Rückkehr zur Meisterpflicht – Errungenschaft oder Sackgasse?



Stein Magazin

Meister als Qualitätssiegel

In zwölf bisher zulassungsfreien Gewerken gilt ab 2020 wieder die Meisterpflicht. Ist der Schritt richtig? – Schreiben Sie uns Ihre Meinung.


Meisterpflicht_Symbolfoto
Was halten Sie von der Rückkehr der Meisterpflicht für Fliesenleger und Co? Foto: Stux / C00-Lizenz / pixabay

Der Bundestag hat dem Gesetzentwurf zur Rückvermeisterung zugestimmt. Er gilt für zwölf Gewerke, unter anderem für Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, für Betonstein- und Terrazzohersteller sowie Estrichleger. Hans Peter Wollseifer vom Zentralverband des Deutschen Handwerks sagt, der Weg in die Anlage A der Handwerksordnung sei “der richtige und notwendige Akzent für mehr Qualität und Qualifizierung im Handwerk”. Er hoffe, dass die Bundesregierung das Gesetzgebungsverfahren zügig abschließt. Damit es in Kraft tritt, muss es unter anderem noch der Bundeskanzlerin und dem zuständigen Fachminister zur Gegenzeichnung geschickt werden. Der Bundespräsident prüft es außerdem auf Verfassungskonformität. Danach erscheint es im Bundesgesetzblatt und gilt ab dem 14. Tag nach Veröffentlichung. Dem Plan nach soll es bereits im Januar 2020 in Kraft treten. Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, bekommen allerdings Bestandsschutz.

ZHD-Präsident Wollseifer zufolge “ist und bleibt der Meisterbrief das Qualitätssiegel, dem Kunden am meisten vertrauen”. Der Verband betont, die Entscheidung werde auch der Berufsausbildung und der Zukunftsfähigkeit der Betriebe zuträglich sein und Marktverzerrungen beseitigen. Stefan Bohlken, Obermeister der Fliesen- und Natursteinlegerinnung Oldenburg, kämpfte 2018 für die Rückvermeisterung seines Gewerkes – und erklärte STEIN im Interview, weshalb. Seine Kernthese damals: Es gehe im Kern nicht darum, “wer am besten fliest”, sondern um betriebswirtschaftliches Wissen und die Sicherung der Ausbildungsleistung.

Meister als Markteintritts-Hindernis

Doch das sehen nicht alle so. Als die damals rot-grüne Bundesregierung die Meisterpflicht 2004 in 53 Gewerken als Teil der Agenda 2010 abschafft, will sie damit selbstständige Handwerker unterstützen. Tatsächlich steigt in den Folgejahren die Zahl der Neugründungen – und damit auch der Wettbewerb. Ökonomen argumentieren, das sei für die Kunden von Vorteil. Denn sie können selbst wählen, ob sie einen – oftmals teureren – Meisterbetrieb wählen oder nicht. Achim Wambach, der Vorsitzende der Monopolkommission, warnt etwa, die Rückvermeistung mache den Markteintritt für neue Betriebe deutlich schwieriger. Die kosten- und zeitintensive Meisterprüfung werde langfristig dazu führen, dass Verbraucher noch länger auf Handwerker warten müssen.

STEIN fragt: Ist die Rückvermeisterung der richtige Weg?

Wird die Rückvermeisterung dem Fachkräftemangel und Wettbewerbs-Dumping entgegenwirken und die Wertschätzung des Handwerks steigern? Oder schottet sie den Markt ab und behindert den freien Wettbewerb? Wäre die Rückvermeisterung nur in Berufen, in denen der Gefahren- und Verbraucherschutz es begründet, sinnvoller? Halten Sie die Meisterpflicht für ein effektives Werkzeug oder in der Debatte um die Zukunftsfähigkeit des Handwerks den falschen Hebel? Regelt sie genug oder zuviel?

Diskutieren Sie mit uns auf unserer Facebook-Seite https://www.facebook.com/Stein.Magazin/ oder per Wortmeldung an Redaktion@stein-magazin.de


Könnte dich auch interessieren

Neue Leitung der Produkttechnologie bei Sopro Bauchemie

Stein Magazin

Helmut Schäfer, langjähriger Leiter der Abteilung Produkttechnologie, gibt den Stab an Stefan Großmann weiter. Unterstützung erhält Großmann von Andreas Kruse, der künftig die externen Prüfungen managen wird.

1_Stefan Grossmann
Der neue Leiter der Abteilung Produkttechnologie bei der Sopro Bauchemie: Stefan Großmann. (Foto: Sopro)
3_Andreas Kruse
Andreas Kruse verantwortet künftig die externen Prüfungen und Überwachungen bei der Sopro-Bauchemie. (Foto: Sopro)
2_Helmut Schaefer
Helmut Schäfer hat sich Ende Juni in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. (Foto: Sopro)

Erfahrung in der Forschung

Die Abteilung Produkttechnologie der Sopro Bauchemie mit Sitz in Wiesbaden hat einen neuen Leiter: Stefan Großmann bekleidet seit 1. Juli diese Position. Der Diplom-Ingenieur tritt damit die Nachfolge von Helmut Schäfer an, der sich Ende Juni in den Ruhestand verabschiedete. Drei Jahrzehnte leitete Schäfer den Bereich Produkttechnologie bei der Sopro Bauchemie. Angefangen hatte er als junger Chemie-Ingenieur bereits 1979 in der Forschung und Entwicklung der Abteilung Sonderprodukte in der damaligen Dyckerhoff Zementwerke AG. Neun Jahre später übernahm er die Laborleitung der neugegründeten Dyckerhoff Sopro GmbH und trug seitdem maßgeblich zum Erfolg des Sopro-Produktsortiments und der Qualitätssicherung bei. Zudem verantwortete er als Gesamtprokurist Entwicklungs- und Optimierungsaufgaben der europäischen Sopro Werke in Polen sowie Österreich, baute die Matrix-Zertifizierung gemäß ISO 9001 auf und repräsentierte die Unternehmensgruppe in technischen Ausschüssen auf nationaler und internationaler Ebene.

Wie sein Vorgänger studierte auch Stefan Großmann Chemie, er erwarb sein Diplom im Jahr 1995 an der Technischen Hochschule Darmstadt. Nach seinem Studium arbeitete Großmann in verantwortungsvollen Positionen von Forschungslaboratorien bei Unternehmen der deutschen Bauchemie-Branche. Gemeinsam mit dem Team der Sopro-Produkttechnologie soll er diesen Bereich dort nun weiter auf erfolgreichem Kurs halten und neue Akzente für die Zukunft setzen. Unterstützung erhält er dabei von Andreas Kruse, den die Produkttechnologie als neuen Mitarbeiter gewinnen konnte. Unter der Leitung von Großmann soll er künftig das Management externer Prüfungen und Überwachungen übernehmen. Kruse sammelte seine Erfahrungen auf diesem Gebiet als leitender Mitarbeiter in einem zertifizierten Prüfinstitut.

Werkzeug mit viel Potenzial: die Seilsäge

Stein Magazin

Bohrungen in dicken Steinplatten lassen sich mit der Konturseilsäge schneller und wirtschaftlicher herstellen als mit großen Bohrkronen. Foto: Michael Spohr

Bei der Grabmalfertigung, bei Denkmalpflege und Sakralbauten-Restaurierung, aber auch im hochwertigen Innenausbau sowie dem Zuschnitt großformatiger Kücheninseln rechnet sich die flexible Tranchen-Segmentierung ab Block. Eine Anschaffung kann auf viele Jahre gerechnet werden, da sowohl Block- wie auch Konturen-Seilsägen so robust sind, dass 40.000 Betriebsstunden und mehr erreicht werden können. Zudem arbeiten die entsprechend programmierten Maschinen über Nacht sowie am Wochenende ohne Personaleinsatz. Und schließlich ermöglichen Mono-Blockseilsägen ebenso wie Konturen-Seilsägen das Ausführen individueller Bestellungen oder von Eilaufträgen. Das beschleunigt die Amortisation – auch in der Lohnfertigung. Die Anschaffung einer Seilsäge kann sich also lohnen. Was muss man aber bei technischen Details beachten? Wie dick sollte beispielsweise das Seil sein?

Diamantseile: Je dicker desto besser?

„Dickere Platten oder Blöcke werden bevorzugt auch mit dickeren Diamantseilen in 8,5 oder 11 mm Durchmesser geschnitten“, weiß Diabü-Geschäftsführer Dirk Büttner. Der gegenüber dünneren Seilen größere Materialverlust durch den breiteren Schnittspalt sei hier eher zu verkraften. „Die Produktivität sowie die zu erzielenden Standzeiten und die daraus resultierenden Schnittkosten und Maschinenstunden optimieren sich damit“, so Büttner weiter.

None
Fertiger Sägespalt: Die Maschine wurde abends bestückt, morgens war das Werkstück fertig zur Weiterverarbeitung. Foto: Michael Spohr

Dass die Schnittoberfläche umso feiner ausfällt, je dicker das Diamantseil ist, liegt laut Büttner daran, dass die Rauheit wegen des größeren Seildurchmessers weniger tief ist. Im Übrigen würden Seilrisse bei dünneren Diamantseilen häufiger auftreten, da das Trägerseil den häufigen Biegewechseln weniger lang standhalte als ein dickeres, klärt Büttner auf. Diabü bietet wegen der stetig steigenden Nachfrage nach dünneren Seilen auch solche mit 7,3 und 6,3 mm Durchmesser an.

STEIN stellt im Juni 2015 folgende Firmen mit ihren Maschinen vor:

1. Bernd Dirks GmbH dirks-billerbeck.de
2. Grabmale Pieck grabmale-pieck.de
3. Werkhaus Küchenideen werkhaus.cc