Sandsteinparadies Main

Am Main sind allerlei Sandsteine zu finden, die lokal wie überregional Verwendung als Bau- und Bildhauermaterial fanden und finden. Eigentlich haben die weiß bis weiß-grauen, die roten und rot-weißen, die gelblichen und grünlichen Sandsteine vom Main nur eins gemeinsam: Sie kommen vom Main und sind landläufig unter dem Stichwort „Mainsandstein“ bekannt. Dieser Begriff lässt sich auf die inzwischen historische Firma Vetter zurückführen, die um das Jahr 1900 den Mainsandstein als Sammelbegriff primär für diejenigen Sandsteine eingeführt hat, die von der Firma aus Eltmann in unmittelbarere Nähe zum Main gewonnen wurden.

Mainsandsteine-Steinbruch-Schoenbrunn
In diesem Steinbruch wird Schönbrunner Sandstein abgebaut. Ein weißgrauer Sandstein mit grünlichem Schimmer, etwas grobkörnig, teilweise mit grünen Bänderungen.

Im Lauf der Zeit hat sich der Begriff Mainsandstein eingebürgert, ist aber irreführend. So haben die heutzutage als Mainsandsteine bekannten Sedimentite im Grunde genommen nur gemeinsam, dass ihr Gewinnungsort am Main liegt. Geologisch betrachtet ergeben sich jedoch mitunter erhebliche Unterschiede. So sind die weißen bis weißgrauen mit grünlichen Adern durchzogenen Sandsteine aus der Gegend um Eltmann Keupersandsteine, die quarzitisch gebunden sind. Die roten und rot-gelb geaderten beziehungsweise gewolkten Sandsteine aus dem Miltenberger Raum gehören dagegen der Gruppe der Buntsandsteine an, die ebenfalls Quarz als Bindemittel haben.

Buntsandstein kommt auch am Oberlauf des Mains vor. Dort hat er einen rot-braunen bis gelblichen Farbton. Und auch Schilfsandsteine sind am Main und in näherer Umgebung zu finden. Sie haben für diese Sandsteine typische Farben wie grau-grünlich, gelb und gelb-braun und sind in der Regel tonig gebunden. Der Vollständigkeit halber müssen auch die Rhätsandsteine erwähnt werden. Diese stehen vornehmlich im Itzgrund an, einer Gegend rund um den Fluss Itz, einem Nebenfluss des Mains, der bei Bamberg in den Main mündet. Vertreter dieser Sandsteine sind gelb bis gelb-braun. Sie sind grobkörniger und quarzitisch gebunden. Die Sandsteine dieser Gruppe werden jedoch nicht mit dem Begriff Mainsandstein in Verbindung gebracht.

Mainsandsteine-Aschaffenburger-Schloss
Das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg wurde von 1605 bis 1614 um den mittelalterlichen Bergfried herum aus rotem Odenwälder Sandstein aus Steinbrüchen um Miltenberg und Obernburg am Main erbaut.

Unabhängig ihrer geologischen Zuordnung können alle Sandsteine vom Main auf eine lange Tradition zurückblicken. Zum einen wurden sie lokal als Bausandsteine mannigfaltig verwendet und haben sich über die Jahrhunderte bewährt. Andererseits fanden sie in der Zeit der Industrialisierung ihren Weg in die Metropolen Deutschlands, da die Eisenbahn auch Transporte fernab des Flusses Main ermöglichte. Referenzen sind beispielsweise das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg, das mit Odenwäldersandstein erbaut wurde, oder das Projekt „Wohnen am Botanischen Garten“ in Braunschweig, Stadtvillen mit weißgrauem Sandstein vom Main.

Erfahren Sie mehr zu den Mainsandsteinen und ihren Eigenschaften in STEIN im Januar 2015. Mehr vom Autor Michael Senn können Sie regelmäßig in den „Seitenblicken“ lesen. Hier zum Beitrag „Stockend nachdenken“.