Steinmetze machen Druck

Stein Magazin
3D-Druck als Innovation
3D-Druck als Innovation

In unserer STEIN-Serie „Chancen nutzen“ teilen wir unser Wissen über Vorgehensweisen, die Unternehmen nutzen können, um langfristig erfolgreich zu sein. Die additive Fertigung, auch „3-D-Druck“ genannt, gehört zu den 4.0-Schlüsseltechnologien: Wie weit ist die Technik? Wie lässt sie sich in Stein verarbeitenden Betrieben einsetzen, und wo sind die Grenzen?

Mit immer besseren Druckqualitäten und sinkenden Preisen etabliert sich die additive Fertigung (auch Generative Fertigung, Rapid Prototyping oder 3-D-Druck genannt) zunehmend auch im kreativen Handwerk. Auch in einigen Naturstein verarbeitenden Unternehmen stellen 3-D-Drucker schon jetzt Modelle, Schablonen, Muster oder Prototypen, Einzelstücke oder Kleinserien her. Was können 3-D-Drucker mittlerweile, welche Verfahren, Möglichkeiten und Grenzen gibt es und wann sind 3-D-Druckdienstleister eine Alternative?

Im Unterschied zur konventionellen Fertigung werden bei additiven Fertigungsverfahren Objekte nicht durch Umformen, Trennen oder Zerspanen eines Werkstücks, sondern additiv aus einem flüssigen, pulverförmigen oder festen Ausgangsmaterial aus Kunststoff, Kunstharz, Keramik, Metall oder vielen anderen Materialien mithilfe chemischer und/oder physikalischer Prozesse Schicht für Schicht aufgebaut. Es können sowohl Objekte aus unterschiedlichen Materialien oder Farben als auch bewegliche Funktionsmodelle in einem Arbeitsgang gefertigt werden. Die Objekte können auch transparent oder elastisch sein. Die Fertigungsqualität hängt ab von der Genauigkeit und Oberflächenbeschaffenheit und diese wiederum von der dreidimensionalen Druckauflösung in X-, Y- und vor allem in Z-Richtung (Schichtdicke) des Ausgabegeräts.

Die Modelldaten werden in der Regel über CAD-, Modellierprogramme, teilweise auch über 3-D-Scanner generiert. Nahezu alles ist druckbar: Kunststoff- und Metallstrukturen ebenso wie filigrane Konstruktionen oder massive Bauteile aus Stein- oder Betonwerkstoffen – mit oder ohne Eisen-, Glasfaser- oder Textilarmierung, mit oder ohne Beimischung recycelter Materialien. Mechanische oder elektrische Bauteile, medizinische Implantate, Schuhe, Kleidungsstücke, Schmuck oder spielbare Musikinstrumente werden inzwischen ebenso gedruckt wie Lebensmittel oder bewohnbare Häuser.

3-D-Druckobjekte können individuell gestaltet, modifiziert und sofort ausgedruckt werden. Sie sind mehrfach reproduzierbar und in Kleinserien bis zu einer bestimmten Stückzahl wirtschaftlicher als konventionell hergestellte Produkte. Das gilt insbesondere für komplexe Objekte, denn die Wirtschaftlichkeit additiver Fertigung steigt mit der Komplexität der Objektgeometrie. Der 3-D-Druck ist auch nachhaltiger, denn es wird nur das für den Druck benötigte Material verbraucht, das allerdings nicht immer umweltfreundlich ist.

Die additive Fertigung bietet nahezu unbegrenzte gestalterische und konstruktive Freiheiten: So können mit konventionellen Methoden nicht oder nur sehr aufwendig herzustellende Objekte mit Hinterschneidungen, Hohlräumen etc. realisiert werden. Bauteile können dabei partiell mit bestimmten mechanischen oder thermischen Eigenschaften versehen werden, damit Kräfte und Spannungen optimal abgeleitet werden. Grenzen setzen der additiven Fertigung die Produktionszeiten, die nicht mit der Massenproduktion mithalten können. Auch die Druckkosten sind hoch. Zwar fallen insbesondere für Home- und Desktopdrucker die Preise derzeit, die Kosten für High-end-Drucker und Druckmaterialien (zwischen 60 und 400 Euro pro Kilogramm) werden sich mittelfristig allerdings kaum ändern.

Werden besondere Ansprüche an Oberflächenqualitäten gestellt, ist meist eine manuelle oder maschinelle Nachbearbeitung erforderlich (fräsen, schleifen, lackieren etc.), denn die Oberflächenstruktur ist immer mehr oder weniger rau. Filigrane Bauteile sollten aus Stabilitätsgründen eine minimale Wanddicke aufweisen (ca. ein Millimeter). Bei bestimmten Druckverfahren erfordern auskragende Objektteile eine Stützkonstruktion, die später entfernt werden muss.

Lesen Sie mehr in der STEIN 2/2020.

Könnte dich auch interessieren

Skulptur des Monats: Pastry Art

Stein Magazin

Diana Kasko ist studierte Architektin und Hobby-Bäckerin. Mit ihren essbaren Skulpturen „Pastry Art“ vereint sie Beruf und Leidenschaft. Dass die Süßspeisen täuschend echt nach Baumaterialien aussehen, liegt auch an der fotografischen Tätigkeit der Ukrainerin.

German-Design-Award-Stone-Plant-Sculpture
November 2017: Stone Plant Sculpture. Foto: Franken-Schotter & Bruns Pflanzen-Export / Quelle: Rat für Formgebung
Marc-Reist-Globo-Uopvo-Marmor-Skulptur
Oktober 2017: Das Globo Uovo auf der Dachterrasse des Centre Dürrenmatt Neuchâtel. Foto: Emanuel Stotzer
Weintheke-Schmitt-Design-Sandstein-Onyx-MHK-Kaiserslautern
September 2017: Weintheke, Christian Schmitt, Cottaer-Sandstein
Play Panca 3_Screenshot cyrcus.it
So funktioniert es: Einfach das Smartphone auf dem Horn des Designstücks platzieren, und schon kann man Engelstrompeten und Teufelsposaunen aus dem Marmortubus lauschen. (Screenshot: cyrcus.it)
Saeule-Rucker_5
Juli 2017: „Gefiederte Schlange“ von der Münchner Bildhauerin Maria Rucker (Foto: STEIN/Friederike Voigt)
Skulptur-des-monats-gabriele-berger

„Chocolate Block“

Einer ihrer von Stein inspirierten Kreationen ist der „Chocolate Block“: Außen Steinoptik – innen Biskuit, Schokoladen-Creme und zwei Mousse-Sorten. „Der Kuchen ist einer meiner Lieblingsrezepte!“, erklärt Diana Kasko.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

 

Für die äußere Form verwendet sie bei einigen Rezepten selbst entworfene Silikon-Backformen. Auch hier adaptiert die Künstlerin ihr Wissen aus der Baubranche: „Ich habe als Architektin und gearbeitet und 3-D-Modelle gebaut. Als ich angefangen habe, Patisserie zu machen, wollte ich dem Backen etwas Neues hinzufügen. Ich habe festgestellt, dass das Erscheinungsbild genauso wichtig ist wie der Geschmack.“

Weitere Informationen und Rezepte finden Sie auf www.dinarakasko.com.

Hier sehen Sie die Skulpturen der letzten Monate:

German-Design-Award-Stone-Plant-Sculpture
November 2017: Stone Plant Sculpture. Foto: Franken-Schotter & Bruns Pflanzen-Export / Quelle: Rat für Formgebung
Marc-Reist-Globo-Uopvo-Marmor-Skulptur
Oktober 2017: Das Globo Uovo auf der Dachterrasse des Centre Dürrenmatt Neuchâtel. Foto: Emanuel Stotzer
Weintheke-Schmitt-Design-Sandstein-Onyx-MHK-Kaiserslautern
September 2017: Weintheke, Christian Schmitt, Cottaer-Sandstein
Play Panca 3_Screenshot cyrcus.it
So funktioniert es: Einfach das Smartphone auf dem Horn des Designstücks platzieren, und schon kann man Engelstrompeten und Teufelsposaunen aus dem Marmortubus lauschen. (Screenshot: cyrcus.it)
Saeule-Rucker_5
Juli 2017: „Gefiederte Schlange“ von der Münchner Bildhauerin Maria Rucker (Foto: STEIN/Friederike Voigt)
Skulptur-des-monats-gabriele-berger

Praxisvorführung im Steinbruch

Stein Magazin
die Auskunft über das Material im Untergrund geben. (Foto: Julia Wolpert)

Am 21. September findet im Steinbruch Epprechstein von 11 bis 14 Uhr eine praktische Vorführung der Untersuchungsmethoden für die Steinbrucherkundung aus dem EU-geförderten Projekt „Sustamining“ statt.

nachhaltiges-bauen-datenerhebung-04
José Luis Fernández (links) und Avelino Tirado vom Technologiezentrum Aitemin erheben Daten, die Auskunft über das Material im Untergrund geben. (Foto: Julia Wolpert)
nachhaltiges-bauen-bodenradar-gpr-05
Mittels Bodenradar (GPR) werden räumliche Darstellungen des Steinbruchs ermöglicht und abbauwürdige Bereiche lokalisiert. (Foto: Julia Wolpert)
nachhaltiges-bauen-bodenradar-06
Obwohl das System seit über 30 Jahren zur Erkundung von Untergrundstrukturen im Einsatz ist, wurde durch die Verbesserung der Geräte erst jetzt eine Anwendung im Steinbruch möglich. (Foto: Julia Wolpert)

Zum Aufgabenbereich der Initiative zählt unter anderem die Entwicklung einer neuen Technologie zur selektiven Nutzung der Gesteinsvorkommen unter Beachtung von Qualitätsanforderungen an das Produkt und den Bedarf. Darüber hinaus wird diese neue Methode zur Entwicklung und Nutzung neuer Steinbrüche eingesetzt. Hier soll die Qualitätskontrolle durch zerstörungsfreie geophysikalische Methoden ermöglicht werden. Geostatistische Auswertungen dienen zur Abschätzung von Naturstein-Reserven.

Ziel des Projekts ist es, den selektiven und nachhaltigen Abbau von Naturwerkstein zu fördern und zu erleichtern. Mit dem Projekt sollen Prüfmethoden zur zerstörungsfreien Erkundung von Steinbrüchen und die dreidimensionale Erfassung von abbauwürdigen Steinvorkommen entwickelt werden.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Sie können sich per E-Mail an info@natursteinverband.de für die Praxisvorführung anmelden.

Erfahren Sie hier mehr über das Projekt.