Skulptur des Monats: Wer bin ich?

Stein Magazin

April 2015: Die 70 cm hohe Skulptur aus Mainsandstein von Steff Bauer. (Foto: Natursteinwerk Graser Bamberg)

Im Rahmen der Schweinfurter Frauenwochen vom 28. Februar bis 28. März 2015 präsentierte die Bildhauerin Steff Bauer in der Ausstellung „Ladies First“ ihre Interpretation des Themas „Wer bin ich?“. Ihre Skulptur aus Mainsandstein setzt sich mit den existentiellen Fragen nach dem freien Willen und der Determiniertheit des Menschen auseinander. Fragen, die Dichter und Denker schon Jahrhunderte beschäftigt haben und die wohl nie restlos geklärt werden können. Ein philosophisches Erlebnis aus Stein. Steff Bauer beschreibt und kommentiert:

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April 2015: Die 70 cm hohe Skulptur aus Mainsandstein von Steff Bauer. (Foto: Natursteinwerk Graser Bamberg)

Wie wird ein Mensch zu der Persönlichkeit, die er dann ist? Inzwischen wurde widerlegt, dass der Mensch sich zum Großteil aus seinen genetischen Anlagen heraus entwickelt. Sicherlich spielt die Genetik nach wie vor eine Rolle, weit ausschlaggebender aber ist die Summe der Erfahrungen und Prägungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens macht. Die Kindheit, Umgebung, Erziehung, Bildung, Begegnungen und Bindungen sind ausschlaggebend für die Entwicklung eines Individuums.

Mich interessiert, ob es gewisse Mechanismen gibt, die auch Menschen, die unter schwierigen Bedingungen heranwachsen, die Möglichkeit geben, ein selbstbestimmtes, glückliches Leben zu führen. „Resilienz“ ist da ein Stichwort aus der Psychologie. Ich stelle mir Fragen nach bewusster oder unbewusster Manipulation und Beeinflussung durch Außenfaktoren jedes Einzelnen: Wie frei sind wir? Gibt es Freiheit oder den freien Willen gar? In der Skulptur” Wer bin ich?” stellt ich diese Manipulationen teilweise überspitzt und humoristisch dar. Da bohrt zum Beispiel jemand mit einem Presslufthammer in den Kopf, an anderer Stelle ziehen Leute mit Koffer gleich in den Hinterkopf ein und machen es sich dort gemütlich. Eine Frau ( die Mutter) schrubbt mit großer Energie und Ausdauer das Gesicht (des Sohnes?): Sie poliert sein Image, statt ihm echte Liebe entgegenzubringen. Das bezieht sich auch auf das wachsende Leistungsdenken in unserer heutigen Zeit.

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Die Arbeit „Wer bin ich?“ stellt dar, was den Menschen im Innersten zusammenhält oder auch entzweit.

Die Skulptur besteht aus neun gleich großen, weiß-grünen Mainsandsteinen – aus sogenanntem Breitbrunner Sandstein –, sinnbildlich für die Bausteine, aus denen eine Persönlichkeit bzw. ein Leben zusammengesetzt sein kann. Es könnten natürlich auch viel mehr Teile sein oder man könnte die Teile ganz anders zusammenstellen. Da ist zum Beispiel der unterste Baustein, die Kindheit. Ein Kind sitzt allein mit seinem Stofftier im Keller, die Treppen zum Keller führen nur nach unten. Eine Kiste steht da noch: Diese “Schatzkiste der Kindheit” bleibt aber verschlossen, weil das Kind durch fehlende Wärme, Liebe und Aufmerksamkeit, also durch Vernachlässigung, sein Potential nicht entwickeln kann.

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Die Skulptur besteht aus neun gleichgroßen Steinen.

Die Idee zu dieser Skulptur hatte ich schon länger und setzte diese in einer Zeit um, als ich mich sehr fremdbestimmt fühlte, wie ein Spielball, der übers Feld geschlagen wird. Wahrscheinlich hat jeder schon einmal so empfunden. In meinen freien Arbeiten setze ich meistens Themen um, die mich unmittelbar beschäftigen, vorwiegend geht es um menschliche Interaktionen und die daraus resultierenden Fragen und Folgen. Die Skulptur ist etwa 70 Zentimeter hoch. Dem feinporigen Mainsandstein aus den Steinbrüchen des Natursteinwerks Graser in Bamberg ist zu verdanken, dass man so delikate, detailreiche Szenen mit Durchbrüchen etc. darstellen konnte. Ein tolles Material! Die Szenen wurden teils mit Presslufthammer, teils mit Hand aus dem Stein gehauen und anschließend von Hand geschliffen.

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Szenen einer „verlorenen“ Kindheit oder der Besetzung des eigenen Gehirnes regen zum Nachdenken an.

Die von der Kuratorin Birgit Seidel ins Leben gerufene Ausstellung ” Ladies First” fand im Rahmen der Schweinfurter Frauenwochen zum ersten Mal statt. Seidel wählte auch die Künstlerinnen dafür aus. Auch wenn ich nicht zugegen sein konnte, war es meiner Meinung nach eine gute Idee, nur lokale, weibliche Künstlerinnen auszustellen. Leider ist auch der Kunstbereich immer noch etwas ” männerlastig”. Diese Ausstellung bot eine gute Gelegenheit, die spannende Vielfalt weiblicher Künstler zu zeigen. Inhaltlich wurde allerdings kein Thema vorgegeben, sodass jede Künstlerin zeigen konnte, was sie wollte.

Gott sei Dank – finden wir, sonst hätte Steff Bauer vielleicht diese Skulptur, die die menschlichen Abgründe zeigt, nicht ausgestellt. Unsere Skulptur des Monats April – sie rührt an unser Innerstes. Mehr zur Künstlerin finden Sie hier.

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Die Schweinfurter Bildhauerin Steff Bauer erhielt bereits 1990 nach ihrem Abitur erste Aufträge für künstlerische Arbeiten, gleichzeitig engagierte sie sich immer wieder im sozialen Bereich. 1991 gestaltete sie diverse Gebäude, Lokale und soziale Einrichtungen. Ab 1994 absolvierte sie die Steinmetz- und Bildhauerausbildung. 1997 machte sie sich als Bildhauerin selbstständig. Heute arbeitet und lebt sie gemeinsam mit dem Bildhauer Sören Ernst in Deutschland und Portugal.
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Handwerkskonjunktur hat deutlich an Dynamik verloren

Stein Magazin
Laut Umfrage der Handwerkskammer Region Stuttgart betrachten die regionalen Handwerksunternehmen ihre weitere Geschäftsentwicklung mit Sorge. Foto: HWK

Laut Umfrage der Handwerkskammer Region Stuttgart betrachten die regionalen Handwerksunternehmen ihre weitere Geschäftsentwicklung mit Sorge. Foto: HWK

Die regionale Handwerkskonjunktur hat in den letzten drei Monaten deutlich an Dynamik verloren. Die Stimmung der Unternehmer, so eine aktuelle Umfrage der Handwerkskammer Region Stuttgart, wird als gedämpft beschrieben. Allerdings stellten 53 Prozent der Befragten ihrer Geschäftslage im vierten Quartal noch ein gutes Zeugnis aus. Im Vergleichsquartal 2019 verzeichneten 74 Prozent der Betriebe einen guten Geschäftsverlauf.

Laut Umfrage der Handwerkskammer Region Stuttgart betrachten die regionalen Handwerksunternehmen ihre weitere Geschäftsentwicklung mit Sorge. Foto: HWK
Laut Umfrage der Handwerkskammer Region Stuttgart betrachten die regionalen Handwerksunternehmen ihre weitere Geschäftsentwicklung mit Sorge. Foto: HWK

Hauptgeschäftsführer Thomas Hoefling betonte, dass die Entwicklung der einzelnen Gewerken höchst unterschiedlich verlief. „Die Bauhaupt- und Ausbaugewerke schnitten am besten ab. Nicht überraschend war die katastrophale wirtschaftliche Situation in den von den Schließungen unmittelbar und mittelbar betroffenen Bereichen wie beispielsweise Friseure oder Kosmetiker.“

Obwohl die mittel- bis langfristigen Aussichten durchaus positiv seien, habe die Infektionslage die Betriebe fest im Griff und trübe daher auch die Stimmung. „Die Lage ist im Moment für viele Betriebe wirklich schwierig. Doch aus der Vergangenheit, zum Beispiel aus der Finanzkrise 2009, wissen wir, dass das Handwerk auch schnell wieder zupacken kann. Deshalb schauen wir mit Hoffnung insbesondere auf die zweite Jahreshälfte“, kommentiert Hoefling die Situation. Viele Betriebe hätten allerdings zwischenzeitlich ihre Rücklagen aufgebraucht. Um die harten staatlichen Beschränkungen abzufedern und damit Betriebe, ihre Beschäftigten und Auszubildenden zu schützen, müsse die Auszahlung der finanziellen Hilfen nun zügig und mit deutlich geringeren bürokratischen Hürden kommen. „Denn unsere Betriebe sind es, die jene Steuern und Abgaben erwirtschaften, mit denen der Staat aktuell die Krise bekämpft und später die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns finanzieren wird“, mahnt der Kammerchef.

Ihre weitere Geschäftsentwicklung betrachten die regionalen Handwerksunternehmen mit Sorge, so die Umfrage. Eine Fortsetzung der aktuellen Geschäftsentwicklung erwarten 55 Prozent der Befragten. Dagegen befürchten 35 Prozent der Betriebe eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Der Konjunkturindikator Handwerk verlor 31,6 Zähler im Vergleich zum Vorjahr und fiel im vierten Quartal 2020 mit -0,3 Punkten ins Negative (Vorjahr: +31,3 Punkte).

Die Auftragskurve der Handwerksbetriebe in der Region Stuttgart zeigte in den vergangenen drei Monaten coronabedingt ebenso nach unten wie die Umsatzkurve. Folglich war die Betriebsauslastung in den letzten Wochen nicht so hoch wie im Vergleichsquartal 2019. Weniger Betriebe als vor einem Jahr hatten eine hohe oder sehr hohe Auslastung. Dagegen meldeten mehr Firmen eine geringere Auslastung – ihr Anteil liegt bei 27 Prozent (Vorjahresquartal: 10 Prozent). In ihren Erwartungen wegen kommender Aufträge und Umsätze sind die Betriebe im Kammerbezirk für die kommenden Wochen entsprechend verhalten.

Die Beschäftigung hat in den letzten Wochen in den Handwerksbetrieben in der Region Stuttgart etwas abgenommen. Beim Blick auf die kommenden Wochen wollen sich die befragten Handwerksunternehmer auch in ihren Personalplanungen zurückhalten.

Baudichtstoffe: Die Gefahr von Oximsilikonen

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Oximsilikone als krebsverdächtig eingestuft

Elastische Baudichtstoffe werden in jedem Naturstein-verarbeitenden Betrieb eingesetzt. Um der Forderung nach geringer Dehnspannung und damit geringer Zugbelastung des abzudichtenden Materials gerecht zu werden, sollen sie möglichst weich eingestellt werden, ohne dass die Kohäsion und mechanische Festigkeit darunter leiden. Möglich wurde dies mit raumtemperaturvernetzenden, einkomponentigen Silikonen, die ihren Siegeszug rund um die Welt antraten. „Vernetzend“ bedeutet in dem Zusammenhang, dass diese Dichtstoffe nach der Verarbeitung abbinden. Leider aber werden während des Aushärtevorgangs, der durch den Zutritt von Luftfeuchtigkeit gestartet wird, oft sehr charakteristisch riechende Moleküle abgespalten. Bei Acetatsystemen, die beispielsweise für Sanitärabdichtungen verwendet werden, ist dies zum Beispiel Essigsäure. Diese kann allerdings verschiedene Natursteine, insbesondere Marmor, angreifen. Bei Aminsystemen hingegen – eingesetzt bei hoch belasteten industriellen Anwendungen – entsteht während des Aushärtens ein unangenehm empfundener fischähnlicher Amingeruch.

Dies führte zur Entwicklung von Neutralsystemen, von denen das sogenannte Oximsystem das bekannteste ist. Natursteinsilikone enthalten Oxime, weil diese auch auf empfindlichen Untergründen eingesetzt werden können. Wegen der Abspaltung von 2-Butanonoxim (Methyl-Ethyl-Keton-Oxim, MEKO) und deren vermuteter Reproduktionstoxizität (Gefährdung der Fortpflanzungsfunktionen und -fähigkeit) sind die Oximsilikone bereits in den letzten Jahren in die Diskussion geraten. Enthalten Produkte mehr als ein Prozent freies 2-Butanonoxim, müssen sie deshalb bereits heute mit dem Xn-Gefahrensymbol für „gesundheitsschädlich“ gekennzeichnet werden; und die eingesetzten Oximvernetzer müssen im Sicherheitsdatenblatt angegeben werden. Sogenannte „low-MEKO“-Produkte mit niedrigeren Konzentrationen sind allerdings nach wie vor kennzeichnungsfrei.

Einem Artikel von Diplom-Chemiker Rainer Dörr, bei der BG BAU in Wuppertal zuständig für Prävention im Bereich Gefahrstoffe, in der Fachzeitschrift „sicher ist sicher“ zufolge sind Oximsilikone auf europäischer Ebene allerdings auch als krebsverdächtig eingestuft worden und würden daher sicherlich in Kürze von den Herstellern freiwillig vom Markt genommen. Bei BG BAU-Messungen unter realistischen Verwendungsbedingungen waren Überschreitungen des seit September 2013 geltenden Arbeitsplatz-Grenzwertes für 2-Butanonoxim von 1 mg/m³ um das drei- bis fünffache sowie darüber hinaus festgestellt worden. Auch sechs Stunden nach der Verarbeitung war der Arbeitsplatz-Grenzwert – trotz ständiger Lüftung – noch nicht wieder unterschritten.

Den Anwendern von Dichtstoffen empfiehlt Dörr daher, die Sicherheitsdatenblätter – insbesondere die Abschnitte 3, 8 und 11 – sorgfältig zu lesen und gegebenenfalls beim Hersteller nachzufragen. Nur wenn andere Dichtstoffe aus technischen Gründen keine Alternative darstellen, könne noch der Einsatz von 2-Butanonoxim abspaltenden Oximsilikonen in Frage kommen. Dann allerdings seien Atemschutz (Gasfilter A, Kennfarbe Braun) und Chemikalien-Schutzhandschuhe aus Nitril bei der Verarbeitung zu tragen. Da 2-Butanonoxim über die Haut aufgenommen werden kann und überdies als hautsensibilisierend eingestuft wird, sollte das Glätten von Fugen mit Hilfe eines Glättwerkzeuges oder eines Holzspatels erfolgen.

Da die Freisetzung von 2-Butanonoxim etwa zwei bis vier Stunden nach Beginn der Arbeiten ihren Höhepunkt erreicht und über mehrere Tage andauern kann, müsse der betroffene Bereich über mehrere Tage gesperrt und währenddessen gut gelüftet werden. Eine Problemlösung bieten übrigens alkoholvernetztende sogenannte Alkoxysysteme, die sich in ihrer Verwendbarkeit kaum von den Oximsilikonen unterscheiden, bei deren Vernetzung aber chemisch praktisch inertes – also für den menschlichen Körper unschädliches – Methanol oder Ethanol entsteht.

Position der Hersteller von Dichtstoffen

Die innerhalb der deutschen Bauchemie im „Fachausschuss 7“ und die im Industrieverband Dichtstoffe (IVD) organisierten Hersteller von Baudichtstoffen haben über ihre Verbände der BG BAU mitgeteilt, auf Grund der skizzierten Situation 2-Butanonoxim-abspaltende Silikon-Dichtstoffe zu substituieren. Aus technischen Gründen ist für diese Umstellung mit einem Zeitbedarf von etwa zwei Jahren zu rechnen.

Nach dieser Frist sollten in Deutschland kaum noch 2-Butanonoxim-abspaltende Silikon-Dichtstoffe für die Anwendung im Innenraum zu finden sein. Um zu gewährleisten, dass in der Phase der Rezepturumstellung eine sichere Verwendung der 2-Butanonoxim-abspaltenden Silikon-Dichtstoffe gewährleistet ist, werden die Hersteller ihre Kunden über die in diesem Artikel beschriebenen Arbeitsschutzmaßnahmen informieren. Parallel werden die Hersteller aktiv mitverfolgen, wie sich die Diskussion um die gesundheitliche Bewertung alternativer Oxim-Silikone entwickelt.