Skulptur des Monats: Letzter Herzschlag

Stein Magazin

März 2016: Die Skulptur “Letzter Herzschlag” aus Portokalk von Julia Dietrich auf dem Friedhof in Lauterhofen. (Foto: Künstlerin)

Am Ende des Lebens steht das Entweichen der Seele aus dem Körper in die Ewigkeit. Diesen Moment sehe der evangelische Pfarrer der Gemeinde Lauterhofen Helmut Gerstner in der Skulptur, die heute das Herz der neu eröffneten Urnengemeinschaftsanlage auf dem Lauterhofner Friedhof bildet. Den Übergang vom Leben in den Tod irgendwie fassbar zu machen, ist in Worten kaum möglich. Unsere Skulptur des Monats März 2016 steht für eine konstruktive Auseinandersetzung mit der menschlichen Endlichkeit, ein Begleiten in der Trauer und ein Erspüren der Fragen nach einer nicht greifbaren Nachwelt.

Bestattungskultur heute geht häufig einher mit anonymen, pflegeleichten Urnengrabanlagen. Zwar gibt es auch den Trend hin zu individuellen Grabzeichen, aber mit dem Wandel auf dem Friedhof ist nicht zu leugnen, dass sich das Betätigungsfeld von Steinmetzen grundlegend ändert. Das ist nichts Neues. Spannend sind die unterschiedlichen Weisen, wie auf diese kulturellen Entwicklungsprozesse reagiert wird. Es gibt viele positive Beispiele, wie Steinmetze ihr Können bei neuen Konzepten für den Friedhof einbringen. Sie resignieren nicht, sie reagieren, konzipieren und realisieren.

Julia Dietrich ist eine Frau der Tat. Die Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin aus Reitelshofen in der Oberpfalz, derzeit wohnhaft in München, sieht im Wandel nicht nur den Einbruch des Marktes für Grabsteine, sondern eine Chance an der Mitgestaltung des Friedhofs der Zukunft. Der zeitgemäße Friedhof ist für sie ein Ort, der der Trauerbewältigung Raum gibt, aber auch die vielfältige Kultur unserer Zeit widerspiegelt – und das nicht im pessimistischen Sinne. Kultur gehört gepflegt! Für die Gestalterin sollte mit der Urnengemeinschaftsanlage in Lauterhofen ein wertiger Platz entstehen – keine 0815-Urnenwände. Jeder Friedhofsbesucher könne hier eine individuelle Verbindung zum Gedenkort herstellen.

Die Anlage besteht aus einem spiralförmigen Beet – ein Symbol für den Lebensweg auf Erden. Am Ende des Weges steht zentral die Skulptur aus Kalkstein. Graphisch mit einer EKG-Linie zu vergleichen, die im Leben pulsiert und im Tod ruht, baut sie sich rhythmisch von unten nach oben auf. Die letzten Ausschläge der Herzfrequenz kommen schließlich Richtung Himmel zur Ruhe. Die Irrungen und Wirrungen des Lebens laufen zu Klarheit und völliger Einheit mit Gott oder der Natur oder eben dem, was jeder sich unter dem Jenseits vorstellen mag.

Das Konzept entwickelte Dietrich in Ungewissheit, ob es überhaupt zur Realisation kommen würde. Sie schlug der Gemeinde, die Bedarf an neuen Urnengrabplätzen hatte, vor, im Rahmen ihrer Abschlussarbeit einen Gestaltungsplan zu konzipieren. Der Plan wurde vom Gemeinderat begutachtet und schließlich angenommen. Geplant, getan. Bei der Bearbeitung ihres Meisterstückes aus Portokalk näherte sie sich zuerst der Form an, indem sie von jeder der vier Seiten  mithilfe einer Flex, eines Presslufthammers und Spitz- und Zahneisen den Bossen abnahm. Dann wurde die Skulptur aufgestellt. Julia Dietrich zog im Stehen die Fläche zusammen (Zahneisen, Schleifsteine, Feilen) und nahm zum Schluss noch überschüssiges Material ab.

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Die Steinmetz- und Bildhauermeisterin Julia Dietrich aus der Oberpfalz schloss 2015 ihre Ausbildung in München ab. Sie stellt u.a. ihre Arbeit „Unmöglich“ auf der Landesgartenschau Bayreuth 2016 im Rahmen des Lebenssteine-Wettbewerbs aus. Foto: Julia Dietrich

Heute steht ihr Meisterstück auf dem Friedhof – auf dem Platz, auf dem es auch stehen sollte. Das war Julia Dietrich von Anfang an klar. Erst als die Skulptur an den Ort ihrer Bestimmung transferiert wurde, war die Künstlerin mit ihrer Arbeit und deren Wirkung zufrieden. „Ich stecke sehr viel Herzblut in meine Projekte, immer mit der Gefahr von mir selbst enttäuscht zu sein“, sagt sie. „An solche Aufgaben ist ein langer Prozess geknüpft, in dem ich sehr viel über mich, meine Arbeit und mein Können lernen kann – das ist unbezahlbar! An das muss ich auch denken, wenn ich mein Meisterstück nun dort stehen sehe.“

Ihr Beitrag zur Friedhofskultur zeigt eine gangbare Zukunft für das Steinmetzhandwerk auf. Gute handwerkliche Ausführung und Qualität sollten im Vordergrund stehen. Verkauf von Billigprodukten aus anderen Ländern ist für Dietrich keine Option. „Wir verlieren doch dadurch unser Gesicht, oder? Und verraten uns eigentlich selbst als Handwerker und vor allem als Mensch“, betont Dietrich ihre Überzeugungen. Die jugendliche Kraft ihrer Worte und Taten spiegelt sich in ihrer Arbeit wider. Und gerade das ist auf dem Friedhof von heute nicht fehl am Platz, sondern wichtig: Lebensfreude und Offenheit für Neues! Denn mit dem Tod ist nicht nur die Trauer um Verstorbene verbunden, sondern auch die Feier ihres Lebens und des Lebens und seinen Ausprägungen im Allgemeinen.

Erfahren Sie hier mehr zur Künstlerin. Unser Geheimtipp: Am 16. April 2016 können Sie sich im Bayerischen Fernsehen in der Dokumentarfilmreihe “Zwischen Spessart und Karwendel” ein genaueres Bild von Julia Dietrich und ihrer Arbeit machen.

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Einen Meilenstein weiter

Stein Magazin

Die überbetriebliche Ausbildungsstätte für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk in Ingolstadt hat gemeinsam mit der Berufsschule in München seinen Lehrlingen eine besondere Aufgabe gestellt: einen persönlichen Meilenstein entwerfen. Das Projekt wurde vom Landesinnungsverband ins Leben gerufen.

Lehrlinge Steinmetzausildung
Die Lehrlinge mit ihren selbst entworfenen und in Stein gehauenen Meilensteinen. (Foto: Herr Großmann)
Belobigung_RebeccaKnapp
Dieter Krause, Alfred Herklotz und Georg Rimpfl bei der Belobigung von Rebecca Knapp (v. l. n. r.). (Foto: Herr Großmann)
Meilensteine Steinmetzausbildung
Nach der Präsentation konnten alle Meilensteine besichtigt werden. (Foto: Herr Großmann)

Das Bildungszentrum Ingolstadt

 

Die Lehrlinge des Steinmetzhandwerks der Berufsschule München erhalten im zweiten Ausbildungsjahr die Aufgabe, einen Meilenstein zu entwerfen, den sie anschließend im Bildungszentrum Ingolstadt in Naturstein hauen. Am 16. Mai 2017 war es nun so weit: Die fertiggestellten Meilensteine wurden den Lehrlingen, ihren Betrieben, Ehrenamtsträgern sowie den Berufsschulvertretern präsentiert.
Nachdem Dieter Krause, Leiter des Bildungszentrums, und Hans Seger, Schulleiter der Berufsschule für das Bau- und Kunsthandwerk München, alle Teilnehmer begrüßt haben, stellten Georg Rimpfl und Florian Peter die Bedeutung des Projekts für die Berufsschule und das Bildungszentrum Ingolstadt vor. Der Lehrlingswart, Alfred Herklotz, würdigte die Arbeiten und ermutigte die Lehrlinge zur bevorstehenden Gesellenprüfung.

Die Lehrlinge stellten ihre Projekte vor und erläuterten ihr Vorgehen beim Erstellen der Meilensteine sowie den Ablauf des Projekts. Rebecca Knapp und Moas Scharifi gingen zudem genauer auf die Schwierigkeiten während der Arbeiten ein. Abschließend wurden die Meilensteine von Rebecca Knapp, Matthias Braun, Emilio Kunze-Sanzana und Tassilo Pöllath durch Georg Rimpfl sowie Alfred Heuklotz belobigt. Die Ausstellung konnte im Anschluss begutachtet werden.

Das Bildungszentrum Ingolstadt der Handwerkskammer für München und Oberbayern bietet mit seiner Außenstelle in Freising seit über 30 Jahren überbetriebliche Lehrlingsunterweisung im Handwerk sowie Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Klein- und Mittelständische Unternehmen. Hierfür stehen den Teilnehmern bis zu 39 Praxisräumen und Werkstätten zur Verfügung.

Der Winter naht und auf vielen Außenbaustellen kehrt langsam Ruhe ein. Um die Wartezeit auf das frische Grün im Frühling zu überbrücken, hat Besco Berliner Steincontor einige Best-ofs von Außenanlagen und Fußgängerzonen zusammengestellt.

Ueberlingen - Buchinger Wilhelmi._web
Überlingen – Buchinger Wilhelmi. Foto: Besco Berliner Steincontor
Landesgartenschau Aschersleben (3)
Brunnenanlage bei der Gartenschau Aschersleben 2010. Foto: Besco Berliner Steincontor
Stuttgart Killesberg (1)
Stuttgart, Killesberg – Grüne Fuge – in Kooperation mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten und Pfrommer + Roeder. Foto: Besco Berliner Steincontor
Wasserlauf Fußgängerzone in Wiesbaden_web
Fußgängerzone in Wiesbaden – in Kooperation mit ST raum a. Landschaftsarchitektur. Foto: Besco Berliner Steincontor

Neue Broschüren online

Vor über 15 Jahren machten sich Ulrich Klösser, Frank Dickmann und Florian Geyer auf, um das reiche Natursteinangebot Asiens und später auch Europas für europäische Bauprojekte verfügbar zu machen. Entwickelt wurde das Markenprodukt Belgrano-Naturstein, das nach strengen Vorgaben fair und sozial verträglich gefertigt und regelmäßig kontrolliert wird. Inzwischen wurden zahlreiche Natursteinprojekte in Deutschland, Österreich, Luxemburg, Schottland und dem Mittleren Osten durchgeführt. Dazu gehören Fußgängerzonen, Stadt- und Marktplätze, Innenstädte, Bahnhöfe, Gartenschauen, Fassaden und Innenböden, wo Natursteine nachhaltig eingesetzt wurden. In einer interaktiven Broschüre hat Besco seine besten Natursteinprojekte im Bereich Gartenschauen, Parkanlagen und Promenaden zusammengestellt (zugänglich nach Registrierung): www.besco-gmbh.de/broschuere

Die Neugestaltung von Fußgängerzonen stellt Städte und Gemeinden oft vor große Herausforderungen, die es zu meistern gilt. „Aufgrund der hohen Kosten und erheblichen Einschränkungen für die Bürger und Gewerbetreibenden beim Bau, überwiegen ganz klar die Vorteile von Naturstein bei der Wahl des Bodenbelages“, heißt es in der Presseerklärung von Besco. Daher hat der Berliner Steincontor eine weitere Broschüre herausgegeben, in der realisierte Fußgängerzonen mit ihren unterschiedlichen Farben, Formen und Gesteinen dargestellt werden. Dabei sind Städte wie Binz, Bayreuth, Fuschl am See, Hamburg, Lübeck, Luxemburg, Rostock, Wiesbaden, Wuppertal und Würzburg, die Zusammenstellung kann auch ohne Anmeldung betrachtet werden:

www.besco-gmbh.de/belgrano-fussgangerzonen

In beiden Broschüren sind jeweils die allgemeinen Angaben zum Projekt, die Architekten, die Aufgabe und die Art des Natursteins angeführt.

Info: Belgrano-Natursteine stammen überwiegend aus Europa und Asien, wo sie nach strengen Vorgaben gefertigt werden. Besco ist Partner von “Win=Win Fair Stone” für die sozial und umweltverträgliche Produktion von Natursteinen aus Asien. Die zertifizierten Produktionsstätten werden regelmäßig von unabhängigen Auditoren (z. B. TÜV Rheinland) kontrolliert.

www.besco-gmbh.de