Oberflächen bearbeiten

Stein Magazin

Die Bearbeitung der Oberflächen von Rohplatten, Grabmalen und anderen Werkstücken beschäftigt jeden Stein­verarbeiter. Flächenschleifer bewähren sich als fle­xible Lösung. Mit einem oder mehreren ­Köpfen erzeugen sie alle Oberflächenarten von gebürstet bis hochglänzend.

STEIN im März 2013 zeigt, wie vielfältig Flächenschleifer eingesetzt werden können.

Während die übrige Steinwelt viel Geld in Automation in­vestiert, arbeitet im Natursteinwerk Scheuermann ein Flächenschleifer mit manuellem Kopfwechsel. Die Maschine vom Typ ASP 206 hätte es auch mit Werkzeugwechsel gegeben, doch in Kleinrinderfeld entschied man sich bewusst dagegen. Philipp Scheuermann erläutert den Verzicht: Vollautomatische Anlagen benötigen eine hohe Auslastung, die nur durch große Serien erreicht wird. Für kleinere Steinwerke und Handwerksbetriebe sind kompakte Lösungen gefragt, die sich kurzfristig an jeden Auftrag anpassen lassen.

Der Garten- und Landschaftsbau ist das wichtigste Geschäftsfeld bei Scheuermann. Zwischen 20 und 100 Quadratmeter an zu bearbeitenden Oberflächen umfassen die meisten Aufträge. Bei solch kleinen Losen muss permanent auf- und abgebänkt werden, da fällt die Zeit für den Kopfwechsel kaum ins Gewicht. Die Anforderungen an die Oberflächen unterscheiden sich bei jedem Auftrag. Diese Vielfalt ist eine ständige Herausforderung.

Christoph Dichtl in Buchbach betreibt einen Flächenschleifer mit siebenfachem Kopfwechsel als Ergänzung zur CNC-Bearbeitung. Denn Individualität ist Trumpf im Kampf um Kunden. Da muss die Schleiftechnik flexibel sein, lange Rüstzeiten sind bei Steinmetzmeister Christoph Dichtl verpönt. Er suchte daher schon seit Jahren nach einer gebrauchten Flächenschleifmaschine mit automatischem Kopfwechsel vom Typ ASPX. Mitte 2010 ergriff er die Gelegenheit, ein sehr gut erhaltenes Exemplar zu kaufen. Die Maschine war bereits zehn Jahre alt, hatte aber nur 250 Stunden auf dem Zähler. Wie intensiv sie Dichtl nutzt, verrät die Maschinensteuerung: In 1,5 Jahren Einsatz sind 600 Stunden angefallen. Die Maschine arbeitet mit sieben Köpfen. Einer davon ist für das Aufbereiten von Granitgrabmalen reserviert, die Übrigen sind mit Schleifsegmenten und Bürsten für die Oberflächen von Weichgesteine bestückt.

Könnte dich auch interessieren

Baustelle Alter

Stein Magazin

Immer mehr Altbauten werden barrierefrei und sturzsicher umgebaut. Denn viele Rentner sind heute in der Lage, sich ein komfortables, modernes Ambiente zu leisten – und sie geben ihr Geld gern dafür aus. Für Steinmetze eröffnet dieser Trend neue Geschäftsfelder. Dabei kann ein Handwerkerverbund sinnvoll sein.

barrierefreies-bauen-baustelle-alter
Wer auch im Alter in seinem Zuhause bleiben will, muss in der Regel umbauen und braucht Handwerker. (Foto: iStock)
barrierefreies-Bad
Barrierearme Bäder sehen elegant aus. Hier wird das Duschwasser in einem schmalen, umlaufenden Schlitz abgeführt. (Foto: baqua)
barrierefreie-Dusche
Frei von Stolperfallen: barrierefreie Bäder erleichtern älteren Menschen den Alltag. (Foto: baqua)

Fachplaner für altersgerechte Bäder

Nach Schätzungen von Fachleuten müssen zwischen 2,5 und drei Millionen Wohnungen generationengerecht nachgerüstet werden. Eines der häufigsten Projekte bei der Wohnraumanpassung oder Wohnumfeldgestaltung für Senioren ist die Umgestaltung des Bads. Der Trend zu schicken, barrierefreien Bädern birgt auch für Steinmetze Potenzial. Das Natursteinwerk Rechtglaub-Wolf GmbH in Lübeck hat dies erkannt. „Das große Thema sind barrierefreie Badezimmer und vor allem Duschen“, erklärt Geschäftsführer Stefan Wolf.

Der Steinmetzbetrieb Illenberger Steinmetz GmbH aus Nattheim-Steinweiler besitzt das Zertifikat „Leichter Leben“. Das Unternehmen hat sich auf das barrierefreie oder barrierearme Wohnen spezialisiert. Die teilnehmenden Betriebe erhalten in einem eintägigen Zertifizierungsseminar wichtige Informationen über Gesetze und Normen, zu Beratungsstellen und Finanzierungshilfen, zu Krankheitsbildern und körperlichen und geistigen Handicaps. Die Schulungsinhalte zielen auf den Neu- und Umbau von Privatbädern.

Barrierefreie Verkaufsräume und guter Service

Es genügen kleine Umstrukturierungen, um die Potenziale des Seniorenmarkts zu nutzen: Ein barrierefreier Eingang im Beratungsstudio, rutschfeste Böden, Toiletten im Erdgeschoss, Aufzüge und Rolltreppen sind Beispiele für Barrierefreiheit in den Geschäftsräumen. Die Diplom-Kauffrau Stefanie Schmückerl verweist in der Studie „Marktpotenziale aus dem demografischen Wandel“ explizit auf den Service. Auch wer in der Beratung eine leicht verständliche Sprache ohne unnötige Fachausdrücke verwendet, kommt nicht nur bei älteren Menschen gut an.

Lesen Sie mehr zum Thema barrierefreies Bauen in STEIN 03/2017.

Kanten schleifen

Stein Magazin
um störenden Abrieb auf empfindlichen Materialien zu vermeiden.

 

Die Produktion aufrüsten

Steinmetzmeister Stefan Vetter aus Rheinmünster investierte für den gehobenen Innenausbau in eine Bandkantenschleifmaschine. E
s sind oft die kleinen Details, über die sich Kunden freuen oder ärgern. Bei der geraden und gefas-ten Kante gilt das besonders. Weil der Profilklassiker gemeinhin als Standard gilt, wird die Kantenbearbeitung längst nicht mehr separat verkauft, sondern 
-ist in den Endpreis der Küche oder -Treppenbeläge bereits einkalkuliert. Entsprechend wirtschaftlich und problemlos muss die Produktion für den Steinmetz sein, denn Werkzeugspuren oder schiefe Fasen sind potenzielle -Reklamationsgründe. Die erforderliche Nacharbeit stört den Produktionsfluss und mindert den Erlös, weiß Stefan -Vetter. Um der abnehmenden Nachfrage nach Grabmalen vorzubeugen, engagiert sich der Steinmetzmeister stark im gehobenen Innenausbau. Akzeptiert wird dort nur Topqualität, das gilt auch für den Glanz. Dünne Keramik- oder Kunststeinplatten sind vergleichsweise genügsam in der Kantenbearbeitung, aber bei dunklen Natursteinplatten mit drei Zentimetern Stärke sieht jeder Laie, ob die Kantenpolitur satt glänzt oder nur matt schimmert. Für den geforderten Tiefenglanz stärkerer Platten rät der König-Techniker Pietro Bazzan daher zu Maschinen mit mindestens sieben, besser noch acht Schleifstufen, damit sich die Körnungen nahtlos aufeinander abstimmen lassen. Entscheidend für ein homogenes Schliffbild ist auch der jeweilige Anpressdruck; hier sollte jeder Bediener der Maschine sorgfältig eingeschult werden und einheitliche Richtwerte beachten.

 

Gehrungskanten schleifen

Die D. Lechner GmbH in Rothenburg ob der Tauber bearbeitet Fasen auf Massivoptiken mit einer Tischkantenschleifmaschine.
Experimente kann sich Europas 
führender Küchenplattenhersteller nicht leisten. Neben Produktlinien aus Laminat und Glas fertigt Lechner jeden Tag 200 Küchenaufträge aus Engineered Stone. Rund 80 Prozent davon sind in Massivoptik ausgeführt. Während der Plattenzuschnitt und das Herstellen der Gehrungsteile automatisiert sind, war das Abfasen der Gehrungskanten bislang aufwendige Handarbeit. Versuche mit herkömmlichen Kantenmaschinen, bei denen die verklebten Platten beim Fixieren unterfüttert werden mussten, brachten keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Um die individuellen Formate und unterschiedlichen Höhen der verklebten Schürzen zu bewältigen, beauftragte der für die Produktionstechnik verantwortliche Betriebsingenieur Thomas Kusnierz den Maschinenhersteller Burkhardt mit dem Bau einer Anlage, bei der sich die zu bearbeitende Kante unabhängig von der Plattenstärke stets an derselben Position befindet. Die Lösung ist eine Abwandlung der Tisch-Kantenmaschine KSA, allerdings nur mit Fasenköpfen. Die durch eine Folie geschützte Sichtfläche liegt darauf nach unten und die Fase kann präzise abgetastet und bearbeitet werden.


F_kanten
Kunststoffgebundene Schleifringe und abfärbungsfreie Diamantpads erlauben eine individuelle Anpassung an die Materialarten.

Hohen Durchsatz halten

In der Natursteinabteilung von Bachl in Röhrnbach arbeitet eine Bandkantenschleifmaschine im Anschluss an die CNC-Sägeanlage. S
eit der Inbetriebnahme einer CNC-Sägeanlage geht es rund in der Werkhalle bei Bachl. Vor allem die von Weha gelieferte Edilux von Commandulli muss sich sputen, um den hohen Durchsatz zu bewältigen. Im Minutentakt heben die Mitarbeiter fertig gesägte Platten auf das Transportband – wie die vier Zentimeter starken Teile einer mehrteiligen Thekenanlage. Die Oberflächen sind gebürstet, die Kanten sollen es bald sein. Dazu werden vier der acht Stirnschleifer mit Bürsten bestückt. Bei der jeweils -ersten Position der drei Ober- und Unterfasen sorgen fein justierbare Abtastungen dafür, dass die Fasenbreite auf -ganzer Länge gleichmäßig bleibt und die Plattenanschlüsse bei der Montage exakt zusammenpassen. Während die Männer schwitzen, nimmt die Kantenschleifmaschine den Stress gelassen. Dank Lackierung im Kataphoreseverfahren können ihr Wasser und aggressive Schleifmittelrückstände wenig anhaben.

Weitere Details zum Kanten schleifen lesen Sie im neuen STEIN 11_2014!

Hier bestellen!