Dreifaltigkeit des Natursteins

Derzeit wir die Außenanlage der Königin-Luise-Gedächtniskirche – errichtet aus Weiberner Tuffstein, Mendiger Basaltlava und Hartheimer Muschelkalk – in Berlin saniert. Ab 2020 soll auch der Innenraum des 1912 geweihten Gotteshauses folgen.

 

Während die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (1895 eingeweiht) im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde und heute als Mahnmal ihre Wunden zeigt, blieb die Königin-Luise-Gedächtniskirche von Kriegszerstörungen verschont. Das mag auch an ihrem dezentralen Standort in Berlin-Schöneberg liegen.

Die Kirche entstand nach den Entwürfen des Berliner Architekten Fritz Berger und wurde 1912, zum 136. Geburtstag von Königin Luise von Preußen (1776–1810), geweiht. Berger baute eine damals im evangelisch-lutherischen Kirchenbau beliebten Zentralbau mit zahlreichen Jugendstilelementen. Die Außenhülle besteht aus großen Putzflächen, die durch farblich passende Natursteine ergänzt wurden. Der Architekt ließ sich dafür Weiberner Tuffstein, Mendiger Basaltlava und Hartheimer Muschelkalk liefern. Weiberner Tuffstein und Mendiger Basaltlava sind traditionell im rheinländischen Kirchenbau verwendete Steine und werden dort bereits seit der Römerzeit abgebaut und bis heute genutzt. Das romanische Kloster Maria Laach ist beispielsweise vor allem aus diesen beiden Steinen gebaut.

Wasser, Abgas und Efeu als Übeltäter

Der Innenraum der Berliner Saalkirche wurde 1962 umfassend renoviert, wobei die Wandmalereien übermalt wurden. Die rote Ziegeldeckung der Kuppel ist in den 1970er Jahren durch schwarze Zementziegel ersetzt worden. Mehr als 100 Jahre nach Fertigstellung der Kirche mussten jetzt Fassade und Dach saniert werden. Denn nicht nur durch die Abgase des benachbarten Gasometers gab es zahlreiche schwarze Ablagerungen auf der Fassade, sondern auch Schäden durch Efeubewuchs und eindringendes Wasser.

Die aktuellen Arbeiten umfassten „die Kupferabdeckungen im Traufbereich und an den Fenstern, die Bleiverwahrungen des Gurtgesimses und alle Natursteinbauteile aus Weiberner Tuffstein, Mendiger Basaltlava und Hartheimer Muschelkalk sowie die gesamten in Kammputz ausgeführten Putzflächen“, heißt es in der Sanierungsbeschreibung des Architekturbüros, das viele Kirchensanierungen auf seiner Projektliste führt. Außerdem mussten die bleiverglasten Fenster, die sieben Türen mit Zierblechbeschlägen, zwei Außenlaternen und das Stahlfachwerk der Kuppelkonstruktion instandgesetzt werden.

Lokale Durchfeuchtungen schädigten den Stein

Während die Natursteine im Sockel keine Veränderungen zeigten, waren sie unterhalb der Dachtraufe stark geschädigt – durch eindringendes Wasser und durch ungehinderten Fassadenbewuchs. „Dadurch kam es zu lokalen Durchfeuchtungen insbesondere im Traufbereich. Im Durchfeuchtungsbereich war der Stein weich und leicht abzulösen. Im geschützten Bereich hatte der Stein seine Festigkeit behalten“, sagt Katja Laudel, Architektur- und Bauhistorikerin des Berliner Architekturbüros „D:4“. Das Traufgesims wurde „im ausgewitterten Zustand belassen“, sagt Laudel. An großen Ausbruchbereichen wurden Vierungen hergestellt und bei scharfkantigen Ausbrüchen Steinersatz angetragen. Risse, die beispielsweise durch Frostsprengungen entstanden, wurden verpresst und vernadelt.
„Die Oberflächen der Natursteine wurden behutsam gesandstrahlt“, sagt Marcus Nitschke, Geschäftsführer des Berliner Architekturbüros D:4, das bereits 2012 ein Sanierungsgutachten für den – aufgrund von Kriegsverlusten – in Berlin heute relativ einzigartigen Kirchenbau vorlegte und die Kirche jetzt nach und nach saniert.

2016/17 konnte die Fassadensanierung abgeschlossen werden. 2018 wurde Schwamm im Dach beseitigt und die Dachkonstruktion für die neuen Dachsteine vorbereitet und verstärkt. Denn die neue Dacheindeckung wird schwerer als die ursprüngliche. 2019 soll die große Kuppel dann wieder mit roten Biberschwänzen gedeckt werden.
Mit der Neugestaltung der Außenanlagen wird das Projekt 2020 nicht beendet sein, denn auch der Innenraum soll saniert werden, vielleicht auch ein Café entstehen, sagt Marcus Nitschke. Allerdings gebe es für die Innenraumsanierung noch keine gesicherte Finanzierung.

Alle Fotos: Heinrich Hermes