Skulptur des Monats: Schale aus Auerkalk

Schale von Katja Stelljes
Harter Stein mit weicher Form: eine Schale aus heimischem Auerkalk von Katja Stelljes. Foto: Stefan Schmidbauer

Irgendwie leicht wirkt die doch sehr voluminöse Schale aus Auerkalk. Sie erinnert an Wolken, an Wind, an den Himmel. Der schwere Stein zieht diese Leichtigkeit wieder zurück auf den Boden. Mineralien, Felsen, Korallen kann man assozieren. Gegensätze und Spannungsverhältnisse wie hier die organische Form in hartem Stein bestimmen die Abeiten der Steinmetz- und -bildhauermeisterin Katja Stelljes. Ihre Schale aus hellgrauem Auerkalk ist unsere Skulptur des Monats Juli 2015.

Mit der Gesamtform im Auge beginnt Katja Stelljes ihre Arbeit und arbeitet diese grob heraus – mit Pressluft oder einer Flex. „Und dann schaue ich, was passiert, was für Strukturen der Stein hat und wie ich mit ihnen umgehen kann“, erklärt die Kunsthandwerkerin. „Ich benutze heimische Steine, die eine spannende Struktur haben und starke Unregelmäßigkeiten enthalten können: Löcher, Einschlüsse oder Ähnliches. Dadurch bekommt der Naturstein an sich einen großen Stellenwert in meiner Arbeit.“ So könne sie das Wesen des Steines in ihre Arbeit integrieren.

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Juli 2015: Schale aus Auerkalk von Katja Stelljes. (Foto: Stefan Schmiedbauer)

Die Schale aus Auerkalk mit den Maßen 80 x 80 x 40 cm ist eine aus einer Serie von Schalen, die Stelljes entworfen hat. Bevor sie sich mit diesen Arbeiten beschäftigte, fertigte sie eine Reihe von Schalen aus alten Grabsteinen – eine konzeptionelle Arbeit, bei der sie die Form sehr technisch umsetzte. Dabei wuchs die Lust auf eine bildhauerische Arbeit: An- und abschwellende weiche Formen traten vor ihr inneres Auge. Als Handwerkerin haut sie aus dem Stein, was daraus werden soll. Ganz rational. Als Bildhauerin spürt sie der Geschichte jedes Steines nach. „Der Stein braucht uns nicht, er hat eine Geschichte, die alles, was wir erleben können, in den Schatten stellt. Mich durch die Bearbeitung damit zu verbinden, ist eine grandiose Möglichkeit“, beschreibt sie ihre Beziehung zum Stein. „Das Material macht einem die Bearbeitung nicht leicht. Dieses Kämpfen mit den eigenen Grenzen und deren Überwindung ist etwas unglaublich Befriedigendes.“ Ihre Kommunikation mit dem Stein intensiviert sich im Arbeitsprozess, dann wird es still, die Skulptur ist fertig. „Ich stehe manchmal vor diesen Arbeiten, sie sind wie Kinder, die groß geworden sind und ihr eigenes Leben führen.“

Mit ihrem Kind in Wolkengewand gewann Stelljes 2011 den Bremer Förderpreis für Angewandte Kunst. Die Jury würdigte die ästhetischen Qualitäten der Skulptur: „Vor allem die Seitenansichten bieten immer neue, stets in sich schlüssige Kompositionen, deren einzelne Elemente haptisch und optisch an aufeinander gelegte, im Fluss gewaschene Kieselsteine erinnern.“ Wir wollen hier auch ihre emotionalen und ökologischen Werte würdigen: Heimischen Auerkalk wählte Stelljes nicht zufällig. Stein ist auch Heimat und Identität. Seine Geschichte ist Bestandteil einer jeden Skulptur, das ist Stelljes sehr wichtig. Und das macht ihre Arbeiten auch so interessant, sie haben eine „Seele“. Gleichzeitig werden natürlich beim Transport weite Wege vermieden und Kinderarbeit im Steinbruch ist ausgeschlossen. Das ist der andere bedeutende Aspekt, der die Arbeit mit regionalen Steinen so wichtig macht.

Erfahren Sie hier mehr zur Künstlerin.

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Seit 16 Jahren arbeitet Katja Stelljes als Steinmetzmeisterin, seit März 2011 selbständig in ihrer eigenen Werkstatt. 2011 war sie Preisträgerin des 18. Bremer Förderpreises für Angewandte Kunst. Sie fertigt auch individuelle Grabmale. Foto: Stefan Schmidbauer