Neue Werkstoffe: Dekton, Lapitec und Co.

Nachdem sich Engineered Stone langsam vorgetastet hat und die Branche sich mit diesem Werkstoff vertraut machen konnte, drängen langsam weitere Materialneuheiten in den Markt: Großplatten aus Dekton, Lapitec, Porzellankeramik und Feinsteinzeug. Diese neuen Werkstoffe sind in immer mehr Marktsegmenten gefragt. Steinmetze sind prädestiniert für die Verarbeitung der „neuen Steine“, denn sie haben das nötige Fingerspitzengefühl und die Erfahrung im Umgang mit Stein.

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Arbeitsplatten, Küchenfronten und Kochinseln aus den verschiedensten Werkstoffen: Die Böhm-Gruppe fertigt individuelle Lösungen auf Maß. Foto: Michael Spohr

Verschiedene Werkstoffe – unterschiedliche Produktionstechnologien

Allen voran haben die drei großen italienischen Maschinenhersteller Breton, Sacmi und System, sowie der spanische Oberflächenproduzent Cosentino die Marktbewegung bei den neuen Werkstoffen ausgelöst. Während Breton und Cosentino auf der Suche nach einer nicht brennbaren, UV- und farbbeständigen sowie für den Einsatz in Außenbereichen und bei extremen Temperaturen geeigneten Alternative neue Werkstoffe konstruierten, verhalf die Erfindung einer großformatigen, ultra-dünnen Keramikplatte des Ingenieurs Franco Stefani der stagnierenden Keramikindustrie zu neuen Impulsen. Nach Stefanis Idee erstellte der Anlagenbauer System eine neue Produktionstechnologie und gründete das Unternehmen Laminam.

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Entsteht derzeit unter anderem in Bremerhaven bei der Norddeutschen Steingut AG: Kontinuierliche Produktionsanlage mit Continua+-Technologie von Sacmi für variable Plattenstärken von 6 bis 20 mm in 1,60 m Breite bei theoretisch unendlicher Länge. Foto: Sacmi Imola S.C.

Breton führte nach langen Jahren der intensiven Materialentwicklung seine gesinterte Steingut-Gießmasse Lapitec im Markt ein und Cosentino erfand mit Dekton die gewünschte Silestone-Ergänzung. Vorerst letzter Entrepreneur auf dem Werkstoff-Entwicklungsfeld ist der Automatisierungsspezialist Sacmi, der sich unter anderem auf die Keramikindustrie spezialisiert hat und ihr mit der Continua-Fertigungstechnologie dünne keramische Großplatten in theoretisch unbegrenzter Länge bescherte. Als neuester Entwicklungsschritt, dessen Erzeugnisse noch in diesem Jahr zur Marktreife gelangen werden, gilt die Continua+-Technologie von Sacmi, die variable Fliesenstärken zwischen sechs und 20 Millimeter Stärke erlaubt.

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Kolb hat seine Kompakt-Brückensäge MKK zu einer Spezialmaschine für Keramikplatten umgebaut. Die neue MKK cera ermöglicht das präzise Bearbeiten der neuen Werkstoffe. Foto: M. Kolb Steinbearbeitungsmaschinen GmbH

Dass hier noch nicht Schluss sein dürfte, signalisiert ein Bericht des Maschinen- und Anlagenbauers Siempelkamp, der Gusskomponenten unter anderem an Sacmi liefert: „Immer neue Maschinen werden entwickelt, immer größere Presskräfte können realisiert werden. Erst kürzlich wurde eine Keramikfliese von 4.000 mm Länge, 1.800 mm Breite und einer Dicke von 40 mm auf einer neu entwickelten Presse mit 25.000 t Presskraft gepresst. Das fertige Produkt sieht einer aus rohem Stein geschnittenen Marmorplatte zum Verwechseln ähnlich und kann für Küchenplatten, Fliesenspiegel und Bodenbeläge verwendet werden.“ Klares Signal dafür, dass die neuen Werkstoffe den Steinmetzbetrieb erreicht haben, sind die enormen Lagerbestände dieser Materialien bei den großen Natursteinhändlern wie Naturstein Risse, Just, Albert Killing, Magna oder Schulte.

In STEIN im Juli 2015 zeigen die Unternehmen Böhm Gruppe Potsdam, www.boehm-gruppe.com, M. Kolb, www.steinbearbeitung.de, und Aero Lift Vakuumtechnik, www.aero-lift.de, was man mit den neue Werkstoffen alles machen kann.