Skulptur des Monats: Diabas-Spiegel

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Juni 2015: Handgefertigter Spiegel mit Diabas-Rahmen von Christof Göppner. (Foto: Künstler)

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ sollte hier wohl eher heißen „Bist du der Schönste im ganzen Land?“ Unsere Skulptur des Monats Juni 2015 ist ein Spiegel mit Natursteinrahmen. Der Rahmen besteht aus Diabas und ist aus einem Stück gearbeitet. Er hat die Maße 50*65*6,5 Zentimeter und ist ein sogenanntes „Upcycling-Produkt“. Denn er ist aus einem alten Grabstein und einem Spiegel vom Sperrmüll entstanden. Aus Abfallprodukten wird etwas hochwertiges Neues hergestellt – nachhaltiger gehts nicht!

Der Steinmetz und -bildhauermeister Christof Göppner aus Hitzacker wollte etwas Schönes und gleichzeitig Nützliches aus Altem schaffen. „Da man als Steinmetz heute nach Alternativen suchen muss zum klassischen Grabsteingeschäft, ist mir diese Idee gekommen“, erzählt er. Stichwort Wandel der Bestattungskultur. Anstatt die Veränderung zu beklagen, dachte Göppner nach und ging ans Werk. Innovativ, kreativ und nachhaltig!

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Der Steinmetz und -bildhauer Christof Göppner wollte mal etwas Anderes produzieren - auch aufgrund des Wandels des Berufsfeldes des Steinmetzhandwerkes.

Gerade beim Thema Müllproduktion und  -entsorgung sind ökologischere Lösungen gefragt. Denn in Deutschland wandert schnell mal etwas in den Müll, was da vielleicht (noch) gar nicht hingehört. 2012 lag laut Statistischem Bundesamt (Destatis) Deutschland jährlich mit 611 Kilogramm Müll pro Einwohner auf dem 4. Platz der Länder in der EU, deren Bürger am meisten Müll produzieren. Das ist nicht nur in Anbetracht des Klimawandels oder der wachsenden Armut erschütternd. Warum also nicht wiederverwerten und gleichzeitig verschönern? Der Begriff „Upcycling“ wurde erstmals 1994 in der britischen Zeitschrift Salvo erwähnt. Der Ingenieur Reiner Pilz setzte sich dort für eine Herstellung hochwertiger Produkte aus Müll ein. In reicheren Ländern wird dieses Prinzip der Wiederverwertung seltener umgesetzt. Gang und gäbe ist es in Entwicklungsländern. Aus dem, was da ist, wird etwas gemacht – beispielsweise Flip-Flops aus Autoreifen.

Mit dem Diabas-Spiegel schuf Christof Göppner nicht nur einen ansprechenden Einrichtungsgegenstand, sondern er macht Mut, Neues zu probieren, und trägt dabei vielleicht sogar dazu bei, ein Umdenken in der Wegwerfgesellschaft anzuregen. In seiner kleinen 1-Mann-Garagenwerkstatt arbeitet er alles von Hand. Den Spiegel setzte er von hinten in den Stein ein. Der Halbstab wurde gestelzt, die Blätter sind poliert. Ein schönes Beispiel für zeitgenössische Handwerkskunst.

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Nach seiner Gesellenprüfung 2002 begab sich der junge Steinmetz bis 2005 auf Wanderschaft in der Gesellschaft freier Vogtländer Deutschland. 2011 bestand er seine Meisterprüfung in Dortmund. Heute bietet er in seinem Betrieb Grabmale, Wappen, Brunnen, Kunstobjekte und vieles mehr an.