Zurück zum Thema. Wir waren bei der Kreativität. Und bei den Bestattern. Auch das ist eine Berufsgruppe, der kreatives Verhalten nicht unbedingt nachgesagt wird. Ungerechtfertigterweise, wie wir finden. Für die Erdbewegungstechniker mag der Eindruck unter Umständen durchaus stimmen, bei den sogenannten Trauerbegleitern sieht die Sache schon anders aus.

Denn wenn man sich unverhofft in der Situation wiederfindet, dass so jemand bei einem zu Hause hockt und man die Konzentration aufbringt, ihm aufmerksam zuzuhören, was er denn so alles für das verstorbene Familienmitglied tun kann, kann man schon den Eindruck gewinnen, dass da viel kreatives Potenzial dahintersteckt. Der Erfindungsreichtum eines guten Geschäftsmannes wird offenbar. Ein Verkäufer, dem immer noch etwas einfällt, was dem lieben Verstorbenen Gutes getan werden kann.

Wir sprechen hier nicht von Notwendigkeiten – neudeutsch auch »must haves« genannt – wie zum Beispiel dem Sarg, sondern von so richtig interessanten Schmankerln wie Namensschildern, Hemdchen und dergleichen. Oder Kopfkissen und Decken – den Armen soll es ja nicht frieren! Das wird so natürlich nicht ausgesprochen, dafür ist der Werkzeugkasten der Psychologie viel zu reichhaltig gefüllt, als das man sich auf das Niveau der Nachbarschaftsnachrede begeben müsste. Und so werden einem mit warmen Worten Möglichkeiten geboten, deren Preise man für sich selbst oder einen anderen Lebendigen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zahlen würde.

Wenn einem solch geballter Einfallsreichtum entgegenschlägt in einer Situation gewisser mentaler Labilität, ist es durchaus schwierig, rational denkend im Hinterkopf zu behalten, dass man »König Kunde« ist und wissen sollte, was man braucht und was nicht. Wenn das mal kein Beispiel ist für Kreativität im Sinne eines maximalen Vorteils für den Verkäufer. Für uns als Gewerk können wir daraus nur lernen, dass man sein Geld verlangen muss. Mehr aber auch nicht.

Seitenblicke aus STEIN im April 2013.

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Stockend nachdenken

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Es gibt in unserem Beruf ja Jobs, die einen geistig jetzt nicht so ganz fordern, wie zum Beispiel das Überstocken von Bestandstreppenstufen. Die Tätigkeit an sich, von der einige behaupten, sie sei schlicht stupide, kann trotz ihrer Einfachheit dahingehend befriedigend sein, dass sich ein schnell sichtbares Ergebnis einstellt. Vorausgesetzt man ist dazu in der Lage, sich auch den kleinsten Erfolg einer noch so stumpfsinnigen Arbeit schönzureden.

Man kniet also irgendwie rum, hält den Presslufthammer auf eine Fläche, die vorher komplett bescheuert aussah, erfreut sich daran, dass sie kurze Zeit später etwas weniger bescheuert aussieht, und hat viel Zeit zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, dass sich unter einigen Kollegen derselben Profession ein Spruch etabliert hat, der aus Jux immer dann losgelassen wird, wenn sich beruflich momentan jetzt nicht so unbedingt die Wahnsinnsperspektive ergibt: Na ja, wenn alle Stricke reißen, kannst du ja immer noch betonstocken. Und während des Stockens muss man sich eingestehen, dass man das auch schon das eine oder andere Mal sagte, verbunden mit der Hoffnung, dass es nie dazu kommen wird.

Der beginnende Schmerz im Handgelenk erinnert jedoch daran, dass es wohl doch dazu kam.
Warum nur? Weil nun mal jeder die Jobs bekommt, die er verdient? Eindeutig zu hart.
Weil auch ein noch so schöner Beruf bisweilen auch wahnsinnig unanspruchsvolle Tätigkeiten beinhaltet? Klingt schon besser.
Weil das liebe Geld verdient werden muss, wenn es verdient werden kann? Sehr gut, wirtschaftliche Notwendigkeiten kommen immer gut.
Weil der Besitzer der Bestandsstufen nun mal eine Treppe überarbeitet haben will und momentan leider keine anspruchsvolle Gartengestaltung nach barockem Vorbild möchte mit Wegen, Mauern, Brunnen und am Schluss noch Skulpturen aus Naturstein? Ausgezeichnet, man erfüllt folglich nur gnaden- und selbstlos serviceorientiert, wie wir Metzen nun mal sind, den heiligen Kundenwunsch. Prima.

 

Seitenblicke aus STEIN im Juli 2014.