Winkelfehler adé

Stein Magazin

Winkelfehler-Kompensationssysteme

Damit Wasserstrahlanlagen auch mit hohen Geschwindigkeiten betrieben werden können, kommen spezielle Software-Systeme zum Einsatz, die die entstehenden Winkelfehler – Nebeneffekte beim Wasserstrahlschneiden – ausgleichen.

Die Konizität (Kegelform) der Schnittkante – auch Winkelfehler genannt – ist als Nebeneffekt beim Wasserstrahl-Schneiden bekannt. Allerdings hat es lange niemand geschafft, die mechanischen und mathematischen Anforderungen an die Software zu meistern, die mit den komplexen Bewegungsabläufen bei der Konizitätssteuerung zusammenhängen.
Konventionelle Wasserstrahlanlagen erzeugen bei hohen Trenngeschwindigkeiten einen deutlichen Winkelfehler an der Schnittkante. Der Schnittspalt wird von oben nach unten enger, denn bei hohen Schnittgeschwindigkeiten verringert sich die Intensität des Strahls und somit die Schleifwirkung während des Schneidprozesses im Schnittspalt deutlich. Dieser nach unten hin geschwächte Strahl hat weniger Schnittvermögen.

Die verschiedenen Winkelfehler-Kompensationssysteme am Markt wie DWJ (Dynamic Waterjet) von Flow, TAJ (Tilt-A-Jet) von Omax oder IKC (Intelligent Kerf Compensation) von Tecnocut steuern dieser entstehenden Konizität entgegen, indem permanent der Schnittwinkel des Schneidkopfs eingestellt wird. Dieser Winkelausgleich verhindert wirkungsvoll einen Winkelfehler an der Schnittkante des Werkstückes, indem der Winkelfehler einer Schnittkante doppelt in das Abfallstück geschwenkt wird.

Die Hersteller Flow und Omax beispielsweise entwickelten – im Streben, die Schnittkonizität einzuschränken – zunächst eine firmeneigene Mechanik, mit der der Schneidkopf dreidimensional bewegt werden kann. Die Aufnahme des Schneidkopfes bei Einsatz der Schwenktechnologie verfügt über ein speziell entwickeltes Bewegungssystem (A-B-Kinematik), welches ein Schwenken aus seiner Vertikalen in jede beliebige Richtung (bis max. 10 Grad) ermöglicht. Wenn der Winkel des Schneidkopfs geändert wird, um Konizitäten auszugleichen, befindet sich der Wasserstrahl nicht mehr in der Fluchtlinie des gewünschten Schnittwegs. Die X-, Y- und Z-Achsen müssen neu eingestellt werden, um den Wasserstrahl wieder auszurichten. Deshalb müssen bei einer Änderung des Schneidkopfwinkels drei getrennte Bewegungen ausgeführt werden, um einen guten Schnitt zu erhalten.

Die Systeme wurden so entwickelt, dass jede Kontur sanft und übergangslos geschnitten werden kann. Aus mechanischer Sicht können sanfte Bewegungen leicht erzielt werden. Die eigentliche Herausforderung bei der Entwicklung war es, welche Bewegungskombinationen wann verwendet werden müssen, um die Geometrie gerader Kanten, Kurven sowie Innen- und Außenecken zu bewahren. Die Ingenieure arbeiteten jahrelang an der Entwicklung der komplexen mathematischen Modelle, die die Bewegungen des dynamischen Wasserstrahls steuern.

Zu den Quelldaten zählten beispielsweise Schneidzeiten für Materialien unterschiedlicher Härte und Dicke, die Auswirkung der Größe abrasiver Partikel, die Größe der Strahlöffnung bei unterschiedlichen Schnittgeschwindigkeiten sowie die Auswirkung einer Schrägstellung des Schneidkopfs auf die Konizität. Die Kombination dieser Faktoren bestimmt das Verhalten von Dynamic Waterjet und Tilt-A-Jet. Dann wurden die mechanischen Eigenschaften berücksichtigt und schließlich mit Hilfe der Vorwärts- und Inverskinematik die genauen Bewegungen aller fünf Achsen berechnet, die notwendig sind, um die Änderung des Winkels und/oder der Drehbewegung des Schneidkopfs zu berücksichtigen.

Für jede Winkel- und Drehbewegungsänderung muss die Lage der X-, Y- und Z-Achse entsprechend geändert werden, damit der Wasserstrahl richtig auf den gewünschten Schnittweg ausgerichtet ist. Diese Bewegungen müssen kontinuierlich im Millisekundentakt kontrolliert und gesteuert werden, denn je nach Konturverlauf muss die Steuerung sogar auf einer geraden Schnittlinie vorausschauend die Geschwindigkeit und somit den anzustellenden Winkel ändern. Diese permanente Anpassung des Schneidwinkels erfolgt über die jeweilige Steuerung, die im sogenannten „Look-Ahead-Verfahren“ nach den nächsten notwendigen Datensätzen des Werkzeugpfades schaut und dementsprechend die Geschwindigkeit und Winkellage des Schneidkopfes frühzeitig ansteuert.

Bestimmen von Neigungswinkel und Schwenkbewegung

Bislang haben Maschinenbauer hauptsächlich aufwändige CNC-Steuerungen verwendet, um Maschinen mit fünf Achsen zu betreiben. Im Gegensatz dazu werden bei Omax und Flow intelligente PC-gestützte Steuerungen verwendet. Mit dieser Software ist die Maschinenführung schnell und ohne umfangreiche Schulung erlernbar. Die gesamte mathematische Berechnung findet versteckt statt und löst die geeigneten Bewegungsbefehle für alle fünf Achsen bei hoher Taktfrequenz aus.

Der Benutzer gibt nur die Basis-Schneiddaten wie die Materialart und die Materialstärke sowie die gewünschte Oberflächenqualität ein. Die Steuerung berechnet dann den Neigungswinkel und die erforderliche Schwenkbewegung für alle notwendigen, aufeinanderfolgenden Punkte entlang eines Schnittweges vorausschauend. Zum Beispiel muss beim Schnitt von Außenecken bei hoher Schnittgeschwindigkeit der Schneidkopf schräger gestellt werden, um eine senkrechte Schnittkante zu erzielen.

Diese PC-Steuerungen kennen auch die optimale Schnittgeschwindigkeit, um die gewünschte Genauigkeit zu erzielen und einen kegelförmigen Schnitt zu vermeiden. Je größer die Geschwindigkeit ist, desto schräger muss der Schneidkopf stehen. Im Ergebnis produziert das Gesamtsystem eine deutlich verbesserte Werkstückqualität bei wesentlich kürzere Schneidezeiten pro Werkstück als dies im konventionellen Verfahren möglich ist.

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Stein neu ordnen

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„Bouquet“ und „Marble“(Foto: Constanza Meléndez

 

In gewissem Maße sind es die Meisterwerke von Tim Bennett: „Rose“, „Bouquet“ und „Marble“. Denn die Marmorwerke des Münchner Künstlers gehören zur Ausstellung „Me is ter“ der Galerie Jo Van De Loo. STEIN hat den Künstler in seinem Atelier im Münchner Stadtteil Giesing besucht, um sich von der Meisterlichkeit ein Bild zu machen. Unsere Skulptur des Monats April: 

Den Naturstein-Verschnitt kennen Stein-Experten: Rund die Hälfte des Materials kommt auf den Restposten. Nicht so bei Tim Bennett, Bildhauer in München. Wenn der gebürtige Engländer an seinem poliertem Carrara-Marmorblock arbeitet, geht er außergewöhnlich ökologisch vor. Mit Hammer und Meißel bearbeitet er den Stein, ohne dass er seine Funktion als Sockel verliert. Dabei wird dieser selbst zur Skulptur und die vermeintlichen „Reste“ zur Plastik. Denn der abgeschlagene Marmorbruch platziert Bennett „aufgepfropft“ auf den Sockel respektive Skulptur und ordnet damit das Material neu an. „Der Sockel spendet“ nennt der Künstler diesen Prozess. Eine wunderbare Beschreibung für ein Material, das für seine Härte geschätzt wird.

Materialkombination aus Marmor und Öl

Im Falle der Triologie von „Rose“, „Bouquet“ und „Marble“ (je 25x25x115 cm groß) hat Bennett die mit Dübel und Klebstoff verbundenen und mit ammoniakhaltiger Grundierung bearbeiteten Marmorbrüche noch mit Ölfarbe bemalt. Durch den pastösen Auftrag wirkt der kolossale Block weich und knetbar, ohne aber Sensibilität abzugeben.

„Der Prozess des Abschlagens dauert nur wenige Minuten. Auch das Aufsetzen der Reste auf den Sockel ist ziemlich simpel, sodass mich Steinmetze vielleicht belächeln würden“, meint Tim Bennett. Dabei ist es genau diese Einfachheit, die Bennett so faszinierend findet. Schließlich könne er so ganz intuitiv arbeiten und die Schönheit des Werkes in gewissem Maße dem Zufall überlassen.

Skulptur-des-monats-märz-Das-Haus-vom-Nikolaus-Schmidt
März 2017: Die Skulptur fertigte Robert Schmidt-Matt aus rotem Schweinstäler Sandstein. (Foto: Thomas Brenner)
Skulptur-des-monats-februar-dancing-column-tony-cragg
Februar 2017: Die „Dancing Column“ aus Seeberger Sandstein von Tony Cragg. (Foto: Charles Duprat)
skulptur-des-monats-januar-oloid-sabine-rassow
Januar 2017: Das Oloid aus kretischem Marmor von Sabine Rassow. (Foto: Piet Freitag)
skulptur-des-monats-dezember-mops-steve-seguin
Dezember 2016: „Der Mops“ von Steve Seguin aus Udelfanger Sandstein. (Foto: Bernd Decker)
skulptur_des-monats-november-homme-alberto-giacometti
November 2016: „Homme“ aus weißem Marmor von Alberto Giacometti. (Foto: Foto: Kunstmuseum Basel / Martin P. Bühler)
skulptur-des-monats-oktober_eisbaer_peter_hecht
Oktober 2016: Der liegende Eisbär aus Carrara Marmor von Peter Hecht. (Foto: Peter Hecht)
skulptur-des-monats-September-traumsaat-emanuel-wagner
September 2016: Die Skulptur „Traumsaat“ aus grünlichem Diabas von Emanuel Wagner. (Foto: Steinmetz Hans Wagner KG)
Skulptur-des-Monats-August - in motion
August 2016: Die Schwingungen der Skulptur „Steinskúfa“ von Karin Reichmuth versetzen sie in Bewegung. (Foto: Þröstur Eggertsson)
skulptur-des-monats-juli
Juli 2016: „Nautilus“ aus Marmor von Ulrike Glaubitz. (Foto: Künstlerin)

Über den Künstler Tim Bennett

Tim Bennett hat bereits mit 18 Jahren sein Heimatland England verlassen, um erst in Holland und später in Frankreich zu leben. Danach ist er ins Allgäu gekommen, um eine Ausbildung zum Koch zu machen. Finanziert hat er sich diese Jahre vor allem mit Porträtmalerei. Um diese Gabe zu professionalisieren, wollte er an eine Akademie. Für ein Vorpraktikum ging er zu den Restaurierungswerkstätten Dr. Pfanner GmbH – hier lernte Bennett vor allem, wie er mit dem Material Stein umzugehen hat. Und er lernte den „sichtbaren Prozess“ im Schaffensprozess mit den Stein-Arbeiten schätzen. In München studierte Tim Bennett schließlich Malerei und Bildhauerei, wobei er letzterem vor allem verbunden blieb. Heute wird Tim Bennett von der Münchner Galerie Jo Van De Loo vertreten.


Hier sehen Sie die Skulpturen der letzten Monate:

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März 2017: Die Skulptur fertigte Robert Schmidt-Matt aus rotem Schweinstäler Sandstein. (Foto: Thomas Brenner)
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Februar 2017: Die „Dancing Column“ aus Seeberger Sandstein von Tony Cragg. (Foto: Charles Duprat)
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Dezember 2016: „Der Mops“ von Steve Seguin aus Udelfanger Sandstein. (Foto: Bernd Decker)
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November 2016: „Homme“ aus weißem Marmor von Alberto Giacometti. (Foto: Foto: Kunstmuseum Basel / Martin P. Bühler)
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Freisprechungsfeier 2016 in Wunsiedel

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Nach 3 Jahren intensiver Lehrzeit ist die Steinmetz-Ausbildung am Steinzentrum in Wunsiedel für 40 Auszubildende beendet. Im Zuge einer traditionellen Freisprechungsfeier werden die Lehrlinge von Vertretern des Europäischen Fortbildungszentrums (EFBZ) in die Gesellenpraxis entlassen. 

Bei der Freisprechungsfeier 2016 wurden 40 Auszubildende des Steinmetzhandwerks am Steinzentrum in Wunsiedel nach erfolgreicher Beendigung ihrer Abschlussprüfungen geehrt. Im Rahmen einer jahrtausende alten Tradition beorderte der Zeremonienmeister und Leiter des EFBZ Erwin Hornauer die angehenden Steinmetze und Steinbildhauer feierlich in den Gesellenstand. Bei der zunftgerechten Freisprechungsfeier erfahren die Lehrlinge symbolisch durch einen Schlag mit dem Richtscheit eine letzte Züchtigung ihres Meisters. Vor der endgültigen Entlassung muss jeder Geselle zwei schnelle und einen festen Probeschlag an einem Steinblock vorführen – diese spiegeln Eifer und Bedächtigkeit bei der Handwerksarbeit wider. Der Abschied der Lehrzeit endet mit der Übergabe der Gesellenbriefe und Zeugnisse. Dieser Ablauf ist das Ergebnis einer traditionsreichen Zunftgeschichte. Schon seit Jahrhunderten werden Steinmetz-Lehrlinge mit einem Eintrag in das Gesellenbuch der Zunft und der Übergabe des Gesellenbriefs vom Familienverband des Meisters freigesprochen.

Erwin Hornauer betonte während der Feierlichkeiten, wie wichtig eine kontinuierliche Weiterbildung für die jungen Gesellen sei. Zu diesem Zweck werde das Fortbildungszentrum auch zu einem Kompetenzzentrum für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk ausgebaut. Nach der geplanten Fertigstellung des Neubaus Ende diesen Jahres können sich Steinmetze und Steinbildhauer an einer Erweiterung des Bildungsangebotes und Spezialkursen, wie beispielsweise der Steinbearbeitung mit modernster CNC-Technik, erfreuen.