen, sucht das Flussparadies Franken Partner, die das Projekt mit einer Spende unterstützen. Die Ausstellung mit den kleineren Prototypen findet bis 30. Mai 2018 statt. Mehr Infos unter www.regnitzradweg.de und unter www.flussparadies-franken.de.