24.01.2018

Technik

Sauberer Großbürger

von Boris Frohberg

An wenigen Orten in Deutschland wird antike Geschichte so plakativ inszeniert wie am Hermannsdenkmal. Die Kolossalstatue bei Detmold in Nordrhein-Westfalen erinnert an den Cheruskerfürsten Arminius (Hermann) und die Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. Zur Erhaltung des überdimensionalen Kriegerstandbilds aus dem 19. Jahrhundert waren nun umfangreiche Säuberungsarbeiten notwendig.

Die Waschung des Waldmeisters: Mit einer Wasserstrahlkur wurden Deutschlands größte Statue und ihr fulminanter Steinsockel ertüchtigt. Foto: Kärcher
Auch an den Bogenöffnungen kamen die chemiefreien Dampfstrahler mit einem Oberflächendruck von ca. 0,5 bar zum Einsatz. Foto: Kärcher
Das Sockelgestein vor (links) und nach der Reinigung. Eine nicht nur kosmetisch, sondern auch konservatorisch sinnvolle Aktion. Foto: Kärcher

Dampfstrahl- und Niederdruck-Partikelstrahlverfahren

Der kolossale Hermann wurde zwischen 1838 und 1875 erbaut und am 16. August 1875 eingeweiht. Die 26,57 Meter hohe Figur ist bis heute die größte Statue Deutschlands und steht auf einem beinahe gleich hohen Natursteinsockel aus Teutoburger-Wald-Sandstein von 26,89 Metern. Mit insgesamt knapp 53,5 Metern ist die Installation das Fünfthöchste der deutschen Nationaldenkmäler. Diese müssen im zeitlichen Kontext ihrer Entstehung verstanden werden. Sie sollten emotionalisieren und durch kollektives Gedächtnis Nationalgefühl stiften. Heute scheiden sich deshalb die Geister an ihnen. Neutral betrachtet sind sie Zeugen der Mentalität ihrer Entstehungszeit.

Wegen dieser kulturhistorischen Bedeutung wurden am Hermannsdenkmal während der letzten 140 Jahre regelmäßig denkmalpflegerische Maßnahmen durchgeführt. Da sich seitdem verschiedenartige Verschmutzungen auf der Steinoberfläche des Sockels abgelagert beziehungsweise ausgebildet hatten, bot die Firma Kärcher 2015 dem Landesverband Lippe an, das Denkmal im Rahmen ihres Kultursponsorings zu reinigen. Vorab wurde die Oberfläche der Bausubstanz umfangreich untersucht, um die optimale, schonendste Reinigungslösung für den Sockel festzulegen. Dies sowie die Projektbegleitung erfolgten durch den Landesverband Lippe unter Einbeziehung der zuständigen Denkmalbehörden.

Letztlich entschied man sich für die Reinigung des Sockels mittels Dampfstrahl- und Niederdruck-Partikelstrahlverfahren. Da es sich bei letzterem um eine abrasive Reinigungsmethode handelt, wurde hierfür eine denkmalrechtliche Erlaubnis eingeholt, die den Umfang der Arbeiten regelte.

Einen umfassenden Artikel zur Reinigung des Hermannsdenkmals lesen Sie in der aktuellen STEIN-Ausgabe 02/2018.

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