Wer tut was?

Manchmal sind es die kleinen Sätze, die nachdenklich stimmen. Eine große deutsche Tageszeitung will ihren Lesern erklären, wo der Unterschied zwischen einem Restaurator und einem »Restaurator im Handwerk« zu finden ist: »Während die Handwerker in der Rekonstruktion arbeiten, sind Diplom-Restauratoren für die Restaurierung und Erhaltung zuständig«, heißt es dort. So einfach, so falsch. Hier akademischer Überbau, dort schlichtes Handwerk. Oder anders formuliert: Hier Denkmalpflege, dort Attrappenkult: Kunsthistoriker und Denkmalpfleger vereinen immer wieder ihre Kräfte im Kampf gegen oberflächliche »Pseudodenkmalreproduktionen« oder »architektonischen Mummenschanz«. Das ist richtig. Rekonstruktionen als Reduktionen auf Oberfläche und Fassadenbild mögen volksnah sein und ein angebliches Bedürfnis der Bürgerschaft widerspiegeln. Falsch ist allerdings, dafür immer wieder und oft nur ausschließlich die Handwerker verantwortlich zu machen. Das stimmt so nicht. Gerade die in der Denkmalpflege tätigen Handwerker sind sich ihrer Verantwortung bewusst, wenn es darum geht, Denkmäler – ganz gleich welcher Art – zu erhalten. Hier steht die fachgerechte handwerkliche Arbeit im Vordergrund.

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Sanierung der Stadtkirche St. Marien in der Lutherstadt Wittenberg; Boris Frohberg, Steffen Marko

Handwerker sollten allerdings auch wissen, dass auch Nachbauten schöpferisch sind und jene Zeit widerspiegeln, in der sie entstanden sind. Also: Wo Handwerk gefragt ist, müssen die Handwerker die Verantwortung übernehmen. Es kann nicht sein, dass ausschließlich akademisch ausgebildete Restauratoren das Handwerk übernehmen. Weil: Wenn Handwerker keine handwerklichen Leistungen mehr ausführen dürfen, dann läuft etwas falsch. Falsch ist allerdings auch, den akademischen Überbau zu verteufeln. Für das Steinmetzhandwerk geht es um die Perspektiven des Baustoffs Naturstein. Es geht darum, die Vorteile der natürlichen Steine klar zu benennen und sich in die Diskussion um die Zukunftsfähigkeit von unterschiedlichen Werkstoffen einzubringen. Kurz: Die Branche muss darüber reden, wie die Steine fit gemacht werden können für das »Bauen in Zukunft«. Zeitgemäß bauen mit Stein muss also die Devise heißen, nicht meißeln wie die Meister von gestern. Also: Schus-ter, bleib bei deinen Leisten. Der Restaurator bei seinen, der Handwerker bei seinen!

Lesen Sie mehr zu Denkmalpflege und Handwerk in STEIN im November.

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