Trends im Bad

Stein Magazin

Nasszellen sind passé – Badkonzepte sind in, die selbst aus kleinen Räumen große Erlebnisse machen und auch morgen noch perfekten Komfort bieten. An die Gestaltung werden immer höhere Anforderungen gestellt. Ein paar Platten an der Wand und auf dem Boden reichen da schon lange nicht mehr. Neben Steinen sind vor allem Farbenreichtum, ausgesuchte Funktionalität und solides Handwerk gefragt.

Mailand im April 2014. In dem Garten eines prächtigen Palasts aus dem 19. Jahrhundert ragen Stufen aus grauem Marmor in den Himmel. In einer kleinen Gasse nahe der Oper sitzen Menschen in Gummisesseln auf dem Bürgersteig und mitten in der Via Montenapoleone steht eine Badewanne. In Mailand ist Möbelwoche und irgendwie ist alles anders in diesem Jahr. Wo sind sie geblieben, die Einkäufer und Journalisten aus aller Welt, die sonst immer schon am Preview-Tag nach Mailand reisen, um als Erste die neuesten Entwürfe begutachten zu können? Doch dieses Jahr verlief der Salone del Mobile merklich ruhiger als die Jahre zuvor. Das ist ungewöhnlich, vor allem wenn Eurocucina und Eurobagno auf dem Programm stehen. Alternierend mit der Sonderschau Euroluce, der Lichtmesse, sind 2014 die Trends in Küche und Bad an der Reihe, zwei für die Branche wichtige Absatzträger. In diesen Hallen waren denn auch noch die meisten Besucher anzutreffen, während sich in den übrigen, den Möbeln gewidmeten Messehallen der Menschenauflauf in Grenzen hielt.

Das ist ein erstes Zeichen, wie wichtig die einstige Nasszelle geworden ist, wenn es um Wohntrends geht. Das private Spa – vom schlichten Bad will heute niemand mehr reden – bedeutet für die Badausstatter heute Individualität, Ästhetik und vor allem Emotionen. Die einstige, kaum sieben Quadratmeter große und mit Fliesen gekachelte Nasszelle ist zu einem, so hat es jedenfalls den Eindruck, »sakralen Erlebnisort« des »Ich-bin-mir-Selbst-der-Nächste«-Lifestyles geworden; natürlich wie die Natur, voller Emotionen und der reinen Kraft selbstbestimmten Ichs.

Marmor, der Stein, der sich über Dekaden mit überkandidelten Badezimmern assoziieren lassen musste, feiert ein Revival. Der Japaner Tokujin Yoshioka lässt Marmor in der Präsentation »Marble Across Time« am Stand des türkischen Natursteinverbands schweben und zeigt einen Tisch zwischen zwei Glasprismen. Die Marmorplatte, die in der Luft zu schweben scheint, ist sorgfältig zwischen zwei vertikalen Acrylformen ausbalanciert. Nur Stein genügt heute nicht mehr. Stein wird heute gemacht. Die neuen, industriell gefertigten, harten Steine liegen nicht mehr nur als Arbeitsplatte in der Küche, sie sollen auch helfen, das Badezimmer noch natürlicher zu machen. Die gemachte Natur ist die bessere Natur. Klingt paradox, ist aber so. Je künstlicher das Produkt, je verkünstelter der Entwurf und das Design, desto natürlicher die Botschaft. Egal ob kunstharzgebunden oder auf keramischer Basis produzierte Produkte: Die neuen Steine gelten als Natur pur. Naturstein ist nur Natur und irgendwie von gestern. »Wir produzieren mehr Natur«, heißt es vollmundig und selbstüberzeugt. Wer will da schon von Energieeffizienz, von Produktionsketten oder gar von Transportwegen sprechen.

Lesen Sie mehr zu den Trends im Bad in STEIN im Juni 2014.

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Spurensuche auf Slate Islands

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Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein – eine sinnliche Suche nach Leblosem.

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Auf der Karte sind es kleine Flecken vor der Westküste Schottlands, so klein, dass es leicht ist, sie zu übersehen. Man muss sie gezielt aufsuchen, um sie zu finden. Man stößt nicht einfach auf sie. Die Inneren Hebriden Schottlands, eine Inselgruppe am oberen Zipfel des Britischen Königreichs, sind eine beliebte Reiseregion. Wer hierherkommt, sehnt sich nach dem Ursprünglichen, dem Wilden, dem Zerklüfteten. Nach salzigem Wind, der sich in Haaren und Kleidung verfängt und sie starr werden lässt. Nach dem Atlantik, dessen Wogen an das schwarze Gestein prallen. Gneise. Granit. Basalt. Schiefer.

Esther Kinsky, Übersetzerin und Lyrikerin und 2018 für „Hain. Geländeroman“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet, hat dem Schiefer und der Region, in dem das Sedimentgestein jahrhundertelang abgebaut wurde, einen Gedichtband mit dem so einfachen wie bezeichnenden Titel „Schiefern“ gewidmet.

Die Steinbrüche auf Slate Islands sind noch da, die Überbleibsel einer inzwischen stillgelegten Industrie auch. Kinsky begibt sich auf Entdeckungsreise und verpackt ihre Naturbeobachtung in Worte, die rätselhaft zu entziffern sind und hinfortreißen in die Entlegenheit der Inneren Hebriden, zum schwarzen tosenden Meer, über dem der Leser wie ein unsichtbar Schwebender im Gedankenraum treibt, den Kinsky mit ihren Worten spinnt.

Genau dort, in diesem Gedankenraum, sind auch die Analogien zwischen etwas durch und durch Leblosem und Menschlichem zu finden. Nur wenige Menschen stecken in diesem dreiteiligen Band, das Menschliche jedoch fehlt ihm nicht. Es ist sogar ganz erstaunlich, wie sinnlich über Gischt tragende Wellen und „platten mit einer / oberfläche wie versteinerter leiser wellengang“ geschrieben werden kann, ohne in kitschige Romantik abzurutschen.

„Nature Writing“

Natur verleitet bereits seit dem 18. Jahrhundert Schriftsteller dazu, über sie als Hauptprotagonistin zu schreiben. „Nature Writing“ nennen sich im Angelsächsischen die ausschweifenden literarischen Beschreibungen von Bäumen, Wiesen, Blumen, Wolkenbrüchen. Auf Deutsch hat sich der Begriff der „Naturpoesie“ oder auch „Naturlyrik“ eingebürgert. Esther Kinsky sticht seit Jahren mit solcher Naturpoesie in der Literatur hervor.

2013 flicht sie in „Naturschutzgebiet“ ausgehend von einem verwahrlosten Stadtpark vier Gedichtzyklen über Verfall und Wachstum. Ordnet man Kinskys Werk nun der Gattung des „Nature Writing“ zu, widerspricht sie gern. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte sie einmal, sie sähe sich nicht in der Tradition des Nature Writing. Zu diffus sei dieser Begriff, zu ausufernd darin, was er umschließt und was nicht. „Nature Writing“ kann alles sein, sagt sie. Warum dann nicht auch ihre neueste Arbeit „Schiefern“, möchte man entgegenhalten?

Die Schichten der Zeit

Früh fällt in „Schiefern“ das Wort der Erinnerung „als raum der abwesenheiten, bewegt von der durchsichtigen hand unberechenbarer synapsen und unwägbarer verschiebungen von ablagerungen in den langsam entstandenen und vertieften furchen und falten des hirns“. Kinsky geht es um die Schichten der Zeit, die sich über Erinnerungen lagern. Erst ganz sacht, dann deutlicher zieht sie sprachliche Parallelen zwischen menschlichem Gedächtnis und der konservierten Geschichte auf der Oberfläche der Gesteinsbrocken, an der die Gezeiten und Zeiten vorübergingen, über Millionen von Jahren hinweg.

Im Stein liegt das Vergangene konserviert, sie müsse nur anhand seiner Falten abgelesen werden, als wäre der Stein ein alter, lieb gewonnener Greis, dessen verwittertes Gesicht die Spuren des Lebens tragen. Kinsky schreibt von „zeichen ohne hand und fuß / im stein auf die sich keiner / einen reim zu machen weiß / als den größtmöglicher vergangenheit“.

„Schiefern“ könnte die moderne Fortsetzung von Adalbert Stifters 1853 erschienenen Erzählungen „Bunte Steine“ sein und sich einreihen in die Titel „Granit“, „Kalkstein“ und „Turmalin“. Doch so tückisch idyllisch die detaillierten, biedermeierlichen Naturdarstellungen Stifters sind, so wenig lieblichheimelig sind auch Kinskys beschriebene Slate Islands. Die Kühle der Umgebung schneit in ihren Worten hindurch. Da liegt eine Härte in ihnen, die man sich nicht wegdenken möchte.

Information zum Buch

Esther Kinsky: Schiefern.
D: 24,00 Euro
A: 24,70 Euro
CH: 34,50 Schweizer Franken
Erschienen: 23.03.2020
Gebunden, 103 Seiten
ISBN: 978-3-518-42921-1

Neue Geschäftsleitung bei RHODIUS Schleifwerkzeuge

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Burgbrohl / Bernd Lichter tritt in die Geschäftsführung der RHODIUS Schleifwerkzeuge GmbH & Co KG ein. RHODIUS ist der größte Schleifscheibenhersteller Deutschlands und vertreibt seine Werkzeuge weltweit sowohl an Fachhändler als auch an weiterverarbeitende Firmen. Im Zuge einer Umstrukturierung und eines Generationenwechsels hat der Werkzeughersteller gemeinsam mit den Mitarbeitern eine neue Strategie zur Neuausrichtung des Unternehmens entwickelt. Demnach wird sich die Geschäftsleitung der familiengeführten Firma künftig aus zwei Geschäftsführern und zwei Bereichsleitern zusammensetzen. Der bisherige Geschäftsführer Martin E. Davies verlässt die RHODIUS Ende des Jahres in bestem gegenseitigem Einvernehmen, betont Bernd Lichter. Er verantwortet seit 1. Oktober den Bereich Vertrieb und Marketing. In Kürze wird ihm ein kaufmännischer Geschäftsführer zur Seite stehen. Die Bereichsleitungen übernehmen der Gesamtvertriebsleiter Ernst-Henning Sager und ab April 2019 Dr. Thomas Kamps als Bereichsleiter Technik und Produktion. Mit der Neuausrichtung will der Werkzeughersteller die Position und Durchsetzungskraft auf den nationalen und internationalen Märkten weiter stärken.