Skulptur des Monats: Schale aus Auerkalk

Stein Magazin

Irgendwie leicht wirkt die doch sehr voluminöse Schale aus Auerkalk. Sie erinnert an Wolken, an Wind, an den Himmel. Der schwere Stein zieht diese Leichtigkeit wieder zurück auf den Boden. Mineralien, Felsen, Korallen kann man assozieren. Gegensätze und Spannungsverhältnisse wie hier die organische Form in hartem Stein bestimmen die Abeiten der Steinmetz- und -bildhauermeisterin Katja Stelljes. Ihre Schale aus hellgrauem Auerkalk ist unsere Skulptur des Monats Juli 2015.

Mit der Gesamtform im Auge beginnt Katja Stelljes ihre Arbeit und arbeitet diese grob heraus – mit Pressluft oder einer Flex. “Und dann schaue ich, was passiert, was für Strukturen der Stein hat und wie ich mit ihnen umgehen kann”, erklärt die Kunsthandwerkerin. “Ich benutze heimische Steine, die eine spannende Struktur haben und starke Unregelmäßigkeiten enthalten können: Löcher, Einschlüsse oder Ähnliches. Dadurch bekommt der Naturstein an sich einen großen Stellenwert in meiner Arbeit.” So könne sie das Wesen des Steines in ihre Arbeit integrieren.

Die Schale aus Auerkalk mit den Maßen 80 x 80 x 40 cm ist eine aus einer Serie von Schalen, die Stelljes entworfen hat. Bevor sie sich mit diesen Arbeiten beschäftigte, fertigte sie eine Reihe von Schalen aus alten Grabsteinen – eine konzeptionelle Arbeit, bei der sie die Form sehr technisch umsetzte. Dabei wuchs die Lust auf eine bildhauerische Arbeit: An- und abschwellende weiche Formen traten vor ihr inneres Auge. Als Handwerkerin haut sie aus dem Stein, was daraus werden soll. Ganz rational. Als Bildhauerin spürt sie der Geschichte jedes Steines nach. “Der Stein braucht uns nicht, er hat eine Geschichte, die alles, was wir erleben können, in den Schatten stellt. Mich durch die Bearbeitung damit zu verbinden, ist eine grandiose Möglichkeit”, beschreibt sie ihre Beziehung zum Stein. “Das Material macht einem die Bearbeitung nicht leicht. Dieses Kämpfen mit den eigenen Grenzen und deren Überwindung ist etwas unglaublich Befriedigendes.” Ihre Kommunikation mit dem Stein intensiviert sich im Arbeitsprozess, dann wird es still, die Skulptur ist fertig. “Ich stehe manchmal vor diesen Arbeiten, sie sind wie Kinder, die groß geworden sind und ihr eigenes Leben führen.”

Mit ihrem Kind in Wolkengewand gewann Stelljes 2011 den Bremer Förderpreis für Angewandte Kunst. Die Jury würdigte die ästhetischen Qualitäten der Skulptur: “Vor allem die Seitenansichten bieten immer neue, stets in sich schlüssige Kompositionen, deren einzelne Elemente haptisch und optisch an aufeinander gelegte, im Fluss gewaschene Kieselsteine erinnern.” Wir wollen hier auch ihre emotionalen und ökologischen Werte würdigen: Heimischen Auerkalk wählte Stelljes nicht zufällig. Stein ist auch Heimat und Identität. Seine Geschichte ist Bestandteil einer jeden Skulptur, das ist Stelljes sehr wichtig. Und das macht ihre Arbeiten auch so interessant, sie haben eine “Seele”. Gleichzeitig werden natürlich beim Transport weite Wege vermieden und Kinderarbeit im Steinbruch ist ausgeschlossen. Das ist der andere bedeutende Aspekt, der die Arbeit mit regionalen Steinen so wichtig macht.

Erfahren Sie hier mehr zur Künstlerin.

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Das „steinerne Meer“ zwischen Öland und Gotland

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Skandinavien ist bekannt für seine Hartgesteine. Darum führt die Stein-Reise des Geokompetenzzentrum Freiberg in diesem Jahr nach Süd-Schweden – und auch in der STEIN wird es im Sommer eine Strecke zum Thema Skandinavien geben.

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Bei der Exkursion werden unter anderem Steinbrüche besucht. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.
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Abbau von Braennhult-Granit. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.
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Arbeit im Steinbruch Sjöström. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.

Schwedisch Schwarz

Die sechstägige Exkursion hat sich als feste Größe im jährlichen Exkursionskalender für die Steinmetzbranche etabliert. Wie in jedem Jahr bekommen Fachinteressierte einen Überblick über Natursteinvorkommen, -abbau und -referenzen des Landes. Besucht werden Firmen, Steinbrüche, Orte und Objekte in Kristianstad, Vanga, Borgholm (Öland), Gotland und Malmö.

Hilke Domsch vom Geokompetenzzentrum Freiberg erklärt: „In Südschweden gibt es Granite wie Bjärlöv, Bohus oder Flivik, Gneise wie Halmstad oder Vanga und natürlich die als ‚schwedisch Schwarz‘ bekannten Basalte. Etwas unbekannter und dabei traditionell sehr verankert sind die Kalksteine von den Ostseeinseln Öland und Gotland und auch Marmor wie der grüne Brännlykan.“

Auf Öland wird die Firma Naturstenkompaniet besucht – sie gewinnt und verarbeitet den Ölandkalkstein. Unter den Orten sticht die Ostseeinsel Gotland hervor, so Hilke Domsch: „Der Gotland-Kalkstein ist ein wunderschöner heller und harter Kalkstein mit einer einzigartigen Textur. In Verbindung mit der Geschichte der Hanse wird dies ein Highlight der Reise.“

Reiseinformationen

Die Exkursion findet vom 30. April bis 6. Mai 2018 statt – auf Wunsch kann der Reisezeitraum verkürzt werden. Anmeldeschluss ist der 28. März 2018.

Hier finden Sie den interaktiven Informations- und Anmeldeflyer zum Ausfüllen und Versenden.

Europäische Steinestapler starten eine Ausstellung

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Steinestapler Jonathon Kitching nutzt auch angespültes Treibgut für seine Skulptur. Foto: Laurence Winram

Im schottischen Dunbar stapelten Künstler im April Steine bei einem Festival zu kunstvollen Skulpturen. Im Mai geben sie ihr Können an Interessierte weiter.

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Steinestapler Jonathon Kitching nutzt auch angespültes Treibgut für seine Skulptur. Foto: Laurence Winram
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James Craig Page (Mitte links), Veranstalter des Festivals, mit der Jury. Foto: Laurence Winram
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Ein Teil der Gewinner-Skulptur von Pedro Duran. Foto: Laurence Winram
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Die Steinestapler überlegen gemeinsam, wie sie ihre Kunstform bekannter machen können. Foto: Laurence Winram
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Teil der Ausstellung in Summer Hall. Foto: Laurence Winram

Steinestapler stellen gemeinsam mit Land-Art-Künstlern aus

Steine sind ein tolles Baumaterial – nicht nur für Treppen, Säulen und Co., sondern auch für gestapelte Kunstwerke am Strand. Das zeigen die Ergebnisse des 2. Europäischen Wettbewerbs der Steinestapler, der Ende April für zwei Tage in Dunbar in Schottland stattgefunden hat. 30 Künstler haben angespülte Kiesel und größere Steine aus der Natur mit ruhiger Hand kunstvoll auf Felsen und Sand gestapelt und sich in den Kategorien “Die meisten Steine ausbalanciert”, “Juniormeisterschaft”, “künstlerischer Gewinner” und “Stapeln gegen die Zeit” gemessen. Der Gesamtgewinner ist – wie bereits im letzten Jahr – Pedro Duran aus Spanien. Er bekommt einen finanziellen Zuschuss für seinen Flug nach Texas, wo 2019 der weltweite Wettbewerb in Llano stattfindet.

Die Kunst besteht beim Steinestapeln darin, die Schwerkraft für sich zu nutzen, denn sie ist das einzige, was die Skulpturen zusammenhält. Versierte Künstler bauen zum Beispiel komplette Torbögen ohne eine einzige Kelle Mörtel. Seriöse Stapler verändern die natürliche Umgebung oder gar historisch bedeutende Stätten dabei nicht – beides sind Kritikpunkte von Naturschützern. Sie stapeln besonders gern an Stränden, Flüssen und Seen, weil sie dort häufig besonders schöne Steine finden. 
Noch ist die Steinestapler-Szene eher klein und familiär – und sie könnte ein bisschen mehr öffentliche Aufmerksamkeit gebrauchen. Um die mediative Kunst in Europa noch bekannter machen, stellen deshalb bis 28. Mai bekannte Steine-Stapler, Land-Art-Künstler und Maler gemeinsam in der Summerhall Gallery in Edinburgh aus und geben an allen Mai-Wochenenden Workshops.