Die Abtei Michaelsberg in Siegburg wurde saniert und ausgebaut. Das 1096 gegründete Kloster ist mit seinem Neubau – dem sogenannten Forum – Sitz des Katholisch-Sozialen Instituts (KSI) und ein außergewöhnlicher Tagungsort.
Nachdem die ehemalige Abtei des Benediktinerordens 2011 aufgelöst wurde, beschloss das Erzbistum Köln den neuen Standort des KSI dort unterzubringen und ein Tagungszentrum mit Tagungshotel einzurichten. Den für das Vorhaben ausgeschriebenen Wettbewerb gewann das Architekturbüro msm meyer schmitz-morkramer.
Das Klostergebäude liegt mit seiner Kirche auf dem Michaelsberg – rund 40 Meter über Siegburg – und bietet seinen Gästen einen wunderbaren Ausblick. Neben Hotelzimmern und Seminarräumen in der Abtei, beherbergt der Neubau, der sich 17 Meter unter dem Erdgeschoss der Abtei befindet, das KSI sowie Tagungsräume, ein Restaurant und rund 100 Stellplätze. Am 4. Mai 2017 wurde die Abtei von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeweiht.
Die historische Abtei in Siegburg. Zu ihren Füßen bettet sich der Neubau, das sogenannte Forum nach dem Entwurf von msm meyer schmitz-morkramer. (Foto: HG Esch)Die letzten Höhenmeter werden mit einem Glasaufzug überwunden, der in einem gläsernen Pavillon endet und die Sicht auf Bonn und das Siebengebirge freigibt. (Foto: HG Esch)Der großzügige, gläserne Pavillon auf dem Dach des neuen Forums wurde zur Lounge erweitert. (Foto: HG Esch)„Die Kreuzgänge konnten ihren Charme behalten, obwohl wir sie grundlegend sanieren mussten“, berichtet Caspar Schmitz-Morkramer. (Foto: HG Esch)„Architektur hat das Potential zwischen dem Betrachter und der Welt, zwischen Alt und Neu, zu vermitteln,“ betont Caspar Schmitz-Morkramer. (Foto: HG Esch)Die Architekten haben sich bei Ihrer Planung intensiv mit den Materialien von Berg, Fels und Stein auseinander gesetzt. (Foto: HG Esch)Einst Benediktiner-Kloster, heute ein hochmodernes Tagungszentrum mit 121 Hotelzimmern, Restaurant und Konferenzsälen. (Foto: HG Esch)
Verbindung von modernem Neubau und historischem Naturstein
Das zweigeschossige Forum passt sich mit seinem hellgrau-sandfarbenen Naturbruchstein optimal an die Fassade der Abtei und hinterlässt ein harmonisches Erscheinungsbild. Abgerundet wird das Gebäude durch die vielen hohen Fenster und Panorama-Landschaftsfenster. Den Architekten war es wichtig, dass beide Gebäude miteinander funktionieren und nicht konkurrieren, sondern ein modernes Konzept mit historischen Details und dem Charme des Altbaus entsteht. Auf dem Dach befindet sich ein gläserner Pavillon, der schon bald Zugang zu einer grünen Dachlandschaft ermöglichen wird. Von hier aus können Gäste auf das gesamte Rheintal blicken. Die historische Abtei und der moderne Neubau sind über eine gläserne Brücke miteinander verbunden.
Harmonisches Material- und Farbensemble
Im Inneren wurde der Reiz der sanierten Kreuzgänge durch die verborgene, moderne Beleuchtungstechnik betont. Die aufwendig restaurierten Ölleuchten konnten ebenfalls beibehalten werden und tragen zur historischen Optik bei.
Durch einen besonderen Materialmix haben es die Architekten geschafft, ein stilvolles und homogenes Aussehen zu kreieren. So dominiert Naturstein auf den Böden, warmes Eichenholz an Fenstern, Türen, Böden, Handläufen und der gesamten Möblierung. Die Rezeption in der Abtei erhält durch die Kombination von hellem Naturstein und Leder einen ganz besonderen Charme. Auch Akzentfarben, wie senfgelb, ochsenblutrot oder mitternachtsblau, finden sich in den Räumen wieder. Um den Naturstein zu betonen, wurde mit der Teppichboden-Manufaktur Carpet Concept der spezielle Farbton „Michaelsberg-Beige“ entwickelt. Er integriert sich optimal in das harmonische und moderne Interieur.
Erfahren Sie ab 20. Juni 2017 mehr über die Sanierung der Abtei Michaelsberg in STEIN 07/2017.
Auf der Vernissage des Weiterbildungskurses „Steinbildhauen und dreidimensionales Gestalten“ der Scuola di Scultura präsentierten die Schweizer Bildhauer Peter Bachmann und Stefan Kistler ihre Abschlussprojekte „Betroffenheit – Gefühlt – Geformt“ und „Durchblick“ in Cevio im Tessin. STEIN sprach mit den beiden über ihre Skulpturen, ihre Ambitionen und ihre Gedanken über das künstlerisch-kreative Arbeiten mit Stein. In diesem Gespräch: Peter Bachmann. Der Lebenslauf des 58-Jährigen lässt Staunen, vereint er doch zwei Berufszweige, die vermeintlich wenig miteinander zu tun haben. Als Osteopath arbeitet Bachmann einerseits in seiner eigenen Praxis. Zum anderen ist da noch die Leidenschaft des Steinbildhauens.
Die Absolventen Peter Bachmann (li.) und Stefan Kistler (Mitte) mit Schulleiterin Almute Großmann-Naef während der Vernissage. Foto: Scuola di Scultura„Betroffenheit – Gefühlt – Geformt“ von Peter Bachmann. Foto: Peter BachmannMit der Skulpturengruppe verweist Bachmann auf die Flüchtlingsthematik. Foto: Peter BachmannDetail der Betongruppe. Foto: Peter BachmannVernissage in Cevio im Tessin. Foto: Peter BachmannBachmann stellt Familien- und Einzelschicksale ins Zentrum seiner Arbeit und formt aus einem Kollektiv Individuen. Foto: Peter Bachmann„Empathie ist der Kern der Menschlichkeit. Diesen Kern möchte ich durch meine Installation spürbar machen“, erklärt Bachmann. Foto: Peter Bachmann
STEIN: Sie haben sich zunächst als Physiotherapeut und schließlich zum Osteopath ausbilden lassen, seit 2003 besitzen sie eine eigene Praxis. Nun haben Sie an einer Weiterbildung zum Steinbildhauen teilgenommen. Wie lassen sich diese beiden Leidenschaften vereinen?
Peter Bachmann: Mir ist bewusst geworden, dass ich in der künstlerischen Umsetzung von den Therapien am Patienten und der räumlichen anatomischen Vorstellung viel profitieren kann. Lehrer an der Scuola di Scultura haben mir bestätigt, dass Körpertherapeuten oft plastischer und lebendiger modellieren und zeichnen. Des Weiteren liefern mir die Empfindungen meiner Patienten viele kreative Impulse.
Die Bildhauerei zum Hauptberuf zu machen konnten Sie sich aber nicht vorstellen? Meine Leidenschaft als Osteopath hält sich etwa die Balance mit der Bildhauerei. In den letzten Jahren habe ich meine kreative Seite immer mehr in meinen Alltag integriert und ausgeweitet. Ich bin als Osteopath inzwischen etabliert und habe ein gut funktionierendes Netzwerk. Als Kunstschaffender muss ich mir das zuerst erarbeiten, was mit 58 Jahren nicht leicht ist. Finde ich einen Nischenmarkt, werde ich die Bildhauerei weiter ausbauen.
Warum hatten Sie sich zu einer Teilnahme an der Weiterbildung entschlossen?
Im Holz- und Steinbildhauen hatte ich vor allem autodidaktische Erfahrung. Dadurch bleiben immer Lücken gegenüber vollberuflichen Kunstschaffenden, die eine breitere Erfahrung haben. Ich wollte mich unbedingt bei professionellen Lehrern weiterbilden und ein breit abgestütztes Angebot nutzen, um meine Sensitivität für die Materialien zu entwickeln und die technischen Fertigkeiten zu verbessern.
Viele Ihrer Arbeiten zeigen Menschen. Ihre Gesichtszüge sind sehr detailliert und filigran ausgearbeitet. Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass sie „so lange an einer Skulptur arbeiten, bis sich ein Teil dieser Kraft in der Skulptur angesammelt hat.” Würden Sie sich als Perfektionisten bezeichnen?
Ja, in dieser Hinsicht schon. Ich ringe zum Teil sehr lange, bis für mich die Deckung mit meinen Gefühlen und inneren Bildern erreicht ist.
Ihr Abschlussprojekt ist ein Betonguss, der Gruppen von Menschen zeigt. Manche von ihnen tragen Kinder in den Armen oder auf dem Rücken, andere sehen sich suchend um, stehen eng zusammengepfercht da. Einzelne Schicksals- und Familiengemeinschaften sind reliefartig zusammengefasst. Eine Prozessanalyse der Flüchtlingsthematik mit dem Titel „Betroffenheit Gefühlt Geformt.“ Warum wurde es Beton und keine Steinskulptur?
Beton enthält vor allem Sand. Im Buch „Masse und Macht“ schreibt Elias Canetti über die Massensymbole. Dazu gehören zum Beispiel Sand, Korn oder der Regen. In meiner Arbeit geht es um die Gegensätze von Masse und Individuum. Der Sand im Beton trägt die Symbolik der Masse in sich. Alle 28 Gruppen wiegen etwa 1,3 Tonnen. Die vielen Asylsuchenden wiegen in ihrer Bedeutung ebenfalls schwer. Auch hier unterstützt das hohe Gewicht des Materials die Symbolik. Niemand ist nicht betroffen von den Flüchtlingsströmen. Wir sollten bemüht sein, nicht nur „die Asylsuchenden“ wahrzunehmen, sondern sie auch als einzelne Individuen kennenzulernen. Durch die figürliche Darstellung treten sie aus der Masse.
Machen wir nun eine kleine theoretische Prozessanalyse Ihres Schaffens: Wie entstand das Abschlussprojekt des Kurses?
Am Beginn meiner Arbeit steht eine innere Unruhe, Betroffenheit und Empörung. Die Betroffenheit wird immer stärker und zum kreativen Impuls. Sie ist der Ursprung einer Kraft, die mich zur Umsetzung drängt. Sie steigt auf aus den Zellen meines Körpers und produziert Bilder in meinem Kopf. Ich verspürte den Wunsch, die vielen Bilder von geflüchteten Menschen, die man immer nur zwei bis fünf Sekunden im Fernsehen sah, anzuhalten und sie dreidimensional zu gestalten, damit Raum und Zeit entsteht zu reflektieren, das Irrationale „begreifbar“ zu machen. Einerseits während des Entstehens und andererseits als Skulpturenraum.
Sie arbeiten aber nicht nur mit Beton, sondern auch mit Stein. Wie empfinden Sie das Material?
Ich arbeite vor allem mit weicheren Steinen wie Marmor, Travertin oder Alabaster. Im Stein kommt es zu einer Verlangsamung des Arbeitsprozesses. Durch den größeren Widerstand beim Bearbeiten löst er in mir andere Prozesse aus. Die Urkräfte der Hitze und des Drucks im Erdinneren haben zum Beispiel beim Marmor zu einer Metamorphose geführt. Diese inhärenten Urkräfte, das große Gewicht und die Beständigkeit von Stein führen mich oft zu Urformen.
Mit der Vernissage Ende September haben Sie den Weiterbildungskurs nun beendet. Welche Eindrücke nehmen Sie mit?
Die Vernissage hat mir gezeigt, dass das Thema immer noch sehr aktuell ist und dass viele durch die Begegnung mit der Installation emotional tief berührt waren.
Und was nehmen Sie aus dem Kurs für sich mit?
Der Kurs war etwas vom Besten, was mir passiert ist. Jedes Modul, sei es Zeichnen, Modellieren, Bildhauen oder Theorieseminare haben sich auf mein Sehen, Spüren und Fühlen des zu bearbeitenden Materials ausgewirkt. Der direkte Unterricht von hervorragenden Lehrern der Scuola di Scultura hat mich sicherer in meiner technischen Ausführung gemacht und meine künstlerischen Möglichkeiten deutlich erweitert.
Planen Sie noch weitere Weiterbildungskurse?
Da bei mir oft der Mensch im Mittelpunkt meiner Arbeit steht, sind für mich alle Kurse, in denen Modelle gezeichnet oder modelliert werden können, interessant und basal. Ich gehe gerne zurück zu den Wurzeln, um Energie zu tanken. Deshalb wird man mich noch oft im schönen Maggiatal und der Scuola di Scultura arbeiten sehen.
Die Steinmetz- und Steinbildhauerinnung Heilbronn-Franken präsentiert sich auf der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn mit einer handgefertigten Kugelbahn aus Sandstein. Außerdem wurde bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung Roland Vorherr im Amt des Obermeisters bestätigt. (mehr …)
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