Wohntrend Natursteintische

Stein Magazin
bei dem Naturstein neben Holz

Von kleinen Beistell- und Salontischchen über Kaffee- und Couchtische bis zu großen Tafeln reichte das Angebot auf der internationalen Einrichtungsmesse imm Cologne, welches eines einte: eine Platte aus Naturstein. Dass diese nicht immer oben liegen muss, zeigte Natursteintisch-Spezialist Draenert mit seiner Neukreation „Laetitia“ nach dem Design von Andrea Quaglio und Manuela Simonelli. Eine Natursteinplatte bildet hierbei die Basis des mit einer Glasplatte bedeckten Tischs sowie der zugehörigen Kuben, die als Sitzgelegenheiten oder als Beistelltische verwendet werden können. Nicht nur die moderne Manufaktur vom Bodensee präsentierte an ihrem Messestand italienisches Design, sondern auch die Kölner Messe allgemein: Stolz war man hier besonders darauf, renommierte italienische Designmarken wie B&B Italia, Driade, Trussardi Casa und Cap Design / Cappellini als Aussteller wiedergewonnen zu haben. Diese überboten sich – im Rahmen der Vorstellung ihrer ganzheitlichen Wohnphilosophien – mit neuen Natursteintischen.

wohntrends_01
Cararra-Marmor in Massivoptik: Quartus-Couchtisch von Brahman’s, bei dem Naturstein neben Holz, Leder, Metall und Glas eines der „five elements“ der Möbelkonstruktion ist.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Slimline-Tischplatte: Nur einen Zentimeter stark ist die braune Natursteinplatte an dem von Rodolfo Dordoni designten Tisch am Molteni&C-Messestand.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Eine Holzunterkonstruktion stützt die filigrane Natursteinplatte.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Draenert-Messeneuheit: Couchtisch „Laetitia“ inklusive Beistelltischen mit Naturstein-Basisplatte – wahlweise aus 180 verfügbaren Steinsorten.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Neu bei reflex: Von Dr. Riccardo Lucatello designter Natursteintisch aus Breccia paradiso „Lem con Lazy Susan“.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Insbesondere intensive Brauntöne machen von sich reden: Couchtisch mit passendem Sideboard am Trussardi Casa-Messestand. (Alle Fotos: Michael Spohr)

Während Natursteinkompositionen durchaus weiter gefragt zu sein scheinen – insbesondere bei den Traditionalisten unter den Anbietern – läuft die Keramik in der Möbelbranche dem Quarzkomposit-Material offenbar den Rang ab. Engineered Stones suchte man auf der Messe vergebens, großformatige dünne Keramik hingegen fand sich allerorten – an Möbelfronten bei den Dividi-Sideboards von Heldense, an Küchenfronten (auf MDF verleimt) bei Willisau, an Duschrückwänden bei Axor von hansgrohe, als Messeboden bei Flexform, als Messewandgestaltung bei cc-tapis und Minotti oder eben auf Tischen.

Hauptgründe hierfür dürften die enorme Strapazierfähigkeit, die explosionsartig gestiegene Angebotsvielfalt sowie insbesondere die geringe Stärke und das daraus resultierende niedrige Gewicht sein. Drei Meter lange Keramikplatten werden in Dicken von 20 über zwölf und sechs bis zu drei Millimetern angeboten; sie eignen sich daher für nahezu jede Form der Möbelverkleidung. Von der Möbelindustrie werden vorwiegend zwei Optiken favorisiert: zum einen kühle, minimalistische Unis und zum anderen Natursteinimitationen. Diese richten sich in ihren Farben nach den Trends für ihre Originalvorbilder, bei denen lebhafte Brauntöne und gebrochenes Weiß den Ton angeben.

Erfahren Sie mehr zu neuen Wohntrends und Natursteintischen in STEIN im Mai 2016.

Könnte dich auch interessieren

Still in Eile versunken

Stein Magazin
mit der er letztes Wochenende Ausstellungspreis der Kunstgesellschaft Luzern gewonnen hat. „Die Arbeit ist für mich eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Altersstufen

„Still in Eile versunken“. So Lautet der Titel von Simon Ledergerbers Kunstwerk, mit der er letzte Woche den Ausstellungspreis der Kunstgesellschaft Luzern gewonnen hat. „Die Arbeit ist für mich eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Altersstufen, die man durchlebt. Die innere Spannkraft verändert sich“, erklärt der Künstler. Als materielle Analogie dazu dient eine rostige Stahlplatte, an deren Ende sich ein rechteckiger Berner Sandstein befindet.

Dies ist bereits die zweite Auszeichnung in Folge – erst zu Beginn des Monats gewann er einen der Förderbeiträge der Kunst und Kulturstiftung des Kanton Uri. Und auch 2018 wird voraussichtlich ein spannendes Jahr für Simon Ledergerber werden: Für die Kunsthalle Arbon wird er im Juni eine Ausstellung mit 600 Quadratmeter Fläche bespielen. Außerdem erhält er im Zuge des Ausstellungspreis in Luzern einen eigenen Raum für seine Kunst: „Das ist eine wichtige Plattform für mich“, erläutert Ledergerber. Wie das Kunstwerk aussehen wird, ist zwar noch nicht klar. Aber fest steht, dass es sich um ein einzelnes Werk handeln wird: „Ich möchte gerne eine Arbeit machen, die den ganzen Raum einnimmt.“

Still-in-Eile-versunken-Ledergerber
„Still in Eile versunken“ in der Kunstgesellschaft Luzern. Foto: Mathias Arnold
gigantisches-Kleinod
„Gigantisches Kleinod“ an der Gotthard-Festung. Foto: Luis Mutter
Ledergerber-Kleinod
Anbringen der Metallstütze am Marmorblock. Foto: Luis Mutter

Gigantisches Kleinod

Auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Raum war das Projekt „Gigantisches Kleinod“, das 2016 in der Ausstellung Dall altra parte vom Haus für Kunst Uri gezeigt wurde. Dabei handelt es sich um einen 300 Kilogramm schweren Quader, der an der Decke der Gotthard-Festung angebracht ist. „Hier wurde vor hundert Jahren gesprengt und von Hand gepickelt. Ich wollte dazu ein von Hand gemeisseltes Gegenstück schaffen.“

Dabei spielte auch das Material eine wichtige Rolle – Ledergerber wählte als Kontrast zum Granit der Festung weißen Marmor.

Werkstatt oder Labor

Ein großes Interesse des Künstlers gilt auch der Technik, da die Materie auf Strukturen und äußere Bedingungen unterschiedlich reagiert. Insofern entwirft er nicht einfach ein Werk und stellt es fertig – im Gegenteil: Der Weg über die Materie ist wesentlicher Teil der Arbeit.

Was dabei heraus kommt, sind laut eigener Aussage von Ledergerber nicht unbedingt Werke, die sich ins Wohnzimmer stellen lassen. Aber es geht ihm auch nicht darum, verkaufbare Kunst zu machen: „Ich möchte mich der Sache widmen. Man ist dem Werk etwas schuldig.“

Ein Steinmetz auf Wanderschaft

Stein Magazin

Die Walz gibt es schon seit etwa dem 12. Jahrhundert. Mindestens drei Jahre und einen Tag verlassen Handwerkergesellen ihre Heimat, um auf der traditionellen Wanderschaft neue Arbeits- und Lebenserfahrungen zu sammeln. Heute sind noch rund 900 von ihnen unterwegs. Warum ist die sogenannte „Tippelei“ im 21. Jahrhundert noch attraktiv?

alexander-trunk-walz
In traditioneller Steinmetz-Kluft lehnt Alexander Trunk neben dem Ortsschild seiner Heimatstadt, die er etwa vier Jahre lang verließ, um auf die Walz zu gehen. (Foto: Alexander Trunk)
alexander-trunk-wandergesellen-walz
Trunk begann seine Reise mit zwei Wandergesellen, suchte aber bald seine eigenen Wege. Auf der Walz sammelte Trunk viele Arbeitserfahrungen. (Foto: Alexander Trunk)
mauerabdeckung-gestalten
In Erfurt gestaltete er Mauerabdeckungen mit Siegel für den Vorgarten eines Privathauses. (Foto: Alexander Trunk)
ueberdimenionale-puzzleteile-walz
In der Eifel arbeitete er an überdimensionalen steinernen Puzzleteilen für eine Schule. (Foto: Alexander Trunk)
alexander-trunk-york-restaurierung
Im englischen York half Alexander Trunk über drei Monate lang bei der Restaurierung der St Mary’s Church. (Foto: Alexander Trunk)

Es ist bitterkalt. Bei minus 17 Grad Celsius verbringt Alexander Trunk die Nacht im Freien. Fast eineinhalb Jahre ist der Steinmetzgeselle zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Walz. Warum nimmt er solche Strapazen auf sich? Die Antwort darauf ist vielschichtig und nicht nur auf jugendlichen Freiheitsdrang und Abenteuerlust zu reduzieren.

Wie beginnt man nun eine solche Reise? Allgemeine schachtunabhängige Voraussetzungen für die Walz sind der Gesellenbrief, die Schuldenfreiheit, Vorstrafenfreiheit und der Beginn der Wanderschaft im Alter von unter 30 Jahren. Sowohl unverheiratet als auch kinderlos müssen die Gesellen sein. Die Schächte (Vereinigungen von Handwerkern, die auf Wanderschaft sind oder waren) können eine erste Anlaufstelle sein. Als Mitglied eines Schachts kann man auf die gesammelten Erfahrungen vieler Wandergesellen zurückgreifen, erhält wichtige Kontakte und kann in den für die Wandergesellen offenstehenden Herbergen unterkommen.

Abschied von Familie und Freunden

Konkret beginnt die Walz mit dem Abschied von Familie und Freunden. Neben der Abschiedszeremonie gibt es auch eine Heimkehrzeremonie, Trink- und Vorspracheregeln und sogar eine eigene „Sprache“. Mit der Pflege dieser tausende Jahre alten Traditionen werden Geschichte und Werte des jeweiligen Handwerks in die Gegenwart getragen und aktiv ausgelebt.

Die jungen Gesellen zeigen, dass sie stolz sind, auf das was sie tun. Im Vordergrund steht das Verfeinern der beruflichen Fähigkeiten. Wenn man bei unterschiedlichen Betrieben mit unterschiedlichen Schwerpunkten Arbeit findet, dann lernt man immer neue Arbeitstechniken und Herangehensweisen. Und wer kann schon sagen, er habe an der Siegessäule und der Staatsbibliothek in Berlin mitgearbeitet? Alexander Trunk ist stolz auf seine dort bearbeiteten Steine, die er jetzt seinen Freunden zeigen kann.

„Die Walz ist kein Campingurlaub, sondern fordert viel von einem ab“, so Trunk. Dabei denkt er nicht nur an die zu Fuß erwanderten Wegstrecken, er sieht in der Walz auch ganz allgemein eine Schule des Lebens. Auch die Reise in andere Länder verspricht eine neue Sicht auf die Welt, das Kennenlernen anderer Kulturen und Sprachen. Die für jeden einzigartigen Erlebnisse der Wanderschaft können eine gute schulische Ausbildung zwar nicht ersetzen, bereichern und vertiefen das Gelernte aber stark und erweitern den eigenen Horizont.

Erfahren Sie mehr über Alexander Trunk und seine Wanderschaft in STEIN im Oktober 2016.