Naturstein verbindet

Stein Magazin

STEIN: Herr Thelen, der Leitgedanke Ihres Entwurfs war: „Gemeindearbeit sichtbar machen.“ Was genau meinen Sie damit?

In Düsseldorf-Pempelfort stand früher, neben der eindrucksvollen Kreuzkirche, ein sogenanntes Predigthaus. Heute befindet sich an dieser Stelle das Evangelische Gemeindehaus Düsseldorf-Mitte.

Das Architekturbüro thelenarchitekten hat das denkmalgeschützte Gebäude saniert und erweitert. Mit dem neuen Anbau haben die Düsseldorfer Planer ein Eingangsbauwerk geschaffen, das Transparenz schafft, den denkmalgeschützten Bestand aufwertet und gleichzeitig optisch eine Brücke zum Sakralbau schlägt. Im STEIN-Interview spricht der Architekt Hans-Jörg Thelen über die wichtigsten Punkte seines Entwurfs.

Hans-Jörg Thelen: Das Gemeindezentrum war eher ein sehr verschlossenes Gebäude und der Zugang erfolgte über den Hof. Das Hauptthema war, eine Adresse zu bilden und eine transparente Öffnung zu schaffen. Wir haben immer betont: „Wir bauen am Bürgersteig für den Bürger.“ Der wichtigste Punkt in unserem Entwurf war, die Öffnung des Gemeindezentrums hin zum öffentlichen Stadtraum an der Collenbachstraße. 

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Zwei Außenhüllen aus Heilbronner Sandstein: Die abgerundete Gebäudeecke des modernen Neubaus sowie die imposante Fassade der über 100 Jahre alten Kreuzkirche. Foto: Tanja Slasten
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Kein Stein gleicht dem anderen. Und zusammen mit den dezent ausgeführten Fugen ergibt sich ein „lebendiges“ Fassadenbild. Foto: Tanja Slasten
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Bei den Bauarbeiten entdeckte man auf dem Grundstück ein guterhaltenes Relikt des ehemaligen Predigthauses. Der Stein befand sich früher über dem Portal des ehemaligen Betsaales. Foto: Tanja Slasten
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Hans-Jörg Thelen arbeitet seit über 25 Jahre als Architekt. Foto: Harald Habets, Düsseldorf
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Zusammen mit seiner Frau Andrea Thelen leitet er in Düsseldorf das Büro thelenarchitekten. Foto: Harald Habets, Düsseldorf

Und die Konsequenz war ein neuer Eingangsbau an der Collenbachstraße? 

Im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens waren wir die Einzigen, die sich getraut haben, in die Hauptfassade an der Collenbachstraße mit einem neuen Baukörper einzugreifen. Aus der Höhenstaffelung des Bestandsgebäudes hat sich unser Entwurfsansatz für den Neubau ergeben. Der eingeschossige Neubau ergänzt sinnfällig architektonisch und städtebaulich das denkmalgeschützte Gebäudeensemble. Und genau an dieser Stelle liegt auch der Haupteingang zum Gemeindezentrum. Das Gesamtkonzept der Offenheit und Transparenz wird durch die Einbettung der neu gestalteten Außenanlagen in den öffentlichen Stadtraum vervollständigt. Die Natursteinfassade des Neubaus nimmt direkten Bezug auf die Materialität der benachbarten Kreuzkirche.

Die neue Außenhülle besteht aus Heilbronner Sandstein, wie die Fassade der Kreuzkirche.

Das Steinmaterial haben wir zuvor bemustert. Denn für unsere Arbeitsweise ist es charakteristisch, dass wir schon im frühen Entwurfsstadium Materialien und Muster zusammenstellen, um im klassischen Sinn des Bauhausgedankens ein harmonisches Gesamtkonzept entwickeln zu können. Hierbei beschäftigen wir uns nicht nur mit der Gebäudehülle, sondern auch mit den Innenräumen und Außenanlagen. Es ist immer ein Gesamtkonzept, das wir anbieten.

Worauf haben Sie bei der Bemusterung des Fassadenmaterials Wert gelegt?

Bei der Wahl des Steinmaterials war das Material der Kirche maßgebend. Das lebendige Farbspiel, welches charakteristisch für den Heilbronner Sandstein ist, sollte auch den Neubau bestimmen. Ziel war es, visuell eine enge Verknüpfung zwischen dem Kirchenbauwerk und dem Eingangsbauwerk des Gemeindezentrums zu erzielen.

Der Steinmetz hat mehrere Fugenproben für die neue Fassade erstellt. Was war Ihnen hierbei wichtig?

Im Verhältnis zur Kreuzkirche handelt es sich beim Neubau eher um eine kleine Fassadenfläche. Man kann das wertigste Material verwenden, wählt man jedoch die falsche Fugenfarbe, führt dies zu einer nachteiligen Wirkung. An den vielen Fugenmustern konnte man sehr schön ablesen, dass zum Beispiel mit einer zu hellen Fuge die optische Wirkung der Fassade erheblich reduziert worden wäre. Um den Akzent eindeutig auf die Wirkung des Steins zu lenken, haben wir die Fugenfarbe so ausgewählt, dass diese nicht vordergründig in Erscheinung tritt. Zudem wurde die Fuge besandet, um eine möglichst flächige Gesamtwirkung der Fassadenfläche zu erzielen.

Stichpunkt Möbel: Die Steinsitzbänke haben Sie entworfen. Wie ist die Idee entstanden?

Wir hatten das Problem, dass die ganzen Erschließungsflächen offen und mit dem Treppenhaus – ein wesentlicher Fluchtweg – verbunden sind. Deswegen konnten wir keine brennbaren Materialien in die Flur- und die Foyerzonen einbauen.

Mit Verweis auf klösterliche Situationen und Mobiliar in Kirchen, in denen Steinsitzbänke üblich sind, konnten wir die Gemeinde davon überzeugen, dass Steinsitzbänke auch in den Foyerzonen des Gemeindezentrums eine angemessene Lösung sind. Heizungen, die nicht sichtbar unter den Sitzbänken positioniert worden sind, führen zu einer Erwärmung der Steinfläche und wirken somit der kühlen Steinmaterialität entgegen.

Warum haben Sie für die Bänke den Belgischen Blaustein gewählt?  

Entsprechend den bestehenden Foyerzonen im Obergeschoss haben wir auch im Foyer des Erdgeschosses eine Kombination von Belgischem Granit (Randeinfassungen) und Solnhofener Natursteinplatten gewählt. Um die Wirkung der Steinsitzbänke im Foyer des Erdgeschosses der Gesamtwirkung unterzuordnen, sollten die Stahlunterkonstruktionen mit den aufliegenden Steinplatten in der Farbgebung dem Belgischen Granit des Randfrieses entsprechen. Aus diesem Grunde wurde die Stahlkonstruktion anthrazitfarben lackiert und die Steinauflagen aus Belgischem Granit hergestellt.

 

Erfahren Sie mehr über das Evangelische Gemeindehaus Düsseldorf-Mitte und über die Natursteinarbeiten in der Januarausgabe der STEIN (2018).

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Ein Pegasus für Miami

Stein Magazin

Die Kunstgießerei Strassacker hat die Visionen zahlreicher Architekten, Städteplaner und Künstler realisiert.  „Als vor rund drei Jahren die ersten Skizzen von Pegasus & Dragon zur Prüfung in Süßen eintrafen, haben selbst die erfahrensten Mitarbeiter erst einmal ungläubig geschaut“, erinnern sich Edith Strassacker und Günter Czasny. „Die Bronzeplastik Pegasus & Dragon war schon wegen seiner einzigartigen Ausmaße eine der größten Herausforderungen unserer fast 100jährigen Firmengeschichte“, berichten die verantwortliche Geschäftsführerin und der stellvertretende Geschäftsführer des Familienunternehmens mit 500 Mitarbeitern.

Staunend haben sich auch die Autofahrer auf dem viel befahrenen U.S. Highway 1 in Miami, Florida, in den vergangenen Monaten gefragt, was dort in der Nähe des Hallandale Beach im Gulfstream Park gebaut wird. Die 33 Meter hohe und in der Sonne glitzernde Metallkonstruktion, an der sich bis zu 100 Arbeiter zeitgleich zu schaffen machten, war Tagesgespräch an der legendären Bundesstraße, die entlang der US-amerikanischen Ostküste verläuft.

Das nach Beendigung des Aufbaus im November 2014 sichtbare Ergebnis ist nicht weniger spektakulär: Was hier in achtmonatiger Bauzeit entstand, ist die weltweit größte Pferdeskulptur und eine der größten Bronzestatuen, die jemals geschaffen wurden: 33 Meter hoch, 35 Meter breit und 60 Meter lang, montiert auf einem Skelett aus 400 Tonnen Stahl, zusammengefügt aus nicht weniger als 1.250 handgefertigten und von erfahrenen Kunsthandwerkern aufwendig bearbeiteten Bronzeelementen mit einem Gesamtgewicht von noch einmal 250 Tonnen. Die Skulptur Pegasus & Dragon stellt den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse dar. Pegasus, das geflügelte Pferd der griechischen Mythologie, besiegt den Drachen. Das sich aus einer Felsformation erhebende Fabelwesen hält das Ungeheuer mit seinem Vorderhuf nieder.

Als ein Bestandteil des Projekt-Gesamtbetrags zwischen 20 und 30 Millionen U.S. Dollar bildet die errichtete Bronzeskulptur das Zentrum eines Themenparks im Gulfstream Park, der in unmittelbarer Nähe zur international renommierten Pferderennbahn im Frühjahr 2015 eröffnen wird. Initiator und Auftraggeber ist der österreichisch-kanadische Unternehmer Frank Stronach. Er ist Eigentümer des Gulfstream Park, Hallandale Beach, und hatte die Idee zu dem Projekt. Die Suche nach einem Unternehmen, das in der Lage ist, eine 33 Meter hohe Bronzeskulptur zu realisieren, führte Stronach ins baden-württembergische Süßen, dem Stammsitz der Kunstgießerei Strassacker.

„Schon die Berechnung und Entwicklung der äußerst komplizierten Stahlkonstruktion, an der die 1.250 Bronzeelemente wie ein 3D-Puzzle montiert werden sollten, war eine bisher beispiellose Herausforderung. Hinzu kam der strenge Zeitplan zur Umsetzung des Projektes. Exakt drei Jahre von der ersten Machbarkeitsstudie über die statische Berechnung, Konstruktion, Modellerstellung und Produktion, das Verschiffen der Einzelteile in rund 50 Seecontainern bis zur Montage und Installation vor Ort waren vorgegeben“, erläutert Günter Czasny, der das Projekt geplant, projektiert und mit einem Team spezialisierter Fachleute und kompetenten Kooperationspartnern umgesetzt hat.

Um die Bronzeteile auf der Stahlkonstruktion sicher zu fixieren, haben die Ingenieure und Spezialisten ein völlig neuartiges, flexibles Befestigungssystem entwickelt, das den besonderen klimatischen Bedingungen unter der Sonne Floridas gerecht wird: Denn Stahl und Bronze reagieren bei Erwärmung völlig unterschiedlich. Während die Bronzehülle der Skulptur sich bei Sonneneinstrahlung ausdehnt, bleibt die darunter liegende Stahlkonstruktion unbeweglich und starr. Zudem wurde die riesige Bronzeplastik so konstruiert und gebaut, dass sie auch dem stärksten Hurrikan trotzen kann. Hierzu waren nicht nur umfangreiche Berechnungen notwendig. Pegasus & Dragon mussten ihre Standfestigkeit unter extremsten Windbelastungen auch in mehreren Windkanaltests unter Beweis stellen.

Auch beim Zusammenbau der Bronzeteile zum Gesamtkunstwerk waren höchstes kunsthandwerkliches Können und jahrzehntelange Erfahrung notwendig. Schließlich sollte das Ergebnis die im Entwurf angelegte künstlerische und anatomische Perfektion erreichen. Dafür braucht es hervorragend ausgebildete und erfahrene Spezialisten. Deshalb haben die Spezialisten von Strassacker die Mitarbeiter der chinesischen Gießerei in den Werkstätten vor Ort über eineinhalb Jahre intensiv geschult. So vorbereitet wurden von ihnen die rund sieben bis acht Millimeter starken Bronzeelemente kunsthandwerklich bearbeitet und unter der Leitung der Spezialisten von Strassacker zum Gesamtkunstwerk zusammengebaut. Diese Bronzeelemente, jedes rund 1,5 x 2,5 Meter groß, wurden miteinander verschweißt und sorgfältig ziseliert. Beim Ziselieren arbeiten Kunsthandwerker die gesamte künstlerisch gestaltete Oberfläche mit Ziseliereisen und –meißeln, Feilen, Schabern, Schleif- und Polierwerkzeugen nach. Diese aufwendige Feinarbeit ist notwendig, um jegliche Verbindungslinien und Schweißnähte unsichtbar werden zu lassen und bringt die künstlerischen Details der Skulptur zur Geltung. Schließlich wurde dem monumentalen Werk durch das Patinieren die finale künstlerische Anmutung für das Gesamtkunstwerk verliehen. Diese spezielle Technik der Metallveredelung nimmt die natürliche Oxidation der Bronze vorweg und verleiht der Skulptur eine einzigartige, charakteristische, edle Anmutung. Für Pegasus & Dragon wurde eine antike Patina mit einem bräunlichen Grundton und grünen Nuancen umgesetzt.

Ein sehr wichtiger Meilenstein beim Aufbau der Skulptur war die Montage von Kopf und Flügeln auf dem bereits errichteten Körper des Pegasus. Um die zwischen 45 und 60 Tonnen schweren Bauteile in die endgültige Höhe von rund 33 Meter anzuheben, wurde einer der größten Schwerlastkräne der Welt eingesetzt.

 

 

Modell
Frank Stronach (Mitte) mit Günter Czasny, stellvertretender Geschäftsführer der Kunstgießerei Strassacker, im Gespräch mit dem akademischen Bildhauer Waldemar Schröder (links) im Atelier der Kunstgießerei Strassacker.
ausmessen
Wegen der enormen Größe der Skulptur entschieden sich die Fachkräfte für das traditionelle Verfahren „Skalierung anhand von Gitternetzkoordinaten von Hand“.
drahtgerüst
Keine leichte Entscheidung: hier das Modell des Pegasus in Originalgröße in Gips… und wie beim Drachen ein Stahlgestell, das als Koordinatensystem funktioniert.
tonmodell
…hier wiederum das Modell des Drachens in Ton. Das Stahlgerüst funktionierte dabei als 3D-Koordinatensystem. Die Größe der Skulptur erforderte diese besonderen Maßnahmen.
holzschablonen
Anhand der Koordinaten exaktes Einsetzen dieser Holzschablonen in das Stahlgestell
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Aufbau des Pegasus und des Drachens durch diese Holzschablonen Schicht für Schicht zu ihrer tatsächlichen Größe.
mit gips
Die Gestaltung der endgültigen künstlerischen Form entstand durch das Auftragen und Modellieren von Gips beim Pegasus und durch Ton beim Drachen
gipsmodell drache
Nach erfolgreicher Kundenabnahme des Pegasus-Modells in Gips und des Drachens in Ton erfolgte der Gießprozess. So ermöglichte die Gipsform des Pegasus-Modells die Zerlegung in 1.250 giessfähige Formteile.
drache
Durch die Fertigung des Drachenmodells in Ton war ein Zwischenschritt erforderlich, um abformbare Teile für den Gießprozess zu erhalten.
gipsvotivformen
Aus den Gipsnegativabformungen ließen sich dann die Gipspositivabformungen erstellen zur Verwendung als Modelle zur Abformung für den Gießprozess.
probebau
Temporärer Zusammenbau aller Gussstücke auf provisorischer Stahlkonstruktion zur Überprüfung der Passgenauigkeit ohne Verschweißung jedoch stabil durch Heftung
probebau drachen
Provisorische Zusammensetzung der einzelnen Teile des Drachens wie in einem 3D-Puzzle. Arbeitsintensiver Überprüfungsprozess aller Teile im Verbund: Notwendiger Aufwand zur Überprüfung der exakten Form und Passgenauigkeit.
handarbeit
Gestaltung der künstlerischen Originaloberfläche entsprechend des Originalmodells mit unterschiedlichen kunsthandwerklichen Techniken der Metallbearbeitung.
überprüfung
Die Spezialisten und Fachkräfte überprüfen jedes einzelne Bronzeteil bis ins Detail und können nur so die erforderliche Passgenauigkeit der Skulpturen gewährleisten.
trojaner
Temporäre Fundamente waren für die Montage von Pegasuskopf und –flügeln unabdingbar; zudem teilweise Vormontage der Stahlkonstruktion des Pegasustorsos und der –beine.
aufbau drache
Zeitversetzt begann auch der Aufbau der Stahlkonstruktion des Drachens: Stück für Stück in die endgültige Position.
aufbau gebäude
Statik und Gerüstbau waren besonders gefordert bei der Aufstellung des Pegasus auf dem Dome-Gebäude: somit aufwändige Überbauung, um Belastungen von vorneherein zu vermeiden.
hebung
Der Pegasus-Körper mit Kopf und rechtem Flügel
letzter schliff
Endgültige und finale Formgebung am Pegasus-Körper. Anwendung traditioneller Treib- und Metallformgebungstechniken
N_Strassacker Pegasus 6x5
Fertiggestellte Skulptur Pegasus und Drache
Druck
Der Pegasus im Vergleich mit deutschen Bauwerken.
Druck
…und im Vergleich mit internationalen Bauwerken.

 

 

Gartenschauen als Chance

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VIC Brücken und Ingenieurbau

Der Garten gilt als Wellnessoase, Ruhepol, zweites Wohnzimmer, aber auch als Ort des ökologischen Eigenanbaus, als Kinderspielplatz, als Statussymbol – als Ausdruck von Kreativität sowie Selbstverwirklichung. Egal wie die Menschen ihre private Grünfläche nutzen und welche individuelle Bedeutung sie ihr zumessen, der Garten hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. So hat laut ARD jeder zweite Privathaushalt einen eigenen Garten und zwei Drittel aller Deutschen ab 14 Jahren arbeiten (zumindest hin und wieder) im Garten. In der Shell Jugendstudie 2015 halten immerhin 63 Prozent der Jugendlichen eine Familie für ihr Lebensglück erforderlich – und speziell Familien ist der Erholungswert von Gärten besonders wichtig. So unterschrieben beispielsweise in den letzten fünf Jahren ganze 45 Prozent der neuen Pachtverträge für Schrebergärten junge Familien mit Kindern (Quelle: ARD).

Der Gartentrend ist auch fruchtbar für die Wirtschaft. Im Garten- und Landschaftsbau verzeichnen Betriebe einen fast kontinuierlich steigenden Gesamtumsatz, der 2014 mit 6,84 Milliarden Euro einen neuen Höhepunkt erreichte. Regionale, bundesweite oder internationale Gartenschauen sind Besuchermagnete, die die veranstaltende Region städtebaulich, touristisch und ökonomisch aufwerten. Allein zur Bundesgartenschau (BUGA) 2015 fanden sich etwa 1,05 Millionen Besucher in der Havelregion ein. Und wie reagiert das Steinmetzhandwerk auf diesen Trend? Laut der letzten Konjunkturumfrage des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen für den Bundesverband der Deutschen Steinmetze (BIV) befindet sich die Gartengestaltung 2015 mit 2,6 Prozent des Gesamtumsatzes (der 197 befragten Betriebe) an vierter Stelle hinter Grabmal, Bau und Restaurierung. Zwar nimmt der Gartenbereich mittlerweile im steinmetzhandwerklichen Arbeitsfeld mehr Raum ein (2006: 1,5 Prozent), aber erlangt doch noch keine breite Aufmerksamkeit (Grabmal 2015: 64,9 Prozent). Wie sieht es mit der Beteiligung an Gartenschauen aus?

Steinmetze gestalten auf Gartenschauen heute vor allem zeitgemäße Friedhofskonzepte. Auf der BUGA 2015 waren 70 Mustergräber – Urnen-, Einzel- und Doppelgräber –  ausgestellt. Die Gräber inspirierten, wie ein individueller Gedenkort aussehen kann. „Auf Bundesgartenschauen können Steinmetze schon vor einem akuten Trauerfall für das Thema Grab sensibilisieren“, sagt Sybille Trawinski, Geschäftsführerin des BIV. Das eigene Produkt präsentieren, Werbung machen, handwerkliches Geschick zeigen seien fruchtbare Möglichkeiten, die die Teilnahme an einer Gartenschau mit sich bringt.

So können Steinmetze den Gartentrend nutzen, um für das Thema Friedhof zu sensibilisieren. Denn der Friedhof soll heute auch Naherholungsort im Grünen sein, nicht nur Ort des Gedenkens. Spinnt man nun aber die Gedanken weiter, stellt sich doch die Frage, warum über den Garten auf den Friedhof aufmerksam gemacht wird, aber nicht explizit auf den Garten selbst? Gerade Naturstein im Garten sollte doch auch Thema sein. Ab dem 22. April 2016 werden auf der Landesgartenschau Bayreuth „Lebenssteine“ zu sehen sein. Skulpturen, die Lebensfreude widerspiegeln und den Gestaltern einen kreativen Raum geben sollen. Ein gutes Beispiel für die Einbindung von Steinmetzen außerhalb des Bereiches “Grabmalgestaltung”.

Erfahren Sie mehr zu den Chancen für Steinmetzen bei der Teilnahme an einer Gartenschau in STEIN im März 2016.