Schein aus Stein

Stein Magazin

Computergestützte Planung: Laaser Marmor sorgt für kühle Eleganz in der Lobby eines Londoner Hochhauses.

Wer den 172 Meter hohen Turm durch die spiegelnde Glasfront des südlichen Eingangs betritt, wird möglicherweise kurz stutzen und sich fragen, ob das hier nicht doch eine Kathedrale oder gar ein moderner Palast ist. Denn der gesamte Eingangs- und Aufzugsbereich scheint aus einem großen Marmormonolithen geschlagen zu sein: Der glänzend weiße Stein ist von einer ungebrochenen Venierung durchzogen, die den Eindruck vermittelt, der Gebäudekern bestünde aus einem massiven Steinblock. Erst beim zweiten Blick sieht man, dass der gesamte Eingangsbereich bis unter die acht Meter hohen Decken sowie der Empfangstresen mit großformatigen Platten ausgekleidet sind.

Wahrlich ein beeindruckendes Projekt, das in seiner minimalistischen Einfachheit erahnen lässt, welch minutiöse Planung und passgenaue Ausführung hier nötig gewesen sind, um diese cleane Eleganz zu erzeugen. 100 Bishopsgate wurde von Brookfield Multiplex, einem Zusammenschluss der in New York ansässigen internationalen Immobilienfirma Brookfield und der australischen Baufirma Multiplex, als Bauträger beauftragt, und das Londoner Architekturbüro Allies und Morrison übernahm die Planung des Komplexes. Brookfield hatte bereits Erfahrung mit italienischem Marmor gesammelt: Mit dem in Carrara ansässigen Unternehmen Euromarble hatte das Unternehmen einige Projekte in Australien realisiert. Euromarble empfahl nun den strahlend weißen Stein, der im Südtiroler Weißwasserbruch bei Laas im Vinschgau, etwa 20 Kilometer westlich von Meran, abgebaut wird. Die Stollen des Bruchs reichen teils 100 Meter tief in den Berg hinein und münden in Hallen von kathedralenhaften Ausmaßen. Kurt Ratschiller, Produktmanager bei Lasa Marmo, erzählt lächelnd, wie das angereiste Architektenteam hier beeindruckt vor einer solchen Marmorwand stand. Beim Anblick der Wand entstand der Wunsch, diese am Stück aus dem Berg zu schneiden und in der großzügigen Lobby des Bürogebäudes aufzustellen. Damit sei das erste digital gesteuerte Projekt für Lasa Marmo geboren gewesen.

Zwar war es nicht möglich, eine Steinscheibe mit einer Fläche von acht auf 30 Metern zu versetzen, doch die Grundidee blieb und konnte in enger Zusammenarbeit mit Euromarble realisiert werden. Denn der Clou liegt hier in zwei innovativen Techniken: Lasa Marmo scannt jeden Gesteinsrohling, der aus dem Bruch in das hauseigene Werk gelangt, mit einem Hochleistungsscanner. Die individuelle Farbgebung und Venierung können so katalogisiert werden. Euromarble beteiligte sich mit der Technik des „digital dry lay“: Mithilfe eines Computertools schneiden die Planer bequem im Büro die Scans virtuell zu und stellen somit für jeden Bedarf Verlege- und entsprechende Schnittmuster zusammen.

Lesen Sie mehr in der STEIN 8/2020.

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Gestaltungswettbewerb Grabzeichen

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Der Landesinnungsverband Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Baden-Württemberg führt seit 1965 jährlich den Gestaltungswettbewerb „Grabzeichen“ durch. Seit knapp 20 Jahren wird der Wettbewerb auch bundesweit ausgeschrieben. Die nächste Einreichungsrunde endet im Februar 2017.

Steinmetze aus ganz Deutschland können sich mit ihren Arbeiten bewerben. Die Jury legt dabei besonderen Wert auf die gestalterische Qualität der Grabzeichen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die eingereichten Arbeiten bereits auf einem Friedhof stehen müssen. Am Ende des Wettbewerbs darf sich der Gewinner über ein Preisgeld bis in Höhe von 1.000 Euro freuen. Ziel des Wettbewerbs ist es, innovative Arbeiten zu fördern und die zeitgenössische Bestattungskultur zu stärken.

Erfahren Sie mehr über den Gestaltungswettbewerb und reichen Sie Ihre Arbeiten noch bis zum 28. Februar 2017 ein.

Grabpflege muss man sich leisten können. Das Problem betrifft nicht nur viele zeitgenössische Normalsterbliche, auch für die anstehende Ertüchtigung des Florentiner Grabmals von Michelangelo fehlen derzeit die Mittel. Daher lief ursprünglich bis zum 30. Oktober 2017 eine Spendenaktion der zuständigen gemeinnützigen Organisation Opera di Santa Croce. Weil der notwendige Betrag leider noch nicht zusammengekommen ist, wurde die Kampagne aktuell verlängert, die Arbeiten am Grabmonument und dem dazugehörigen Altar sollen baldmöglichst beginnen.

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Er hat schon bessere Zeiten gesehen: Die Grablege Michelangelos und seiner Familie muss dringend gesäubert und restauriert werden. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Doppelter Andachtsort: Links der Familienaltar der Buonarroti, rechts das Grabmal. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Vor dem Sarkophag aus Breccia di Seravezza (auch Breccia Medicea genannt) trauern die personifizierten Künste Bildhauerei, Architektur und Malerei um Michelangelo. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Die Nahaufnahme zeigt: Die Skulpturen aus Bianco di Carrara müssen dringend gesäubert werden. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Erst 2016 entdeckt: Am linken Bildrand etwa auf halber Höhe hat Vasari den verstorbenen Michelangelo als Pharisäer Nikodemus im Altargemälde versteckt. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Seit der Überschwemmung von Florenz 1966 weist das Gemälde des Familienaltars der Buonarroti gravierende Schäden auf, dazu kommen die Ablagerungen der Jahrhunderte. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Vormals Weiß trifft Purpur – Carrara-Marmor und Breccia di Seravezza am Grab Michelangelos und der Seinen. Noch bis 30. Oktober kann für die Restaurierung gespendet werden. (Foto: Opera di Santa Croce)

Es steht nicht gut um das Familiengrab der Buonarroti. Zusammen mit 66 Verwandten ruht Michelangelo in der Basilika Santa Croce zu Florenz, das Andenken an den berühmtesten Sohn des Geschlechts steht im Fokus des Grablege-Ensembles bestehend aus steinernem Monument und angrenzendem Altar. Für die dringenden erhaltenden Maßnahmen werden insgesamt 100.000 Euro benötigt, 15.000 stehen bis dato noch aus.

„Die Skulpturen aus Carrara-Marmor wurden zum letzten Mal vor 22 Jahren gesäubert und haben seither wieder viele Ablagerungen angesetzt“, erklärt Paola Vojnovic, zuständig für die Spendenaktion #InTheNameOfMichelangelo bei Opera di Santa Croce. „Aufgrund der porösen Struktur des Steins können diese eindringen und ihn zerbröseln lassen.“ Eine Säuberung des Ensembles, das im Zentrum eine Büste des Meisters aus Bianco di Carrara auf einem Sarkophag aus purpurner Breccia di Seravezza zeigt, vor dem weiße Carrara-Marmor-Allegorien seiner drei Künste Bildhauerei, Architektur und Malerei trauern, ist unbedingt sinnvoll.

Direkt links neben dem Grabmal, 1570 von Michelangelos Freund Giorgio Vasari entworfen, findet sich der Familienaltar der Buonarroti mit einem Altargemälde, geschaffen vom selben Künstler. Hier reichen die Schäden weiter – und das seit vielen Jahren. Das Bild (Öl auf Pappelholz, 1572) wurde durch die große Überschwemmung in Florenz 1966 stark beschädigt. Weil der gesamte Reparaturbedarf in der Stadt immens war, wurde das Gemälde damals nur notdürftig gesichert. Zudem ist es durch Staub und Schmutzablagerungen der Jahrhunderte stark eingedunkelt. So entdeckte man erst kürzlich eine Darstellung Michelangelos in der Figurenkomposition, der zu seiner eigenen letzten Ruhestätte hinüberblickt. Säuberungs- und Sicherungsarbeiten sind dringend durchzuführen.

Für das Projekt werden noch 15.000 Euro benötigt, spenden kann man online über den Donate-Button auf http://santacroceopera.it/michelangelo/. Auch Kleinbeträge helfen, wie Paola Vojnovic unterstreicht: „Wir freuen uns über jeden, der vielleicht auch nur 25 oder 50 Euro beisteuert.“ Alle Spender werden übrigens ebenfalls in Santa Croce verewigt: In einem Buch der Spender im Archiv dieser Basilica minor. Für größere Zuwendungen von Privatpersonen oder Firmen (5.000, 10.000 oder gar 15.000 Euro) sind noch speziellere Ehrungen vorgesehen, wie z. B. eine Plakette am Eingang des Gotteshauses.

 

Zu Carrara-Marmor, aus dem Michelangelo zu Lebzeiten herausragende Kunstwerke schuf und welchen auch Vasari für das Grabmal des Meisters heranzog, lesen Sie übrigens mehr in STEIN 11/17 in Teil 3 unserer Serie „Italiens Klassiker“.