Wir brauchen jeden Mann

Stein Magazin

Gehen wir zur Abwechslung mal von der völlig abstrusen Annahme aus, wir von PS wären eine kleine Werk­stattgemeinschaft von selbstständigen Steinmetzen und Steinbildhauern und würden uns für die Mitarbeit an einem großen, heiß diskutierten Rekonstruktionsprojekt in unser aller Hauptstadt interessieren.

Wir müssten wohl feststellen, dass es sehr viel zu tun gibt. Wir müssten uns über die Einschätzung eines Projektinsiders freuen, der meinte, dass jeder gebraucht wird. Wenn wir dann gnadenlos ehrlich zu uns selbst sind, müssten wir uns aber vor Augen führen, dass wir wohl ziemlich naiv sind. Denn selbst wenn wir das können, was man von uns als Fachleute benötigen würde, das Klopfen einiger Sandsteinwerk- und Bildhauer­stücke oder die Mitarbeit an der Steintechnik, ist die realistische Chance, dass wir auch wirklich mitarbeiten werden, denkbar gering.

Spätestens beim Umfang der auf einen Satz gewünschten Arbeiten müssten wir sehen, dass unsere Kapazitäten und die unserer »befreundeten« Kollegen von vorne bis hinten nicht ausreichen. Es wird wohl so laufen, dass das wieder was werden wird für die einschlägig bekannten, großen Vertreter unserer Zunft. Das ist mal das eine.

Etwas anderes, was zu unserem Beruf wohl immer dazugehört, ist der Umstand, dass viele viel wissen und auch gerne darüber sprechen, wenn man sie nicht damit in Verbindung bringen kann. Vielen ist absolut klar, wie dieses Projekt laufen wird, und doch scheinen einige ganz gut mit einer Praxis zu fahren, die sehr oft in Chaos, Missgunst, Preisdumping und Qualitätsabstrichen endet.

Warum kann es denn nicht einfach einfach sein? Warum können wir nicht alle einfach nur unser Bestes zum Gelingen eines Projekts beitragen, mit einer schönen Arbeit ein auskömmliches Geld verdienen und uns am Schluss alle zusammen darüber freuen, etwas erschaffen zu haben, das berechtigterweise sehr kontrovers diskutiert wird? Ganz einfach: Weil wir Steinmetzen sind!

Seitenblicke aus STEIN im Januar 2014.

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