Neue Wege in der Weiterbildung

Stein Magazin

Bei fachspezifischen Weiterbildungen werden verschiedenste Facetten des Steinmetzhandwerks gefördert: Steinmetze beim Mikroskopieren.

Das Berufsbildungswerk des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks (bbw) führte 2011 bis 2014 eine ESF-Projekt* zum Thema „Weiterbildung“ durch. Nina Pörtner, Geschäftsführerin des bbw, erläutert, zu welchen neuen Konzepten und Maßnahmen die Untersuchungen geführt haben. Ein Interview über die Situation in der Aus- und Weiterbildung.

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Nina Pörtner, Jahrgang 1956, ist sowohl Steinmetzin als auch Architektin und als Geschäftsführerin des Berufsbildungswerks des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks e.V. (bbw)  für alle Fragen rund um die Aus- und Weiterbildung im Steinmetzhandwerk zuständig. Tel: 0611-9771224, info@bbw-steinmetz.de

Welche Maßnahmen wurden auf Basis Ihrer Untersuchung zur Weiterbildung im Steinmetzhandwerk durchgeführt?

In der Studie stellte sich heraus, dass viele sich nicht richtig informiert sehen in puncto Weiterbildung. Es gibt keinen zentralen Ort mit einer Auflistung aller Weiterbildungsangebote im Steinmetzhandwerk. Mit der Entwicklung unserer Seite www.steinmetz-weiterbildung.de versuchen wir gerade, eine interaktive Informationsplattform zu schaffen, die sämtliche dem Steinmetz zuzuordnenden Fortbildungsangebote versammelt – mit der Möglichkeit, sich direkt online anzumelden. Es geht uns darum, die Suche nach Fortbildungen zu vereinfachen und transparenter zu machen: Allein im fachlichen Bereich haben wir einen riesigen Strauß an Möglichkeiten. Man muss etwa zwischen Aufstiegsfortbildungen oder Anpassungsfortbildungen unterscheiden. Wir wollen die Angebote bündeln, in klarer Form erläutern und Orientierung bieten. Zur Auflockerung sind Statements zu positiv verlaufenden Weiterbildungen geplant. Benutzerfreundlichkeit steht an oberster Stelle. Für uns bietet der Webauftritt zusätzlich die Möglichkeit, Statistiken zu entwickeln – beispielsweise Auswertungen dazu, wie viele Anmeldungen erfolgen oder wie gut ein Seminar gelaufen ist. Bis zur Stone+tec 2015 soll die neu überarbeitete, interaktive Website online gehen.

Welche Weiterbildungsangebote werden mitaufgenommen?

Eine gute Frage: Denn wie geht man zum Beispiel mit Firmenangeboten um? Am Anfang werden Firmen außen vorgelassen. Sobald diese sich aber an uns wenden, muss man sehen, ob wir auch außerhandwerkliche Angebote aufnehmen werden. Die Frage wird sich der bbw-Vorstand erneut stellen. Vorerst präsentieren wir Fortbildungen handwerksnaher Institutionen (z.B. des bbw, anderer Bildungszentren, Berufsschulen wie die Akademie in Demitz-Thumitz oder Handwerkskammern).

Wie sieht es mit Qualitätssicherung aus?

Weiterbildungen werden dann gut angenommen, wenn die Teilnehmer diese regelmäßig nachweisen müssen. Im Steinmetzhandwerk gibt es allerdings noch keine Verpflichtung zur Weiterbildung. Angebote halten dabei manchmal nicht das, was sie versprechen. Das würden wir eigentlich gerne verhindern. Wenn sich die Enttäuschungen häufen, verlieren alle Angebote an Akzeptanz. Das ist sehr schade. Natürlich gibt es Überlegungen des Bundesverbandes des Deutschen Steinmetzhandwerks (BIV), alle Angebote nach bestimmten Kriterien zu prüfen. Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel. Zunächst gehen wir aber davon aus, dass die fachpraktischen Kurse gut sind, weil sie ja von Leuten aus der Praxis angeboten werden.

Gibt es noch weitere Maßnahmen?

Grundsätzlich stehen die qualifizierten Fortbildungsgänge, die vielleicht sogar mit bundeseinheitlichen Lehrplänen arbeiten, im Fokus des bbw-Vorstands. Es gibt eine bbw-Arbeitsgruppe zum Thema Berufslaufbahnkonzept des Steinmetzhandwerks – von der Schule bis hin zur Karriereendstufe. Die Form und Qualität der Lehrgangsangebote sowie ihre Durchlässigkeit – ganz im europäischen Sinne – soll überprüft werden. An der Grundausbildung wird jedoch nichts geändert. Wir wollen darauf aufbauen und vertiefende Gesellenfortbildungsgänge anbieten, die dann eine Spezialisierung ermöglichen. Der Meister soll als Dreh- und Angelpunkt der Ausbildung bestehen bleiben – auch in Verbindung mit anderen Ausbildungen wie der zum staatlich geprüften Steintechniker. Außerdem sind Öffnungen hin zur Hochschulzugangsberechtigung Thema.

Stichwort: Durchlässigkeit.

Durchlässigkeit hat oberste Priorität. Das Handwerk sieht sich etwa auch als Partner derer, die im Studium nicht glücklich geworden sind und sich anders orientieren. Sie sollen einen geregelten Einstieg finden – mit einem attraktiven, gut strukturierten, aber flexiblen handwerklichen Angebot! „Berufslaufbahnkonzept“ ist das Stichwort der Zeit – auch ersichtlich am Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) oder Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR), in denen Durchlässigkeit forciert wird. In der Realität ist diese zwar noch nicht ganz umgesetzt. Es gibt auch gewisse inhaltliche Schwierigkeiten, nicht für jeden kann restlos das Gleiche gelten. Aber die Tendenz geht allgemein in die Richtung, Wege von der Ausbildung bis hin zum Ende der Berufslaufbahn flexibel zu halten.

*Dieses ESF-Projekt auf der Basis von Sozialpartnervereinbarungen ist gefördert durch

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Scuola di Scultura öffnet wieder

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etwa Bildhauen für Fortgeschrittene und Gipsmodelle. Foto: Scuola di Scultura

Am Fuße des Marmorbergs im Tessiner Peccia geht’s wieder los. In Sommer-Kursen wie figürliches Modellieren und Bildhauen für Fortgeschrittene sind Plätze frei.

Im Mai startete die Scuola di Scultura ein Crowdfunding. Denn wegen Corona konnte sie monatelang lang weder Kurse anbieten noch Gäste empfangen. Das angestrebte Fundingziel von 50.000 CHF wurde weit übertroffen. Insgesamt kamen 93.724 CHF zusammen. Seit Anfang Juni gibt die Schule nun wieder Kurse.

In verschiedenen Kursen sind Plätze frei:

Figürliches Modellieren und Gipsabguss

vom 28. Juni bis 3. Juni 2020
Unter der Leitung von  Thomas Hunziker modellieren die Teilnehmenden einen weiblichen Akt in Ton. Sie arbeiten an drei Tagen an dem Modell gearbeitet. Die Figur wird dann mit Gips abgeformt und kann in Gips oder Zement gegossen werden.



Steinbildhauen für Fortgeschrittene – Resculpting
vom 19. bis 31. Juli
Alle Teilnehmenden bringen eine Fotografie, Zeichnung oder ein Video eines plastischen Werks mit. Unter Anleitung von Kursleiter Roland Hotz meißeln sie die persönliche, soweit wie möglich von Hand, als „Taille-Direct“ in ein Stück Peccia-Marmor.

Gips direkt
vom 2. bis 7. August 2020
In dieser Kurswoche leitet Hansulrich Beer  die Teilnehmenden an, direkt mit Gips Modelle zu gestalten, die später in Stein oder Holz umgesetzt werden können.

Steinbildhauen für Fortgeschrittene – Drehung

vom 16. bis 28. August 2020
In diesen beiden Kurswochen steht das Thema “Drehung” im Fokus. Kursleiter Hans-Peter Profunser leitet die Teilnehmenden an, ihre individuelle Formensprache zu entwickeln und herauszuarbeiten.



Alle Kurse sowie die Anmeldungsformulare finden sich auf der Seite der Schule.

Holz und Stein Hand in Hand

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Jury hat gewählt

Wer im Münchner Großstadttrubel derzeit Entspannung sucht, ist im ruhigen Innenhof des Künstlerhauses am Lenbachplatz genau richtig: Dort sind unter dem Motto „Holz und Stein im Einklang“ noch bis zum 24. November 2017 zehn Stelenskulpturen und elf Steinobjekte ausgestellt.

Entstanden sind sie im Rahmen der Ausbildung an der Münchner Fachschule für Steintechnik und Meisterschule für Holzbildhauerwerk, die jedes Jahr einen Wettbewerb unter den Schülern ausruft. Neu in diesem Jahr: Holzbildhauer und Steinmetze sollten Hand in Hand arbeiten, und das im wörtlichen Sinne. Ein dreidimensionales Objekt als 230 Zentimeter hohe Stelenskulptur war das Ziel, welches aus mindestens zwei zusammengesetzten Teilen aus den Materialien Holz und Stein bestehen sollte. Beide Materialien sollen sich dabei gegenseitig sowohl formal als auch inhaltlich bedingen, was die Materialwahl, die Oberflächenbearbeitung und das Gesamtbild als schlüssige Einheit angeht.

Die Jury, die aus Mitgliedern der Schule, der Danner-Stiftung, des Diözesanmuseums Freising, der Glyptothek, des Künstlerhauses am Lenbachplatz, Bayerische Nationalmuseums und der Galerie Handwerk HWK für München und Oberbayern bestand, hat insgesamt drei Werke prämiert. Die Wettbewerbe des Kooperationsprojekts der Meisterschule des Holzbildhauerhandwerks und des zweiten Jahrgangs der Fachschule für Steintechnik gewannen zwei Gruppen: Quirin A. Herzinger und Florian Ludwig mit ihrem Werk „Metamorphose Kastanienblatt“ sowie Carolin Hinterseer und Clemens Glaß mit der Skulptur „Lebensfluss“.

„Die Symbiose aus Stein und Holz sieht man hier besonders gut. Der Stein ohne das Holz wäre zu wenig, genauso wie andersrum. Im Gegenteil: Die Weiche des Holzes ergänzt sich wunderbar mit der Härte des Steins“, meint der Gestaltungslehrer an der Fachschule Hartmut Hintner zum Werk „Lebensfluss“.

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Der Innenhof des Münchner Künstlerhauses zeigt derzeit Arbeiten von Schülern der Fachschule für Steintechnik und Meisterschule für das Holzbildhauerwerk. Foto: Friederike Voigt
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Die Arbeiten entstanden im Rahmen eines von der Danner-Stiftung geförderten Wettbewerbs. Foto: Friederike Voigt
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Einer der Gewinner: „G‘ Foitat“ von Maximilian Taube. Foto: Friederike Voigt
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Detail: Die horizontalen Linien wurden mit Hand angefertigt. Vorlage für das Objekt war eine Papiertüte. Foto: Friederike Voigt
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„Lebensfluss“ von Carolin Hinterseer und Clemens Glaß ist ebenfalls prämiert worden. Foto: Friederike Voigt
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Detail: Tulpenbauholz und Stein San Sebastian sollen die Natur und das Leben darstellen. Foto: Friederike Voigt

Aus Papier werde Stein

An der Fachschule für Steintechnik ging der Preis im ersten Jahrgangs an Maximilian Taube für seine Arbeit „G ‘ Foitat“. „Vorbild für diese Arbeit war eine gefaltete Papiertüte, die Maximilian dann in Naturstein übertragen hat. So wurde aus etwas Vergänglichem etwas Massives“, so Hintner.

Ein Ausstellungswerk ist bereits verkauft. Die Erlöse gehen zu einem kleinen Teil an die Schule, den Rest bekommt der Schüler. Dieser muss das Werk bei Verkauf allerdings noch einmal für die Schule anfertigen. „Schließlich wollen wir die Ausstellungswerke als Ensemble behalten“, begründet Hintner.

Der kommende Wettbewerb läuft bereits. Die Steinmetzen sowie Holzbildhauer der Schule sind angehalten, eine Krippe aus Naturstein zu gestalten. Auftraggeber ist diesmal das Diözesanmuseum Freising, das ein paar Krippen aufkaufen will. Ab 18. Dezember 2017 werden die Werke in der Karmeliterkirche in München für vier Wochen zu sehen sein.

Über den von der Danner-Stiftung geförderten Wettbewerb lesen Sie einen ausführlichen Bericht in STEIN 3/2017.