Skulptur des Monats: „Sunup“

Stein Magazin

Carrara-Marmor und Blattgold erzeugen interessante Licht- und Schattenspiele. Foto: Franziska Schinn

Seine zweite und letzte Amtszeit nutzt der Präsident der Vereinigten Staaten Barack Obama, um sich den Klimaschutz als wichtigstes Ziel auf die Fahne zu schreiben. Gerade in den USA war dieses Thema lange nicht auf der Agenda. Wenn man immer neue Aufdeckungen zum Abgasskandal bei VW hört, ist man froh, dass einer der wichtigsten Männer der Welt endlich für die Umwelt eintritt. Aber nicht nur “die da oben” können die Welt schöner, gesünder und letztendlich lebenstauglich machen, jeder muss seinen Teil dazu beitragen. Für alle muss klar sein, ab sofort geht es darum, die Welt, wie sie ist, noch irgendwie zu erhalten. Denn es ist schon nicht mehr fünf vor zwölf, sondern eher eins vor.

None
Die Skulptur „Sunup“ von Günter Schinn erinnert an eine winterliche Berglandschaft. Foto: Franziska Schinn

Unsere Skulptur des Monats November 2015 ist inspiriert von der Natur, wie wir sie heute noch vorfinden. Sie lädt ein, unsere natürliche Umwelt neu zu entdecken. Sie zollt ihr den höchsten Respekt und mahnt uns so auch, sie zu erhalten und zu schützen! Der Steinmetz- und bildhauermeister Günter Schinn aus Riedenburg realisierte die Skulptur “Sunup” aus Carrara-Marmor mit Blattgold. Sie ist einen Meter hoch, 20 Zentimeter breit und 30 Zentimeter tief. Die Idee zu dieser Arbeit entstand bei einer Winterwanderung: “Mich begeisterten die vom Schnee bedeckten Täler und Berge. Dieses Formenspiel aus weißen, zum Teil harten und zugleich weichen Formen, die sich auf der Landschaft niederlegten, veranlassten mich,  diese Berg-/Schneelandschaft darzustellen”, erzählt Schinn.

Täler, Berge, Schnee und am Gipfel die Sonne – die Figur lässt uns eintauchen in einen Wintermorgen in den Bergen. Die Luft ist so flirrend klar, dass sie kalte Spuren im Hals hinterlässt, Schnee knirscht bei jedem Schritt unter den Schuhen und langsam steigt die Sonne über dem Gipfel auf und streift über die Baumspitzen ins Gesicht. Ein Moment der Ruhe – festgehalten in Stein. Kein zweidimensionales Abbild der Landschaft, sondern eine Metapher in 3D schuf Günter Schinn. Seine Liebe zur Natur treibt ihn an, nicht nur bei dieser Arbeit. Und genau wie die Natur uns nicht fremd gegenübersteht, sondern Teil von uns ist, so soll auch die Figur nicht kalt und abweisend sein. Anfassen ist ausdrücklich erlaubt!

Mit dem Durchbruch und der mit Blattgold ausgelegten Fläche entsteht ein Spiel aus Licht und Schatten. Die Skulptur eröffnet viele Perspektiven, das ist dem Bildhauer sehr wichtig. Im Kopf entwarf er die groben Schemen der Figur. Schließlich fertigte er Zeichnungen an, um die Idee festzuhalten, und raspelte in seinem Atelier ein Modell mit Maßstab 1:10 aus Porenbeton. Was letztlich aus dem Marmorblock wurde, entstand erst während des Arbeitsprozesses. „Oft gibt einem der Stein durch Farbe oder Struktur die Richtung an, von der ich mich dann gerne mitnehmen lasse“, erklärt Günter Schinn. Es ist nicht nur eine Arbeit am Stein, sondern auch mit dem Stein – wie ein noch offenes Gespräch.

Aus dem Schemenhaften entsteht im Atelier des Künstlers immer mehr eine Momentaufnahme der kühlen Berglandschaft. In der vollendeten Skulptur zeigt sich eine sichtbar „wachsende“ Bearbeitung, wie Günter Schinn es nennt. Die Arbeit ist von unten her relativ grob bearbeitet mit Spitz- und Zahneisen. „Selbst Spuren von Fleckschnitten habe ich bewusst erhalten“, sagt Schinn. Nach oben hin wird sie immer feiner, am Gipfel ist sie sogar zum Teil poliert. Eine schöne Metapher für Werden und Vergehen, für Entwicklung und Fortschritt. Denn seine Arbeit stehe auch für das Handwerk an sich, so Schinn.

None
Verschiedene Perspektiven eröffnen immer wieder neue Facetten. Foto: Franziska Schinn

Die Figur nimmt den Betrachter mit hinaus – wohin genau, bleibt offen für jeden. Günter Schinn reist mit ihr zurück in die Berge; sie gibt ihm Kraft, strahlt positive Energie aus. Und das will er auch vermitteln: Freude an der Natur und am Leben. Mitreißend und gleichzeitig auch behutsam erinnert uns der Steinmetzmeister an das, was der Philosoph Immanuel Kant „Erhabenheit“ nennt. Die kaum fassbare, gewaltige Schönheit der Natur. Gerade heute, im Zeitalter der schmelzenden Polkappen, kann diese Erinnerung kaum wichtiger sein.

None
Steinmetzmeister Günter Schinn. Foto: Franziska Schinn

Der Steinmetzmeister Günter Schinn aus Riedenburg gründete im Mai 2014 sein Unternehmen “GStein”. Seine handwerklichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steinbildhauerei, Kunstobjekte, handwerkliche Grabzeichen, Dekoratives im Innen- und Außenbereich und individuelle Gestaltung. Eine prämierte Arbeit des Künstlers wird auf der Landesgartenschau Bayreuth 2016 zu sehen sein. Auf verschiedenen Ausstellungen stellt er weitere Arbeiten vor. Erfahren Sie hier mehr zum Künstler.

Könnte dich auch interessieren

Neue Spielräume

Stein Magazin

Neues Einsatzspektrum für Wasserstrahl-Technologie

Die Euphorie über die Leistungen des Trennverfahrens Wasserstrahl wurde bisher durch einige Nachteile gebremst. Mit einer neuen Funktion der SmartCut-Software des österreichischen Anlagenbauers STM werden jetzt kritische Schneideparameter automatisch optimiert. Das spart Kosten und eröffnet neue Spielräume.  (mehr …)

Sie sind mit dem Gefühl groß geworden, etwas Besonderes zu sein. Aufmerksamkeit, Förderung und Lob der Eltern, Mitsprache und -entscheidung in der Familie spielten von klein auf eine Rolle, später waren Diskussionen mit Lehrern und Professoren ganz normal. Sie wurden zur Selbstständigkeit erzogen und sind es gewohnt, mit Autoritäten auf Augenhöhe zu sprechen. Sie haben hohe Ansprüche an sich und das Leben und an die Arbeit. Werte wie Familie, Freundschaft und Freizeit sind ihnen wichtiger als Führungspositionen, Managergehälter oder sonstige monetäre Anreize. Sie treten selbstbewusst auf und wissen um ihren Wert, auch, weil der demografische Wandel und der Fachkräftemangel es für die Unternehmen notwendig macht, stärker auf sie einzugehen. Von ihrer Arbeit erwarten sie interessante Projekte, schnelle Aufstiegsmöglichkeiten und eine ausgeglichene Work-Life-Balance: Die Rede ist von der „Generation Y“. Als „Generation Y“ werden meist alle Geburtsjahrgänge zwischen 1981 und heute bezeichnet. Die jungen Menschen dieser Generation werden ebenso häufig auch als „Digital Natives“, also „digitale Eingeborene“ bezeichnet, wegen ihrer Affinität zu den digitalen Medien wie Computern, Internet, Mobiltelefonen, MP3-Playern usw., mit denen sie groß geworden sind. Im Gegensatz dazu werden Menschen, die diese Dinge erst im Erwachsenenalter kennengelernt haben, als „Digital Immigrants“ (dt.: „digitale Einwanderer“) bezeichnet.
Die „Generation Y“ folgt auf die sogenannte „Generation X“, die zwischen 1965 und 1980 geborenen, und die Generation davor, die sogenannten „Babyboomer“, die zwischen 1946 und 1964 geboren sind.

Sie werden die Arbeitskultur radikal umkrempeln

Die „Ypsiloner“ erobern seit einiger Zeit die Unternehmen, wo sie eine Zeit lang Seite an Seite mit der bislang dominanten „Babyboomer“-Generation arbeiten, die sie dann bald ablösen werden. In einigen Jahren wird die „Generation Y“ weltweit jeden zweiten Arbeitnehmer stellen. „Dies ist die anspruchsvollste und selbstbewussteste Generation seit Langem“, sagt Anders Parment von der Stockholm University School of Business, der ein Buch über die Ypsiloner geschrieben hat. Sie wird die Arbeitskultur in den Unternehmen radikal umkrempeln und damit vor dem Hintergrund des demografischen Wandels als wichtigstem Gesellschaftstrend zu einem weiteren wichtigen Trend, dem Wertewandel in der Gesellschaft, beitragen. „In den Werten sowie Denk- und Handlungsmustern der ‚Generation Y‘ spiegeln sich die Entwicklungen und Trends in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt wider“, schreibt Prof. Dr. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen.

Die Eltern waren für sie „Workaholics“

Um die „Generation Y“ zu verstehen, hilft ein Blick in deren Sozialisation: Aufgewachsen mit Eltern der „Babyboomer“-Generation bekamen und bekommen sie mit, wie hart diese für ihre Rente arbeiteten. Die Eltern gelten für sie nicht selten als „Workaholics“. Werte wie Freizeit und Familie standen in dieser Generation hinten an. Zeit hatten sie allenfalls für ihre Enkel, doch den Kindern der „Babyboomer“-Generation steckt der Mangel an Zuneigung und Zeit ihrer beruflich voll engagierten Eltern tief in den Knochen. Ein abschreckendes Bild: So möchte die „Generation Y“ es keinesfalls mit ihrer eigenen Familie machen und distanziert sich ganz bewusst von der Haltung ihrer Eltern „Leben, um zu arbeiten“. Viele der nach 1980 Geborenen sind in wohlhabenden Doppelverdienerhaushalten aufgewachsen, nicht selten als einziges Kind. Eine strenge Familienhierarchie haben sie meist nicht kennengelernt. Im Gegenteil: Die „Generation Y“ durfte von Kindesbeinen an mitentscheiden. Und so vertreten sie selbstbewusst ihre Bedürfnisse – auch in Unternehmen.
Für die „Generation Y“ gibt es Wichtigeres im Leben als Arbeit, Arbeit und noch mal Arbeit. Sie haben erfahren, dass Wachstum, Geschwindigkeit und immer neue Rekorde, was die Wirtschaft lange diktierte, zwar immer mehr Wohlstand gebracht haben, aber auch viele Probleme, gesundheitlich und zwischenmenschlich. Jetzt stürmt eine Generation die Arbeitsplätze, die wirtschaftlich satt ist, die im Konsumdiktat aufgewachsen ist und die mit angesehen hat, wie ihre Eltern, die heute 50- bis 60-Jährigen sich für die Arbeit aufopferten und ihr Privatleben hinter die Kar-riere zurückstellten.

Zeit für die Familie und anderes

So fordern die Ypsiloner beispielsweise nachdrücklich ein Privatleben, das diesen Namen verdient. Das Familienbild definiere sich neu, konservative Werte würden wiederentdeckt. „Familie genießt höchste Priorität“, schreibt Christian Schmidt, Chirurg und medizinischer Geschäftsführer der Kliniken der Stadt Köln in einem Artikel mit dem Titel „Generation Y“ im Fachmagazin „Der Anästhesist“. Der Mediziner weiß, wovon er spricht: Für seine Publikation zu Rekrutierung, Entwicklung und Bindung der Generation Y hat Schmidt Erkenntnisse dokumentiert, die weltweit über die nach 1980 Geborenen vorliegen. Gesammelt wurden sie von Unternehmensberatungen, Arbeitsgruppen an Ministerien und soziologischen Instituten.
Die Vertreter der „Generation Y“ sind nach Schmidts Literaturrecherche durch ein hohes Selbstbewusstsein gekennzeichnet, reagieren manchmal aber auch empfindlich auf Kritik: Er mutmaßt, weil sie von den „Babyboomern“ übermäßig gelobt wurden. Schmidt charakterisiert die „Generation Y“ so: „Sie hat ein hohes Anforderungsprofil an den Arbeitsplatz, lehnt sowohl Hierarchien als auch Absitzen von Arbeitszeit ab. Überstunden müssen sehr gut begründet werden.“ Und er warnt: „Die Generation Y wechselt eher den Job, als sich anzupassen.“

 

Mehr über die Generation Y und was sie von ihren zukünftigen Arbeitgebern erwarten, erfahren Sie im neuen aktuellen STEIN!

 

Hier bestellen!