Skulptur des Monats: Gespräch unter drei Augen

Es war Ende der 1980er-Jahre, als der Künstler Raimund Kummer mit seinem kleinen Sohn über einen Friedhof spazierte. Da entdeckte er ein paar kleine Sitzbänke, die ihn für eine Arbeit inspirierten. Bloß waren die Bänke auf dem Friedhof aus Beton, seine Arbeit sollte aber aus Naturstein sein. „Schließlich wollte ich der Natur so nah wie möglich sein“, so Kummer.

Das Werk von Raimund Kummer von 1990 besteht aus schwarzem Carrara-Marmor und Böhmischen Glas. Die Inspiration bekam der Künstler von einem Spaziergang auf einem Friedhof. Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2018; Nikolaus Steglich/Alexander Tutsek-Stiftung

Aus den Sitzbänken wurde die Arbeit „Gespräch unter drei Augen“ aus Böhmischen Glas und geschliffenem schwarzem Carrara-Marmor. Der Künstler Raimund Kummer – seit 1995 Professor für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig – ließ die Steinarbeiten von dem Münchner Steinmetz Claus Rehm umsetzen.

Alexander Tutsek-Stiftung: „Das Andere Sehen“

Derzeit wird das Werk in der Ausstellung „Das Andere Sehen“ in der Münchner Alexander Tutsek-Stiftung gezeigt, in einem ehemaligen Bildhaueratelier im Stadtteil Schwabing. Der Titel der Ausstellung spiele mit dem doppelten Sinn der Worte. Die Arbeiten würden einen anderen Blick auf die Dinge werfen und thematisieren zugleich das Interesse am Anderen, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung.

Auch Kummers Arbeit verlässt herkömmliche Sehgewohnheiten. Denn die drei Sitzbänke aus dunklem Marmor sind unbesetzt. Nur einen „Steinwurf entfernt“ liegen drei überdimensionierte Glasaugen in weiß und rot. „Albinoaugen“, nennt Kummer die drei. Irgendwie scheinen sie zu den Bänken dazuzugehören, irgendwie sind sie aber auch separiert. Die Kommunikationslinie zwischen den beiden streng komponierten Gruppen vervollständigt der Betrachter.

Kiki Smith und andere Künstler mit Arbeiten aus Glas

Neben Raimund Kummer werden sechs weitere Künstler in der Ausstellung präsentiert, darunter auch Kiki Smith und Tony Cragg. Schwerpunkt der Arbeiten ist das Material Glas. Recht ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass Glas in der zeitgenössischen Kunst lange Zeit eine untergeordnete Rolle spielte. Aber genau das ist die Mission der Alexander Tutsek-Stiftung.

Mit Sitz in München fördert sie zum einen Ausstellungen für zeitgenössische Skulpturen aus Glas und moderne Fotografien. Zum anderen unterstützt die Stiftung die Forschung im Bereich der Ingenieurwissenschaften mit den Schwerpunkten Glas, Keramik, Steine und Erden.

Am 26. April um 19 Uhr lädt die Stiftung zum Künstlergespräch mit Raimund Kummer ein.

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