Skulptur des Monats: Gespräch unter drei Augen

Stein Magazin

Alexander Tutsek-Stiftung: „Das Andere Sehen“

Es war Ende der 1980er-Jahre, als der Künstler Raimund Kummer mit seinem kleinen Sohn über einen Friedhof spazierte. Da entdeckte er ein paar kleine Sitzbänke, die ihn für eine Arbeit inspirierten. Bloß waren die Bänke auf dem Friedhof aus Beton, seine Arbeit sollte aber aus Naturstein sein. „Schließlich wollte ich der Natur so nah wie möglich sein“, so Kummer.

Aus den Sitzbänken wurde die Arbeit „Gespräch unter drei Augen“ aus Böhmischen Glas und geschliffenem schwarzem Carrara-Marmor. Der Künstler Raimund Kummer – seit 1995 Professor für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig – ließ die Steinarbeiten von dem Münchner Steinmetz Claus Rehm umsetzen.

Derzeit wird das Werk in der Ausstellung „Das Andere Sehen“ in der Münchner Alexander Tutsek-Stiftung gezeigt, in einem ehemaligen Bildhaueratelier im Stadtteil Schwabing. Der Titel der Ausstellung spiele mit dem doppelten Sinn der Worte. Die Arbeiten würden einen anderen Blick auf die Dinge werfen und thematisieren zugleich das Interesse am Anderen, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung.

Auch Kummers Arbeit verlässt herkömmliche Sehgewohnheiten. Denn die drei Sitzbänke aus dunklem Marmor sind unbesetzt. Nur einen „Steinwurf entfernt“ liegen drei überdimensionierte Glasaugen in weiß und rot. „Albinoaugen“, nennt Kummer die drei. Irgendwie scheinen sie zu den Bänken dazuzugehören, irgendwie sind sie aber auch separiert. Die Kommunikationslinie zwischen den beiden streng komponierten Gruppen vervollständigt der Betrachter.

Kiki Smith und andere Künstler mit Arbeiten aus Glas

Neben Raimund Kummer werden sechs weitere Künstler in der Ausstellung präsentiert, darunter auch Kiki Smith und Tony Cragg. Schwerpunkt der Arbeiten ist das Material Glas. Recht ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass Glas in der zeitgenössischen Kunst lange Zeit eine untergeordnete Rolle spielte. Aber genau das ist die Mission der Alexander Tutsek-Stiftung.

Mit Sitz in München fördert sie zum einen Ausstellungen für zeitgenössische Skulpturen aus Glas und moderne Fotografien. Zum anderen unterstützt die Stiftung die Forschung im Bereich der Ingenieurwissenschaften mit den Schwerpunkten Glas, Keramik, Steine und Erden.

Am 26. April um 19 Uhr lädt die Stiftung zum Künstlergespräch mit Raimund Kummer ein.

Hier sehen Sie die Skulpturen der letzten Monate:

Bubbles-Kreoo-Marco-Piva
März 2018: Geschwungene Form: freistehender Waschtisch „Bubbles“. Foto: Kreoo
Kutleh-Stuhl
Februar 2018: Kutleh Chair. Foto: Amman Design Week 2017
Trimpin-Aufmacher
Januar 2018: Ohne Titel. Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart
Diana-Kasko-Chocolate-Block
Dezember 2017: Pastry Art. Foto: Diana Kasko
German-Design-Award-Stone-Plant-Sculpture
November 2017: Stone Plant Sculpture. Foto: Franken-Schotter & Bruns Pflanzen-Export / Quelle: Rat für Formgebung
Marc-Reist-Globo-Uopvo-Marmor-Skulptur
Oktober 2017: Das Globo Uovo auf der Dachterrasse des Centre Dürrenmatt Neuchâtel. Foto: Emanuel Stotzer
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Gestaltungswettbewerb Grabzeichen

Stein Magazin

Der Landesinnungsverband Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Baden-Württemberg führt seit 1965 jährlich den Gestaltungswettbewerb „Grabzeichen“ durch. Seit knapp 20 Jahren wird der Wettbewerb auch bundesweit ausgeschrieben. Die nächste Einreichungsrunde endet im Februar 2017.

Steinmetze aus ganz Deutschland können sich mit ihren Arbeiten bewerben. Die Jury legt dabei besonderen Wert auf die gestalterische Qualität der Grabzeichen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die eingereichten Arbeiten bereits auf einem Friedhof stehen müssen. Am Ende des Wettbewerbs darf sich der Gewinner über ein Preisgeld bis in Höhe von 1.000 Euro freuen. Ziel des Wettbewerbs ist es, innovative Arbeiten zu fördern und die zeitgenössische Bestattungskultur zu stärken.

Erfahren Sie mehr über den Gestaltungswettbewerb und reichen Sie Ihre Arbeiten noch bis zum 28. Februar 2017 ein.

Grabpflege muss man sich leisten können. Das Problem betrifft nicht nur viele zeitgenössische Normalsterbliche, auch für die anstehende Ertüchtigung des Florentiner Grabmals von Michelangelo fehlen derzeit die Mittel. Daher lief ursprünglich bis zum 30. Oktober 2017 eine Spendenaktion der zuständigen gemeinnützigen Organisation Opera di Santa Croce. Weil der notwendige Betrag leider noch nicht zusammengekommen ist, wurde die Kampagne aktuell verlängert, die Arbeiten am Grabmonument und dem dazugehörigen Altar sollen baldmöglichst beginnen.

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Er hat schon bessere Zeiten gesehen: Die Grablege Michelangelos und seiner Familie muss dringend gesäubert und restauriert werden. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Doppelter Andachtsort: Links der Familienaltar der Buonarroti, rechts das Grabmal. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Vor dem Sarkophag aus Breccia di Seravezza (auch Breccia Medicea genannt) trauern die personifizierten Künste Bildhauerei, Architektur und Malerei um Michelangelo. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Die Nahaufnahme zeigt: Die Skulpturen aus Bianco di Carrara müssen dringend gesäubert werden. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Erst 2016 entdeckt: Am linken Bildrand etwa auf halber Höhe hat Vasari den verstorbenen Michelangelo als Pharisäer Nikodemus im Altargemälde versteckt. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Seit der Überschwemmung von Florenz 1966 weist das Gemälde des Familienaltars der Buonarroti gravierende Schäden auf, dazu kommen die Ablagerungen der Jahrhunderte. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Vormals Weiß trifft Purpur – Carrara-Marmor und Breccia di Seravezza am Grab Michelangelos und der Seinen. Noch bis 30. Oktober kann für die Restaurierung gespendet werden. (Foto: Opera di Santa Croce)

Es steht nicht gut um das Familiengrab der Buonarroti. Zusammen mit 66 Verwandten ruht Michelangelo in der Basilika Santa Croce zu Florenz, das Andenken an den berühmtesten Sohn des Geschlechts steht im Fokus des Grablege-Ensembles bestehend aus steinernem Monument und angrenzendem Altar. Für die dringenden erhaltenden Maßnahmen werden insgesamt 100.000 Euro benötigt, 15.000 stehen bis dato noch aus.

„Die Skulpturen aus Carrara-Marmor wurden zum letzten Mal vor 22 Jahren gesäubert und haben seither wieder viele Ablagerungen angesetzt“, erklärt Paola Vojnovic, zuständig für die Spendenaktion #InTheNameOfMichelangelo bei Opera di Santa Croce. „Aufgrund der porösen Struktur des Steins können diese eindringen und ihn zerbröseln lassen.“ Eine Säuberung des Ensembles, das im Zentrum eine Büste des Meisters aus Bianco di Carrara auf einem Sarkophag aus purpurner Breccia di Seravezza zeigt, vor dem weiße Carrara-Marmor-Allegorien seiner drei Künste Bildhauerei, Architektur und Malerei trauern, ist unbedingt sinnvoll.

Direkt links neben dem Grabmal, 1570 von Michelangelos Freund Giorgio Vasari entworfen, findet sich der Familienaltar der Buonarroti mit einem Altargemälde, geschaffen vom selben Künstler. Hier reichen die Schäden weiter – und das seit vielen Jahren. Das Bild (Öl auf Pappelholz, 1572) wurde durch die große Überschwemmung in Florenz 1966 stark beschädigt. Weil der gesamte Reparaturbedarf in der Stadt immens war, wurde das Gemälde damals nur notdürftig gesichert. Zudem ist es durch Staub und Schmutzablagerungen der Jahrhunderte stark eingedunkelt. So entdeckte man erst kürzlich eine Darstellung Michelangelos in der Figurenkomposition, der zu seiner eigenen letzten Ruhestätte hinüberblickt. Säuberungs- und Sicherungsarbeiten sind dringend durchzuführen.

Für das Projekt werden noch 15.000 Euro benötigt, spenden kann man online über den Donate-Button auf http://santacroceopera.it/michelangelo/. Auch Kleinbeträge helfen, wie Paola Vojnovic unterstreicht: „Wir freuen uns über jeden, der vielleicht auch nur 25 oder 50 Euro beisteuert.“ Alle Spender werden übrigens ebenfalls in Santa Croce verewigt: In einem Buch der Spender im Archiv dieser Basilica minor. Für größere Zuwendungen von Privatpersonen oder Firmen (5.000, 10.000 oder gar 15.000 Euro) sind noch speziellere Ehrungen vorgesehen, wie z. B. eine Plakette am Eingang des Gotteshauses.

 

Zu Carrara-Marmor, aus dem Michelangelo zu Lebzeiten herausragende Kunstwerke schuf und welchen auch Vasari für das Grabmal des Meisters heranzog, lesen Sie übrigens mehr in STEIN 11/17 in Teil 3 unserer Serie „Italiens Klassiker“.