Ort der Trauer

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Ort oder Nicht-Ort der Trauer? Weit mehr als die Hälfte der Deutschen (59 Prozent) braucht für Trauer und Gedenken keinen bestimmten Ort. Gleichzeitig betonen jedoch 63 Prozent der Bundesbürger die Wichtigkeit eines Grabmals und besuchen 70 Prozent mindestens einmal im Jahr ein Grab auf einem Friedhof. Dieses uneinheitliche Bild ergibt eine repräsentative Umfrage im Auftrag von Aeternitas, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Die Diplom-Psychologin und Bestatterin Hildegard Willmann, Beiratsmitglied des Internetportals www.gute-trauer.de, bestätigt das Umfrageergebnis: »Es gibt aus trauerpsychologischer Sicht keine wissenschaftliche Grundlage für die zwingende Notwendigkeit eines Grabes als Trauerort.« Der Aeternitas-Vorsitzende Christoph Keldenich fordert angesichts der vorliegenden Ergebnisse eine offene Diskussion um die Bedürfnisse Trauernder: »Wir können nicht alle über einen Kamm scheren, sondern müssen jedem Menschen die für ihn passende Form des Trauerns und Gedenkens ermöglichen.« Gleichzeitig weist er darauf hin, dass bestehende Traditionen vielen Menschen Halt gäben und dass der Friedhof zu Recht weiterhin zentraler Ort der Trauer und des Totengedenkens bleibe. Dies wird von den weiteren Umfrageergebnissen untermauert.

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Eine klare Mehrheit der Deutschen spricht sich für Grabmale aus, einem traditionellen Element unserer Trauer- und Gedenkkultur. 27 Prozent der Befragten geben an, ein Grabmal für das Gedenken an Verstorbene für sehr wichtig zu halten, 36 Prozent für wichtig (zusammen 63 Prozent). 21 Prozent halten es für eher unwichtig und 15 Prozent für überflüssig (zusammen 36 Prozent).

Und trotz des anscheinend gering ausgeprägten Bedürfnisses nach einem Grab auf dem Friedhof gehen über zwei Drittel der Bundesbürger (70 Prozent) mindestens einmal im Jahr zu einem Grabbesuch auf den Friedhof. 15 Prozent der Deutschen besuchen sogar wöchentlich ein Grab, 16 Prozent monatlich, 24 Prozent mehrmals im Jahr, 15 Prozent etwa einmal im Jahr, nur 16 Prozent seltener und 13 Prozent nie.

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Die vorliegenden Ergebnisse zeigen Widersprüche in den Wünschen der Menschen auf. Sie stellen auf der einen Seite das Grab auf dem Friedhof und damit die traditionelle Trauer- und Gedenkkultur in Frage. Gleichzeitig zeigen sich auf der anderen Seite Chancen auf, Bestehendes weiterzuentwickeln. Keldenich sieht hier das Potential für die Zukunft: »Die Menschen schätzen Grabmale und sie gehen auf die Friedhöfe, nehmen wir ihre Wünsche ernst und machen wir ihnen gute Angebote.« Im Auftrag von Aeternitas fragte das Institut TNS Emnid Ende März dieses Jahres eine repräsentative Auswahl von 1.005 Bundesbürgern über 14 Jahren.